Kuckucksbrut

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Köln: Bastei Lübbe, 2015, Seiten: 416, Originalsprache

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Sabine Bongenberg
... ruft's aus dem Wald.

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Aug 2015

Der freundliche Psychopath aus der Nachbarschaft ist seit jeher ein dankbares Thema für Kriminalromane gewesen. Mit einem solchen Exemplar bekommt es offenbar auch die Kommissarin Natascha Krüger zu tun, als sie zu einem Mord gerufen wird. Eine junge Frau wurde auf einem historischen Richtertisch vom Dies- ins Jenseits befördert und verschiedene Anzeichen weisen darauf hin, dass hier jemand nach der historischen Gerichtsbarkeit richtete - und strafte. Grundsätzlich wäre allein das ja schon verwerflich genug, aber offenbar hatte der Täter mit diesem Mord – Achtung Wortspiel – Blut geleckt und bald muss auch eine andere Frau im bisher ruhigen Örtchen Weissbach erfahren, dass auf dem Land nicht immer alles friedlich und heiter abläuft.

Melanie Lahmer lässt ihre Heldin in ihrem zweiten Roman Kuckucksbrut in die dörfliche Gemeinschaft eintauchen. Hier kennt jeder jeden, jeder hat über jeden etwas zu erzählen und natürlich wird auch bei vielen kleinen Eigenheiten dann mal gerne genauer hingesehen. Grundsätzlich könnte die Autorin es damit auf sich beruhen lassen. Aber da die Polizei ja bei ihren Ermittlungen auf die im Klappentext angegebene "Mauer des Schweigens" treffen musste, war hier offensichtlich ein unfreundlicheres Bild der Landbevölkerung angedacht. Die Kuckucksbrut findet daher auf einer Bühne statt, auf der die Welt quasi in den 60er Jahren stehengeblieben zu sein scheint. Die Vorgärten werden ordentlich gejätet und wer einmal einen außerehelichen Fehltritt hatte, darf sich der Ächtung des Landvolkes sicher sein, wogegen schwerwiegende Vergehen dann auch möglicherweise durch "Richter Lynch" bereinigt werden. Mag man über einige Charakteristika – wenn auch stirnrunzelnd – hinwegsehen, so kann dennoch zumindest bezweifelt werden, ob sich das Landleben tatsächlich durch die Mischung der "Frauen aus Stepford" und dem "Scharlachroten Buchstaben" auszeichnet.

Fragwürdig bleiben auch weitere Aspekte der Konstruktion: So wird das erste Opfer kurz und fast unzeremoniell über "die Bühne" gebracht, wogegen die zweite Bedrohte Gegenstand eines langwierigen oder teilweise schon langatmigen Katz-und-Maus-Spiels wird. Hier finden sich dann auch Umstände, die an der Geschäftsfähigkeit der Protagonisten zweifeln lassen. Warum sich eine erwachsene im Leben stehende Frau, durch ein paar gefundene Spielkarten davon überzeugen lässt, dass ihre beste Freundin, mit der sie vor ein paar Stunden noch pichelte und gegenüber der sie ihr Herz ausschüttete, ein Verhältnis mit ihrem Ehemann haben könnte, bleibt daher letztendlich unklar. Unklar bleibt auch, warum beim Verschwinden eines Kindes und einer anzunehmenden Entführung nicht sofort und auf der Stelle die Polizei alarmiert wird und nicht nachvollziehbar ist auch, wie besagtes Kind buchstäblich wieder in die Arme der Mutter gedrückt wird, ohne dass diese die Chance hat, zu erkennen, wer denn hinter der ganzen Geschichte steckte.

Mehr als fraglich sind zusätzlich auch die Motive, die zu den beiden Morden führten. Lässt sich eine erwachsene Person durch – zugegebenerweise – unschöne Einzelheiten über ihre Herkunft, tatsächlich so in den Grundfesten erschüttern, dass sie anschließend das Land als Racheengel bereist? Dieses Motiv und deren Umsetzung scheinen doch hier stark an den Haaren herbeigezogen zu sein, oder eher Gedankengut aus einer anderen Zeit wiederzuspiegeln.

Nach all' diesen Mankos kann die Kuckucksbrut immerhin für eine leichte Lektüre im Schwimmbad herhalten. Aber – was macht man damit im Winter?

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