Havarie

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Argument, 2015, Seiten: 256, Originalsprache

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Lars Schafft
Das Mare Monstrum und seine Opfer

Buch-Rezension von Lars Schafft Apr 2015

"Mehr als 4200 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet", "Alle vier Sekunden flüchtet ein Mensch", "Mit Flüchtlingen verdiene ich mehr als mit Fischen" - drei Schlagzeilen von einem ganz normalen Tag im Mai. Die Bilder, die uns dazu seit Jahren begleiten, sind so schrecklich, dass die Lebensgeschichten dahinter für uns kaum zu fassen sind. Und genau hier springt Merle Kröger mit ihrem Roman Havarie ein.

Merle Kröger erzählt die Geschichte eines merkwürdigen Zusammentreffens auf hoher See, genauer: im Mittelmeer vor der Küste Spaniens. Recht gruselig kommt es in dichtem Nebel fast zu einer Kollision zwischen einem Kreuzfahrtschiff und einem irischen Frachter. Später sorgt ein Schlauchboot mit algerischen Flüchtlingen bei 5.000 Luxustouristen für ungewollte Ablenkung im Alltag an Bord, zwischen Cocktails und Cocktailkleidern. Ein spanisches Rettungsboot versucht schließlich zu retten, was zu retten ist, als die See zu toben beginnt.

Soweit zur Handlung, bei der man noch mit dem Etikett "seetüchtiger Actionthriller" (so vom Verlag angepriesen, auf dem Rücken des dieser Rezension zugrundeliegenden Buches noch "Politthriller") einigermaßen d´accord gehen könnte. Gerade ersteres ist natürlich vollkommen auf Sand gelaufen, trifft es doch deutlich sinniger auf Sebastian Fitzeks Passagier 23 zu, das das maritime Sujet nun wiederum völlig anders als Merle Kröger verwendet.

Überhaupt: Wer mit dem Begriff "Kriminalroman" für Havarie hadert, hat nicht ganz unrecht. Diesen muss man schon sehr unbeengt von Genrekonventionen verstehen und einen weiten Horizont haben. Das einzig kriminalromantypische Verbrechen, das Verschwinden des philippinischen Bandleaders der Bordkappele, ist nur Nebenschauplatz (freilich auch ohne Ermittlung) für das viel globalere, nämlich das an Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Mittelmeeranrainern – und der ganzen Welt.

Merle Kröger macht ihre Geschichte und dieses Thema an nicht weniger als elf Einzelschicksalen fest. Vom ukrainischen Kapitän des Frachters, der in den Krieg gegen Russland ziehen soll (und sogar will) über den syrischen Arzt, der im Bauch des Kreuzfahrtschiffes sich als Waschgehilfe verdingen muss, das "Gurkha Girl" Lalita von der Bord-Security, den algerischen Steuermann des Schlauchbootes bis hin zum jungen Spanier mit seinem Rettungsboot. Teilweise befürchtet man, die Autorin könnte etwas abdriften, doch so unterschiedlich die Geschichten ihrer Figuren, ihre Hintergründe und ihre Motivationen auch sind – Merle Kröger hält dies alles in Havarie kunstvoll zusammen.

Brilliant konstruiert wird daraus ein Spannungsroman, der näher am Zeitgeschehen kaum sein könnte. Sprachlich wie stilistisch so originell wie überzeugend, will man diesen Roman (der auch bald verfilmt werden soll) trotz aller Bedrückung, die er hervorruft, verstehen und er- wie überleben. Letztlich ist es dann auch vollkommen egal, ob Havarie ein wie auch immer gearteter Thriller oder Krimi sein soll. Es ist ein ausdrücklich großer Roman!

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