Ein Bulle im Zug

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Stuttgart: Tropen, 2014, Seiten: 347, Originalsprache

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Andreas Kurth
Selbstreflexion eines guten Polizisten

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2014

Robert Fallner ist ein Münchener Polizist, der einige persönliche und dienstliche Probleme hat. Bei einem Einsatz in der Wohnung einer libanesischen Familie glaubt der Kriminalhauptkommissar zu sehen, wie einer der jungen Männer eine Waffe zieht. Er handelt umgehend und schießt auf den Jungen, der dadurch getötet wird. Allerdings kann sich Fallners Partner nicht mehr daran erinnern, eine Waffe gesehen zu haben, und nach dem Vorfall ist auch keine in der Wohnung zu finden. Vom Dienst suspendiert beginnt der erfahrene Ermittler zu grübeln, sucht auch Hilfe in einer Therapie. Nach vier langen Wochen und mehreren Anläufen steigt Fallner schließlich in einen Zug, um mit einer Bahncard 100 kreuz und quer durch das Land zu fahren. Er verwirklicht sich damit einen Jugendtraum, und folgt einem Ratschlag seiner Therapeutin. Von seinen Vorgesetzten hat er außerdem einen Ermittlungsauftrag mit auf den Weg bekommen. Er soll nach einem geheimnisvollen Mörder suchen, der höchst mobil ist, von dem aber vermutet wird, dass er mit der Bahn unterwegs ist. Und so macht sich Fallner auf seine schier unendliche Reise.

Die Polizeiarbeit hat tiefe Wunden hinterlassen

Franz Doblers Roman Ein Bulle im Zug ist ein lesenswertes Buch. Man kann den Roman als Spannungsliteratur im weiteren Sinne betrachten, ein Kriminalroman nach landläufiger Definition ist das Werk allerdings nicht. Wer also Action, knallharte Ermittlungen und Nervenkitzel sucht, greift hier besser nicht zu. Wer sich jedoch auf die Geschichte einlässt, erfährt viel über schwierige Polizeiarbeit, über die Psyche von Polizisten, und nicht zuletzt auch über das Leben im Allgemeinen. Robert Fallner hat bei seiner Polizeiarbeit tiefe Wunde und Macken davon getragen. Allein der Fakt, dass er vier Wochen braucht, um in einen Zug zu steigen, sagt viel über diesen Protagonisten aus. Bei seinen Fahrten im "weißen Hai", wie er die ICE-Züge nennt, hat er Wachträume von einem Begleiter, nämlich dem jungen Libanesen, den er nach eigener Auffassung in Notwehr erschossen hat.

Fallner genießt die Reise mit jeder Faser

Von ihm nahestehenden Personen wird Fallner nicht unterstützt. Sein Partner verweigert ihm jegliche Hilfe, seine Frau – selbst Polizistin – verspottet ihn sogar. Kennengelernt hat er Jaqueline bei einem Nashville Pussy-Konzert – was wiederum viel über das Verhältnis der beiden Eheleute zueinander aussagt. Fallner macht sich zur mangelnden Unterstützung so seine Gedanken, er denkt überhaupt viel nach. Auch über das Verhältnis seiner Frau zu seinem beruflichen Partner. Dennoch genießt er diese Reise kreuz und quer durch das Land mit jeder Faser. In Frankfurt am Main nimmt er schließlich erstmals die Spur des vermeintlichen Serienkillers auf. In der Folge sucht er noch weitere Tatorte auf, aber er hat auch ganz andere Begegnungen zu verarbeiten. Und dabei träumt er immer wieder von dem jungen Mann, den er getötet hat. Denn dieser Vorfall lässt ihn nicht los, er ist sicher, keinen Fehler gemacht zu haben – nur kann er es zunächst nicht beweisen.

Spannende Begegnungen und Erlebnisse

Für etliche der Rätsel, die im Laufe der Handlung auftauchen, gibt es am Ende eine Lösung. Spannung erzeugt Franz Dobler immer wieder durch die Begegnungen und Erlebnisse seines Protagonisten, gewürzt mit Reflexionen zu Musik, Literatur, Antifaschismus und vielem mehr. Fallner darf auch über sich selbst und seine Rolle als Polizist intensiv nachdenken – Zeit dazu hat er mehr als genug. Als literarisches Werk ist dieser Roman sicher hoch einzustufen, als Kriminalroman dagegen eher im Durchschnittsbereich. Dennoch kann ich nur empfehlen, sich darauf einzulassen. Es lohnt sich wirklich.

Ein Bulle im Zug

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Letzte Kommentare:
18.02.2020 23:27:48
Hans Hermann

Dies ist ein Psychogramm aber kein Krimi. Wer es mag ok. Ich nicht! Warum bekommt sowas einen Krimipreis?

18.09.2018 09:44:13
mops

Habe das Buch gelesen, weil es den Deutschen Krimi-Preis bekommen hat. Bin arg enttäuscht worden. Keinerlei Spannung, fast keine Handlung, vorwiegend ein unendlich langer innerer Monolog über Gott und die Welt. Dazu immer wieder abstoßende Fäkalsprache. Warum bekommt so ein Buch den Krimi-Preis? Ich fühle mich getäuscht.

22.08.2018 14:50:52
Janko Unchained

DOBLER, FRANZ - Ein Bulle im Zug
(Heyne Hardcore)- Milieustudie und Psychogramm über einen irren und völlig kaputten Polizisten -Franz Doblers' Milieustudie und Psychogramm über den irren und völlig kaputten 43-jährigen Polizisten Robert Fallner wurde von der Presse hoch gelobt und hat sogar den deutschen Krimi Preis 2015 gewonnen. Das birgt gleich zwei Fehler in sich. Zum einen stellt sich die Frage: „Wie kann ein Roman, der alles andere als ein Krimi ist, den deutschen Krimi Preis gewinnen?“. Das ist eigentlich bereits Aussage genug. Zum anderen: „Wie konnte es überhaupt zu dieser ungerechtfertigten Lobhudelei kommen?". Der, 1959 in Schongau geboren und heute in Augsburg lebende Autor Franz Dobler besitzt einen ungelenken, zum Teil auch unangenehmen Schreibstil, der sich gerne in den Wirren des modernen Zeitgeistes verirrt. Seine unterschwellige Gesellschaftskritik, mit all ihren neurotischen Abstufungen ist teilweise amüsant, andererseits nerven die ständigen Wiederholungen über den Geisteszustand seines Protagonisten ungemein. Man kann sie als geistig hochtrabenden bezeichnen oder als blanken Unsinn abtun. Das bleibt letzen Endes jedem selbst überlassen.Der Polizist Robert Fallner ist vom Dienst freigestellt. Seine Beurlaubung wurde erst kürzlich ausgesprochen, nachdem er in Ausübung seines Dienstes den jungen, polizeibekannten Heranwachsenden Maarouf R. in der gemeinsamen elterlichen Wohnung erschossen hat. Maarouf soll angeblich eine Pistole gehabt und selbige auch gezogen haben. Doch eine solche Waffe ist nicht auffindbar. Fallners' Kollege Eric Maier hat während des Einsatzes nichts dergleichen gesehen und sagt dementsprechend auch zu Roberts' Nachteil aus. Der Polizist Robert Fallner ist kaputt und am Boden. Noch funktioniert seine Beziehung zu Jacqueline und auch sein Spürsinn scheint ungetrübt, aber die Gesellschaft hat aus ihm ein missmutiges und armseliges Wrack gemacht. Der junge Mann, den Fallner erschossen hatte, scheint ihn mit in den Abgrund nehmen zu wollen. Überall, zu allen Tages- und Nachtzeiten taucht der tote Maarouf in seinen Gedanken auf, zieht ihn immer weiter runter und wird sein ständiger geistiger Begleiter. Über seine Tat oder die Konsequenzen, die daraus folgen und somit das eigentliche Schicksal des Jungen oder das seiner Familie schert sich der Unsympath Robert Fallner einen Dreck. Immerhin hat Fallner den jungen Mann in Ausübung seines Dienstes augenscheinlich zu Unrecht niedergeschossen und dabei tödlich verletzt. Empathie scheint dem Polizisten ohnehin völlig abzugehen. Und so macht sich Robert Fallner in wirren Selbstgesprächen gedanklich kaputt und nervt mit seinen Marotten, sowie einer kaputten und völlig verqueren Weltsicht nicht nur sein Umfeld, sondern letzten Endes auch den kaum zu beneidenden Leser.Um sich von seiner Frau, der kaum fruchtenden Therapie und seinen frischen Neurosen abzulenken, fährt Fallner mit dem Zug quer durch Deutschland. Für 4.900 Euro hat er sich eine Jahres-Bahncard100 gekauft. Er will auf diesen Fahrten wieder zu sich selbst finden, sich in gewisser Weise selbst therapieren und seiner lang gehegten Obsession frönen. Ein klares Ziel hat er ansonsten nicht vor Augen. Sein Chef, der von der ganzen Sache weniger begeistert ist und ihn darum bittet schnellstmöglich wieder dienstfähig zu werden, betraut ihn jedoch noch mit einer Sache: Ein Killer fährt offensichtlich mit dem Zug durch Deutschland um mordet Frauen. Bislang sind sechs Opfer zu beklagen. Der Bulle im Zug soll lediglich die Augen offen halten, wenn er schon seine bescheuerte Idee, sich mit einer Zugfahrt selbst heilen zu wollen, auch gegenüber seiner Therapeutin durchzusetzen vermochte. Am Startpunkt, dem Münchner Hauptbahnhof Bahnhof, bleibt Robert Fallner vorerst stiller Beobachter. Er sinniert über sein bisheriges Leben und das der anderen. Seine Ansichten nehmen sich bisweilen seltsam grotesk aus. Doblers' Schreibstil ist durchgehend anstrengend und verhält sich gegenüber dem Lesefluss eher kontraproduktiv. Wie im Wahn erzählt sein Protagonist ständig das Gleiche, hadert mit sich und seinem kaputten Leben oder textet seine Mitmenschen mit mehr oder minder belanglosem Zeugs zu. Fallner versinkt mehr und mehr in Selbstmitleid. Er führt Selbstgespräche mit seinem alten ich, das längst im Abyss seiner Seele verschwunden ist. Robert ermittelt unter anderem im kranken Frankfurter Milieu, setzt sich am nächsten Tag aber ohne Ergebnisse schon wieder in einen Zug und fährt von dannen. Ohnehin verläuft die Ermittlung, die sich irgendwann selbst verzehrt und wahrscheinlich aus Desinteresse aus dem Plot herauskatapultiert wird, im Sande. Fallner trifft sich auch in Berlin mit seinem guten, alten Polizei Kumpel Telling, den er schon lange mal wieder sehen wollte. Die Freundschaft scheint aber auch keine wirkliche zu sein und so nimmt sich das Treffen äußerst seltsam aus."Ein Bulle im Zug" ist eine Geschichte ohne wirklichen Anfang oder wirkliches Ende. Doblers' Pseudo Pop Art, mit all ihrem verschrobenen Humor, kann ich persönlich wenig bis gar nichts abgewinnen. Es ist ein zäher, anstrengender Plot geworden, der die Konsistenz eines frisch verdauten Kaugummis aufweist. Es fällt auch nicht immer leicht, Doblers sprunghafter Gedankenwelt zu folgen. Oftmals stellt man sich beim Lesen die Frage: "Äh, was labert der da eigentlich?". Der Autor springt nämlich munter von einem Punkt zum anderen, zieht keine klare Linie und schreibt wirres, unstrukturiertes Zeug. Wenn Sprache und Story dermaßen verschroben sind, dann ist das natürlich ein Fall für den deutschen Krimi Preis, den dieser Nonsens-Non-Krimi 2015 eingeheimst hat. Fallner sabbelt und brabbelt einen geistigen Sermon, der in keiner Silbe auch nur ansatzweise nachvollziehbar erscheint. Es gibt durchaus ein paar lustige Szenen, diese können den Plot jedoch nicht aus dem tiefen Loch holen, in das er sich verkrochen hat. Franz Dobler bemächtigt sich zum Teil einer vulgären Sprache, die jeden Witz und jedwede Moral mit Abstand missen lässt. Dass dies beabsichtigt ist, ist mir durchaus bewusst, ändert aber nichts an der plumpen Effekthascherei, die der Schriftsteller dadurch betreibt. Der anscheinende Wortwitz ist an der einen oder anderen Stelle schon mal ganz nett, aber in den meisten Fällen doch eher ihre größere Schwester. Die Witze zünden kaum und kommen einem vor, wie das "um Kopf und Kragen reden" eines verwirrten, alkoholhaltigen Geistes auf dem Abstellgleis. Eine Differenzierung der Charaktere oder Denkweisen der Personen, auf die Fallner trifft, findet nicht wirklich statt. Alles verläuft grau in grau. Nichts hebt oder setzt sich ab. Hier von einem Meisterwerk zu sprechen, wie durch einen Gutteil der Presse geschehen, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Das Ganze ist mindestens so interessant, wie das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen rückwärts zu lesen. Franz Dobler und ich werden literarisch ganz sicher keine Freunde werden. Für mich war das Buch eine reine Tour de Force. Den, am 13.02.2017 als gebundenes Buch im Tropen Verlag und am 14.05.2018 bei Heyne Hardcore als Taschenbuch erschienenen zweiten Teil "Ein Schlag ins Gesicht" werde ich mir daraufhin eher nicht zu Gemüte führen.Meine Wertung: 18/100Link zur Buchseite des Verlags:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Ein-Bulle-im-Zug/Franz-Dobler/Heyne-Hardcore/e485975.rhdOriginaltitel: Ein Bulle im Zug
Originalverlag: Tropen
Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-67696-1
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne Hardcore
Erschienen: 08.03.2016More Hard Stuff @ www.lackoflies.com

25.01.2015 13:47:53
Pascal

Stehe Seite 37: geniales psychoides Geschwafel eine Polizisten?! Meisterleistung eines Schriftstellers versus Verulkung des Lesers. Einfach mal probieren! Könnte auch eine paranoide Schöpfung sein. Wohl bekomms! Hat mit Krimi und Spannung wenig zu tun. Eher kunstvolle neue Art des Beschriebs von Bahnhöfen!

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