Sein anderes Gesicht

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Paris: Éd. du Seuil, 1998, Titel: 'Transfixions', Seiten: 209, Originalsprache
  • München: btb, 2000, Seiten: 253, Übersetzt: Eliane Hagedorn & Barbara Reitz

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Thomas Kürten
Na, wo gibt es denn sowas?

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Mit ihrem Roman "Sein anderes Gesicht" bewegt sich die französische Krimi- und Drehbuchautorin Brigitte Aubert auf sehr dünnem Eis. Sowohl das Thema wie auch die gewählte Erzählperspektive sind ungewöhnlich und gewagt. Ihre Hauptfigur in diesem Roman ist Bo, ein Transvestit der auf seine Geschlechtsoperation wartet und bis dahin seinen Körper im Rotlichtmilieu von Nizza seinen Freiern verkauft. Aubert wagt es, die gesamte Handlung aus der Sicht Bos zu schildern. Ohne Zweifel eine mutige Entscheidung zu einer hohen schriftstellerischen Herausforderung, weswegen man der Schriftstellerin gerne viel Respekt und Anerkennung bescheinen mag. Als besonders gelungen ist der Roman aber wohl nicht zu bezeichnen.

Im Rotlichtviertel von Nizza treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Nach zwei Prostituierten hat er einen Transvestiten grausam hingerichtet. Nur ein Irrtum im dämmrigen Laternenlicht? Bo bemerkt nach diesem dritten Mord, dass auch sein Leben bedroht ist. Als sein/e gute/r Freund/in Maeva das nächste Opfer wird, konnte er/sie mit Blut nur noch die Buchstaben B und O an die Wand schmieren. Maeva scheint etwas über den Mörder gewusst zu haben und wollte Bo wohl warnen. Die Polizei kommt jedoch zu dem Schluss, dass die beiden Buchstaben auch anders gedeutet werden können. Der Transvestit wird möglicher Verdächtiger für die Polizei.

Gleichzeitig hat sich Bo in eine merkwürdigen Mann namens Johnny verliebt, der ein seltsames Doppelleben führt. Obwohl er Bo gegenüber gewalttätig ist, kann Bo nicht von ihm lassen, rennt ihm hinterher und erniedrigt sich für ihn. Als Johnnys Nachbar - kein Transvestit - ebenfalls ermordet wird, beginnt Bo auf eigene Faust nach dem Mörder zu suchen. Er/ Sie begibt sich dabei in große Gefahr und muss ein weiteres mal große Leiden erdulden.

Brigitte Auberts Roman spielt in einer Welt voll menschlicher Kälte und Grausamkeit. Die geschilderten Morde sind an Bestialität kaum zu überbieten. Deutlich wird der zähe Überlebenskampf im Rotlichtviertel, wo niemand einem anderen Menschen Vertrauen schenken kann. Die Transvestiten werden selbst im Milieu geächtet, sind Außenseiter unter den Außenseitern. Einige Motive für das Leben als Transvestit versucht Aubert durch die Erzählperspektive (Ich-Erzähler) den Lesern näher zu bringen, jedoch werden sie trotz dieses Nähe suggerierenden Stilmittels in diesem Roman einfach nicht klar, wirken an den Haaren herbeigezogen. Er/Sie zeichnet sich durch ein hohes Maß an Willen zur Selbsterniedrigung und masochistischen Trieben aus, die beim Leser selber ein Maximum an Vorstellungskraft über die Abgründe der menschlichen Seele voraussetzen. Bos Suche nach dem Mörder beginnt unmotiviert und klärt sich viel zu leicht auf. Ist die Polizei so blind oder vielleicht gar nicht an einer Aufklärung interessiert?

Die Auflösung des Falles hinterließ bei mir einen faden Beigeschmack, weil sie schlicht unglaubwürdig wirkte. Bo gerät natürlich selbst in Gefahr. Der wohl von der Autorin angestrebte Nervenkitzel blieb jedoch aus. Eine entscheidende Rolle spielt dabei ein Kühlraum, der sich letztendlich in der sechsten Etage eines Appartementhauses befindet. Na, wo gibt es denn sowas?

Mit großer Härte und Grausamkeit versucht Aubert die Leiden Bos in einer Gesellschaft zu vermitteln, die sein Anders-Sein nicht zu akzeptieren vermag. Unklar bleibt, welche Besserung sich Bo von der Operation erhofft, auf die er so dringend wartet, denn er sieht auch, wie bereits operierte Transsexuelle weiterhin am Rand der Gesellschaft leben. Das Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen von Aubert schien hier ein Ende gehabt zu haben.

Die freudlose Schilderung des Milieus ist wohl zutreffend und wirkt authentisch, kann aber eigentlich zu keiner Zeit den Leser fesseln. Nur das Wissen, dass Aubert bereits weit bessere Romane geschrieben hat, kann zum weiterlesen motivieren. Man quält sich durch die Kapitel und findet zu keiner Figur unmittelbar Zugang. Auch das Profil des Täters bleibt weitestgehend unbeleuchtet; seine Motivation daher vage. "Sein anderes Gesicht" ist absolut keine Empfehlung wert.

Sein anderes Gesicht

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Letzte Kommentare:
14.07.2005 16:55:25
Kai-Uwe

Ic h teile die hier zu lesenden Meinungen. Es ist ein ödes Buch, man quält sich von Seite zu Seite, wissend dass Aubert es doch eigentlich besser kann. Aber das Buch wird und wird nicht besser. Mein Rat: Finger weg! Lieber die "Söhne" oder das "Dunkel der Wälder" lesen.

07.03.2003 11:12:56
Bille

Schon nach wenigen Seiten konnte ich nicht glauben, dass dies die Schreibe von Brigitte Aubert sein soll. Sie hat mit den Söhnen des Doktor March und dem Dunkel der Wälder so gute und ergreifende Bücher geschrieben und dann sowas. Selten ein Buch so voll von Klischees und Pauschalisierungen gelesen. Es hat keinen Spaß gemacht.

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