Erst wenn du tot bist

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Berlin, 2016, Seiten: 304, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Mörderisches Stralsund

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2016

Fanny Wolff hat für verschiedene Zeitungen als Reporterin zahlreiche Kriegsgebiete bereist und so überrascht es, dass sie nun aus Berlin in ihre Heimatstadt Stralsund zurückgekehrt ist, um künftig als stellvertretende Chefredakteurin der "Ostsee-Nachrichten" zu arbeiten. Statt der in der Kleinstadt erwarteten Ruhe, wird Fanny jedoch gleich wieder mit einem Verbrechen konfrontiert. Denn auf ihrem ersten Weg zur Redaktion spült ihr der Sund eine Leiche zu. Eine junge Frau, Anfang zwanzig, namens Melanie Schmidt ist das Opfer. Natürlich muss Fanny die Story aufgreifen und darüber schreiben, zumal sich herausstellt, dass das Opfer überfahren und wenig später in die Ostsee geworfen wurde. Ein Mord, der Fanny vor allem deshalb berührt, da die Ermordete Mutter zweier Kinder war. Ihre Recherchen führen Fanny in eine gewalttätige Kindheit, gefolgt von wilden Partys, welche mit zahlreichen Sexpartnern und noch mehr Drogen einhergingen.

Kurzweiliger Mix aus Mordfall und Privatleben

Fannys Zwillingsbruder Lars leitet bei der Stralsunder Mordkommission die Ermittlung und ist von den Recherchen seiner Schwester zunächst alles andere als begeistert. Beruf und Privatleben werden ein ums andere Mal verwischt. Da Melanie aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammt, erkennt Lars aber zunehmend die Bedeutung der journalistischen Arbeit seiner Schwester, denn in den sozialen Unterschichten ist die Polizei nicht gerade der beliebteste Gesprächspartner. Die Nennung des eigenen Namens in einem Zeitungsartikel lockert da schon eher die Zunge.

Erst wenn du tot bist heißt der neue Krimi von Katharina Höftmann, die bislang mit ihrer Assaf-Rosenthal-Reihe für Aufmerksamkeit sorgte. Die in Tel Aviv spielenden Krimis, drei sind bisher erschienen, sind allesamt lesenswert, nicht zuletzt da sie vor einer ungewohnten Kulisse spielen. Ihr neuer Roman bietet hingegen einige Neuerungen. So ist zunächst der Schreistil etwas schnoddriger oder "volkstümlicher" und auch einige Vorkommnisse wirken arg konstruiert. Nicht nur, dass Fanny als Journalistin in einem Fall recherchiert, in dem ihr Bruder ermittelt und ihr nebenbei immer wieder Dienstgeheimnisse anvertraut. Zudem fühlt sich Fanny ausgerechnet zu Dago hingezogen, einem zehn Jahre jüngeren DJ, der der Vater von Melanies zweiten Kind sein soll und damit zunächst der Tatverdächtige Nummer eins ist. Abschließend wirkt auch das Tatmotiv an den Haaren herbeigezogen, zumindest wirkt es sehr unrealistisch. Oder wie Fanny selbst an einer Stelle anmerkt "kaum vorstellbar".

 

"Das ist ja das Problem. Der Alltag ist so öde und das Leben so anstrengend. Die Ämter, die Eltern, der ganze Scheiß. Da will man ab und zu mal ausbrechen. Eben nicht dieses ganze morgens aufstehen und arbeiten gehen und schuften und schuften und dann abends 'ne Flasche Bier und ab ins Bett und am nächsten Morgen geht derselbe Mist wieder von vorne los. Wie so'n Hamster im Laufrad. Na, nicht so wie unsere Eltern eben."

 

Gelungen ist hingegen die Einbindung von Stralsund in die Geschichte, jener Stadt also, in der die Autorin aufwuchs. Wer dort oder an der Ostsee einmal Urlaub machen möchte, findet hier eine gute Reiselektüre, ohne dass der Roman zum Stadtführer mutiert. Ebenfalls sind die Einblicke in die Lebensverhältnisse der ermordeten Melanie, die wohl zu keinem Zeitpunkt eine Chance hatte, aus ihrem Leben etwas zu machen und daher auch krankheitsbedingt zu Drogen und sexuellen Eskapaden neigte, durchaus bewegend. Zu Beginn fehlt es noch an verdächtigen Personen, was sich im weiteren Verlauf ändern wird. Ein zweiter Mord sorgt für zusätzliche Spannung.

Hat man sich an den plaudernden Schreibstil der Autorin gewöhnt, findet man hier kurzweilige Unterhaltung, in der das Privatleben der Figuren (vor allem von Fanny und Lars) einen nicht unwesentlichen Platz einnimmt. Sieht man dann noch über die erwähnten "Konstruktionen" hinweg, macht der Krimi sogar zunehmend Spaß.

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