Tote Kameraden

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau, 2015, Seiten: 288, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Kommissar Assaf Rosenthal belebt die Krimiszene

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2015

Eine junge Frau wird in einem schäbigen Hotel mit dem klangvollen Namen "Florida" tot in der Badewanne aufgefunden. Ein kurzer Abschiedsbrief deutet auf einen Selbstmord hin, den auch wenig später die erfahrene Rechtsmedizinerin Liat Schapira bestätigt. Aber wer ist die Frau überhaupt? Es finden sich keine Papiere, angeblich hat niemand in dem Hotelzimmer eingecheckt. Assaf Rosenthal findet wenig später nicht nur den Namen der Toten heraus, sondern auch, dass diese bis vor kurzem beim israelischen Nachrichtendienst beschäftigt war. Sie wollte offenbar geheimes Material einer örtlichen Zeitung in Tel Aviv zukommen lassen. Rosenthal will den Fall nicht als Suizid zu den Akten legen, doch sein Chef Chaim Wieler beordert ihn in eine neu gegründete Sondereinheit, die der israelischen Mafia den Kampf ansagen soll.

 

"Haben die Schmocks sich etwa über mich beschwert?"
"Rosenthal, jetzt mach es mir doch nicht so schwer. Yalla, Eli Mizrachi, dein Fall. Ich verspreche dir auch, dass ich dich in Ruhe schalten und walten lasse. Du hast meine vollste Rückendeckung."
"Leckt mich doch alle am Arsch."
"Das nenne ich Arbeitsethos. Ich kann mich auf dich verlassen."

 

Drei Familien liefern sich seit längerer Zeit heftige Gefechte, zehn Tote in fünf Monaten sind die Folge. Auf langweilige Observierungen und ähnliches hat Rosenthal eigentlich gar keine Lust, vor allen, da er in der neuen Einheit auf Anat Cohen treffen wird. Rosenthal und Cohen fühlen sich zueinander hingezogen, doch stehen sie sich bei ihren Gefühlen mächtig selber im Weg...

Ein kniffliger Fall, organisiertes Verbrechen und Militär sowie ganz viel Tel Aviv

Nach Die letzte Sünde und Der Rabbi und das Böse ist der vorliegende Roman bereits der dritte Teil der großartigen Assaf-Rosenthal-Reihe, was vor allem dem eigenwilligen Protagonisten geschuldet ist. Zudem gibt es - wie bei Serien üblich - ein Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Figuren als da wären Chaim Wieler (Chef), Yossi Hog (Kollege), Zipi (Sekretärin), Schlomo Malul (Spurensicherung), Liat Schapira (Rechtmedizin) und - nicht zuletzt - Anat Cohen, um nur die wichtigsten Figuren zu nennen.

Assaf Rosenthal hat eine große militärische Karriere hinter sich, war in einer Eliteeinheit und arbeitet nun für die Kriminalpolizei in Tel Aviv. Im Gegensatz zu seine Kollegen Yossi Hog hat er eine tiefe Abneigung gegenüber Arabern ("gerade weil ich deren Sprache verstehe") und ansonsten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Privat geht es turbulent wie eh und je zu, mehrere aktuelle Dates belegen dies. Da kommt eine Zusammenarbeit mit Anat Cohen ungelegen, zumal sich beide lieben, aber irgendwie doch nicht zueinander finden (können). Erschwerend kommt hinzu, dass Cohen inzwischen verlobt ist.

Der Plot ist sehr abwechslungsreich und beschäftigt sich nicht nur mit dem Selbstmord (oder war es doch ein Mord?), sondern auch mit dem zunehmenden Einfluss der Mafia in Israel im Allgemeinen und Tel Aviv im Besonderen. Hierbei spielen neuerdings auch die Beduinen eine wichtige Rolle. Interessante Einblicke erhält man auch in das israelische Militär, dessen zahlreiche Einheiten sowie die besondere Einstellung der Bevölkerung gegenüber der Armee. Wer sich täglich bedroht fühlt, hat eine andere Sicht auf diese Dinge - nicht nur Rosenthal. Das dabei die "political correctness" oft auf der Strecke bleibt verwundert nicht, dürfte aber ein wichtiger Punkt sein, der zum Erfolg der Serie beiträgt.

 

"Die Khaldis sind immerhin noch Gangster, die machen was man von Gangstern erwartet."
"Und das wäre?"
"Na ja, du weißt schon. Menschen- und Waffenhandel. Drogengeschäfte. Und das Ganze gewürzt mit einem krankhaften Ehrgefühl."
"Meinst du die Familienmorde?"
"Ach so, ja, ich vergaß. Ehrenmorde dürfen wir ja nicht mehr sagen. Zwölf Frauen des Khaldi-Clans wurden in den letzten zehn Jahren umgebracht. Alle wegen schlimmer Verbrechen wie Ehebruch oder Affären vor der Eheschließung. Dagegen sind Steinzeitmenschen hochmodern."

 

Neben dem mitunter dickköpfigen Ermittler überzeugt vor allem die ausführliche Beschreibung des Landes, speziell natürlich Tel Aviv. Mit zahlreichen Wörtern aus dem Hebräischen, welche im Anhang erläutert werden, sowie Einblicken in Gebräuche und Alltagsleben garniert Katharina Höftmann ihre Geschichte, die auch mit kulinarischen Begebenheiten nicht knausert. Es darf daher festgehalten werden, dass die Reihe um Assaf Rosenthal aus der Masse der aktuellen Krimiliteratur weiterhin klar herausragt.

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