Schattenjunge

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 2013, Titel: 'Skuggpojken', Seiten: 376, Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Wolfram Koch
  • München: Heyne, 2016, Seiten: 415

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Jörg Kijanski
Ein Pageturner mit Haken

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2014

Stockholm: Kristoffer Klingberg ist sieben Jahre alt als er im Juni 1970 verschwindet. Eine kleine Unachtsamkeit seines Vaters, der sich auf die Hilfe einer fremden Frau verlässt, während er sich um Kristoffers kleinen Bruder Joel kümmert.

2012: Angela Klingberg beauftragt Danny Katz, ihren seit drei Wochen verschwundenen Ehemann Joel zu suchen. Nach einem Streit fuhr er mit seinem Auto fort, seitdem fehlt jede Spur von ihm. Katz, der Joel aus gemeinsamen Tagen beim Militär kennt, willigt ein, obwohl er eigentlich mit Übersetzungen sein Geld verdient. Er wendet sich daher an seinen alten Freund Rickard Julin, der im Personenschutzgewerbe tätig ist, um ihm zu helfen. Es stellt sich heraus, dass Joel zuletzt mit seinem Auto offenbar Kristoffers Weg bis zu dessen damaliger Entführung folgte. Julin findet derweil heraus, dass Angela womöglich eine Heiratsschwindlerin ist, da sie bereits einmal kurzzeitig mit einem Millionär verheiratet war. Sollte Joel, Spross einer schwerreichen Industriellenfamilie, tot sein, würde Angela als Alleinerbin mehrere hundert Millionen Kronen erben. Wenig später will Katz erneut mit Angela reden, doch er findet sie ermordet in ihrer Wohnung. Alle Spuren deuten klar auf den Mörder: Katz, der in seiner Jugendzeit schon einmal wegen versuchten Mordes verurteilt wurde (an seiner damaligen Freundin Eva Dahlman). Katz ergreift die Flucht und versucht auf eigene Faust herauszufinden, wer ihm eine Falle gestellt hat...

"Interessante" Lebensläufe liegen schwer im Magen.

Ein junger, schwer abhängiger Junkie, obdachlos, kriminell, verurteilt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes, schafft den Weg runter von der Straße und wird binnen weniger Jahre aufgrund seiner herausragenden Sprachkenntnisse Übersetzer beim schwedischen Geheimdienst. Eine schwer drogenabhängige Jugendliche wird clean und macht später beruflich Karriere bis hin zur Staatsanwältin in Stockholm. So lauten – sehr stark verkürzt – die Biografien von Danny Katz und Eva Dahlman. Da diese auch in der Langfassung, sagen wir einmal vorsichtig, nicht ganz alltäglich sind, fängt das Debüt von Carl-Johan Valgren schon mal für manchen Leser mit einem dicken Stirnrunzeln an. So geht es an einigen Stellen weiter. Die beiden Hauptfiguren, deren Aktivitäten die beiden Erzählstränge des Plots bieten, agieren in manchen Situationen als wären sie noch immer abhängig, was der Autor mit Hilfskonstruktionen zu verdecken sucht. Beispielsweise mit dem Klassiker: "Verdammt, wie hatte ich nur so dumm sein können, ganz allein hier raus zu fahren?" Auch nicht schön zu lesen, dass ihm auf Seite 287 "der kalte Schweiß den Rücken hinunterlief", da nur eine Seite vorher bereits zu lesen ist: "...lief ihm ein kalter Schauer den Rücken hinunter".

Familientragödie, Drogen, Voodoo, Experimente und ...

Wie schon angedeutet ist die Geschichte arg konstruiert, was sich auch in anderen Bereichen fortsetzt. Gleichwohl ist die Familiengeschichte der Klingbergs mit ihren zahlreichen Tragödien und dunklen Geheimnissen durchaus spannend. Auch wenn es um das Thema "H" (wie Heroin) in all seinen Facetten geht, vermag Valgren zu überzeugen.

 

"Sie wollten die Leute im Foltern ausbilden?"
"Wenn du meine Freunde hier fragst, die sehen die Sache aus einer ganz anderen Perspektive. Das ist ein klassisches Problem innerhalb der angewandten Philosophie: Wann ist es erlaubt, ein Leben zu opfern, um andere zu retten?"

 

Da Joels Großvater Gustav in der Dominikanischen Republik den Grundstein für das erfolgreiche Firmenimperium seiner Familie legte und dort seine wahre Liebe fand, darf natürlich das Thema Voodoo nicht zu kurz kommen. Sollte seine Herzdame, die Kreolin Marie Bennoit, einen Fluch über die Familie Klingberg gelegt haben, nachdem sie von Gustav sitzen gelassen wurde und ihr gemeinsames Kind Kristoffer nie wieder sah? Auch dieses Thema beherrscht Valgren ordentlich.

 

"Sie haben etwas von einer Rechtsprechung erwähnt. Davon, dass Menschen symbolisch zum Tode verurteilt werden."
"Ja. N'zambi. Die Verurteilten werden zu Zombies. Eigentlich rede ich mit Außenstehenden nicht gern über diese Seite des Voodoo, weil das jede Menge Missverständnisse mit sich bringen kann."

 

Allein es ist alles etwas zu viel. Natürlich muss ein Plot "konstruiert" werden, aber doch bitte in einem überschaubaren Rahmen. So handeln die "Helden" oftmals aus dem Bauch heraus, einige Sidestories werden zudem nur dürftig aufgeklärt. Dennoch: Die Grundidee ist gut und ausgefallen, solide Cliffhanger und einige Wendungen überraschen. Und dass man Schattenjunge trotz allem in einem durchlesen möchte spricht ebenfalls für das Buch. Am Besten liest man diesen Pageturner so schnell wie möglich, dann fallen einem die Schwächen vielleicht gar nicht auf...

Schattenjunge

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Letzte Kommentare:
10.06.2017 21:44:41
walli007

Nüchtern

Danny Katz wird von einer jungen Frau kontaktiert. Ihr Ehemann ist seit ein paar Tagen verschwunden und sie hat den Eindruck, dass die Polizei kein großes Interesse hat, die Ermittlungen einzuleiten. Man geht dort von einem freiwilligen Verschwinden aus. Joel Klingberg hat das Verschwinden seines älteren Bruders nie verwunden, auch nicht nach über vierzig Jahren. Katz kennt den Verschwundenen aus seiner Militärzeit, gemeinsam wurden sie zu Übersetzern ausgebildet. Doch kann das auf der Suche nach dem Vermissten hilfreich sein? Möglicherweise ist Danny Katz mehr durch den Fall angerührt als ihm lieb sein kann.

In seinem ersten Fall wird Danny Katz mit einem Teil seiner Vergangenheit konfrontiert. Seine Zeit beim Militär hat ihn schon geprägt, obwohl er einiges nicht durchblicken konnte und ihm Hintergrundwissen vorenthalten wurde. Die Wege seines Kameraden Joel hat er nicht mehr weiter verfolgt. Umso rätselhafter ist nun sein Verschwinden. Hegt Klingberg auch nach den langen Jahren noch den Wunsch, das Schicksal seines Bruders zu klären? Oder hat ihn noch etwas anderes veranlasst, sein Haus zu verlassen? War es überhaupt ein freiwilliges Geschehen? Schnell bekommt Katz den Eindruck, dass nicht alle Fragen, die er stellt, ehrlich beantwortet werden. Ähnlich geht es der Staatsanwältin Eva Westin.

Zwar ist es nicht zwingend notwendig, die Bände der Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen, aber Sinn macht es natürlich schon. Aber auch wenn man den Folgeband bereits kennt, vermag auch dieser erste Teil zu fesseln. Allerdings muss man der Thematik, die der Autor wählt, eine gewisse Offenheit entgegen bringen. Man mag nicht glauben, dass es im vermeintlich beschaulichen Schweden so hart hergehen kann. Was vom Menschen übrig bleibt, scheint nicht allzu viel, wenn er die Mühlen durchlaufen hat. Doch müsste nicht jemand etwas merken? Allerdings fällt einem dann doch schnell wieder ein, dass man den Leuten bekanntlich nur vor den Kopf kucken kann. Auch wenn vielleicht noch nicht alles ganz rund läuft, hat der Autor doch einen interessanten Ermittler in einem besonderen Umfeld vorgestellt, der in seinem ersten Fall schon gut beginnt und im zweiten zu noch besserer Form aufläuft.