Power Play

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Kapstadt: Umuzi, 2015, Titel: 'Power Play', Originalsprache
  • München: btb, 2016, Seiten: 400, Übersetzt: Mechthild Barth

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Jürgen Priester
Generationswechsel

Buch-Rezension von Jürgen Priester Dez 2015

Mike Nicol, renommierter südafrikanischer Lyriker, Sachbuchautor und Romancier, entdeckte erst spät eine Leidenschaft für den Kriminalroman. National und international bekannt wurde er mit seiner "Rache-Trilogie". Im Nachhall der Fußball-WM 2010, die dem Land temporär eine besondere weltweite Aufmerksamkeit einbrachte, die auch die südafrikanische (Kriminal-)Literatur einschloss, erreichten alle drei Bände der Trilogie den Spitzenplatz der KrimiZeit-Bestenliste und konnten sich dort über Monate in den Top Ten behaupten. Nach einem eher durchwachsenen Einzelroman (Bad Cop, btb 2015), in dem der Autor (vergeblich) versuchte, Südafrika einen kalifornischen Flair zu verpassen, startet er aktuell eine neue Serie mit einer " alten" Bekannten in der Hauptrolle. Was der Vater einst begann, wird von der Tochter fortgesetzt.

Werfen wir doch einen kurzen Blick zurück auf die Rache-Trilogie. Der Held des Dreiteilers war ein gewisser Mace Bishop. In seiner Zeit als Waffenlieferant für diverse Rebellengruppen hat er gut Geld gemacht und dieses an der Steuer vorbei auf Nummernkonten auf den Cayman Islands verschoben. Dieses Vermögen betrachtete er als Altersruhegeld, es diente aber auch als Absicherung gegenüber den Unwägbarkeiten des südafrikanischen Alltags und als Grundlage für seine seriöse Existenz. Zusammen mit seinem langjährigen Freund Pylon Buso gründete er die Firma "Complete Security". Wie der Name schon vermuten lässt, bot die Agentur umfassenden Schutz für eine ausgesuchte Klientel. Ihre Aufträge variierten in der Funktion zwischen Reiseführer oder Bodyguards für wohlhabende Touristen und Geschäftsleute.
Nach dem tragischen Tod seiner Frau fiel Mace das Leben in Kapstadt immer schwerer. In Absprache mit seinem Partner Pylon übergab er die Geschäfte in die Hände seiner Tochter Christa und setzte sich auf den Caymans zur Ruhe.

Mit der Übernahme des Unternehmens und auch, um unter ihrer Jugendzeit einen Strich zu ziehen, schreibt Krista ihren Vornamen fortan mit hartem "K", das für Kraft, Kompetenz und Koolness stehen soll. Ihr zur Seite steht Tami Mogale, die smarte Bürokraft, die schon zu Maces Zeiten alle Fäden in der Hand hatte. Die beiden jungen Frauen leben zusammen in Maces großer Villa.

Zur Zeit betreuen sie zwei chinesische Geschäftsmänner, die nach Südafrika gekommen sind, um in den Handel mit Abalonen, einer Gattung großer Meeresschnecken, die im asiatischen Raum als große Delikatesse gelten, einzusteigen. Der Vertrieb dieser vom Aussterben bedrohten Spezies lag bisher in den Händen kleiner Fischerei- und Frachtbetriebe, die den Schutz mächtiger Männer, die man getrost zum Organisierten Verbrechen zählen kann, genießen. Die Ambitionen der Chinesen bringen das störanfällige Clans-System durcheinander. Die einen wollen mit den Chinesen kooperieren, andere lehnen deren Beteiligung grundsätzlich ab. Aus Unstimmigkeiten werden Reibereien bis die ersten Opfer zu beklagen sind.

Krista und Tami als Betreuerinnen der chinesischen Geschäftsleute werden in die eskalierenden Auseinandersetzungen hineingezogen und geraten im wahrsten Sinne des Wortes direkt in die Schusslinie. Zumal Krista noch unfreiwillig einen Sonderauftrag annehmen muss, den Bodyguard für die Tochter eines Bandenführers zu machen. Fast abstrus wird die Situation für die beiden jungen Frauen, als sich der südafrikanische Geheimdienst einschaltet und über Gespräche und Verhandlungen der chinesischen Delegation informiert werden will.

Fast alle südafrikanischen Krimiautoren, so weit der Rezensent da den Überblick hat, beschäftigen sich in ihren Romanen intensiv mit den aktuellen Zuständen in ihrem Heimatland. Sie suchen sich die Themen auf der Straße, wie das schon die Väter der amerikanischen Krimi-Schule (Chandler, Hammett) gemacht haben.
Bei all dem anderen Scheiß, der so in der Welt geschieht, hört man zur Zeit aus Südafrika nicht so viel. Die Hauptprobleme des Landes sind die Armut und die daraus resultierende Kleinkriminalität, Korruption, Vetternwirtschaft und ausgeprägte Strukturen des Organisierten Verbrechen. Davon handelt auch Power Play.

Die angesprochene amerikanische Hardboiled-Schule ist traditionell eher eine Männersache. Helden und Protagonisten sind fast ausschließlich männlichen Geschlechts, Frauen in dominierenden Rollen sind nur selten zu finden. Deshalb ist es schon erfrischend, mehrere Protagonistinnen zu begleiten, die mit richtig Power schwierigste Situationen meistern. Spannend und sprachlich up to date kann Nicols neue Generation deutliche Akzente setzen. Ein lesenswerter Start einer neuen Trilogie.

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