Was wir getan haben

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2015, Titel: 'One We Know', Originalsprache
  • Berlin: Argon, 2016, Übersetzt: Elmar Börger , Bemerkung: ungekürzte Lesung

Couch-Wertung:

70°
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Sabine Bongenberg
Guter Roman, mäßiger Krimi, schwacher Thriller ...

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jan 2016

Wer kennt sie nicht - die elterliche Drohung oder Prophezeiung aus Kindertagen: "Nicht, dass nachher einer weint!" Oft gehen Kinderspiele dann aber tatsächlich so weit, dass es dann doch so kommt. Möglich ist aber auch, dass weitaus schlimmere Folgen eintreten. So passiert es an einem heißen Tag in Afrika, dass ein Kinderspiel so aus dem Ruder läuft, dass hinterher nicht nur einer weint, sondern tatsächlich sehr viele Tränen vergossen werden - denn die kleine Cora bezahlt das Spiel mit dem Leben.

Das irische Autorenduo Karen Gillece und Paul Perry stellt in seinem neuen Buch Was wir getan haben die alte Frage nach Schuld und Sühne. Um die Geschwister Nick und Luke Yates und um ihre gemeinsame Freundin Katie rankt seit Kindertagen ein dunkles Geheimnis. Gemeinsam mit zwei anderen kleinen Mädchen spielten sie gemeinsam an einem Fluss - nach diesem harmlosen Zeitvertreib wurde eines der Mädchen ertrunken aufgefunden. Die Familie verließ Afrika fluchtartig und die Schuldfrage wurde nie geklärt.

Dennoch gibt es offensichtlich Taten, die auch ihre Schatten in die Gegenwart werfen und so sehen sich die beiden Brüder und Katie auch als Erwachsene mit diesem ungeklärten Todesfall konfrontiert und in ihrem Leben überschattet. Jeder der Beteiligten hat dabei seine Strategien entwickelt, diesen dunklen Punkt zu überspielen und zu verdrängen, doch werden diesen Ausweichmanövern die Grenzen aufgezeigt, als einer der beiden Brüder unter mysteriösen Umständen verschwindet.

Die Hauptproblematik dieses Buches stellt in erster Linie die Erwartung des Lesers dar. Die Autorin dieser Zeilen erwartete in erster Linie einen Krimi, sah sich in diesem Punkt getäuscht, las irritiert weiter und stellte fest, dass letztendlich doch noch eine spannende Auflösung abgeliefert wurde. Der Blick auf den Einband des Buches offenbart dann auch, dass hier "lediglich" ein Roman und nicht - wie auf der Rückseite angedeutet - ein "Psychothriller" präsentiert wurde.

Nähert sich der Leser diesem Buch daher in der Erwartung eines Romans, kann das Werk durchaus als sehr lesenswert bezeichnet werden. Karen Perry präsentieren eine Familie, die vordergründig dem Bilderbuch-Charakter entspricht, aber bei näherer Betrachtung tiefe Risse aufweist. Wer hier nach einem Täter sucht, muss insgesamt feststellen, dass die Umstände ineinander griffen und die Summe vieler Fehler abschließend zur Katastrophe führte. Stark präsentiert ist dabei, wie der permanente Umstand des Verdrängens dazu führt, dass vermeintliche Fakten tief im Inneren vergraben werden und das Gefühl der immerwährenden Schuld Leben vergiftet. Beeindruckend auch, dass die tatsächliche Lösung sogar im Mitteilteil des Buches regelrecht offenbart wird, aber nicht in den Bezug des Todesfalls gestellt wird und somit in diesem Teil ohne größere Bedeutung bleibt. Dennoch kann sich die Autorin dieser Zeilen - die mehrfach Afrika bereiste - auch bei allem Lob einen Kritikpunkt nicht verkneifen: Es ist kaum anzunehmen, dass ein Erwachsener ein Gruppe von Kindern - ganz zu schweigen von seinen eigenen Söhnen - unbeaufsichtigt an einem Fluss spielen lässt, an dem möglicherweise immer mal ein Krokodil auftauchen könnte.

Der Leser, der dagegen einen Kriminalroman oder möglicherweise einen Thriller erwartet, dürfte dagegen von diesem Buch enttäuscht sein. Karen Perry schaffen zwar durch die beiden Erzählstränge der jetzt erwachsenen Katie und Nick ein dichte und stimmige Erzählstruktur, dennoch fühlt sich der Leser durch eine Vielzahl von dunklen Andeutungen und Strängen, die immer wieder auf den damaligen Todesfall und seine Folgen hinweisen, aber sich mit diesen Andeutungen begnügen, zunehmend irritiert. Nicht vergessen werden soll auch, dass sich immer weiter die Frage stellt, ob eine Tat, die möglicherweise von Kindern begangen wurde, die - zumindest nach dem deutschen Recht - noch weit von jeder Strafmündigkeit entfernt waren, justiziabel ist. Dennoch überraschen Perry auf dem letzten Meter mit einer Auflösung, die für viele Langatmigkeiten im Vorfeld entschädigen. Fraglich ist aber, ob die Mehrzahl der Krimileser bis zu diesem Punkt durchhält.

Insgesamt bleibt zu War wir getan haben festzuhalten, dass er als Roman - von dem bereits erwähnten Manko abgesehen - durchaus überzeugt. Wird dagegen ein "Kriminalroman" oder gar ein "Thriller" erwartet, so sieht sich der Leser durch die Langatmigkeit der Erzählung, die zu vielen Nebensträngen und Emotionen Raum bietet, gelangweilt. Die Schuld an dieser Problematik dürften die Ankündigungen auf der Buchrückseite sowie das deprimierende Foto auf dem Titel tragen. Hat der moosbehangene Zaun in düsterer Landschaft schon nichts mit der Handlung zu tun, kündigt der Text auf der Rückseite "Psychospannung" und einen "packenden Spannungsroman" an. Versprechen, die der Roman tatsächlich nicht halten kann.

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