Cop Town - Stadt der Angst

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • New York: Delacorte Press, 2014, Titel: 'Cop Town', Originalsprache
  • München: Random House Audio, 2015, Seiten: 6, Übersetzt: Nina Petri, Bemerkung: Gekürzte Lesung

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Almut Oetjen
Im Schützengraben des Polizeialltags - Zwei neue Ermittlerinnen in Atlanta

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jun 2015

Atlanta, Georgia, im November 1974. Das bislang letzte Opfer eines Copkillers ist Don Wesley, der Partner von Jimmy Lawson. Jimmy beansprucht für sich Freiraum, um den Serienkiller fassen zu können. Deshalb hat er etwas dagegen, dass ihm der Neuling Kate Murphy an die Seite gestellt wird. Kate arbeitet daraufhin mit Jimmys Schwester Maggie Lawson zusammen. Maggie ist eine erfahrene Polizistin, die aus einer Copfamilie stammt. Außer ihrem Bruder arbeitet derzeit auch ihr Onkel Terry im Department. Dennoch ist sie täglich Ressentiments ausgesetzt und hat mit ihren sexistischen Kollegen zu kämpfen. Kate und Maggie haben nicht viel gemeinsam, nähern sich auf der Straße jedoch in kürzester Zeit einander an. Kates Mann ist im Vietnamkrieg gefallen. Sie kommt aus einem privilegierten gesellschaftlichen Umfeld. Ihre Kollegen machen sich über sie lustig, sie wird Opfer von Machogehabe und physischen Übergriffen. Aus Sicht der männlichen Kollegen sind Frauen allenfalls für die Polizeiarbeit geeignet, wenn sie Falschparker aufschreiben oder Sekretariatsarbeit leisten. Als ein weiterer Polizistenmord geschieht, begeben sich die Männer des Atlanta Police Department auf eine Menschenjagd. Maggie und Kate gehen auf Distanz und versuchen auf andere Weise, den Copkiller zu fassen.

Homophobie, Sexismus und Rassismus

Die Gegenwartshandlung von Cop Town spielt im November 1974, beansprucht vier Tage, von Montag bis Mittwoch und den achten Tag, den Montag der Folgewoche, verteilt auf zwischen einem Prolog und Epilog untergebrachten vierunddreißig Kapiteln. Innerhalb der erzählten Gegenwart gibt es Rückblenden.

Slaughter verpasst Cop Town damit in etwa den gleichen Zeitrahmen (vier Tage und eine Woche später) wie dem vorhergehenden Roman Bittere Wunden, der eine ähnliche Geschichte erzählt, die zwischen 1974 und 1975 in Atlanta spielt, und in dem sie einen Themenkomplex beschreibt, den sie nun wieder aufnimmt und stärker in die Tiefe entwickelt. Auch sind die Hauptfiguren nun andere, nicht mehr Will Trent, seine Ex Angie, seine Liebe Sara. Das Ermittlerpaar heißt hier Kate Murphy und Maggie Lawson, womit Slaughter erstmals zwei weibliche Polizisten in den Mittelpunkt der Erzählung stellt.

Das Atlanta Police Department wirbt seit kurzer Zeit um Frauen im Polizeidienst, die deshalb Exotinnen sind und kein leichtes Leben haben. Ganz oben in der informellen Hierarchie stehen die weißen Männer, gefolgt von schwarzen Männern, und ganz unten befinden sich die Frauen. Sexismus, Rassismus, und das Spektrum dessen, was heute als politisch inkorrektes Verhalten bezeichnet wird, ist der Alltag, dem sich insbesondere die Frauen als Opfer ausgesetzt sehen.

Kate, die ihr altes Leben hinter sich lassen will, gerät bereits an ihrem ersten Diensttag in schwierige und unangenehme Situationen. Sie zweifelt schnell daran, dass sie den Job überhaupt längere Zeit durchzustehen vermag, soll heißen, ob sie am zweiten Arbeitstag wieder in der Dienststelle erscheinen wird. Aber sie will sich dann doch durchbeißen. Sie muss implizite Initiationsriten durchlaufen, um von ihren männlichen und weiblichen, vor allem den weiblichen, Kollegen akzeptiert zu werden. Nicht viele von ihnen geben ihr überhaupt eine Chance. Kate ist eine komplexe Figur, deren Persönlichkeit wir durch ihr Handeln puzzleartig zusammensetzen. Sie wird eingeführt als eine kleine Person, der die Uniformhose zu lang ist, die Schuhe zu groß sind und deren Kopf unter der Polizeimütze verschwindet. Kurz: sie sieht lächerlich aus und bekommt dies auch zu spüren. Es gab zu dieser Zeit noch keine Uniformen für Frauen.

Maggie gehört zum Blue Blood, das Blau der Uniform fließt in ihrem Blutkreislauf, weil sie einer Copfamilie entstammt. Ihr Onkel ist ihr Vorgesetzter und nicht gerade glücklich damit, dass eine Frau aus der Familie bei der Polizei arbeitet. Sie ist seit ein paar Jahren dabei, hat aber noch immer mit den männlichen Vorurteilen und Ablehnungen zu kämpfen. Ihr Onkel legt nicht einmal Wert auf ihre Meinung zu einem Fall. In der Zusammenarbeit mit Maggie bekommt Kate schnell mit, dass es viele ungeschriebene Regeln gibt, an die sie sich halten muss, wenn sie überhaupt bestehen will.

Slaughter führt die beiden Frauen geschickt in die Handlung ein und nimmt sich Zeit, sie im Dienst wie auch privat differenziert zu beschreiben. Darüber hinaus gelingt es ihr, das zeitgenössische Atlanta so darzustellen, dass man sich ein Bild von der Stadt machen kann. Es mag für Leser und Leserinnen einen Mehrwert bedeuten, den von Slaughter beschriebenen Sexismus in den USA der 1970er Jahre, der so oder ähnlich charakteristisch für westliche Gesellschaften war, mit heutigen Formen und Qualitäten von Sexismus zu vergleichen.

Karin Slaughter erzählt in Cop Town eine spannende Geschichte über einen Copkiller im Atlanta Mitte der 1970er Jahre und bettet die polizeilichen Ermittlungen in einen hässlichen Alltag, der bestimmt ist durch Rassismus, Sexismus und Homophobie, durch politische und soziale Unruhen. Ihr bislang bester Roman, ein Einzelwerk ohne ihre bekannten Serienfiguren.

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