Das Küstengrab

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2014, Seiten: 1, Übersetzt: Nana Spier, Bemerkung: ungekürzte Lesung
  • München: Blanvalet, 2015, Seiten: 432, Originalsprache

Couch-Wertung:

80°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
2 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:82
V:2
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":1,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":1,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Sabine Bongenberg
Stille Wasser gründen tief

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Dez 2014

Romane um Leute, die unter Amnesie leiden, haben immer eine besondere Wirkung: Im maßgeblichen Moment fehlen wichtige Informationen – so als wäre ein Wanderer mit einer Wanderkarte unterwegs und an der alles entscheidenden Gabelung starrt er nur auf weißes Papier (oder – für die Technikfreaks unter uns - das Navi verliert das Signal). So oder so – ohne die Leistungen des Gedächtnisses, das alle wichtigen Informationen über Leben und Tod ordnet und verwaltet, tappt der Mensch herum wie ein Blinder.

Die Suche nach der verlorenen Erinnerung

Diese Erfahrungen muss auch Lea machen, als sie sich wiederum auf die Ostseeinsel Poel begibt, auf der sie seinerzeit mit ihrer älteren Schwester Sabina aufwuchs. Dem Zusatz "Wiederum" kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn die Heldin der Geschichte hatte die Insel bereits vor einigen Monaten vor der jetzt einsetzenden Handlung gemeinsam mit ihrer Schwester besucht. Die Reise endete aber in einer Katastrophe, bei der Sabina durch einen Autounfall ums Leben kam und die neben ihr sitzende Lea zufällig überlebte, aber weite Teile ihres Gedächtnisses verlor.

Bergs Krimi beschreibt die Suche seiner Heldin nach Wahrheiten in der Vergangenheit. Offenbar ranken zum einen sich düstere Geheimnisse um den Tod ihrer Schwester, deren Unfall diverse Fragen aufwirft. Zum anderen bleibt die Frage, warum sich die beiden entfremdeten Frauen nach jahrelangem Schweigen überhaupt auf der Insel trafen. Diese Fragen könnte die als Ich-Erzählerin auftretende Heldin recht einfach beantworten, wäre da nicht ihre partielle Amnesie, die die Informationen über das letzte Zusammentreffen der Schwestern offenbar sorgfältig weggepackt und verschlossen hat.

Der Leser begleitet Lea auf ihrer mitunter schmerzhaften Forschungsreise. Dabei handelt es sich nicht nur um die Ursachen, die zu dem Tod Sabinas führten, sondern auch um Ereignisse, die sich kurz nach dem Eintritt der beiden Schwestern in das Erwachsenenleben ereigneten und die untrennbar miteinander verwoben zu sein scheinen. Hier löst Eric Berg stilistisch geschickt die Frage, wie Gedächtnislücken der Erzählerin dem Leser offenbart werden können, indem er in diversen Kapiteln Wechsel der Erzählebenen konstruiert. Berichtet Lea hauptsächlich aus der Ich-Position werden, wenn die Handlung es erfordert, Stränge über die Vergangenheit eingefügt, die dann aus dem Blickwinkel eines neutralen Berichterstatters erfolgen und somit neue Tiefen in die Handlung einbringen. Lea bleibt somit der Spielball der Ereignisse. Ihr eigenes Erfahren kann sich nur an den Handlungen der alten Bekannte und Freunde orientieren und so ist sie bis zuletzt der Frage ausgeliefert, wer denn nun tatsächlich Freund oder vielmehr der Feind ist.

Auch hier ist die Welt nicht in Ordnung

Eric Berg ist es in seinem Roman gelungen, einerseits den ruhigen Rhythmus der Ostseeinsel Poel einzufangen, andererseits aber darzustellen, dass auch hier nicht unbedingt die Welt in Ordnung sein muss und Rivalitäten, Feindschaften und auch blanker Hass durchaus Zutritt in diese heile Welt gefunden haben. Durch diesen ruhigen Erzählfluss ist Das Küstengrab nicht zwingend ein Krimi geworden, den der Leser nicht mehr aus der Hand zu legen vermag, der aber dennoch fesselt und immer wieder zum Weiterlesen verlockt. Als kleines Manko – oder als Meckern auf hohem Niveau – könnte höchstens noch angemerkt werden, dass bereits alsbald relativ vorhersehbar ist, wie sich ein Rätselbaustein aus Leas Leben auflösen dürfte, wenngleich die endgültige Lösung als Showdown am Ende doch noch überrascht. Hier hätte sich die Autorin dieser Zeilen auch noch eine kurze Bewertung von "Schuld und Sühne" gewünscht, aber wie gesagt, hier wird schon auf hohem Niveau gemeckert.

Das Küstengrab

Das Küstengrab

Deine Meinung zu »Das Küstengrab«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
03.06.2019 15:41:50
Rahel L.

Leider wollen die meisten Autoren*innen von Kriminalromanen ihre Leserschaft auf Biegen und Brechen mit der Auflösung überraschen, oft auf Kosten der Logik und der Glaubwürdigkeit. So auch hier: die Täterperson ist diejenige, der man die Tat am allerwenigsten zugetraut hätte. Auch sonst hat die Geschichte einige logische Brüche, zum Beispiel die Handlungsweise von Mike, der seine geliebte Ehefrau und sein kleines Kind einer drogensüchtigen Hysterikerin wegen verlässt.

12.04.2015 14:11:02
simsa

Sie waren Freunde fürs Leben und doch fehlt einer...
Als Lea nach Jahren wieder auf die Heimatinsel Poel kommt ist nichts mehr wie es war. Bei einem Unfall verliert sie das Gedächtnis und so erfährt sie nicht nur, dass ihre Schwester verunglückt ist, auch um ihre frühere Clique gibt es ein Geheimnis. Denn Julian, Leas Ex-Freund, ist spurlos verschwunden und es scheint als wäre jemand von ihren Freunden daran beteiligt.

Nur was ist vor 23 Jahren wirklich passiert? Und wo ist Julian?
„Das Küstengrab“ ist der erste Krimi, den ich von Eric Berg gelesen habe.

Was mir gefallen hat, war die gute Erzählart des Autors. Ich liebe die Küste, das Meer und die Atmosphäre auf den Inseln. Hinzu kommt, dass Eric Berg Gegenständen, Personen und auch den verschiedenen Orten Leben eingehaucht hat. Alles wirkte so real für mich, ich hatte sofort Gesichter vor Augen, fühlte mich als Teil der Clique und musste unbedingt erfahren, was passiert ist.

Das Lea als Protagonistin auch noch an einer Amnesie leidet und sie, ebenso wie wir Leser, auf die Suche gehen muss, war schon sehr spannend.
Jeder ist in Verdacht und jede Person könnte sowohl etwas mit Leas Unfall zu tun haben, bei dem auch ihre Schwester starb, als auch mit dem Verschwinden von Julian. Und was damals passiert ist, steht im Focus. Schließlich gab es Handlungen, die nur wegen der eigenen Vertuschung stattfanden. Nur warum? Was ist passiert?

Schön ist auch, dass es Eric Berg schafft, die Gruppendynamik von früher, aber auch die Rollenverteilung der einzelnen Personen in der Gruppe, so darzustellen, dass man es glaubt. Die Jugendlichen von damals sind ja nun erwachsen, trotzdem hat jeder seine Merkmale, die man heute noch erkennt, aber es gibt auch Unterschiede, die gut gelöst wurden.
So gab es das kleinste Glied der Gruppe, Pierre, der nun als Inselarzt fungiert und vom Charakter her gewachsen ist. Andere Mitglieder lernt man erst mit der Zeit so richtig kennen, oder hat gleich schon eine Antipartie ihnen gegenüber.

Die Spannung dieses Krimis ist immer greifbar. Zwar passieren auch Dinge, die von früher erzählt werden, trotzdem kribbelt es beim Lesen und durch meine verschiedenen Verdächtigungen habe ich jede Seite des Buches genossen.

Mein Fazit:
Endlich wieder ein sehr guter Krimi. Ich muss gestehen, dass ich alles mochte. Poel als Handlungsort, die verschiedenen Personen, aber auch das Geheimnis an sich. Eric Berg als Autor werde ich mir ganz sicher merken.

10.02.2015 17:27:17
Martina

Ich muss sagen, dass mir der Krimi gar nicht gefiel, mich erinnerte die Handlung und der Schreibstil zu sehr an Rosamunde Picher Romane, vermischt mit ein paar Krimielementen.

Die Auflösung des Ganzen war auch sehr seltsam, Mörder und Mordmotiv erschienen mir nicht logisch ...

Nein, Eric Berg wird nicht zu meinen Lieblingsautoren zählen.

26.01.2015 09:11:44
Annette Trkas

Die grundverschiedenen Schwestern Lea und Sabina verbrachten ihre Kindheit und Jugend vor der Wende auf der Ostsee-Insel Poel. Lea gehörte einer Clique von Gleichaltrigen an, die sich regelmäßig in einer Ruine – von ihnen „Palast“ genannt – traf, und in Julian fand sie ihre erste große Liebe. Die 6 Jahre ältere Sabina dagegen war immer eine Außenseiterin. Unmittelbar nach dem Mauerfall – Lea war gerade 18 geworden – verunglückten ihre Eltern tödlich, Julian und sie trennten sich und kurz darauf verschwand er spurlos. Die junge Frau dagegen lernte den Argentinier Carlos kennen, dem sie in seine Heimat folgte. Der Kontakt zur Schwester und den Freunden brach damals ab.

Nun, 23 Jahre später, erhält Lea, inzwischen geschieden und eine erfolgreiche Fotografin, einen Anruf, der sie veranlasst, sofort nach Poel zu reisen.
Doch das Wiedersehen mit Sabina und den Jugendfreunden, die – bis auf Julian, dessen Schicksal unklar ist - alle noch im gleichen Ort leben, endet tragisch: Bei einem schweren Auto-Unfall kommt Sabina ums Leben, Lea wird lebensgefährlich verletzt. Nach etlichen Operationen und langem Krankenhausaufenthalt körperlich zwar wieder hergestellt, leidet sie jedoch an Amnesie. Das heißt, sie kann sich weder erinnern, wie es zu dem Unfall gekommen ist, noch warum sie nach fast einem Vierteljahrhundert in ihre alte Heimat zurückgekehrt und was während ihres kurzen Aufenthaltes dort geschehen ist.

4 Monate später sucht sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Insel erneut auf, um mit Hilfe der Freunde diese Lücken zu schließen. Doch deren Berichte und Verhalten werfen nur noch mehr Fragen auf. Zutiefst verunsichert, wem sie glauben soll und trauen kann, bekommt die Frau allmählich das Gefühl, dass den anderen ihre Amnesie gar nicht ungelegen kommt, da sie offenbar etwas vor ihr verbergen wollen. Aber Lea gibt nicht auf und nähert sich langsam der furchtbaren Wahrheit.

Resümee:
Die Handlung ist dramaturgisch hervorragend angelegt:
2 Handlungsstränge machen den Leser in Rückblenden nach und nach mit den Ereignissen vor 23 Jahren bzw. während Leas Besuch vor 4 Monaten vertraut. Eine dritte Ebene schildert die gegenwärtige Entwicklung aus Sicht der mittlerweile gut 40-jährigen Frau. Je weiter das Geschehen fortschreitet, um so mehr bewegen sich die Stränge aufeinander zu, um am Schluss endlich vollständig miteinander zu verschmelzen.

Die stets präsenten zentralen Fragen sind dabei zum einen, was mit dem einst spurlos verschwundenen Julian geschehen ist; wird sein Schicksal jemals geklärt werden? Andere betreffen die einstigen Zukunftsträume der mittlerweile erwachsenen Freunde: Konnten sie verwirklicht werden, unter welchen Bedingungen geschah oder misslang dies, wie haben die jeweiligen Entwicklungen das Leben jedes Einzelnen und ihre Beziehungen zueinander beeinflusst?

Dabei fand ich die zugrunde liegende Thematik an sich schon sehr interessant: Lea leidet an einer Gedächtnisstörung, kann sich nicht erinnern, warum sie vor 4 Monaten zum ersten Mal nach 23 Jahren wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt ist, was sich während der kurzen Zeit ihres Besuchs ereignet hat und wie es zu dem schweren Unfall gekommen ist.
Sie ist auf die Infos der so unterschiedlichen ehemaligen Freunde angewiesen, weiß aber nicht, wem sie glauben kann. In Kombination mit den oben genannten zentralen Frage ist dies eine psychologisch höchst brisante Konstellation.

Hinsichtlich der Spannung muss man differenzieren:
Der Handlungsverlauf wird umso spannender, je weiter das Geschehen fortschreitet und erreicht nach einigen überraschenden Wendungen seinen Höhepunkt gegen Schluss. Anfang und Mittelteil dagegen sind schwerpunktmäßig auf die Ausarbeitung und Entwicklung der ganz unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten ausgerichtet. Dies ist unter menschlich-psychologischen Aspekten enorm spannend, da man einen „Knall“ angesichts der vielen zutage tretenden Reibungspunkte und Verstrickungen kommen sieht. Beides – Spannung durch den Geschehensverlauf und durch die psychologische Pointierung der Charaktere – kumuliert am Schluss.

Fazit: Ein in vielerlei Hinsicht spannendes Buch mit einer interessanten Thematik!