Einer weniger

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Bielefeld: Pendragon, 2015, Seiten: 472, Originalsprache

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Andreas Kurth
Menschenhändler, Drogendealer und knallharte Bullen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2015

Bei einem SEK-Einsatz erschießt Lars Bosch den Gangster und auch die Geisel. Ein Kollege sagt zu seinen Gunsten aus, dennoch wird Bosch für drei Monate zur Kripo versetzt - und soll psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Zusammen mit seiner neuen Partnerin Henriette Wüst wird er einer Sonderkommission zugeteilt, die auffällige Morde an hochrangigen Mafia-Mitgliedern aufklären soll. Bosch und Wüst müssen außerdem mysteriöse Brände untersuchen, bei denen Menschen auf brutale Weise getötet wurden. Sie haben also alle Hände voll zu tun, und dann hat Bosch auch noch ständig Ärger mit der internen Ermittlung und dem Soko-Leiter Ingo Schultze, der ihn wegen des misslungenen SEK-Einsatzes fertig machen will. Der Weg zur Aufklärung der Mordserien ist also in mehrfacher Hinsicht mühsam und voller Hindernisse. Zudem kommen Bosch immer mehr Zweifel an dem Soko-Einsatz und dessen korrektem Ablauf.

Ermittler bekommt reichlich Druck von allen Seiten

Der Titel des Romans von Peter Brechtel klingt nicht so brutal wie er gemeint ist. Einer weniger bedeutet nämlich, dass in den Räumen des Mainzer Sondereinsatzkommandos auf einem Fahndungsplakat ein Gesicht mit einem Kreuz durchgestrichen wird. Ein Ganove weniger, der den Polizisten Ärger machen kann. In seinem gut erzählten Buch beschreibt der Autor ausführlich den speziellen Status und den großen Corpsgeist der Angehörigen dieser Sondereinheiten. Dadurch wird deutlich, was die zeitweilige Versetzung zur Kripo für seinen Protagonisten Lars Bosch bedeutet.

Er ist nicht nur zum Sündenbock des SEK-Einsatzes gemacht worden, sondern findet sich auch noch an der Seite einer Hauptkommissarin wieder, die mit dem Leiter der Sonderkommission ihre persönliche Fehde hat. Und der will Bosch unbedingt "abschießen", weil er ihn für gewalttätig und unkontrollierbar hält. Lars Bosch ist allgemein nicht sonderlich beliebt, und - der Leser wundert sich nicht wirklich - nach dem Auszug seiner Frau hat er auch noch mehr als genug Probleme im familiären Bereich. Das gehört für Protagonisten in Kriminalromanen mittlerweile offenbar zum guten Ton - hier baut der Autor die sich ergebenden Probleme allerdings geschickt in die spannende Geschichte ein.

Breite Palette an Protagonisten, Mordopfern und Schauplätzen

Neben der enormen Spannung, die durch immer neue Morde oder Mordversuche ständig weiter gesteigert wird, gefällt mir die gute alte Polizeiarbeit, die Bosch und seine Partnerin trotz aller Widerstände leisten. Er ist dabei der aktivere Part, Wüst ergeht sich vor allem in Tiraden gegen den verhassten Soko-Leiter, während sich Bosch durch alte Akten oder Video-Aufnahmen kämpft und etliche Zeugen befragt. Daneben hat er private Probleme, wird von der Internen und seinem Vorgesetzten schikaniert - Brechtels Roman ist nicht zum Nebenher-Lesen geeignet, sondern fordert die volle Aufmerksamkeit.

Zeit- und Ortsangaben am Beginn der kurzen Kapitel, und auch ein Namensverzeichnis wären hier hilfreich gewesen, denn es wird schon eine breite Palette an Protagonisten, Mordopfern und Schauplätzen aufgefahren. Wer von der intensive Handlung gefesselt wird, dürfte allerdings auch so den Überblick behalten. Das Dauerthema der internen Kämpfe zwischen Bosch und Wüst auf der einen, und Soko-Chef Schultze auf der anderen Seite kann man ein wenig ausblenden, das hilft bei der Konzentration auf die Ermittlungen.

Bekannte Themen geschickt kombiniert und spannend erzählt

Peter Brechtel hat so einige Themen in seinen Roman eingebaut, die teilweise aber auch nur angerissen werden. Es geht um Rivalität in der Polizei, zwischen den Hierarchie-Ebenen, aber auch zwischen Sondereinheiten und Kripo. Es geht um die enorme Belastung für die Psyche der Polizisten, aber auch für das Privatleben. Und es geht um Revierkämpfe zwischen verschiedenen Gruppen der organisierten Kriminalität. Und schließlich wird die Ohnmacht gegenüber manchen Formen des Verbrechens thematisiert. Insgesamt alles nicht wirklich neu, aber von Brechtel geschickt kombiniert und spannend erzählt.

Im Schlussabschnitt wird es nochmals Action-reich und dramatisch. Teilweise ist die Auflösung einiger Rätsel zu erwarten gewesen, teilweise für mich durchaus überraschend. Bei den persönlichen Befindlichkeiten bleibt auch vieles offen, was auf eine Fortsetzung hindeutet. Der Autor hat es am Ende geschafft, sich lange Zeit nicht in die Karten schauen zu lassen - nur in der Rückschau schlägt man unter Umständen die Hand vor die Stirn. Ein spannender und lesenswerter Roman - beste Krimi-Unterhaltung.

Einer weniger

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Letzte Kommentare:
24.03.2016 13:22:02
bunbury

vorab: die geschichte ist spannend geschrieben, jedoch bleiben die figuren bis zum ende des buches blass.
wenn der autor sich nun auch noch bemüht hätte, ein wenig logik in die zwischenmenschlichen beziehungen zu bringen und diverse grenzen der schmerzempfindlichkeit des menschlichen körpers zu akzeptieren, dann wäre es vielleicht ein gutes buch geworden. ich kann hier leider meine kritik nicht so ausführlich schreiben, da ich zu viel von der handlung verraten würde. nur so viel als ein beispiel von vielen: mobbing von vorgesetzten ist ja nicht unbekannt, aber auf so eine dämliche und durchsichtige art, das tut schon weh. und ertragen muß das ein als eisenharter sek-mann beschriebener polizist. da war fremdschämen für den autor für mich angesagt.ich habe nach 100 seiten überlegt, das lesen einzustellen, habe mich aber doch bis zum ende durchgekämpft und nach der letzten seite das buch mit großem schwung gegen die wand geworfen, weil ich wütend über den schwachen schluß war. da werden handlungsstränge geknüpft, die zum schluß nicht aufgelöst werden, beziehungskisten bleiben in der luft hängen. und und und.
ein prozent für die spannung, das wars aber auch. ich hoffe, der autor lässt in zukunft die finger vom krimigenre.

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