Schnee am Ballermann

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Abod, 2015, Seiten: 6, Übersetzt: Manni Breuckmann

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Andreas Kurth
Amateure wollen in der Profi-Liga mitspielen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2015

Frank Husniak kann ihren Verrat nicht verwinden, und tötet im Affekt seine Freundin Talea. Einige Zeit zuvor hatten Frank und ein paar Freunde ein verlassenes Haus auf den Klippen von Cala Figuera besetzt. Diese ungewöhnliche Fünfer-Wohngemeinschaft besteht aus Aussteigern der unterschiedlichen Art - die teilweise im Drogen-Geschäft auf Mallorca mitmischen. Während einer Party vor dem Haus beobachtet die Gruppe eine in der Bucht treibende Person. Frank fackelt nicht lange und zieht Talea aus dem Wasser - die beiden werden später ein Paar. Derweil bricht eine Art Bandenkrieg aus. Ein Wagen wird samt Chauffeur in die Luft gesprengt. Jörg, einer von Franks Mitbewohnern, wird auf offener Straße erschossen. Es zeigen sich einige Abgründe und Verstrickungen, aus denen es für einige der Beteiligten kein Entkommen gibt. Das Ganze nimmt für Frank irgendwann lebensbedrohliche Formen an - und führt schließlich zu der tödlichen Eskalation auf den Klippen.

Die Profis zeigen mal, wo der Hammer hängt

Ein Fußball-Reporter schreibt einen Kriminalroman. Das ist schon mal eine ungewöhnliche Konstellation. Nun war Manni Breuckmann - immerhin studierter Jurist - nicht nur im Sport journalistisch unterwegs, aber dem Publikum außerhalb von Nordrhein-Westfalen ist er vor allem als wortgewaltiger Begleiter von Fußballspielen in Erinnerung. Da ist es kein Wunder, dass er seinen Krimi am so genannten Ballermann spielen lässt - der wohl beliebtesten Trainingsfläche unter deutschen Fußballern. Die Mannschaftsfahrt nach Malle gehört in vielen Amateurklassen zu den eingeübten Ritualen am Ende der Saison.

Die Wahl des Schauplatzes ist also schon mal naheliegend. Und es kommen Personengruppen vor, die so einem Krimi halt die Würze geben. Aussteiger, Drogendealer, Zuhälter, Rocker und sonstige Kriminelle. Die amateurhaften Ausflüge von Frank und seinen Kumpeln in die knallharte Welt des Drogenhandels bescheren den Jungs aus dem Ruhrpott für einige Zeit ein angenehmes Einkommen - aber am Ende zeigen ihnen die Profis, wo der Hammer hängt. Der Autor hat hier einige Milieus durchaus treffend beschrieben, die Figuren sind prägnant gezeichnet. Zuweilen hätte er da weiter ausholen dürfen, um interessanten Neben-Protagonisten etwas mehr Raum zu geben.

Breuckmann kann Herkunft als Fußball-Reporter nicht ablegen

Auf die harte Tour werden die Claims zwischen den verschiedenen Gruppen abgesteckt, damit es keine weiteren Missverständnisse gibt. Polizei und Ermittlungsbehörden spielen in diesem Roman nur ganz am Anfang eine kleine Rolle. Und da der finale Mord gleich zu Beginn geschildert wird, fragt sich der Leser zunächst, was das werden soll mit dieser Geschichte. Manni Breuckmann hat eine der schwierigsten Varianten gewählt, um seinen Plot aufzubauen. Das ist ihm durchaus gut gelungen, aber um sich über einige Untiefen der Handlung hinweg zu hangeln, baut der Autor das eine oder andere wohlbekannte Klischee ein.

Der Leser hat dadurch dann einen Wiedererkennungseffekt, was nicht immer negativ sein muss. Allerdings kann Breuckmann seine Profession als Fußball-Reporter nicht ganz ablegen. Die in Fan-Kreisen bestens bekannte Rivalität zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 transportiert die Reporter-Legende auf die Insel und in seinen Roman - nicht wirklich originell, aber angesichts der beruflichen Hintergrunds verzeihlich.

Im Trainingslager noch an einigen Fertigkeiten feilen

Breuckmanns Kriminalroman kann nicht wirklich oben in der Liga mitspielen, um die ihm bestens vertraute Fußballer-Sprache zu bemühen. Aber der Autor versteht zu unterhalten, die eine oder andere überraschende Wendung hat er eingebaut. Den Roman kann man am Strand oder während eines verregneten Nachmittags genießen, kurzweilige Lektüre bietet er allemal.

Sollten weitere Ausflüge in die Kriminal-Literatur geplant sein, müsste Manni Breuckmann aber noch unbedingt ein Trainingslager beziehen, um an einigen erzählerischen Fertigkeiten zu feilen. Vor allem am Titel eines weiteren Buches sollte er gemeinsam mit seinem Lektor feilen - Schnee am Ballermann ist zwar recht eindeutig, aber auch etwas plump.

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