Der vierte Mann

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Rütten & Loening, 2014, Seiten: 448, Übersetzt: Wolfgang Thon, Armin Gontermann
  • London: Harvill Secker, 2013, Titel: 'Ratlines', Originalsprache

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Jörg Kijanski
Packender Pageturner eines interessanten Autors.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2014

1963, Dublin. In einer Pension in Salthill wird Helmut Krauss ermordet aufgefunden. Es handelt sich jedoch um keinen gewöhnlichen Mord, denn der Deutsche war während des Krieges Hauptsturmführer der SS und ist damit bereits das dritte Mordopfer binnen kurzer Zeit, dass eine braune Vergangenheit hatte. An seiner Leiche findet sich eine Botschaft: "SS-Obersturmbannführer Skorzeny, Wir kriegen Sie. Erwarten Sie unseren Besuch". Ein Rachefeldzug in Irland gegen frühere Nazis passt dem Justiminister Charles Haughey gar nicht, denn der amerikanische Präsident hat seinen Besuch angekündigt. So beauftragt Haughey den jungen Lieutenant Albert Ryan diskret die Ermittlungen zu übernehmen, zumal Haughey dem in Militärkreisen hoch angesehenen Otto Skorzeny wohl gesonnen gegenüber steht. Doch Skorzeny mauert zunächst, will seine dubiosen Freunde schützen und so ermittelt Ryan auf eigene Faust. Je mehr Ryan jedoch über die Machenschaften der ehemaligen Nazis erfährt, desto mehr erkennt er, dass er womöglich auf der falschen Seite steht. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Ryan lernt eine rätselhafte Schönheit kennen, in Skorzenys Umfeld werden etliche Menschen ermordet und schon weis Ryan nicht mehr, wer Freund und Feind ist...

Stuart Neville lässt seinen Lesern nur kurze Pausen zum Durchatmen.

Warum die Romane von Stuart Neville in Deutschland sowohl bei Rütten&Loening wie auch im Aufbau Taschenbuch erscheinen, bleibt den beiden Verlagsphilosophien vorbehalten. Jedenfalls erscheint die in Thriller-Fankreisen angesehene Serie um Jack Lennon bei atb und der hier vorliegende Stand-allone-Thriller bei R&L. Neu ist dabei nicht nur der Protagonist, sondern vor allem die Zeit, in der die Handlung spielt. 1963 gibt es in Irland keinen Geheimdienst, dafür aber innerhalb des Justizministeriums die Abteilung für Aufklärung, kurz G2, dem der 36-jährige Albert Ryan angehört. Ryan kämpfte bereits gegen Ende des Zweiten Weltkrieges für England, was nicht vielen seiner irischen Landsleute gefiel. Insbesondere den Anhängern der Irish Republican Army sind die Protestanten ein Dorn im Auge. Die IRA unterstützte während des Krieges das Deutsche Reich und hoffte, mit dessen Hilfe die verhassten englischen Besatzer wieder aus Irland vertreiben zu können. Dies erklärt, warum nach Ende des Krieges zahlreiche Deutsche mit durchaus zweifelhafter Vergangenheit in Irland untertauchen beziehungsweise dort eine neue Existenz aufbauen konnten. Vor diesem interessanten historischen Hintergrund spielt Der vierte Mann.

Wer Geheimdienstthriller mag sollte, besser gesagt muss, zugreifen.

Albert Ryan ist ein Militär durch und durch, der nun Verwendung beim "Geheimdienst" gefunden hat. Sein Auftrag lautet zu ermitteln, wer hinter den Morden steckt, um damit letztlich Skorzeny zu schützen. Doch Ryan muss bald erkennen, dass Skorzeny nicht nur eine zweifelhafte Nazi-Vergangenheit hat, sondern auch über beste Kontakte zur IRA verfügt. Diese setzt derweil Ryans Eltern in deren Heimatdorf Carrickmacree zu. Dennoch hat Ryan zunächst keine Alternative als letztlich indirekt für Skorzeny zu arbeiten. Dabei lernt er die junge, bildhübsche Celia Hume kennen, ohne zu ahnen, dass diese ein doppeltes Spielt treibt. Später kommen noch, ohne hier zu viel verraten zu wollen, in gewisser Weise (also nicht wirklich) der SAS und der Mossad ins Spiel, so dass die Verwirrung komplett ist. Ryan gerät zwischen alle Fronten, da sich alle beteiligten Parteien dessen Dienste sichern wollen. Gekonnt legt Stuart Neville einige falsche Fährten und so ist der Leser fasziniert über die zahlreichen Volten, die dem Autor eingefallen sind. Wem kann Ryan vertrauen, wer kämpft auf welcher Seite und wer nur für das eigene Konto?

 

Skorzeny nahm einen langen Zug aus seiner Zigarette. " Wie viele Männer haben Sie getötet?"
Ryan hielt dem starren Blick des Österreichers stand. "Ich weiß es nicht", sagte er. "Wie viele haben Sie denn getötet?"
Lächelnd stand Skorzeny auf. "Wir sind Soldaten. Nur Mörder zählen ihre Opfer."

 

Verrat und noch mehr Verrat, dazu eine grenzenlose Gier und skrupellose Gewalt, dass sind die Ingredienzien dieses vorzüglichen Pageturners, den man trotz seiner rund 450 Seiten an einem Tag problemlos bewältigen kann. Wobei nicht zuletzt die Auftritte des Politikers Charles Haughey "beeindruckend" sind: Unaufhaltsame Machtgier gepaart mit politischem Instinkt bei gleichzeitig beschränkter geistiger Potenz. Kommt einem irgendwie erschreckend bekannt vor.

Gnaden- und schnörkellos treibt Neville seine Leserschaft ebenso wie den Protagonisten voran, wobei Letzterer erhebliche Blessuren davontragen wird. Einige (Folter-)Szenen sind allerdings äußerst brutal ausgefallen; dies nur als kleine Warnung. Bleibt abschließend die Hoffnung, dass Der vierte Mann den Weg ins Kino findet. Die Voraussetzung hierfür hat Stuart Neville auf bravouröse Art geliefert.

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