Brennender Zorn

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: dtv, 2015, Seiten: 416, Originalsprache

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Michael Hoch
Ein zarter erster Versuch

Buch-Rezension von Michael Hoch Mai 2015

Kommissar Kaltwasser ist ein einfacher Mann. Er hat nicht viele Ecken und Kanten, wobei man ihn auch nicht als aalglatt bezeichnen kann. Man scheint ihn nicht so recht greifen zu können. Die Umzugskisten sind noch nicht ausgepackt, da muss sich Kaltwasser schon in den ersten Fall stürzen. Er tappt lange im Dunkeln, da hilft auch keine Tasse Tee. Seine Hypothesen sind schwach, seine Kollege halten nicht unbedingt große Stücke auf ihn. Jetzt muss Kaltwasser zeigen, was er drauf hat. Aber auch Kollegin, Kommissarin Janisch, in ihrer spröden Art, ist ihm da keine große Hilfe.

Claudia Frenzel ist Jahrgang 1966. Brennender Zorn ist ihr erster Roman, mit dem eine neue Reihe etabliert werden soll. Kommissar Kaltwasser soll sich in den nächsten Jahren in die Riege der neuen Ermittler einreihen. Ein lohnenswerter Versuch? Vielleicht. Jedenfalls lässt es sich mit dem ersten Teil nicht vollständig beantworten. Wenn der Krimi doch nur wirklich überzeugen würde, mit Pauken und Trompeten, aber es ist hier und da nur ein Ach und Krach. Der Protagonist ist charakterlich schwer zu greifen. Man erfährt nicht viel über ihn. Auch die anderen Figuren werden schwerlich zur Identifikationsfigur.

Der Ermittlername Kaltwasser ist dabei möglicherweise das ungewollte Symbol für den Erstversuch der Autorin, von 0 auf 100 durchzustarten. Sie springt mit Brennender Zorn ins kalte Wasser der umkämpften Krimisparte. Klar gibt es einen Platz für jeden im Regal. Doch wie schnell klafft dort eine Lücke oder wie lange scheint es wie Blei dort festzuhängen? Das wird sich zeigen. Und so, wie der erste Tag für Kommissar Kaltwasser kein leichtes Unterfangen wird, so könnte es auch für Autorin Frenzel nicht einfach werden, sich ihre Leser mit dem ersten Krimi zu erobern. Brennender Zorn ist der erste zarte Versuch, einen großen Krimi zu schaffen. Leider verliert sie sich in so manche Belanglosigkeit. Frenzels Krimi wird dabei beinahe zur eigenen Geschichte. Während die Autorin zwischen Berlin und München pendelt, hat sich ihr Kommissar Kaltwasser von München nach Berlin versetzen lassen – nach einer privaten Krise. Frenzel setzt keinen neuen Maßstab. Auch die Tatsache, dass sich ihr Kommissar bei seinen Ermittlungen mit seiner Vergangenheit konfrontiert sieht, ist kein neuer Schachzug, sondern häufig genutzter Handlungsstrang im Krimibusiness. Brennender Zorn bleibt kühl wie seine Figuren.

Dabei ist die Tatsache, dass in einer Geistervilla ermittelt wird, eigentlich ein guter Plot mit schaurig-schönen Momenten, die die Nächte kurz werden lassen und man gar nicht mehr aufhören möchte, das Buch wegzulegen. Dem ist nicht immer so. Brennender Zorn ist beileibe kein wirklich belangloses Buch, ihm fehlt es nur ein wenig an Würze, die es gebraucht hätte, um einen nachhaltigen Aha-Effekt auszulösen. Auch wenn Claudia Frenzel 2002 ein vielbeachtetes Romandebüt hinlegte ("Nö"), in der Krimiwelt muss auch sie zeigen, dass sie durchaus dazu gehören kann.

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Letzte Kommentare:
23.09.2017 20:13:52
G. Rupp

eines der langatmigsten und langweiligsten Bücher, dass ich in den letzten 10 Jahren gelesen habe. Falls uch es noch bis zum Ende durchstehe...

Seichte Story, blasse Figuren. Es wird jeine Spannung aufgebaut, und auch den Witz der viele Krimis mit Regionalkollorit auszeichnet fehlt gänzlich. Schade.