Bitter Wash Road

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Melbourne: The Text Publishing Company, 2013, Titel: 'Bitter Wash Road', Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2016, Seiten: 352, Übersetzt: Peter Torberg

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Jörg Kijanski
Tiefe Abgründe im Outback

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2015

Constable Paul "Hirsch" Hirschhausen wird nach einem Korruptionsskandal seiner alten Einheit in Adelaide auf einen einsamen Ein-Man-Posten im Outback abgeschoben. In dem kleinen Kaff namens Tiverton passiert recht wenig. Die Dorfbewohner sind verschlossen und leben zurückgezogen. Dann wird in einem Straßengraben am Barrier Highway die Leiche einer Jugendlichen gefunden. Offenbar wurde sie überfahren, ein Unfall mit Fahrerflucht? Doch warum trug sie ihre Unterwäsche falsch herum? Hirsch übernimmt den Fall und stößt auf eine Mauer des Schweigens. Er gehört jetzt zu Sergeant Kropp und dessen Team in der nahegelegenen Kleinstadt Redruth. Für seine neuen Kollegen ist Hirsch ein Verräter, da er gegen seine früheren Kollegen ausgesagt hat, für die Bevölkerung ist er einfach ein weiterer mieser Bulle, mit dem man sich besser nicht abgibt. Hirsch ermittelt und ist dabei völlig isoliert. Eine enge Freundin des ermordeten Mädchens verschwindet, wenig später geschieht ein zweifelhafter Selbstmord und Hirsch gerät erneut zwischen die Fronten. Zudem soll er einmal mehr gegen seine Kollegen vorgehen, die für ihr gewalttätiges Verhalten berüchtigt sind...

In der Einsamkeit bricht sich Gewalt ihre Bahnen

Altmeister Garry Disher hat einmal mehr ein Meisterwerk vorgelegt und führt seine Leser in die australische Einöde. Die Landschaft ist karg und unwirtlich, Bäume gibt es kaum, nur einige verdorrte Zypressen. Die Menschen die in Tiverton leben sind Randfiguren der Gesellschaft. Wer kann zieht weg, wer bleibt sind Leute in sozialer und finanzieller Notlage. Das Kaff hat nichts zu bieten, in dem etwas größeren Redruth sieht es indes kaum besser aus. Wenige Freizeitmöglichkeiten, dafür Polizisten, die die Menschen mit übertriebenen Verkehrs- und Alkoholkontrollen schikanieren. Wer dazu noch ein Aboriginie ist, leidet zudem unter offenen Rassismus, wird schon mal ins Outback gefahren, verprügelt und dort einfach zurückgelassen. Aber auch für ihre sexuellen Übergriffe, nicht nur gegenüber Erwachsenen, ist die Polizei in Redruth gefürchtet.

 

"Polizeibeamte veränderten sich im Laufe der Zeit, wie er feststellte. Das war nicht immer ein völlig bewusster Akt, eher ein Verlust von Perspektiven. Wirkliche und eingebildete Kränkungen eiterten; das Gefühlgriff um sich, dass die Arbeit mehr und bessere öffentliche Beachtung verdiente. Zumindest Vergünstigungen oder Belohnungen. Mehr Geld, mehr und besseren Sex, eine Beförderung, eine Vergnügungsreise zu einer großen Konferenz. Allgemein gesprochen: mehr Respekt. Zynismus machte sich breit. Immer kamen die bösen Jungen davon, und die Medien stürzten sich auf den Bullen, der Geld annahm, statt denjenigen zu loben, der sich um Waisenkinder kümmerte. Warum also nicht den einfachen Weg wählen? Die Regeln zu eigenen Gunsten auslegen?"

 

Hirsch entdeckt immer mehr soziale Abgründe in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft. Hinter brüchigen Fassaden bürgerlicher Wohlanständigkeit zeigt sich zudem, dass auch in den vermeintlich besseren Kreisen der Gewalt freien Lauf gelassen wird. Rassismus, Sexismus, Gewaltfantasien und überall Korruption. Die Menschen verstumpfen, verlieren gesellschaftliche Bindungen und begegnen ihrem Umfeld mit der "sozialen Intelligenz eines Betonklotzes" wie Hirsch sinniert. Bei Garry Disher beeindruckt, in wie wenigen Augenblicken er die vermeintlich ruhige Landidylle zerstören kann. Zunehmend werden selbst die Randfiguren greifbar und die eindringliche Geschichte entwickelt eine enorme Sogkraft. Dabei werden die Gewaltexzesse und sexuellen Übergriffe meist nur angedeutet, die genauen Vorstellungen spielen sich anschließend im Kopf des Lesers ab. Mit teils überraschenden Wendungen hält der Autor die Spannung hoch und dies bis zur letzten Zeile. Große Krimikunst!

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Letzte Kommentare:
01.09.2019 11:20:20
K.-G. Beck-Ewerhardy

Constable Paul Hirschhausen ist noch nicht übertrieben lange bei der australischen Polizei, aber er hat schon eine Menge negative Erfahrungen gemacht. In seiner ersten Dienststellen in Adelaide wurde er in Ermittlungen der internen Abteilung gegen seine Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen verwickelt und obwohl er selbst eigentlich schuldlos gewesen zu sein scheint, hat das ganze Verfahren sein Privat- und Berufsleben auf den Kopf gestellt und während ihn seine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen als Verräter sehen, betrachten ihn alle anderen Polizisten mit Misstrauen.

So kommt es, dass der junge und mittlerweile wieder ledige Constable nach Tiverton versetzt wird, einer Kleinstadt im australischen Hinterland, die verwaltungstechnisch dem nicht viel größeren Redruth untersteht, wo es zumindest drei mehr oder weniger erfahrene Beamte und eine Polizistin in Ausbildung gibt. Tiverton ist hingegen eine Ein-Personen-Wache, die gleichzeitig auch als Wohnbereich für Hirschhausen, der sich am liebsten Hirsch nennen lässt, für den er auch noch von seinen mageren Bezügen Miete zahlen muss.

Schnell merkt er, dass ihm sein Ruf als „Verräter“ vorauseilt, als seine jüngeren Kollegen in Redruth ihm direkt überaus feindselig und aggressiv begegnen und auch eine Patrone in seinem Briefkasten geben ihm nicht wirklich das Gefühl, in Tiverton und Umgebung willkommen zu sein. Das die fortlaufenden Ermittlungen in Adelaide immer noch über ihm hängen, wie eine Gewitterwolke, macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Aus dieser Situation wird er zur Bitter Wash Road befohlen, einer Straße im Hinterland des tiver-tonschen Hinterlands und ein überaus dünn besiedeltes Gebiet. Als er auf dieser Straße halten muss, weil ein Ast quer über der Fahrbahn liegt und er auch noch Schüsse hört, als er versucht, die Straße frei zu machen, glaubt er zunächst, dass ihn seine Vergangenheit aus der vergleichsbar großen Stadt eingeholt hat.

Diese Situation klärt sich überraschend harmlos, doch dann wird Hirsch zum Fundort der Leiche einer jungen Frau gerufen, die anscheinend beim Per-Anhalter-Fahren von einem vorbeirasenden Auto erfasst worden ist – augenscheinlich Fahrerflucht. Der herbei gerufene Arzt verhält sich ähnlich merkwürdig, wie der aus Redruth hinzukommende Vorgesetzte Kropp und bei den weiteren Ermittlungen in diesen Todesfall stellt Hirsch schnell fest, dass die Menschen in der Umgebung Polizisten überaus misstrauisch begegnen – was wohl sehr mit der Arbeitsweise von Kropp und seinen langjährigen Untergebenen zu tun hat. Diese scheinen außerdem Hirsch immer wieder in legale und andere Fallen tappen lassen zu wollen und auch von anderer Seite kommt es zu Unterschiebungen von Beweismitteln und möglichen Bestechungsgeldern, so dass Hirsch sich bald wieder Mitgliedern der Internen Ermittlungen gegenüber sieht. Und diese bitten ihn, sich die Arbeit seiner neuen Kollegen im Hinterland sehr genau anzusehen und eventuelle Unregelmäßigkeiten zu melden.

So in einen neuerlichen Loyalitätskonflikt geworfen, während die Sache in Adelaide noch gar nicht beendet ist, ermittelt Hirsch in der ländlichen Umgebung fleißig weiter – und stößt auf immer neue Abgründe, die seine Arbeit schließlich zu einem gänzlich unerwarteten Ziel führt. Und ihn sich selbst immer wieder in Frage stellen lässt.

Zunächst eher plätschernder, später stringenter erzählter Roman – was sicherlich die Wahrnehmung Hirschs sehr gut nachvollzieht -, der Konflikte der polizeilichen Arbeit zwischen Land und Stadt, Loyalitätkonflikte zwischen Kollegialität und Legalität und sehr unterschiedliche Motivationslagen von Verbrechen und Polizeiarbeit beleuchtet.

31.08.2019 22:27:28
Vielleser

Sehr interessant! Spannung entwickelt sich langsam! Eine richtige Sozialstudie! Ich weiß allerdings zu wenig über Australien, so dass es schwer ist, die Darstellung der Polizei bzw. ihrer Strukturen zu beurteilen.

27.12.2016 12:56:44
Corsicana

Der Polizist Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, wurde strafversetzt ins australische Hinterland. Und so versieht er seinen Dienst auf einer Ein-Mann-Station in einem kleinen Ort mitten in der Leere und Abgeschiedenheit des australischen Outbacks (und das Outback beginnt in Australien recht schnell abseits der Küsten). Seine Kollegen meiden ihn und sein neuer Chef in der nächst gelegenen Kleinstadt macht ihm das Leben auch nicht leicht. Und er schickt ihn eines Tages zu einem Einsatz in die "Bitter Wash Road" - und dies ist im Grunde der Beginn einer tragischen Folge von Todesfällen und Familientragödien. Hirsch will ein guter Polizist sein und investiert viel in die Aufklärung - aber seine Kollegen und die Leute um ihn herum möchten am liebsten ganz schnell zum üblichen Tagesgeschehen übergehen und deklarieren die Todesfälle als Unfälle. Und so kämpft Hirsch einsam auf verlorenem Posten, inmitten einer Landschaft voller Hitze, Staub, Leere und Trostlosigkeit und inmitten einer Landbevölkerung, die ebenfalls leer und trostlos vor sich hin lebt.

Die grandiose Weite der Landschaft bedeutet hier keine Freiheit - sondern Beschränkung auf Überlebenskampf und eine engstirnige Art, sich die Gesetze so zurechtzulegen, wie es gerade passt.

Aber es gibt einzelne Lichtblicke und manchmal Hilfe von unerwarteter Stelle. Und Hirsch selbst beginnt, sich in seinem neuen Leben einzurichten, so unglücklich seine Lage auch sein mag. Und keine der Personen im Roman ist eindimensional dargestellt, so dass sich einige Überraschungen im Laufe der Handlung ergeben und zur Erhaltung der Spannung beitragen.


Ich selbst war vor ca. 20 Jahren in Australien und mich hat die Weite der Landschaft im Outback damals sehr fasziniert. Aber was für uns, aus dem engen Europa, wie Freiheit und Grenzenlosigkeit wirkt, bedeutet für die Menschen, die dort leben, wohl eher Mühsal, Abgeschiedenheit, Trockenheit, Hitze und Überlebenskampf. Und dies wird in diesem Buch sehr gut beschrieben, man kann die Weite quasi fühlen.


Dieser Krimi wurde als bester Krimi 2016 von der ZEIT bewertet - und so bin ich neugierig geworden. Garry Disher kannte ich bisher nicht - aber ich werde sicherlich noch weitere Bücher von ihm lesen - und ich hoffe auf eine Fortsetzung der "Hirsch" Reihe. Wer Krimis mag, die neben dem Kriminalfall auch das Umfeld, den Ermittler und die Familien der Opfer behandeln, der ist bei diesem Buch richtig.

Mit seiner Gesellschaftskritik ist dieser Krimi mit den skandinavischen Krimis zu vergleichen. Hier als Gesellschaftskritik am anderen Ende der Welt.

24.05.2016 17:25:42
mo

Ich habe mich sofort in den Charakter von "Hirsch" verliebt und hoffe dass der Autor bald wieder ein neues Buch mit ihm als Hauptperson schreibt. Er ist einer der letzten Gerechten "at the end of nowhere". Gleichzeitig hat er aber auch durchaus menschliche Macken. Hirsch wird nach Tiverton quasi strafversetzt und wir lernen mit seinen Augen die Protagonisten kennen und er ist keineswegs frei von Vorurteilen. Durch die anschauliche Beschreibung des Städtchens und der dort lebenden Menschen fühlt man sich hineingezogen und hat manchmal das Gefühl vorort zu sein. Die Handlung hat viele unvorhersehbar Wendungen. Der Autor hält die Spannung aufrecht und die grausamen Details kommen erst eher harmlos daher. Ich kann das Buch bestens empfehlen.