Killing Lessons

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2015, Seiten: 512, Übersetzt: Christine Gaspard

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Andreas Kurth
Das ABC auf die ganz harte Tour

Buch-Rezension von Andreas Kurth Feb 2016

In einem einsam gelegenen Haus im US-Bundesstaat Colorado werden Rowena Cooper und ihre Kinder von zwei Killern überfallen. Während Tochter Nell mit knapper Not entkommen kann, werden Rowena und ihr Sohn Josh getötet. Die beiden brutalen Mörder treiben sich bei ihrer Opfersuche im gesamten Südwesten der USA herum. Weil die ersten Opfer in der Bay Area von San Francisco gefunden wurden, ist ein Team des dortigen Police Department für die Ermittlungen zuständig. Valerie Hart und ihre Kollegen haben allerdings unglaubliche Probleme, den Killern auf die Spur zu kommen, da es zunächst fast unmöglich scheint, die Mordserie als solche zu erkennen.

Aber es gibt eine brutale Gemeinsamkeit - in den aufgeschlitzten Körpern der getöteten Frauen werden Gegenstände hinterlassen. Während die Polizei also verzweifelt nach Hinweisen auf einen regelmäßigen Aufenthaltsort der Killer sucht, hat sich Nell in die scheinbare Sicherheit einer Hütte in den Wäldern geflüchtet. Aber den Tätern ist klar, dass ein Opfer entkommen ist - und irgendwann gehen sie auf die Suche.

Ermittlerin will vor allem weitere Morde verhindern

Saul Black hat hier einen gut lesbaren und enorm spannenden Thriller vorgelegt. Er nutzt dabei drei Erzählperspektiven. Da sind zum einen Valerie Hart und ihre Kollegen, die der Leser bei ihren Ermittlungen begleitet. Es gibt aber auch die Killer, denen man beim der Lektüre über die Schulter schaut, sowie schließlich Nell, die unter äußerst widrigen Bedingungen in der Hütte im Wald auf Rettung hofft.

Valerie Hart habe ich als ungewöhnliche Ermittlerin empfunden. Sie hat Alkoholprobleme, das ist nun allerdings für Polizisten nichts besonderes. Sie hat aber auch weitergehende psychische Probleme, und fühlt sich deshalb von einer Bundesagentin beobachtet und ausgeforscht. Der Konflikt zwischen diesen beiden Frauen ist eine durchaus breiten Raum einnehmende, interessante Nuance der Handlung, denn Valerie kämpft um ihren Job, der sie ausfüllt und immer wieder antreibt, sich ihren gesundheitlichen Problemen zu stellen. Vor allem geht es ihr darum, die Killer zu fassen, um weitere Morde zu verhindern - nicht die schlechteste Motivation für einen Polizisten.

Nebengeschichte ist mehr als ein dramaturgischer Kniff

Die Perspektive wechselt ständig, und dabei produziert Saul Black jede Menge Cliffhanger. Der Autor macht das in meinen Augen wirklich geschickt, und baut so enorme Spannung auf. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Polizei und Verbrechern ist ja durchaus üblich, aber die eingestreuten Passagen mit Nell sind nicht nur ein dramaturgischer Kniff von Saul Black, sondern gehen aufgrund der speziellen Situation wirklich unter die Haut.

Nell realisiert langsam, aber unausweichlich, dass ihre Mutter und ihr Bruder ermordet wurden. Sie kann sich zwar in die Hütte des seinerseits verzweifelten Schriftsteller Angelo retten, doch auch dort bleibt ihre Situation denkbar ungünstig. Zu ihrem Retter muss sie zunächst Vertrauen aufbauen, und durch den Tod ihrer Mutter muss sie plötzlich für sich selbst entscheiden - ihr Vater ist schon lange aus ihrem Leben verschwunden. Die beiden können die Hütte aufgrund körperlicher Handicaps nicht verlassen, was ihrer psychischen Verfassung zunehmend zusetzt.

Ein überzeugender Plot wird lesenswert umgesetzt

Saul Black hat ziemlich viel in seinen Thriller hinein gepackt. Die alkoholsüchtige und chronisch überarbeitete Ermittlerin Valerie, die neue Kollegin Carla, deren tatsächliche Rolle bis zum Schluss nebulös bleibt. Ein ums Überleben kämpfendes Opfer, zwei Killer, deren Motive scheibchenweise nachvollziehbar dargestellt werden. Ein hochgradig traumatisiertes Mädchen und einen verwitweten Schriftsteller, der mit dem Leben eigentlich abgeschlossen hat und plötzlich ein Motiv für das Weitermachen findet.

Und diese ganzen Protagonisten werden auf höchst unterhaltsame und spannende Art und Weise miteinander verknüpft.

Killing Lessons bietet ein ziemlich intensives Leseerlebnis. Das Buch ist aber auch ein brutaler Thriller, nichts für schwache Nerven. Saul Black fesselt seine Leser von Beginn an, man muss mitdenken und miträtseln. Der Plot ist in meinen Augen überzeugend - und wirklich lesenswert umgesetzt.

Killing Lessons

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Letzte Kommentare:
01.02.2018 14:44:07
Jan FAMIRA

Das ist meines Erachtens einer der besten THRILLER der letzten 50 Jahre, fein in der Sprache, intelligent in der Handlung, außergewöhnlich in der Spannung, niemals langweilig. Eine positive Ausnahme.
Ich werde weitere Bücher von Saul Black
kaufen, sobald diese erscheinen.
Zur Zeit gibt es nur einen weiteren Roman,
den ich jetzt bestellt habe.

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