Die Affäre N'Gustro

Erschienen: Januar 1990

Bibliographische Angaben

  • Paris: Gallimard, 1971, Titel: 'L´Affaire N´Gustro', Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1990, Titel: 'Rette deine Haut, Killer', Seiten: 2004, Übersetzt: Rudolf Brenner, Bemerkung: Schwarze Serie Bd. 19145. Mit einem Nachwort von Rudolf Brenner.
  • Heilbronn: Distel, 2004, Titel: 'Die Affäre N´Gustro', Seiten: 215, Übersetzt: Stefan Linster

Couch-Wertung:

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Thomas Kürten
Ein Opportunist spielt eine Klasse zu hoch

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Mit der Affäre N'Gustro schuf Jean-Patrick Manchette etwas Neues. Er politisierte - ja, radikalisierte - die französische Krimitradition auf schroffe und barsche Weise, brachte Gewalt und Sex als Stilmittel und Leitmotive ein. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen verpasste er so dem Kriminalroman eine neue Stilrichtung, die seitdem Neo Polar genannt wird.

Wie gesagt, "Die Affäre N'Gustro" ist lediglich sein erster Roman und betrachtet man ihn allein von der Seite der Handlung aus, mag er nur wenig begeistern: Da wird ein junger Mann direkt im ersten Kapitel ermordet und ein Tonband, das dieser unmittelbar vor seiner Ermordung besprochen hatte, entwendet. Der Rest des Roman besteht daraus, dass sich zwei Männer eine Nacht lang dieses Tonband anhören. Auf diesem Band erzählt der Ermordete seine Lebensgeschichte, die mit der - letztlich für ihn tödlichen - Affäre N'Gustro endet.

Betrachtet man den Roman einmal rein stilistisch, so hat er schon wesentlich mehr zu bieten. Er fängt an mit einem Nachruf auf den Ermordeten, der eigentlich von allen Seiten als dummer Widerling beschrieben wird. Dann schon im ersten Kapitel klare, kalte, knappe Sätze und die distanzierte, bald schon wissenschaftlich unbeteiligte Beschreibung der Ermordung. Dies ist der brutalstmögliche Angriff auf den Leser. Nach gerade mal drei Seiten verrät Manchette, wie es enden wird. Muss es da noch interessieren, wie es dazu kam?

Nur Stilmittel reichen nicht

Zumal er den Protagonisten als echten Kotzbrocken darstellt. Einer von der Sorte, die sich immer wichtig machen müssen, aber irgendwie nichts so richtig gebacken kriegen. Henri Butron (so heißt der eingangs Ermordete) will Geld, Sex und Anerkennung - aber pronto! Ein echter Opportunist. Durch Zufall gerät er dabei an Leute, die eine ganze Liga höher spielen. Und das wird nicht nur ihm zum Verhängnis.

Apropos Stilmittel: Der Name Butron selbst ist ein solches Stilmittel und Markenzeichen Manchettes. Butron lässt Assoziationen zu mehreren französischen Wörtern zu, etwa zu buté (halsstarrig), butoir (Prellbock), butor (Rüpel) oder butter (abmurksen). Die Edition im Distel Literatur Verlag liefert einen Anhang, in dem solche Wortspiele erklärt werden. Manchette liebte das Spiel mit plakativen Namen, fast jede seiner Figuren bekommt hier ihr Fett weg.

1971 war dieser Roman noch eine Art Provokation, seine Sprache skandalös. Nach gut 40 Jahren kann Die Affäre N'Gustro allein aufgrund stilistischer Spielereien, die inzwischen von vielen anderen Autoren genauso beherrscht werden, nicht mehr überzeugen. Begeisterungsstürme kann auch die Handlung nicht wecken. Für Manchette-Fans sicherlich unvermeidlich, diesen Erstling in die Sammlung zu stellen. Wer jedoch nach der Faszination Manchette sucht, wird nach diesem Roman nur große Fragezeichen vor Augen haben.

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