Der Kreis des Todes

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • London: Orion Books, 2009, Titel: 'Still Bleeding', Originalsprache
  • München: Droemer, 2015, Seiten: 432, Übersetzt: Doris Styron

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Andreas Kurth
Perverse Geldsäcke und Killer ohne jeden Skrupel

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mär 2015

Die depressive Marie stürzt sich von einer Brücke vor einen Lkw. Ihr Mann Alex findet erst sechs Monate später die Police einer Lebensversicherung, und reist fortan durch die Welt, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Zweieinhalb Jahre später: Die Journalistin Sarah will ihren Alkohol-abhängigen Freund James - den Bruder von Alex - verlassen. Am nächsten Tag ist sie verschwunden, und James gibt an, sie getötet zu haben. Allerdings findet die Polizei keine Leiche. Alex erfährt in Italien von dem Vorfall und kehrt umgehend nach Hause zurück. Zeitgleich ist Detective Kearney mit seinen Kollegen einem Serienmörder auf der Spur. Thomas Wells, der sich selbst als Vampir sieht, und der Künstler Roger Timms geraten in das Visier der Fahnder. Während die Polizei der Lösung scheinbar näher kommt, entdeckt Alex merkwürdige Recherche-Ergebnisse von Sarah und stellt nun eigene Nachforschungen an. Dabei kommt er einer kriminellen Organisation in die Quere, der schließlich auch Kearney näher kommt. Bis zur Lösung in einem dramatischen Finale müssen beide einige komplexe Geheimnisse entwirren.

Cover und Klappentext verwirren den Leser

Steve Mosby hat mit Der Kreis des Todes einmal mehr einen wirklich spannenden Thriller vorgelegt. Für das ziemlich merkwürdige Cover des Buches und den teilweise kryptischen und fehlerhaften Klappentext kann der Autor nichts, aber der Droemer-Verlag sollte hier mal ernsthaft über die Arbeit in seinen entsprechenden Abteilungen nachdenken.

Ein abgehackter Schweinefuß auf dem Umschlag, und dann noch ein Klappentext, in dem das entführte Mädchen Winger heißt, obwohl im Buch von Wingate die Rede ist. Gerade das Cover ist eigentlich wichtig, um Assoziationen zum Inhalt des Buches zu wecken. Oder man lässt Bilder völlig weg und arbeitet nur mit dem Namen des Verfassers. Aber hier ist überhaupt kein Bezug zur Handlung des Thrillers vorhanden. Mosby-Fans - und hoffentlich auch andere Leser - werden sich davon nicht abschrecken lassen, und mit einem spannenden Lesevergnügen unterhalten.

Perspektiv-Wechsel bringen viel Dynamik in die Geschichte

Der Autor arbeitet in diesem Buch - "Still bleeding" im Original-Titel - hauptsächlich mit zwei Erzähl-Perspektiven. Zum einen schildert Alex das Geschehen aus der Ich-Perspektive, zum anderen begleiten die Leser den cleveren Detective Kearney durch die Handlung. Die viele Perspektiv- und damit Szenenwechsel bringen ordentlich Dynamik in die Geschichte, in der es um den Tod und das Töten in vielen Facetten geht. Die davon ausgehende Faszination ist skrupellosen Menschen offenbar viel Geld wert - voyeuristische Seiten gibt es im Internet viel zu viele.

Art und Umfang der Beteiligung einzelner Protagonisten an den rätselhaften Vorgängen werden nur schrittweise enthüllt. Steve Mosby arbeitet in diesem Buch mit einem großen Personal-Tableau, und nicht alle Protagonisten überleben ihre Auftritte. Überraschende Morde gehören zur Geschichte ebenso dazu, wie unklare Motive - bis sich am Ende so ziemlich alle losen Enden verknüpfen lassen. Dabei stehen in meinen Augen weder Alex noch Kearney als Hauptakteure wirklich im Mittelpunkt des Plots, sondern die Geschichte an sich ist der Star des Romans.

Der Autor lässt sich von der eigenen Erzähl-Lust mitreißen

Steve Mosby hat sich hier offenbar von seiner eigenen Erzähl-Lust mitreißen lassen. Die morbide Faszination des Todes wird dabei intensiv geschildert, und nimmt ungeahnte Dimensionen an, die der Autor genussvoll ausbreitet. Die einzelnen Protagonisten dürfen ihre Empfindungen ausbreiten, was allerdings keineswegs dazu führt, dass man sie als Leser besser versteht - und das ist auch gut so.

Zu dunkel sind die Motive, die von Mosby aufgebaute Spannung lässt einige kalte Schauer den Rücken hinab rieseln. Und die scheinbar schnell greifbare Lösung des Falles - oder der Fälle - verführt den Leser dazu, sich zurück zu lehnen. Doch dann dreht Steve Mosby im dynamischen Finale abermals so richtig auf. Dabei fügt er dann doch wieder ein paar lose Fäden hinzu, und der Leser kann auch nach der Lektüre des Buches noch über vieles nachdenken. Denn eine mögliche Fortsetzung wird es mutmaßlich nicht geben. Steve Mosby pflegt keine Serien zu schreiben. Und so bleibt nur die Vorfreude auf den nächsten tiefgründigen Psycho-Thriller aus seiner Feder.

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