HELIX - Sie werden uns ersetzen

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2016, Seiten: 2, Übersetzt: Simon Jäger, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

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Jürgen Priester
In silicio

Buch-Rezension von Jürgen Priester Dez 2016

Marc Elsberg war der Shooting-Star des Jahres 2012 in der Spannungsliteratur. Sein fulminanter Debütroman Blackout war für nicht wenige Kritiker und viele begeisterte Leser der "Thriller des Jahres". Selten nur ist einem Autor aus dem deutschsprachigen Raum aus dem Stand ein solcher Erfolg gelungen. Zwei Jahre später folgte Elsbergs zweiter Thriller ZERO - Sie wissen, was du tust, der beim Publikum - aus welchen Gründen auch immer - nicht ganz so gut ankam. Ganz frisch auf dem Markt ist jetzt der dritte Streich des Autors: HELIX - Sie werden uns ersetzen, ein weiterer Wissenschafts- und Technik-Thriller, der sich, wie im Titel schon anklingt, mit Genetik und Gentechnologie beschäftigt.

Gentechnische Forschungen werden weltweit betrieben, unterliegen aber einer nur unzureichenden Kontrolle. Es gibt zwar internationale Abkommen und einzelstaatliche Beschränkungen, die die Erzeugung und den Einsatz von gentechnisch-veränderten Materialien regeln sollen, aber die Erfahrung zeigt, dass das oft nur Lippenbekenntnisse sind. Da die Gentechnik in den verschiedensten Bereichen wie Medizin, Pharmazie, Vieh- und Pflanzenzucht, aber auch in der Waffenproduktion Anwendung finden kann, ist sie ein unheimlich lukratives Forschungsgebiet. Konnten früher gentechnische Experimente ausschließlich in vivo oder in vitro durchgeführt werden, ist es heute gängige Praxis, dass hochkomplexe biologische und chemische Prozesse in Computer-Simulationen durchgerechnet werden. Im Umfeld dieser Arbeiten entstand der Begriff: in silicio, benannt nach dem für die Chip-Herstellung benötigtem Silizium.

Wie schon die beiden Vorgängerromane pendelt auch HELIX zeitlich zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen Realität und Science-Fiction. Dem Leser stellt sich oft die Frage, ist das technisch schon machbar, wenn ja, warum weiß ich nichts davon. Antworten wird es nicht auf alle Fragen geben, denn viele Entdeckungen werden nicht der Allgemeinheit zugute kommen.

Der Roman beginnt mit einer Reihe singulärer Ereignisse:
Auf der Münchener Sicherheitskonferenz fällt der amerikanische Außenminister nach einer Herzattacke tot vom Podium.
In Tansania wird die Landbevölkerung von einem Unbekannten mit einer reichlichen Ernte beschenkt.
In Boston verschwindet eine junge hochbegabte Studentin der Technischen Universität (MIT) spurlos.
In San Francisco bereitet sich ein kinderloses Ehepaar auf eine künstliche Befruchtung vor und bekommt ein verlockendes Angebot.

Dass diese Ereignisse irgendwie miteinander in Verbindung stehen, wird keine große Überraschung sein. Das Wie und Warum wird im Laufe der Geschichte Zug um Zug offengelegt. Federführend bei den Ermittlungen, die sich zunächst nur auf die Ermordung des Außenministers konzentrieren, ist eine schnell eingesetzte Taskforce unter der Leitung von Dr. Jessica Roberts, die eine Hauptakteurin in dem sich anbahnenden Drama sein wird. Der Minister wurde mit einem speziellen Virus infiziert, dessen Verbreitungsweg zu einer Gated Community in Kalifornien führt. Dort liegen die Schlüssel zu allen Entwicklungen, die unsere Welt verändern könnten.

Marc Elsbergs HELIX ist kein spannungsgeladener Thriller, wie manche vielleicht erwartet oder erhofft haben, sondern ein faszinierender Roman über ein Thema, das uns alle betrifft. Entwicklungen in der Gentechnologie spielen, wie schon erwähnt, in alle Lebensbereiche hinein. Ihre Ergebnisse können Fluch oder Segen, Waffe oder Wundermittel sein. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob dann alles, was technisch machbar ist, auch gemacht werden soll, ob es nicht doch ethische Grenzen für bestimmte Eingriffe geben sollte. Entscheidend wird sein, wer die Kontrolle über neue Technologien ausüben wird.

Wenn man im Roman liest, mit welch geballter militärischer Macht die US-Administration über das private Forschungszentrum herfällt und die Informations- und Deutungshoheit übernimmt, so ist das kein dramaturgisches Mittel des Autors, sondern eine Spiegelung der Wirklichkeit. Nicht ohne Grund verfügen die USA über das weltweit größte Spionage- und Überwachungsnetzwerk, das die Bereiche Politik, Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft abdeckt, und es gibt hunderte Beispiele, dass die USA ihre Interessen auch skrupellos durchsetzen.

Der Roman endet mit den Sätzen:

 

"Rüsten wir die US-Bevölkerung genetisch auf! Der Wettlauf hat begonnen!"

 

Alles klar, Kontrolle übernommen. Als Deutscher, seinen Zynismus nicht verbergend, möchte der Rezensent die postfaktischen Sprüche unserer Kanzlerin hinzufügen: "Uns geht es gut. Wir schaffen das!"

Wer den letzten Absatz verstehen will, lese dieses Buch; es sei wärmstens empfohlen.

HELIX - Sie werden uns ersetzen

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Letzte Kommentare:
26.03.2018 09:40:38
Jörg

Es dauert bis ca. zur Hälfte des Buches, ehe es interessant wird. danach geht es so einigermaßen.
Elsberg hat schon besseres geliefert.

Von mir gibt es daher nur 50%.

Eine Frage an die "Meinungsäußerer vor mir:

Muss denn die Grundhandlung des Buches
immer mitgeteilt werden, obwohl sie oben schon steht???
Das macht das Lesen langweilig!

27.04.2017 13:29:44
Krimisofa.com

Jedes Jahr ein neues Smartphone, ein neues Tablet oder einen neuen Laptop; wir sind es mittlerweile gewohnt, unsere technischen Alltagsgeräte regelmäßig zu erneuern - nicht, weil sie kaputt wären, obwohl das in Zeiten von geplanter Obsoleszenz nicht abwegig wäre, sondern einfach, um dazuzugehören, um mitreden zu können und um am Puls der Zeit zu sein. Aber was passiert, wenn man die Menschheit erneuert, sie leistungsfähiger und intelligenter macht? Marc Elsberg zeigt uns in „HELIX - sie werden uns ersetzen“ eine Zukunft, die nicht so weit weg ist, wie man beim Lesen des Buches glaubt.

Wir begleiten Jessica Roberts, die Sicherheitsexpertin im Stab der amerikanischen Präsidentin ist. Ja, richtig, PräsidentIN, auch Marc Elsberg hat offenbar nicht damit gerechnet, dass Donald Trump die US-Wahl gewinnt. Wie dem auch sei, Jessica Roberts ist bei der Münchner Sicherheitskonferenz, als der US-Außenminister plötzlich stirbt - Herzversagen. Doch bei der Autopsie finden die Ärzte etwas ganz und gar Ungewöhnliches auf dem Herzen des verstorbenen, das darauf schließen lässt, dass der Tod des Außenministers kein natürlicher war.

Währenddessen versuchen Greg und Helen mittels künstlicher Befruchtung ein Kind zu bekommen. Kurz vor dem Eingriff wird ihnen jedoch ein Angebot gemacht - sie könnten ihr Baby wie mit einem Baukasten selbst zusammenstellen, Haarfarbe, Augenfarbe, Intelligenz, Stärke, und so weiter.

Ja, für mich als Leser war es anfangs auch mehr Science-Fiction als Thriller, was ich hier las, bis ich gegoogelt und einen Artikel über sogenannte Designerbabys gelesen habe und das „Fiction“ gedanklich gestrichen habe. Was Marc Elsberg hier vorlegt, ist ein astreiner Wissenschaftsthriller, der mich an „Extinction“ von Kazuaki Takano erinnert, der eine ähnliche Thematik behandelt. Obwohl ich auch sagen muss, dass es uns Elsberg anfangs bei „HELIX“ nicht einfach macht, uns geradezu mit schwer verständlicher Theorie erschlägt und uns durch einen Berg voller Namen schickt, so dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Erst ab der Hälfte (ja, leider) nimmt die Geschichte dann richtig an Fahrt auf. Man sollte sich wirklich auf die Story einlassen und eine gewisse Offenheit für die Thematik an den Tag legen, sonst wird man nicht glücklich mit dem Buch.

Die Geschichte spielt innerhalb von acht Tagen und erstreckt sich über mehr als hundert zumeist recht kurze Kapitel.  Die Hauptcharaktere, sowohl Jessica als auch Helen, sind eher blass, aber immerhin kristallisiert sich irgendwann in dem Wust an Namen heraus, dass diese zwei die wichtigsten in der Geschichte sind. Der Showdown ist so lala, aber die Idee alleine, so ein bisschen in die Zukunft zu blicken, ist - wie bei „ZERO“ - gut. Das macht Elsberg, auch wenn „HELIX“ nicht sein bestes Werk ist, doch zu einem herausragenden Autor, und ich bin jetzt schon gespannt, worum es sich in seiner nächsten Geschichte dreht.

Fazit: „HELIX“ benötigt etwas Anlaufzeit, aber ab der Hälfte nimmt die Geschichte Fahrt auf, der Roman ist sehr detailreich, was mitunter zu Unübersichtlichkeit führen kann. Die Spannung hält sich in Grenzen, aber am Ende ist man doch froh, das Buch fertig gelesen zu haben.

Mehr Rezensionen gibt es auf Krimisofa.com

21.03.2017 23:46:21
Thomas Vögele

Zwei Bücher, eine Ausgangssituation: US-Politiker werden mit einer personalisierten Biowaffe ermordet. In beiden Fällen wird zunächst ein Herzversagen als Ursache diagnostiziert.
Auszug aus dem Buch „Virenkrieg“ von Lutz Büge, erschienen Ende 2013 als E-Book und im Juli 2015 in der Printversion:

„An die Version vom banalen Sportunfall glaubte er schon lange nicht mehr. Jemand hatte nachgeholfen. Es handelte sich um ein Attentat mit einer Biowaffe.

Doch am Abend des vierten Tages zeigte Michael Anzeichen einer Erkältung. Am nächsten Morgen erwachte er mit erhöhter Temperatur, Schluckbeschwerden und angeschwollenen Nasenschleimhäuten. … Doch am nächsten Morgen, dem sechsten in Quarantäne, waren die Symptome wie weggeblasen.

'Es ist eine Zweikomponenten-Waffe', erläuterte Dr. Latif, … 'Stufe eins besteht aus einem Bakterium, das für sich genommen harmlos ist. Oberflächlich betrachtet löst es eine leichte Erkältung aus, die das Immunsystem aber im Nu in den Griff bekommt. Außerdem verursacht es eine leichte, meist unbemerkte Herzentzündung, die dazu führt, dass die befallenen Herzzellen stigmatisiert sind.' … 'Genau diese Markierung sorgt dafür, dass Skylla diese Zellen infiziert – und nur diese. Skylla ist zweite Stufe des Waffensystems, ein Virus. … Es tötet nur die Menschen, die markiert sind.'“


Auszug aus dem Buch „Helix“ von Marc Elsberg, erschienen im Herbst 2016:

„'Verursacht von Viren, die das Team auf dem Herz isolieren konnte. Erste Schnelluntersuchungen der Viren ergaben keine Ähnlichkeiten mit üblichen Erregern klassischer Herzentzündungen wie Strepto- oder Staphylokokken, sondern Grippeviren.'

'Wir wissen vom Arzt des Außenministers, dass Jack Dunbraith wenige Tage vor seiner Abreise nach München an den Symptomen eines grippalen Infekts litt. Wir dürfen davon ausgehen, dass dies die Infektionsphase war.'

'Wer angesteckt wird, bekommt vielleicht einen leichten Schnupfen oder spürt ein Kratzen im Hals.'
...
'Ich postuliere dass es sich bei dem Virus nicht nur um ein GMO zum konventionellen Masseneinsatz handelt, sondern um ein maßgeschneidertes Modell, das exakt den Außenminister treffen sollte.'


Da hat offensichtlich einer dieselbe Idee gehabt wie "Virenkrieg"-Autor Lutz Büge. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er sie unabhängig von Lutz Büge gehabt haben könnte. Es ist sogar möglich. Vielleicht. Aber ich frage mich: Wie wahrscheinlich ist so etwas?
Genau genommen geht Lutz Büges Idee einer personalisierten Biowaffe bereits auf die Jahre 1999 und 2000 zurück, als die Urfassung von "Virenkrieg" entstand. Dieser Roman wurde allerdings nie veröffentlicht. Er dient nun als Vorlage für den "Virenkrieg"-Zyklus, von dem bisher zwei Romane erschienen sind: "Virenkrieg - Erstes Buch" und "Skylla - Virenkrieg II", das im April 2016 in der gedruckten Fassung erscheinen wird. Skylla ist der Name des Virus, das die zweite Komponente des oben beschriebenen Biowaffensystems darstellt -- in Elsbergs Worten: "ein maßgeschneidertes Modell, das exakt den Außenminister treffen sollte". Mit dem Unterschied, dass es in "Virenkrieg" vorwiegend gegen islamische Hassprediger eingesetzt wird. Jedenfalls zunächst.

"Helix" ist ein typischer Elsberg. Der Autor baut einen Plot auf, bei dem einem Angst und Bange werden könnte – und bei dem der Leser ein gewisses Maß an Toleranz aufbringen muss, wenn es um die Plausibilität geht: Ein Wunderkind, das mit sieben Jahren aussieht wie eine Pubertierende und schon am MIT forscht, zum Beispiel. Dass Logik im Verlauf der Erzählung nicht zu den Stärken Elsbergs gehört, hat man schon in seinem Buch „Blackout“ feststellen können, wo es am Ende richtig ärgerlich wird.

Bei „Helix“ fragt man sich, ob Bestseller-Autoren nicht mehr lektoriert werden? In dem Buch sind Schlampigkeiten, die so nicht passieren sollten: Das fängt schon beim Umschlagtext auf der Rückseite an (den wohl der Verlag blanvalet verantwortet): „Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München.“ Staatsbesuche können nur Staatsoberhäupter machen.
„Geräte und Zutaten bekommst du für ein paar Euro online.“ Euro in den USA!
„Sie waren inzwischen beim Du“. Im englischen Sprachraum.
„Nobelpreis in Physiologie“
Die wundersame Gleichzeitigkeit einer Person an weit voneinander entfernten Orten: Ein Einsatz in Louisville/Kentucky. Das Haus eines Verdächtigen ist gestürmt worden. „Wir kommen“, erklärte Jessica (die Protagonistin) kurzentschlossen (sie hat in einem Wagen vor dem Haus des Verdächtigen gewartet). Das Ganze wird im Weißen Haus am Bildschirm verfolgt: „Jessica und die anderen im Situation Room wechselten Blicke ...“

Problematisch wird es, wenn der Autor die Intelligenz seiner Leser beleidigt. Beispiel: Nachdem der Außenminister in München unter mysteriösen Umständen gestorben ist, wird die Protagonistin, die dabei war, auf dem Rückflug darüber informiert, dass man unmittelbar nach der Landung ins Weiße Haus müsse. „Hat das mit Jacks Tod zu tun“, fragt sie … Dass bei ungeklärter Todesursache, aber vermutetem Vireneinsatz die Frau, die versucht hat, den Minister wiederzubeleben, mit der Präsidentin in einem Raum ist, ist alles andere als plausibel.
Oder: Die Protagonistin ist kurz zu Hause, um sich frisch zu machen; in den Nachrichten wurde vom Tod des Außenministers berichtet, bei dem sie dabei war. Da fragt der Gatte, weil sie gleich wieder weg muss: „So wichtig, dass du nach einer Auslandsreise nicht mal mit deinen Kindern und deinem Mann frühstücken kannst?“ Bei so viel Dämlichkeit möchte man das Buch weglegen.

Es gibt noch Einiges dieser Art in dem Buch. Hanebüchenes aber schadet dem Status als Bestseller-Autor nicht. Da liest auch mancher Kritiker darüber hinweg.
Als Fazit bleibt: Marc Elsberg hat (wenn nicht adaptiert) eigentlich gute Ideen – nur bei der Umsetzung hapert es. Ebenso mit dem Schreiben.

31.01.2017 19:03:57
Babeth

Ein hochaktuelles spannendes Buch mit ein paar Längen und ein paar technische Begriffe über das, was mit Genmanipulation möglich wäre ... oder vielleicht doch ist?Ich liebe an diesem Buch das Fiese, das Unmoralische, die Skrupellosigkeit. Elsberg kennt die Seele der Menschen, der von heute und sogar der von Morgen ;-)

16.01.2017 20:59:38
M.Reinsch

Während in drei verschiedenen Orten der Welt, gentechnisch verbesserte Pflanzen und Tiere entdeckt werden, stirbt der amerikanische Außenminister an einem genetisch veränderten Virus. Einem Kinderlosen Paar wird die Möglichkeit geboten, sich ein „Wunschkind“ zusammen zu stellen und ein junges Mädchen verschwindet spurlos… Was zunächst ohne Zusammenhänge erscheint, wird bald zu einem brutalen Kampf um die Weiterentwicklung der Menschheit…
Vorausschicken möchte ich, dass ich die beiden ersten Bücher von Marc Elsberg nicht gelesen habe, also „unbefangen“ an diesen Autor gegangen bin. Marc Elsberg hat einen sehr interessanten Schreibstil, der einen mitten ins Geschehen schickt und selbst hochwissenschaftliche Abhandlungen werden dem Leser so vermittelt, dass er keine Lexika wälzen muss um Alles zu verstehen. Der ganze Aufbau der Geschichte erinnert stark an eine Fernsehserie, nur das hier die schnellen Cutts durch sehr kurze Kapitel ersetzt wurden (manchmal nur 1 Seite). So wird man schon zu Beginn mit 3 unterschiedlichen Erzählsträngen konfrontiert, die erst einmal gar nicht zu einander passen wollen. Erst im Laufe des Romans werden die Zusammenhänge klarer und klären sich zum Ende ganz auf. Die handelnden Personen erhalten immer mehr Tiefe und man kann sich gut in Ihre Lage/Rolle versetzen. Zumal Elsberg immer ein Pro/Kontra für seine Thesen bereit hätt. Soll heißen er schickt Personen ins Rennen, deren Meinung zu einem bestimmten Thema, völlig Gegensätzlich ist und lässt den Leser selbst ein Urteil fällen. Das hochbrisante Thema der „verbesserten Menschheit“ wurde schon von einigen anderen Autoren aufgegriffen (z.B. K.Takano - Extinction), wird hier aber relativ leicht verständlich, von der wissenschaftlichen Seite aufgezogen. Einen echten Spannungsbogen habe ich (wahrscheinlich durch die vielen verschiedenen Erzählstränge) nicht erlebt, aber es gibt einige interessante Spannungsspitzen. Das Wichtigste ist wohl, die Reaktionen der verschiedenen, beteiligten Parteien (Regierung, Industrie, Privatpersonen) an der Möglichkeit, Leben gezielt zu verändern (wie schon geschrieben, bekommt man immer mehrere Meinungen zu einem bestimmten Teilabschnitt um sich selber Gedanken zum eigenen (möglichen) Handeln zu machen). Störend sind für mich vor allem, das etwas merkwürdige, gehetzte Ende (als ob der Autor nun doch mehr Action haben wollte) und ein paar kleine Ungereimtheiten, die leider nicht geklärt wurden (z.B. Tod des Außenministers).
Fazit: Erschreckende Zukunftsvision, die wahrscheinlich schon real ist (nur wird es der Bevölkerung verschwiegen). Für mich ein Grund auch die anderen beiden Bücher von Marc Elsberg zu lesen. Ohne Wertung ist der unverschämt hohe Preis des Buches!

02.01.2017 20:07:08
c-bird

Der Realität gar nicht so fern...

Nach "Blackout" und "Zero" legt der Journalist und Autor Marc Elsberg nun sein drittes Werk "Helix" vor. Und wieder hat er ein brisantes Thema gewählt. Wie schon der Titel erahnen lässt, geht es um das hochspannende und sehr interessante Thema Gentechnik und seine Folgen. Doch es sind nicht nur gen-behandelte Pflanzen, die plötzlich in Tansania auftauchen und Resistenzen gegenüber Schädlingen und Dürre besitzen. Nein, es geht auch um Manipulationen am Menschen. Was wäre, wenn man sich sein Kind nach Wunsch zusammenstellen könnte, ähnlich einer Konfiguration beim Kauf eines Neuwagens? Superintelligent soll es sein, gesund, schön und natürlich auch sportlich. Man will doch nur das Beste für die Kleinen. Doch was letztendlich dabei herauskommt ist eine andere Geschichte. Welche unabsehbaren Folgen hätten solche Supermenschen für uns und andere? Hierzu inspiriert das Buch und gibt jede Menge Denkanstöße.

Marc Elsberg vermischt in seinem Roman Fiktion und Realität. Und während ich beim Lesen den einen oder anderen Sachverhalt nachschlagen musste, war ich doch ziemlich erschrocken darüber, was heute alles schon möglich ist. Mittels CRISPR/Cas9 ist es schon heute möglich bestimmte Bausteine der DNA zu beschneiden und neu einzusetzen. Nicht mehr lange und das Buch wird von der Realität eingeholt sein.

Dennoch handelt es sich um eine hochspannende Lektüre mit verschiedenen Handlungssträngen. Die Perspektiven wechseln ständig zwischen den verschiedenen Erzählsträngen, die nach und nach zusammenführen. Das Ende ist dann nochmal ein spannender Showdown, lässt aber auch einige Fragen offen. Hier sind dann der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Insgesamt ein spannendes und unterhaltsames Buch zu einem brisanten Thema. Es regt zum Nachdenken an und dies hallt auch noch lange nach.

25.12.2016 11:26:22
walli007

Moderne Jugend

Während eines Staatsbesuchs in München verstirbt der amerikanische Außenminister überraschend. Fieberhaft wird nach der Todesursache geforscht. Gleichzeitig werden in verschiedenen Teilen der Welt vermutlich genmanipulierte Pflanzen und Tiere entdeckt, die es nach dem derzeitigen Stand der Technik nicht geben dürfte. Auch hier machen sich Organisationen auf, nach der Ursache zu forschen. In Amerika versucht derweil ein kinderloses Ehepaar, sich den sehnlichen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Zu allem Überfluss verschwindet ein eigentlich gut bewachtes junges Mädchen vom Campus in Boston. Scheinbar zufällig finden diese Ereignisse beinahe gleichzeitig statt, jedes für sich genommen könnte durchaus relativ harmlos sein.

Fast gegen ihren Willen wird Jessica Roberts aus dem Stab des verstorbenen Ministers zum Mittelpunkt der Nachforschungen. Bei der Obduktion des Verstorben wurde unheimliche Veränderungen entdeckt, die sich nur durch einen genveränderten Virus erklären lassen. Und damit ist der erste Zusammenhang mit der Genforschung hergestellt. Doch wer könnte das Wissen besitzen, um die komplizierten Bausteine des Lebens neu zusammenzusetzen. Jessica, die sich nach der Reise eigentlich wieder ihrer Familie widmen möchte, wird durch ihre neue Aufgabe sehr gefordert. Zwangsläufig leidet ihr Familienleben darunter. Dennoch ist der Auftrag so groß, dass sie ihn unmöglich ablehnen kann.

An Schauplätze über die ganze Welt verteilt führt dieser spannende Wissenschaftsthriller. Die Möglichkeiten der Genmanipulation und wie weit sie gehen darf sind hier das große Thema. Mit Hilfe einer fesselnden Story wirft Marc Elsberg verschiedene Fragen auf, die nicht so einfach zu beantworten sind. Denn, was ist, wenn die Manipulation besser ist als die Natur? Dürfen so durchgreifende Veränderungen vorgenommen werden? Was kann zum Wohle der Menschheit zum Beispiel, um den Hunger zu stillen, durchgeführt werden? Oder könnte selbst das vermeintlich Gute später so schlimme Folgen haben, dass man sich wünschte, man hätte die Büchse der Pandora nie geöffnet? Wer entscheidet überhaupt, was besser ist? Natürlich kann auch der packendste Roman solche Fragen nicht beantworten. Nachdenklich macht es dennoch, denn auch der schlaueste oder gewiefteste Mensch kann nicht alle Folgen überblicken und alle Reaktionen vorhersehen. Und wird nur die Hoffnung auf die Vernunft bleiben können, nach der vielleicht nicht allem experimentiert werden sollte, was möglich scheint. Werden sie uns also tatsächlich ersetzen?

25.12.2016 10:15:51
Karsten

Immer wieder ist bei den Romanen von Marc Elsberg zu lesen, dass sein Debüt "Blackout" war - ein wirklich gelungender Roman, keine Frage. Aber es war kein Debüt, wie der Verlag behauptet. Marc Elsberg ist das Pseudonym von Marcus Rafelsberger. Und unter diesem Namen hat er zuvor schon eine Reihe von anderen Büchern geschrieben.

24.12.2016 15:06:16
Baerbel82

Was wäre, wenn …?Um es gleich vorwegzunehmen, Blackout und Zero hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf HELIX. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen spannenden Wissenschaftsthriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Nach Energiesicherheit und Datenschutz hat Marc Elsberg wieder ein heißes Eisen angepackt. Diesmal geht es um Gentechnik. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen.
Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Offiziell an Herzversagen. De facto an einem personalisierten Killervirus. Gleichzeitig werden in Tansania, Brasilien und Indien genmanipulierte Pflanzen und Ziegen entdeckt.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir die 15-jährige Jill aus Boston kennen. Sie ist etwas Besonderes. Denn ihre genetischen Anlagen wurden optimiert. Sie ist nicht nur hyperintelligent, sondern sieht auch noch toll aus. Doch plötzlich ist sie spurlos verschwunden.
Schließlich sind da noch Helen und Greg. Ein Paar mit Kinderwunsch. Sie fliegen nach San Diego in eine Befruchtungsklinik. Dort macht der Chefarzt ihnen ein unmoralisches Angebot. Werden sie sich für ein „modernes“ Kind, mit verbesserten genetischen Anlagen entscheiden?Gene Drive per CRISPR/Cas heißt das Zauberwort. Damit wird die Vererbungslehre, die Mendelschen Gesetze, außer Kraft gesetzt. Fluch und Segen zugleich. Zitat: »Superintelligenz, körperliche Überlegenheit und Attraktivität würden sich verbreiten wie eine Seuche. «
Bald ist klar, Doktor Stanley Winthorpe und sein Team haben die Kontrolle über die modernen Kinder verloren. Die Situation eskaliert, ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
Eine komplexe, dennoch hochspannende Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt. Bestens recherchiert und gut erklärt. Marc Elsberg lässt den Leser mitraten: Ist dies alles Fiktion oder schon die Realität? Eine Lektüre, die einen klüger macht und lange nachhallt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Mit Helen bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Ihr Handeln konnte ich nicht nachvollziehen und mich erst recht nicht damit identifizieren. Jessica dagegen, sie leitet die Taskforce, die den Tod des Außenministers untersuchen soll, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Denn sie ist tough. Für mich gehört Genie Jill zu den Guten. Gene, ihr kleiner „Bruder“, war mir dagegen bis zum Schluss nicht geheuer.
Zitat: »Anlagen zu …« Fieberhaft überlegte sie [Helen]. »… hoher empathischer Begabung, Komplexitätserfassung, Schnelligkeit, reduziertem Energiebedarf … äh, Größe zirka zwei Meter für den Jungen, eins achtzig für das Mädchen …« »Siehst du«, sagte Eugene. »Sie wollen ohnehin alle dasselbe. « Das gibt mir zu denken!Fazit: Rasanter Genre-Mix aus Thriller, Sci-Fi und Sachbuch, der Genmanipulation thematisiert. Beklemmend und erschreckend real!