Il Bastardo

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2015, Seiten: 496, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Dank der Mafia eine strahlende Zukunft

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2015

In dem kleinen Ort Castelbuono auf Sizilien kommt es zu einem regelrechten Massaker, als bei einer Schießerei fünf Männer und die neunjährige Carla erschossen werden. Doch niemand will etwas gesehen haben. Bei den Toten handelt es sich neben dem Besitzer einer Bar, die als Drogenumschlagplatz bekannt ist, um die Söhne der Mafiapaten Montalbano und Sardeno sowie um die beiden Söhne von Umweltminister Messoni.

 

"Wenn ich mit zwei Menschen ein Geheimnis bewahren will, brauche ich dazu nur zwei Patronen. Capice?"

 

Der ermittelnde Commandante Domenico Valverde von der Antimafiabehörde DIA glaubt zunächst, dass es um eine Eskalation im Drogenmilieu geht. Als sich daraufhin die bislang verfeindeten Mafiabosse Montalbano und Sardeno zusammenschließen, um den Tod ihrer Söhne zu rächen, sind weitere Tote zu befürchten.

 

"Weshalb suchst du jetzt schon die Sense, wenn die Zeit zum Mähen noch gar nicht gekommen ist? Kannst du mir das erklären?"
"Weil es die Aufgabe des Gerichtes ist, den Täter zu bestrafen."
"Er gehört zur ganz korrekten Truppe. Er redet vom Gericht."

 

Derweil erholt sich die ehemalige Enthüllungsjournalistin Gianna Corodino, Carlas Mutter, von dem tragischen Verlust und nimmt in Rom ein Jobangebot bei der renommierten Zeitung Il Messaggero an, für die sie über einen großen Müllskandal recherchieren soll. Ihr Vorgänger und dessen Kollegin wurden bei Recherchen in Mogadischu auf offener Straße erschossen. Schon bald erkennt Corocino das ganze Ausmaß des Skandals, denn offenbar arbeiten einflussreiche Großindustrielle, Mafia, Behörden und hohe Tiere in der Politik zusammen, um hochgiftigen bis hin zu radioaktivem Müll im offenen Meer zu verklappen...

Kurzweiliger Plot mit rasantem Tempo

Während Valverde noch rätselt was es mit dem Anschlag in Castelbuono auf sich hat, erfährt der Leser durch ständige Wechsel der Szenarien nach und nach, was sich wie und vor allem warum abgespielt hat. Ging es beim Vorgänger La Nera um illegalen Organhandel, so hat sich Claudio Macini in seinem aktuellen Thriller das Thema "Müllentsorgung" zur Brust genommen und in einen packenden Plot eingebettet. Was sich zunächst harmlos anhört ist die Spitze eines gigantischen europaweiten Umweltskandals, denn es geht hier nicht um normalen Haushalts- oder harmlosen Industriemüll, sondern um hochgiftigen bis hin zu radioaktiv verseuchtem Müll, der gerne vor den Küsten in Somalia oder dem Jemen versenkt wird; einfacherweise gleich mit Schiff und Besatzung, damit es keine Zeugen gibt.

 

"Seit den sechziger Jahren wird radioaktiver Abfall in den Ozean vor der Haustür versenkt. Die Russen schaffen das Zeug in die Beringsee und die Amis in den Pazifik. Glaubst du im Ernst, die hätten vor fünfzig Jahren strahlensichere Endlager benutzt? Das tun sie ja noch nicht mal heute. Derartiger Dreck stellt für die Industrienationen ein unlösbares Problem dar."

 

Doch längst wird der verseuchte Müll nicht mehr in der Ferne entsorgt, sondern mitunter gleich vor der eigenen Küste, denn die legalen Entsorgungsmöglichkeiten in Italien reichen bei Weitem nicht aus, um den eigenen belasteten Müll zu entsorgen. Gleichwohl werden große Mengen vergifteten Mülls aus ganz Europa nach Italien importiert; zur Entsorgung versteht sich.

 

"Ja, was meinen Sie denn, wo die Industrie ihren Giftscheiß lagert? Hinter der eigenen Villa vielleicht?"
"Was soll der Unsinn? Es gibt Umweltgesetze, es gibt Deponien, es gibt durchaus legale Möglichkeiten, Giftmüll zu entsorgen."
"Ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Glauben Sie, es stört irgendeine Sau, wenn das Zeug bei den Arabern ins Meer gekippt wird? Immer noch besser, als es in den Stadtpark oder unter die Autobahnbrücke zu schütten."

 

Neben erschreckenden Details über den Umgang mit hochgiftigem Müll, zeigt der Autor auch die Verquickung zwischen organisiertem Verbrechen und der Politik auf. So versucht vor allem der leitende Staatsanwalt die Angelegenheit möglichst zu vertuschen; aus Gründen der nationalen Sicherheit versteht sich. Was sind schon enorm hohe Strahlenwerte und deren Belastung für die Bevölkerung im Vergleich zu einer drohenden Regierungskrise?

Wer sich für die Mafia und/oder Umweltskandale interessiert sollte zugreifen

Il Bastardo ist spannend, verstörend, gibt – einmal mehr – intensive Einblicke in das Leben der "ehrenwerten Gesellschaft" und deren allumfassende Verpflechtungen in das tägliche Leben Italiens. Oft muss man aber dennoch trotz allem Schmunzeln, denn immer wieder lässt der Autor, früher als Satiriker tätig, seinen grandiosen Zynismus auf den Leser los. Dass sich der leitende Ermittler unmittelbar nach der eingangs erwähnten Schießerei und die trauernde Mutter zueinander hingezogen fühlen... - geschenkt; hat man so oder ähnlich aber schon zu oft gelesen. Nicht geschenkt ist hingegen der Text auf dem Buchrücken. Dort ist von fünf statt von tatsächlich sechs Toten die Rede und Valverde heißt Alessandro obwohl richtig Domenico. Nicht weltbewegend, aber ebenso ärgerlich wie leicht vermeidbar.

Bleibt festzuhalten: Wer sich für das Thema Mafia oder Umweltskandale interessiert, kommt an dem neuen Roman von Claudio Mancini kaum vorbei, der vielen einen Tick zu übertrieben erscheinen mag. Wer den Autor kennt weiß jedoch, dass er für seine akribische Recherche bekannt ist. Nicht nur das, sollte einem zu denken geben.

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