Strafe

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Albert Bonniers Förlag, 2014, Titel: 'Straff', Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2015, Übersetzt: Katja Riemann, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Almut Oetjen
Auf Schreiben und Tod

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jun 2015

Der Schriftsteller Max Schmeling – den Namen hat er seinem Vater zu verdanken, einem Fan des berühmten Boxers – erhält überraschend den Brief eines ehemaligen Schulkameraden aus seinem Heimatort Gimsen. Tibor Schittkowski meint, dass Max ihm einen Gefallen schuldet, denn er hat ihm zweimal das Leben gerettet. Oder zumindest anderthalbmal, denn sicher ist nicht, ob der Rowdy von Gimsen wirklich seine Drohung, dem zehnjährigen Max den Kopf abzuschneiden, in die Tat umgesetzt hätte. Vermutlich nicht. Gewiss ist allerdings, dass Max als Sechzehnjähriger jämmerlich im Moerkerzee ertrunken wäre, hätten Tibor und sein Cousin ihn nicht herausgezogen. Obwohl er Tibor seit rund fünfundvierzig Jahren nicht gesehen und ihn damals für einen etwas schrägen Vogel gehalten hat, ruft Max die angegebene Nummer an. Tibor erzählt, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet und bald sterben wird. Vorher möchte er noch eine wichtige Angelegenheit regeln, bei der er Hilfe benötigt. Widerwillig fährt Max nach Gimsen zu einem Mann, der ein eigentlich Unbekannter für ihn ist. Es ist eine Reise in die Vergangenheit und der Auftakt zu einem ungewöhnlichen Verbrechen. Tibor gibt ihm ein Manuskript, einen Bericht über sein Leben. Max beginnt widerwillig mit der Lektüre des Berichts, an dessen Glaubwürdigkeit er mitunter zweifelt, bis der Name seiner ersten Freundin und großen Liebe Kristiana Henkel auftaucht.

Mit Frauen hatte Max anscheinend schon immer Probleme, vor allem mit seiner letzten Freundin, der Schriftstellerin Brigitte. Nachdem sie ihn vor einigen Monaten verlassen hatte, musste er sich wegen Depressionen und Selbstmordgedanken in therapeutische Behandlung begeben. Seit kurzem befürchtet er, dement zu werden. Möglicherweise ist seine Vergesslichkeit aber auch pathologischer Ausdruck von Verdrängung.

Über den Umweg zur Wahrheit

Strafe ist ein Roman über die Entstehung eines Romans, mit einem Schriftsteller als Hauptfigur, der zumindest einige Parallelen zu Nesser aufweist. Das Alter stimmt in etwa, beide sind sehr erfolgreich, schreiben fast jedes Jahr ein Buch, ihre Themen sind, kurz gefasst, alternative Lebenswege (die Formulierung wird im Roman für Max verwendet), beide waren zuvor als Lehrer tätig, Max außerdem als Lokomotivführer. Max ist alleinstehend und lebt in Maardam, seine dritte Frau hat ihn vor einem halben Jahr verlassen, er hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder – wie Nessers familiären Verhältnisse aussehen, darüber vermag die Rezensentin nun wirklich nichts zu sagen. Jedenfalls lebt er nicht in Maardam, der Stadt, die bei Nesser häufig vorkommt, so in den Van Veeteren-Romanen. Zweifellos verbirgt sich Nesser, wenngleich nicht unverändert, hinter seiner Hauptfigur und auch im Text. So erwähnt Tibor, dass er den Roman Die Perspektive des Gärtners von Erik Steinbeck gelesen hat. Den Roman gibt es wirklich, nur heißt dessen Autor Håkan Nesser und Erik Steinbeck ist die Hauptfigur darin, ist folglich in Strafe ein fiktiver Autor.

Nesser lässt seine Figuren, ob Schriftsteller oder Verbrecher oder beides in Personalunion, Fiktionen erschaffen. In Strafe ist er so konsequent, sich selbst (mehr oder weniger) zu einer Figur in einem Roman zu machen, ein Verwirrspiel treibend mit der Übersetzerfiktion, Herausgeberfunktion und Autorenfiktion. Nesser ist in der fiktionalen Landschaft dieses Romans leichter auszumachen und zuverlässiger zu finden als Nessie in ihrem schottischen Loch. Alle Parameter definieren diese Landschaft eindeutig als Nesserland. Vorangestellt ist dem Roman eine Zeile auf Englisch, die von Archie Moore stammt und übersetzt heißt:

 

"Es gefällt mir zu glauben, dass ich auf einer wahren Geschichte beruhe."

 

Man könnte meinen, dass es sich dabei um einen Autoren handelt. Tatsächlich war Archie Moore der älteste Titelträger in der Geschichte des Boxsports, er hielt den Titel von 1952 bis 1962, als er im Alter von 49 Jahren gegen Cassius Clay (später Muhammad Ali) verlor. Nesser bringt gleich zwei Profiboxer ins Spiel, die er als Autorenfiguren etabliert.

Man mag andere Menschen belügen, mahnt die Therapeutin ihren Klienten Max, aber man sollte nie sich selbst belügen, es könne schlimme Folgen haben – ein Schlüsselsatz. Max schreibt an einem neuen Manuskript, in dem er genau die Städte erwähnt, die auch in Tibors Lebensbericht vorkommen, der älter als das Manuskript ist und erst später von Max gelesen wird. Da aber das Echo nicht vor dem Geräusch, die Kausalkette logischerweise nicht umgekehrt funktioniert, wirft das zwei wichtige Fragen auf: Wer ist der Autor und welches Motiv treibt ihn an?

Der Klappentext der deutschen Übersetzung informiert oder desinformiert darüber, dass Paula Polanski das Pseudonym einer deutschen Publizistin sei, die das Buch gemeinsam mit Nesser verfasst habe und aus Gründen, die sich bei der Lektüre des Romans erschließen, lieber anonym bleiben möchte. Paula Polanski, deren Name an den bekannten polnischstämmigen Regisseur gemahnt, worauf auch im Roman verwiesen wird, sei dem Autor auf einer Lesereise begegnet und habe ihm ihre Geschichte erzählt.

Im Original heißt der Roman "Straff", das Cover nennt Paula Polanski als Autorin und Håkan Nesser als Übersetzer. Die Angabe der Originalsprache fehlt, was ungewöhnlich ist. Oder auch nicht, wenn es nicht anders geht, weil es sich nicht um eine Übersetzung handelt. Der schwedische Titel wurde jedenfalls ins Deutsche übersetzt von Paul Berf, der bereits Die Lebenden und die Toten von Winsford übertragen hat, auch ein Roman über variable Lebensgeschichten.

Strafe ist ein spannender, raffiniert und stringent erzählter postmoderner Roman über einen Schriftsteller, der für ein Verbrechen bestraft wird - adäquat möchte man meinen - und er erzählt die Entstehungsgeschichte eines Romans, der zu siebenundachtzig Prozent Belletristik und zu dreizehn Prozent Kriminalroman ist.

Strafe

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Letzte Kommentare:
23.03.2018 10:56:48
carrie 33

Hakan Nesser schafft es wie kaum ein anderer AUTOR.neue Figuren in seinen Romanen zum Leben zu erwecken.
Strafe ist etwas undurchsichtig zu beginn.
Irgendwie läuft der Plot anders als gewohnt hier ab.
Ist da wirklich eine Mitautorin im Spiel.oder schreibt H.K. sich im Doppel selber.
Na egal-spannend auf jedenfall und sehr wechselhaft bis zum Schluss.
Unbedingt lesenswert...wie überall jeder bildet sich seine eigene Bewertung.

30.03.2017 13:47:11
Alice Lorenz

Ein wunderbarer, cleverer, in einer eloquenten Sprache geschriebener Roman!
Schreiben um leben zu dürfen weil irgendeine andere schreibende Person entschieden hat, dass man ihr geistiges Eigentum geklaut hat und es selbst verwertet hat. Zu allem Überfluss ist gerade dieses Werk von der Kritik hochgelobt und mit Preisen überschüttet worden! Da muss man ja auf Rache sinnen!

Mein Dank an Paul Berf für die hervorragende Übersetzung!

31.01.2017 19:20:58
Bilifix

Sorry, wortgewaltig, aber do langweilig! Mein Gott, rette sich wer kann. Aufgrund der guten Kritikrn habe ich gelesen und gelesen aber das wird nicht besser! Ein gebrabbel und einfach eine verquere Lebensgeschichte mehrerer schräger Leute! Schon die Wahl der Namrn Schmeling und Schitkowski weisst auf den nonsens hin!!

29.01.2017 16:10:45
Jens

Ich bin jetzt etwa bei der Hälfte des Hör-Buchs und ich kann die guten Bewertungen hier nicht nachvollziehen.
Das Werk schleppt sich träge dahin - mit Details, deren Bedeutung sich mir nicht erschließt.
Bisher weißt nichts darauf hin dass es sich um mehr als eine dröge Autobiografie eines Sterbenden handelt, der sich aus unerfindlichen Gründen eines alten Schulkameraden erinnert, dem er einen Teil seines Werkes unter Alkoholeinfluss auf's Auge drückt.
Daher werde ich wohl hier abbrechen und mir lieber ein anderes Hörbuch holen als mich weiter zu langweilen.

13.03.2016 09:07:34
Helmut Scheuplein

Nach dem und anschließend die Beiträge hier in Krimi-Couch gelesen habe, hat mir der Kommentar von Leselöwin gut gefallen: "Das soll was sein".
Ich bin wohl auch der Raffinesse des Buches nicht gewachsen - ich bin eher enttäuscht über die Entwicklung des Romans und finde ihn arg konstruiert. Selbst die genannte Co-Autorin erschließen sich mir nicht.
Ich bin von Håkan Nesser ansonsten begeistert, vielleicht auch etwas geradliniger verwöhnt.
Lesen allerdings lässt sich der Roman gut, wie eben die meisten seiner Romane.

06.02.2016 19:29:56
Peter Faesi

Noch einmal zu "Strafe", wo es doch Einiges zu klären gibt. Wieso macht Max bei diesem absurden Projekt überhaupt mit?
Der Hebel/Henkel ist „Kristiana Henkel, sie ist die Schürfwunde, der Juckreiz und der Zahnschmerz.“. „Am Abend tauchte dann Kristiana Henkel auf. Nun ja, sie tauchte natürlich nicht in der Taverne auf, sondern in unserem Gespräch“, denn der erste Liebesakt von Max war eine Blamage. „Warum musstest du sie wieder zum Leben erwecken, du verdammter Scheisshaufen?“ Max soll nun in Gefangenschaft die Wahrheit schreiben, aber er lügt, z.B. in Bezug auf Kristiana, mit der er Sex gehabt haben soll :„Das Glied, das im Anbeginn der Zeit in die jungfräulichen Feuchtgebiete der siebzehnjährigen Kristiana Henkel eindrang. So ist es tatsächlich, genauso schlaff und banal sieht das Leben im Nachhinein aus, und ist nicht in Wahrheit dieser Umstand die Wurzel seines Ärgers.“ Max lügt auch in Bezug auf Brigitte, wo anscheinend keine Konkurrenz und kein Neid gewesen sein soll. Für einen hervorragenden Roman braucht es, was in der Diskussion noch nicht erwähnt wurde, so ein Thema, ein Anliegen, eine Kernaussage, eine Message. Worum geht es letztendlich? Es ist ein Roman über Verlogenheit und Selbsttäuschung, denn selbst unter den erschwerten Umständen des Gefangenseins kann sich Max Schmeling nicht zur Wahrheit bekennen und belügt sich und die andern. Und das in einem Roman, der sowieso immer lügt, und das mit drei Figuren, die sowieso immer etwas vorspielen: Zwei Schriftstellern und einem Schauspieler! Gewaltig!

03.02.2016 18:02:18
Andrea schindlbeck

Ich habe schon sehr sehr sehr viele Kriminalromane in meinem Leben gelesen. Strafe von Nesser ist meines Erachtens einer der allerbesten davon, spannend, verzwickt, ab circa der Hälfte kann man nicht mehr aufhören, zu lesen. Ich hoffe, von diesem Schriftsteller noch viel lesen zu dürfen. Nesser ist einfach faszinierend. Meine Hochachtung!!

23.10.2015 20:52:13
Sagota

"Strafe" ist im btb-Verlag (Mai 2015) erschienen und wurde von Paula Polanski (ein Pseudonym einer deutschen Autorin) und dem Erfolgsautor Hakan Nesser gemeinsam geschrieben: Es handelt sich um einen wirklich ungewöhnlichen Roman, der stimmigerweise in Teil I - III unterteilt ist. Klappt man das Buch auf, ist ein Briefumschlag angedeutet (rot/weiß); denn mit einem Schreiben an den Schriftsteller Max Schmeling beginnt die Handlung des Romans... Das Cover hat eher Krimi-Charakter, der Handlungsverlauf mündet auch in einen solchen - nur eben auf sehr subtile und außergewöhnliche Weise.

"Ein Brief aus der Vergangenheit. Der Auftakt für ein ungewöhnliches Verbrechen" (Zitat vom Buchrücken)

Meine Meinung:
Wir lernen Max Schmeling kennen, ein oft einsamer, alternder (Erfolgs)-Schriftsteller, der seinen beruflichen Zenith überschritten hat und (in einer Art inneren Monologe, die sehr authentisch und nachvollziehbar, auch zuweilen emotional sind) mit seinen "Frauen" und dem jeweiligen Grund des Verlassenwerdens "abrechnet". Durch das Schreiben des ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski wird er durch dessen Bitte in die gemeinsame, lange zurückliegende Vergangenheit hineingezogen. Dazu hat er zuweilen weder die Lust noch die Zeit, aber der Sog des Manuskripts, das Tibor ihm aushändigt ("Bericht über mein Leben") lässt Max nicht mehr los...Tibor scheint eher auf der "Schattenseite des Lebens" zu stehen und personifiziert den "ewigen Verlierer", schon vom Vater als Hohlkopf deklariert, jedoch mit einer letzten Bitte, die nur Max Schmeling erfüllen kann...
Dieser scheint dann eher die "Sonnenseite" zu vertreten, da Erfolg und Wohlstand durch Schriftstellertum nicht ausblieben.
Im Kapitel II lernen wir Paula, die Tochter Tibor's kennen, die eine schwierige und einsame Kindheit und Jugend hatte , die infolge vieler Umzüge nie in der Lage war, stabile Freundschaften aufzubauen, die Mutter Paula's, Kristina, ist dabei "das Objekt der Begierde" für Max, da er als Jugendlicher die erste sexuelle Begegnung mit ihr hatte, um sie dann aus den Augen zu verlieren. Dieses Kapitel birgt eine gewisse Dramatik, da die Mutter Paula bis ins Erwachsenenalter an sich bindet, ein möglichst sorgenfreies Leben führen möchte und ihre Tochter nicht in ihr eigenes Leben "entlassen" kann - somit wird eine ziemlich missglückte Sozialisation beschrieben, die es allenthalben und allerorten tatsächlich gibt - und zuweilen betroffen macht.
In Kapitel III offenbart sich, wer hinter "Paula" steckt und wer sowie aus welchem Grunde die "Strafe" gemeinsam und mit großem Spaß unter griechischer Kykladensonne "ausgetüftelt" wurde... Und so hat Max Schmeling eine "Chance", um sein Leben zu schreiben, endlich EINMAL ehrlich und authentisch zu sein. So gibt Max "sein Bestes, das spürbar sein soll" (Zitatende).

Fazit:
Eine makabre Geschichte, in der nichts so ist, wie es den Anschein hat. Ein tiefgründiger Roman über die Möglichkeiten von Literatur und Abwegen, zu denen sie führen kann, genial konstruiert und stilistisch sehr gut aufgebaut, mit Krimielementen versehen und menschlicher Beobachtungsgabe, die von einem Seziermesser geführt sein könnte.
Faszinierend und auch spannend zu lesen; ein Roman voller unabsehbarer und sehr überraschender Wendungen, der mich auch an "Das geheime Fenster" mit Johnny Depp erinnerte... Eine klare Leseempfehlung und 4 wohlverdiente Sterne sowie 87° auf der Krimi-Couch von mir!

23.10.2015 17:04:35
Leselöwin

Dies Buch ist nicht schlecht, aber die begeisterte Bewertung der Rezensentin wundert mich doch sehr. Die Geschichte ist arg konstruiert, und man erwartet nach all den geheimnisvollen Andeutungen einen furiosen Schluss. Stattdessen gibt es ein lauwarmes Ende- eher eine Verlegenheitslösung.
Was will uns der Autor damit sagen, dass er eine fiktive Person aus dem Roman, Paula Polanski, als Mitautorin auf dem Cover des Buches auftreten lässt? Meine Oma hätte gesagt:"Das soll was sein."

11.10.2015 14:59:37
Cervecero

Strafe ist eher unpassend.Ich habe es als "Höchststrafe" angesehen dieses Buch zu lesen.Man wird zwar nicht gezwungen aber klar ist nunmehr was man von KC Bewertungen und das mit 97° halten soll.
Es ist nicht Fiktion sondern eher ein literarischer Albtraum.
Die einzig offene Frage ist wie kommt dieses Werk überhaupt in die KC ?
Worst book ever aber zumindenst einen Platz in der Hall of Shame

08.08.2015 21:58:22
Marco23

Was für ein Reinfall! Sicher ist die Auflösung eine nette Idee, aber bis man dorthin kommt, muss man sich Stunden voller morbider und abgestandener Erzählungen über Krankheiten, Altherrenphantasien und Körperflüssigkeiten antun. Das Buch ist weder ein Krimi noch gehört es in eine Reihe mit anderen "Volltreffern" auf der KC.

07.08.2015 22:49:48
Peter Faesi

Lesen, lesen, lesen, in einem Zug, an einem Tag! Nicht nur treibt Hakan Nesser ein tückisches Spiel, indem er die Co-Autorin Paula Polanski erfindet, er tanzt auch dem Leser auf der Nase herum und erfindet gegen Schluss so überraschende Pirouetten, dass man mit der Lektüre gleich wieder von vorne beginnt. Spannend, spannend, spannend! Und dazu spielt der Roman erst noch auf zwei Ebenen: Auf der Ebene der Handlung, wo es offenbar um etwas Geheimes oder Verbotenes geht, und auf der Ebene der Textproduktion, wo es um die Bedingungen für wirkungsvolles Schreiben geht. Und sagen wir es laut: Endlich wieder einmal ein Roman, indem kein Mörder Körperteile abschneidet, Zungen ausreisst, Leichen zerstückelt oder dutzendweise hinter dem Haus vermodern lässt, Opfer in Säuren ertränkt oder Gesichter zu Hackfleisch zermalmt. Spannung gibt’s auch, ohne dass massenmordend ganze Kontinente entleert werden. Lesen, lesen, lesen!

06.08.2015 08:10:31
Hühnersupper

Man selbst ist sich Strafe genug, wenn man immer wieder Bücher von einem Autor liest, den man nicht mag, nur weil man des Lesens mächtig ist.

Churchills Bonnmot gilt nur, wenn Menschen aus nicht mehr als Meinungen bestehen, und als Berlinmot ergibt sich daraus, dass Merkel ob ihrer inneren Meinungsvielfalt als Alleinherrscherin ausreichend ist.

04.08.2015 17:46:08
Wacken2015

Habe vorigen Meinungsaustausch verfolgt und möchte folgende Sprüche zitieren:

Wenn zwei immer derselben Meinung sind, ist einer von beiden überflüssig.
(Winston Churchill)

Respektiere dich selbst, respektiere andere und übernimm Verantwortung für das was du tust.
(Dalai Lama)

Dumme Fragen zu stellen ist leichter als dumme Fehler zu verbessern.
(Heinrich Böll)

Man muß wissen, bis wohn man zu weit gehen kann.
(Jean Cocteau)

Wacken 2015 war super. Die Karten für Wacken 2016 sind schon weg.

04.08.2015 14:40:36
Eule Buer

Hallo Heiner! Es gibt viele Autoren-Duos, so auch bei "Strafe". Mir ist Paula Polanski ein Dorn im Auge. Paula Polanski wird im Roman erwähnt, aber auch auf dem Cover. Ist sie jetzt denn jetzt? Echt oder nicht echt? Ist sie ein Geist? Ist sie eine wahre und echte Mitautorin?
Ich hoffe, wir haben unseren kleinen Disput beendet.
Ich bin auch dafür, daß man auf Krimi-Couch sinnvolle Kommentare über Bücher abgibt, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.
Wenn ich was zu den von mir genannten Büchern gesagt habe, dann habe ich diese Bücher (egal welches Buch und auch egal welcher Autor) auch wirklich gelesen. Außer den Krimis, die in Frankreich spielen. Die kenne ich nicht. Es war ein Tipp für alle Krimi-Fans, die Krimis mögen, die in Frankreich spielen.

Friede?

04.08.2015 14:12:31
Heiner

Hallo Frau Eule Buer
Ich habe Sie weder beschimpft noch behauptet das sie nicht lesen können und sie können gerne weiter ihre Lesermeinungen schreiben . Ich bin nur der Meinung und so ist es ja auch gedacht das man hier sinnvolles zu dem Buch schreiben soll .
Zum Austausch : Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet .
Welche realexistierende Person wird in dem Buch erwähnt ?

04.08.2015 13:13:17
Eule Buer

Hallo Heiner! Vielen Dank für Ihre Meinung, die ich gerne akzeptiere. Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß ich "Strafe" gelesen habe, da ich des Lesens mächtig bin. Auch bin ich geistig in der Lage, Bücher zu verarbeiten. Aber Krimi-Couch ist dafür da, damit sich Leser austauschen können und nicht, daß man sich gegenseitig beschimpft. Jeder hat so seine Ansichten. Ich hoffe, daß wir das jetzt mal so geklärt haben.

04.08.2015 12:44:31
Heiner

Sehr geehrte Eule .
Eine Strafe ist für viele Leser was sie hier unter Lesermeinungen von sich geben . Sie schreiben fast nichts hilfreiches zum Buch , sondern geben nur ihren Senf zu Sympathien und Antipathien zu Autoren ab .
Ich bezweifele das sie dieses Buch gelesen haben . Welche realexistierende Personen kommen denn hier vor und nennen sie bitte nicht Paula Polanski , die gibt es nicht und dieser Max Schmeling hat wohl auch nichts mit dem anderen zu tun . Ein Name kann es doch auch 2 mal geben . Ich denke sie sind nur mit bestimmten Büchern überfordert Darum bleiben sie doch ruhig bei ihren Büchern die leicht zu lesen sind .

04.08.2015 10:07:40
Eule Buer

Ich habe nicht viele Bücher von Hakan Nesser gelesen. Und das ist auch gut so. Denn ich ärgere mich jedes mal Geld für seine Bücher verschwendet zu haben. "Strafe" ist wirklich eine Strafe. Und Hat mich davon geheilt, Herrn Nesser eine Chance zu geben. Und außerdem macht er das, worüber sich manche bei den Büchern von Klaus Peter Wolf aufregen, z. B. realexistierenden Personen namentlich zu erwähnen. Warum darf das der Herr Nesser machen, Herr Wolf jedoch nicht. Bei Herrn Wolf wird es immer gleich für Werbung usw. ausgelegt. Hakan Nesser für mich: Nein, danke!

02.07.2015 10:18:28
borgi

Ich habe mittlerweile viele Bücher von Hakan Nesser gelesen und habe auch hier den besonderen Schreibstil Nessers vorgefunden. Zum eigentlichen Inhalt möchte ich fast nichts schreiben, denn die Gefahr ist zu groß, wichtiges zu verraten.Mir sind aber zwei Stilmittel besonders aufgefallen, deren sich die Autoren hier bedienen:
Zum einen sind es bekannte Namen und Schriftsteller. Schon die Hauptperson, Max Schmeling, ist Autor. Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass Max diesen Namen eben wegen dem berühmten Boxer bekommen hat. Später taucht dann eine weitere wichtige Person auf: Paula Polanski. Hoppla, dachte ich, das ist doch die Co-Autorin des Buches? Seltsam. Und auch Paula Polanski ist im Buch Schriftstellerin. Und noch eine kleine Spielerei ist mir aufgefallen: Ein Protagonist liest das Buch “Die Perspektive des Gärtners” von Erik Steinbeck. Das Buch hab' ich selbst gelesen, aber … es ist von Hakan Nesser! Der erwähnte Steinbeck war dort der Protagonist.Das zweite ist die Sprache. Es fällt auf, wie ausgewählt und besonders selbst die kleinsten Details beschrieben werden. Beispielsweise die Analyse eines einzelnen, gesprochenen Wortes. Wie es betont wird, wie es nachhallt usw. Dies findet sich in der Geschichte ebenso wie in den Gedanken und Dialogen der Hauptdarsteller.Der eigentliche Plot war sehr überraschend, auch wenn ich ihn nicht so gelungen fand. Er gibt dem Buch aber eine spannende und überraschende Wende, die sicher den Gesamteindruck des Buches prägt.

27.06.2015 10:06:15
sherly

Dieses Buch ist eine ganz klare Leseempfehlung, doch eine Rezension darüber zu schreiben ist eine wahre Herausforderung, denn jedes Wort über den Inhalt könnte eines zu viel sein. Hakan Nesser erweist sich erneut als Meister der Spannung, auch wenn es sich hier keinesfalls um einen klassischen Krimi handelt. Dennoch begeben wir uns auf eine Art Spurensuche und versuchen die geheimnisvolle Geschichte von Max und Tibor zu entschlüsseln. Alles beginnt mit einem Brief, den der Autor Max von Tibor, einem alten Bekannten aus Kindertagen, erhält. So beginnt zumindest das Buch. Die eigentliche Geschichte beginnt wohl schon Jahre vorher, aber wer weiß schon so genau, wo eine Geschichte eigentlich anfängt. In dem Brief bittet Tibor Max um Hilfe, er sei todkrank und hätte noch einen letzten Wunsch. Tibor erinnert Max daran, dass er ihn früher zweimal das Leben gerettet habe und es nun an der Zeit sei sich zu revanchieren. Max verspürt einen großen Widerwillen, kann sich aber dieser Bitte nicht entziehen und so nimmt er Kontakt zu Tibor auf. Soweit die Ausgangshandlung. Als Leser verfolgt man nun recht atemlos die weiteren Geschehnisse und der größte Reiz ist, dass man eigentlich zu keiner Minute weiß, woran man ist und jeder Leser wird wohl seine ganz eigenen Schlüsse ziehen. Doch eines lässt sich ganz klar sagen, Nesser und seiner Co-Autorin Paula Polanski gelingt ein meisterhaftes Verwirrspiel um Schuld, Sühne und Vergeltung und zugleich eine anspruchsvolle Geschichte über die Möglichkeiten im Leben und darüber wie jede Handlung und Entscheidung unseren weiteren Weg bestimmt. Auch sprachlich überzeugt das Autorenduo und schlägt uns virtuos in seinen Bann. Doch wer ist eigentlich Paula Polanski? Aber lest am besten selbst und findet eure eigene Antwort.

16.06.2015 18:49:24
Sagota

"Strafe" ist im btb-Verlag (Mai 2015) erschienen und wurde von Paula Polanski (ein Pseudonym einer deutschen Autorin) und dem Erfolgsautor Hakan Nesser gemeinsam geschrieben: Es handelt sich um einen wirklich ungewöhnlichen Roman, der stimmigerweise in Teil I - III unterteilt ist. Klappt man das Buch auf, ist ein Briefumschlag angedeutet (rot/weiß); denn mit einem Schreiben an den Schriftsteller Max Schmeling beginnt die Handlung des Romans... Das Cover hat eher Krimi-Charakter, der Handlungsverlauf mündet auch in einen solchen - nur eben auf sehr subtile und außergewöhnliche Weise.

"Ein Brief aus der Vergangenheit. Der Auftakt für ein ungewöhnliches Verbrechen" (Zitat vom Buchrücken)

Meine Meinung:
Wir lernen Max Schmeling kennen, ein oft einsamer, alternder (Erfolgs)-Schriftsteller, der seinen beruflichen Zenith überschritten hat und (in einer Art inneren Monologe, die sehr authentisch und nachvollziehbar, auch zuweilen emotional sind) mit seinen "Frauen" und dem jeweiligen Grund des Verlassenwerdens "abrechnet". Durch das Schreiben des ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski wird er durch dessen Bitte in die gemeinsame, lange zurückliegende Vergangenheit hineingezogen. Dazu hat er zuweilen weder die Lust noch die Zeit, aber der Sog des Manuskripts, das Tibor ihm aushändigt ("Bericht über mein Leben") lässt Max nicht mehr los...Tibor scheint eher auf der "Schattenseite des Lebens" zu stehen und personifiziert den "ewigen Verlierer", schon vom Vater als Hohlkopf deklariert, jedoch mit einer letzten Bitte, die nur Max Schmeling erfüllen kann...
Dieser scheint dann eher die "Sonnenseite" zu vertreten, da Erfolg und Wohlstand durch Schriftstellertum nicht ausblieben.
Im Kapitel II lernen wir Paula, die Tochter Tibor's kennen, die eine schwierige und einsame Kindheit und Jugend hatte , die infolge vieler Umzüge nie in der Lage war, stabile Freundschaften aufzubauen, die Mutter Paula's, Kristina, ist dabei "das Objekt der Begierde" für Max, da er als Jugendlicher die erste sexuelle Begegnung mit ihr hatte, um sie dann aus den Augen zu verlieren. Dieses Kapitel birgt eine gewisse Dramatik, da die Mutter Paula bis ins Erwachsenenalter an sich bindet, ein möglichst sorgenfreies Leben führen möchte und ihre Tochter nicht in ihr eigenes Leben "entlassen" kann - somit wird eine ziemlich missglückte Sozialisation beschrieben, die es allenthalben und allerorten tatsächlich gibt - und zuweilen betroffen macht.
In Kapitel III offenbart sich, wer hinter "Paula" steckt und wer sowie aus welchem Grunde die "Strafe" gemeinsam und mit großem Spaß unter griechischer Kykladensonne "ausgetüftelt" wurde... Und so hat Max Schmeling eine "Chance", um sein Leben zu schreiben, endlich EINMAL ehrlich und authentisch zu sein. So gibt Max "sein Bestes, das spürbar sein soll" (Zitatende).

Fazit:
Eine makabre Geschichte, in der nichts so ist, wie es den Anschein hat. Ein tiefgründiger Roman über die Möglichkeiten von Literatur und Abwegen, zu denen sie führen kann, genial konstruiert und stilistisch sehr gut aufgebaut, mit Krimielementen versehen und menschlicher Beobachtungsgabe, die von einem Seziermesser geführt sein könnte.
Faszinierend und auch spannend zu lesen; ein Roman voller unabsehbarer und sehr überraschender Wendungen, der mich auch an "Das geheime Fenster" mit Johnny Depp erinnerte... Eine klare Leseempfehlung und 4 wohlverdiente Sterne sowie 87° auf der Krimi-Couch von mir!