Der Fall Moriarty

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: GoyaLiT, 2014, Seiten: 4, Übersetzt: Uwe Teschner

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Michael Drewniok
Ein böses Genie verlangt sein Recht

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2014

Im Mai des Jahres 1891 werden sowohl die Kriminalisten als auch die Kriminellen dieser Welt von der Nachricht erschüttert (bzw. erfreut), dass Sherlock Holmes, der geniale Privatermittler, im Kampf gegen seinen Erzfeind Professor James Moriarty an den Reichenbachfällen in der Schweiz den Tod fand. Auch Moriarty starb, was für Pinkerton-Detektiv Frederick Chase einen herben Rückschlag bedeutet, hatte er doch gehofft, über den Professor einem ähnlich üblen Verbrecher auf die Spur zu kommen: Clarence Devereux plant, sein kriminelles Imperium über die USA hinaus nach England zu erweitern. Er wollte einen Pakt mit Moriarty schließen und sich deshalb mit diesem Treffen, doch Zeitpunkt und Ort dieser Zusammenkunft sind unbekannt.

Chase hofft, an der inzwischen gefundenen Leiche Moriartys eine entsprechende Nachricht zu finden. Dem ist tatsächlich so, aber sie ist kodiert. Glücklicherweise kann sein neuer Verbündeter helfen: Inspektor Athelney Jones von Scotland Yard ist ein glühender Verehrer des verstorbenen Sherlock Holmes und hat sich dessen Methoden zu Eigen gemacht. Jones entschlüsselt die Botschaft, doch in London haben sich die neuen Herren der Unterwelt bereits gut etabliert. Da Moriarty tot ist, will Devereux dessen Organisation übernehmen. Er und seine Schergen scheuen dabei vor keiner Brutalität zurück.

Dies bekommen Chase und Jones zu spüren, als sie sich gemeinsam auf die Suche nach Devereux begeben, der unsichtbar irgendwo in London die Fäden zieht. Mehrere Mordanschläge werden auf das Ermittlerduo verübt. Auch sonst treffen sie immer wieder auf schauerlich zugerichtete Leichen, denn Devereux duldet weder Widerspruch noch Verrat. Selbst Jones' Familie ist nicht vor ihm sicher - ein ungeheuerlicher Affront, der den Inspektor quasi Blutrache schwören lässt. Da auch Jones das Gesetz im Bedarfsfall auf seine Biegsamkeit überprüft, kommen Kriminalist und Detektiv dem Gesuchten ungemütlich nahe - und geraten in dessen Todesfalle ...

In Abwesenheit des Meisters

Ein Sherlock-Holmes-Roman ohne Sherlock Holmes (oder Dr. Watson)? Ist das sinnvoll? Arthur Conan Doyle hat selbst hin und wieder auf seinen Meisterdetektiv verzichtet. Diese Geschichten gehören nicht zu den besten des Kanons. Holmes ist eine charismatische und dominante Figur, deren Genialität und Exzentrik das Leserinteresse wecken. Auch spätere Holmes-Autoren scheiterten an dieser Klippe. Selbst ein ausgewiesener Aficionado wie Michael Hardwick konnte mit "The Private Life of Dr. Watson" (1985; dt. Dr. Watson) weniger fesseln als durch die Stringenz der biografischen "Fakten" beeindrucken.

Andererseits bewiesen Schriftsteller wie M. J. Trow, der zwischen 1985 und 1991 neun Romane um Inspektor Lestrade veröffentlichte, dass es möglich ist, das Holmes-Universum zu erweitern. Ist eine Geschichte wirklich gut, kann sie auch ohne den Meister und seine manchmal durchaus erdrückende Präsenz funktionieren. Wenn darüber hinaus ausgerechnet Professor Moriarty im Mittelpunkt steht, ist eine positive Erwartungshaltung gewährleistet.

Dabei taucht dieser James Moriarty bei Doyle nur zweimal persönlich (in der Story "Das letzte Problem" und im Roman Das Tal der Angst) auf und wird in fünf weiteren bloß erwähnt. Genau dies sichert ihm seine Stellung: Holmes selbst tituliert ihn als "Napoleon des Verbrechens". Er spricht beinahe ehrfürchtig über ihn und zeigt sogar Furcht. Dazu hat er allen Grund, denn es kommt zum ultimativen Kampf zwischen Holmes und Moriarty an den Wasserfällen des Reichenbachs, der scheinbar beiden Kontrahenten das Leben kostet.

Die Attraktivität des Bösen

Moriarty ist ein Genie des Bösen und in gewisser Weise das dunkle Spiegelbild von Sherlock Holmes. Weil Doyle seine Taten nur indirekt sowie vage schildert, überlässt er es dem Leserhirn, die Lücken zu füllen. Auf diese Weise bleibt Moriarty mysteriös und wirkt deshalb besonders gefährlich.

Eigentlich kann ein Autor nur verlieren, wenn er nunmehr beschließt, dieses Phantom zur Hauptfigur eines Romans zu erheben. Glücklicherweise findet Anthony Horowitz einen Ansatz, der ihm genau dies ermöglicht, ohne Moriarty aus den schützenden Schatten treten zu lassen: Der Fall Moriarty ist nicht nur eine Geschichte ohne Sherlock Holmes. Auch Moriarty glänzt durch Abwesenheit - scheinbar, denn tatsächlich ist er stets dort präsent, wo er sich am wohlsten fühlt: im Hintergrund, wo er die Fäden zieht.

Erst nach einem überraschenden Twist, der das eigentliche Finale einläutet, gibt sich Moriarty zu erkennen; schließlich trage dieses Buch als Titel seinen Namen, merkt er, der sich damit als Autor identifiziert, ironisch an. Er will seine Leser nicht betrügen. Deshalb widmet er nunmehr viele Buchseiten der Erläuterung, wo und wie er nicht nur die anderen Handlungsfiguren, sondern auch uns, das Publikum, getäuscht hat.

Getäuscht - nicht betrogen. Das ist nicht nur Moriarty wichtig, denn Horowitz legt hier einen klassischen Rätselkrimi vor, weshalb er dem Leser durchaus die Chance bietet, mit ihm gleichzuziehen und Moriarty vor dem Finale zu demaskieren. Nachträglich enthüllt ‚Moriarty' persönlich, wo entsprechende Hinweise in die Schilderung eingeflochten wurden. Nichtsdestotrotz dürfte die lesende Mehrheit überrascht sein, wie Horowitz es plante.

Die gedoppelte Vergangenheit

Sherlock Holmes und Dr. Watson waren bei Doyle trotz ihrer Außenseiterrollen als (bürgerliche) Verbrecherjäger treue Untertanen ihrer britischen Majestäten. Die zum Himmel schreienden sozialen Missstände der Jahrzehnte vor und nach 1900 klammerte Doyle aus; literarisch verfremdete Kritik war nicht sein Anliegen.

Solche Ignoranz kann sich heute nicht einmal ein Schriftsteller gestatten, der ein Sherlock-Holmes-Pastiche schreibt. Auch Horowitz widmet der politischen Realität des Jahres 1891 oder dem Lebensalltag der unteren Gesellschaftsschichten deutlich mehr Raum als Doyle. Dabei meidet Horowitz den erhobenen Zeigefinger, sondern lässt das Beschriebene in die Handlung einfließen, ohne es dabei seine abschreckende Wirkung verlieren zu lassen.

Dazu gehört ein Bombenanschlag auf New Scotland Yard, den Doyle nicht gutgeheißen hätte, und selbstverständlich die Existenz eines organisierten Verbrechens, dem kein mephistophelisches und damit die Ausnahme darstellendes Einzel-Genie vorsteht, sondern eine modern durchstrukturierte Gruppe, die dem Gesetz und seinen Vertretern gewachsen ist. Auf der anderen Seite ist dieses Gesetz nicht fleckenfrei: Mehrfach muss sich Frederick Chase anhören, dass Pinkerton-Detektive in den USA angeheuert wurden, um im Auftrag brutalkapitalistischer Fabrikbesitzer Gewerkschafter und Streikende niederzuknüppeln.

Falsche Spuren bei hohem Tempo

Der Plot wird eher durch ebenfalls Doyle-untypische Brutalitäten als durch Originalität modernisiert: Vormals hat Sherlock Holmes Moriarty verfolgt, nun sind Athelney Jones und Fredrick Chase Clarence Devereux auf der Spur, der freilich nicht über die Finessen eines Moriarty verfügt. So ist es kaum verwunderlich, dass Devereux trotz seiner soziopathischen Ausbrüche und seiner Agoraphobie keine besonders fesselnde Figur darstellt, sondern primär die Ansprüche eines klassischen Schurken erfüllt.

Die wahre Durchtriebenheit des Verfassers wird deutlich, als sich herauskristallisiert, wer eigentlich wem hinterherjagt. Tatsächlich besitzt die Handlung eine unsichtbare aber solide Sub-Ebene, die Horowitz mit großem Geschick einzieht. Erst wenn Moriarty das Geschehen aufrollt, wird sie sichtbar, obwohl sie stets vorhanden ist. Dieses falsche aber elegante Spiel macht den besonderen Reiz aus, obwohl Horowitz auch "normales" Krimi-Geschehen mit Geschick und Spannung zu inszenieren weiß. Verfolgungsjagden wirken bei ihm nie als Mittel zum Zweck, die Ereignisse irgendwie in Schwung zu bringen.

Zu den falschen Spuren gehören Indizien, mit denen Horowitz anzudeuten scheint, dass Sherlock Holmes die Geschehnisse heimlich überwacht oder gar lenkt. Ist womöglich Athelney Jones eigentlich Holmes? Ist es der hustende Mann im Hotelzimmer neben Chase? Oder ist Holmes Chase in genialer Verkleidung? Der Verdacht, dass jemand nicht ist, der zu sein er vorgibt, ist korrekt, doch dürfte der Leser trotzdem bass erstaunt sein.

Abgerundet wird diese Garn durch trockenen, nie aufdringlichen Humor, den auch Doyle nicht ausspart: Ein erstes Kapitel referiert die Ereignisse an den Reichenbachfällen und legt dabei offen, wo Doyle die Logik ignoriert oder gar mit Füßen getreten hat. Dem Holmes-Freund vergeht Hören & Sehen, wenn er mit einschlägigen Belegen förmlich bombardiert wird. Doyle hätte gelacht: Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm eine spannende Geschichte wichtiger als Logik war, und lag offensichtlich richtig damit.

Der Fall Moriarty

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Letzte Kommentare:
01.03.2018 19:32:17
-Ginger-

Absolute Spitze!
Das ist doch ganz nach meinem Geschmack: das düstere, viktorianische London, ein spannender Fall, interessante Charaktere, Geheimnisse - und das alles in bester Doyle-Manier! Horowitz hat wirklich viel Talent, die Geschichten von (hier ja eher um) Holmes zu (be)schreiben. Mich hat das Buch total überzeugt und ich hatte viel Freude mit Lesen und Mitraten - denn dass da irgendwas im Hintergrund ist, war mir schnell klar. Doch mit DEM Ende hätte ich nun wirklich nicht gerechnet und wurde echt überrascht, sowas mag ich. Natürlich möchte ich dazu nichts verraten, aber dieses Buch ist auf jeden Fall jedem zu empfehlen, der Holmes, klassische Krimis und spannende Wendungen mag.

05.04.2016 19:30:30
anyways

In dem kleinen schweizerischen Dörfchen Meiringen ist die Leiche des Mathematikprofessors und ärgsten Widersachers von Sherlock Holmes, Moriaty aufgetaucht. Sowohl aus der Alten als auch aus der Neuen Welt machen sich zwei Herren auf, die Leiche zu identifizieren. Aus London reist Inspektor Jones vom Scotland Yard an, und auch die berühmte Pinkerton Detektei aus New York, schickt ihren besten Mann, Detektiv Frederick Chase. Letzterer versucht ein Schriftstück, das aus Amerika an den Professor ging, in dessen Hinterlassenschaften zu finden. Ein Brief mit hochbrisantem Inhalt, von einem Mann geschrieben der in Sachen Bösartigkeit dem Verstorbenem das Wasser reichen kann.

Schon als Kind habe ich die Geschichten des Detektivduos Holmes/ Watson verfolgt. Jetzt gibt es einen Autor der dem Original sehr nahe kommt, und dessen erste Geschichte ich ebenso begeistert las wie die Originale. Ich war also hochgradig neugierig auf dieses Buch und habe die ersten Seiten verschlungen. Jedoch stoppte mein Leseeifer ziemlich abrupt, da mich einige Dinge stark irritierten. Es ist schon ein großes Kunststück eine Buchserie die Millionen von Menschen über Jahrzehnte begeistert hat und immer noch begeistert, nicht nur zu kopieren oder zu imitieren sondern den Faden der Geschichte erfolgreich weiter zu spinnen. Dies gelingt dem Autoren in meinen Augen nicht. Warum? Viele kleine Ungereimtheiten die sich im Laufe der Geschichte stark summierten. Ich weiß z. Bsp. Das „Watson“ mit allen Inspektoren von Scotland Yard, hart ins Gericht geht. Nicht nur was ihre Arbeit betraf sondern vor allem (auch in medizinischer Hinsicht ihr Aussehen, treffende Beschreibungen, in den seltensten Fällen aber schmeichelhafte Bewertungen. Nun in diesem Buch agiert Inspektor Jones, eine Figur die mir in der Beschreibung des Autors überhaupt nicht bekannt vorkam, tja das eigentliche Original war bullig, hatte ein rotes Gesicht, wahrscheinlich hohen Blutdruck und aufgedunsene Tränensäcke. Unser Jones hier sieht aber wie eine Kopie des Sherlock Holmes aus und er agiert auch genauso. Auch der angebliche Pinkerton- Detektiv rutscht nach wenigen Seiten in den Part des Dr. Watson mühelos aber wie schlecht abgekupfert herein. Nein diese Geschichte hat mich ziemlich von Beginn an nicht in ihren Bann ziehen können. Dabei gibt es durchaus einen nachvollziehbaren Plot, gute Spannungsbögen und ein überraschendes Ende aber sie passen bei Weitem nicht an das Original heran.

25.12.2015 11:46:33
walli007

Einmal ohne

Bei den Ereignissen an den Reichenbachfällen in der Schweiz scheinen sowohl Professor Moriarty als auch Sherlock Holmes ums Leben gekommen zu sein. Der britische Inspektor Athelney Jones wird in die Schweiz geschickt, um eine an den Wasserfällen aufgefundene Leiche als die Moriartys zu identifizieren. In der kleinen schweizerischen Polizeistation trifft er auf den Pinkertonagenten Frederick Chase, der behauptet ein amerikanischer Gangster sei nach London übergesiedelt, um sich mit Moriarty zu verbünden. Deshalb sei es wichtig, heraus zu finden, ob der Tote etwas bei sich habe, was auf die Spur des Schwerverbrechers Clarence Devereux führen kann.

Ein Kriminalroman aus dem alten England, in der Tradition von Sherlock Holmes, der hier zwar eine gewichtige Rolle spielt, aber wenn lediglich verkleidet auftritt. Athelney Jones scheint allerdings Holmes´ würdiger Nachfolger zu sein. Ganz vertieft in des Meisterdetektivs Methoden, hat er alles aufgesogen, was er über sein Vorbild finden konnte. Und nun ist er bereit in die Fußstapfen des großen Polizeiberaters zu treten. Wie geschickt er Folgerungen zu ziehen vermag, ergibt sich schon bei seinem ersten Treffen mit Chase. Diesen erläutert er verschiedene Aspekte seiner Reise und seines Lebens und Chase muss gestehen, dass der Inspektor doch in vielem richtig liegt. Und so scheinen die beiden der Polizist und der Privatdetektiv ein ideales Gespann zu bilden, das sich hervorragend ergänzt.

Einen großen Teil seiner Spannung zieht der Roman aus der Frage, die man sich als Freund der Geschichten um Sherlock Holmes eigentlich sofort stellt: Wer ist der Tote? Und wenn es weder Moriarty noch Holmes ist, wovon man eigentlich ausgehen kann, wer ist es dann? Und natürlich wo sind Holmes und Moriarty? Und so sucht man während der Lektüre immer wieder nach Hinwiesen auf die genialen Widersacher. Dabei mag manche Ahnung stimmen und dennoch wird das Buch verschiedene Überraschungen bereithalten. Ein Detektivroman, der die detektivischen Fähigkeiten des Lesers anspricht, und in dem häufig doch alles anders kommt.

05.05.2015 09:57:21
TochterAlice

In "Der Fall Moriarty" interpretiert Anthony Horowitz die Ereignisse von Holmes und seinem Gegenspieler Moriarty, der bei Conan Doyle nur zweimal die Ehre hatte, bis er endgültig die Reichenbachfälle hinabstürzte und so ein mehr oder weniger würdiges Ende fand, neu. Allerdings fungiert hier Holmes eher als Randfigur, die zunächst einmal für einige Jahre weg vom Fenster ist, sprich: vermisst ist. Auch sein Freund Dr. Watson steht nicht im Mittelpunkt: nein, dieser gebührt dem Erzähler, dem nach eigenen Worten eher mittelmäßigen New Yorker Detektiv Chase, der - wie soll es anders sein - von Scotland Yard unterstützt wird.

Ich bewundere Horowitz wirklich sehr für seine Fähigkeit, sprachlich - schwuppdiwupp - ins 19. Jahrhundert einzutauchen: er tut dies wirklich ungeheuer atmosphärisch. Ich kann die Detektive in ihren klassischen Outfits mit Lupe und weiterer Ausrüstung praktisch neben mir spüren, wie sie mich mitnehmen und durch den Fall führen. Horowitz versucht nicht, Doyle zu kopieren, vielmehr nimmt er den Faden auf und schafft eine eigenständige Variante, die viel mehr ist als eine reine Interpretation des Stoffes.

Ja, das Lesen hat ganz klar Spaß gemacht und mich in die Welt der Detektivromane des ausgehenden 19. Jahrhunderts versetzt. Warum ich dennoch nicht hellauf begeistert bin? Nun, ein paar Längen gab es dann doch, die ganz klar auf Kosten der Spannung gingen und mir ein bisschen die Lust am Weiterlesen nahmen. Nicht endgültig, nein, eher mal so zwischendurch war ich des Lesens müde, trotzdem fand ich immer wieder hinein und empfehle das Buch daher auch Freunden der klassischen Kriminalliteratur, des herkömmlichen Detektivromans von Herzen weiter.

27.12.2014 00:11:26
O. Neumann

Eine spannende Erzählung, in der man viel Sympathie für Athelney Jones und seine Familie entwickeln kann. Die Handlung ist originell und der Schluss überraschend, wenn auch nicht immer - Achtung, Wortspiel- schlüssig. Besonders gut gefallen haben mir die vielen Holmes-Zitate und anderen Hinweise für Doyle-Freunde, wogegen die recht ausführliche Brutalität und ausgeprägten Erläuterungen, die vermutlich besonders für amerikanische Leser eingebunden wurden, zwar unerfreulich sind, das Lesevergnügen bei diesem Werk aber nicht wesentlich schmälern. Von diesem ebensoeinfallsreichen wie routinierten Autor werde ich sicher noch mehr lesen!

27.12.2014 00:08:33
o:Neumann

Eine spannende Erzählung, in der man viel Sympathie für Atelney Jones und seine Familie entwickeln kann. Die Handlung ist originell und der Schluss überraschend, wenn auch nicht immer - Achtung, Wortspiel- schlüssig. Besonders gut gefallen haben mir die vielen Holmes-Zitate und anderen Hinweise für Doyle-Freunde, wogegen die recht ausführliche Brutalität und ausgeprägten Erläuterungen, die vermutlich besonders für amerikanische Leser eingebunden wurden, zwar unerfreulich sind, das Lesevergnügen bei diesem Werk aber nicht wesentlich schmälern. Von diesem ebensoeinfallsreichen wie routinierten Autor werde ich sicher noch mehr lesen!

10.11.2014 14:09:43
leseratte1310

Der amerikanische Gangster Clarence Devereux, der selbst Moriarty in die Tasche steckt, wird von dem Agenten Frederick Chase von der Detektivagentur Pinkerton in New York gejagt. Dabei trifft er auf Inspektor Athelney Jones vom Scotland Yard, der die Geschehnisse um Moriarty und Sherlock Holmes an den Reichenbachfällen klären soll. Der in Moriartys Kleidung eingenähte Brief von Devereux sorgt dafür, dass Chase und Jones zusammenarbeiten, um die große Gefahr zu bannen. Sie gehen dabei vor wie eines Holmes und Watson.
Obwohl Sherlock Holmes in diesem Buch nicht mehr ermitteln kann, wird in dem Fall durch das Ausschließen des Unmöglichen im Stile von Holmes ermittelt. Auch wenn der Beginn noch verwirrend ist, entwickelt sich die Geschichte sehr spannend und konnte mich gut fesseln. Ich war einige Male auf der falschen Spur und auch das spannungsreiche Ende konnte mich noch überraschen.
Die Charaktere sind sehr gut und glaubhaft beschrieben. Auch die Handlungsorte sind passend zur Geschichte düster und authentisch dargestellt.
Ein toller und spannender Krimi.

08.11.2014 19:30:54
RolfWamers

So sollte ein Krimi sein: Spannung für ein oder zwei lange Winterabende und zum Schluss noch ein Knaller, den man erahnt, aber in dieser Form nicht erwartet hat. Besonders nett das Problem, einen Gangsterboss, der sich in der US-Botschaft verschanzt hat, dort heraus zu bekommen und auf englischem Boden mit ihm "abzurechnen".

Sehr gut gemacht, Mr. Horowitz.

01.11.2014 19:38:56
Lese-Bienchen

Ein typischer Sherlock Holmes, na ja nicht ganz, da Sherlock Holmes eigentlich in diesem Buch gar nicht mitspielt bzw. in Erscheinung tritt. Das Buch knüpft an den „vorgetäuschten“ Selbstmord von Sherlock in den Reichbachfällen an. Gleichzeitig mit ihm verschwindet sein großer Gegner Moriarty.
Der Amerikaner Chase und der Scotland Yard Inspektor Athelney Jones versuchen das Rätsel zu lösen. Es entwickelt sich jedoch in eine andere Richtung. Der große Gangsterchef Devereux möchte nach dem er Amerika unter Kontrolle hat nun auch der Anführer der Kriminellen in Großbritannien werden. Es entwickelt sich also ein Machtkampf zwischen den beiden Gruppen, Kriminelle aus Amerika und auch aus England werden ermordet und dahinter stecken kann eigentlich nur Devereux. selbst. Chase und Jones ermitteln gemeinsam wie einst Sherlock Holmes und Watson. Ein großer Traum von Jones geht in Erfüllung. Er kann endlich alle Zeichen so deuten wie es der Große Sherlock Holmes es konnte. Doch sind die beiden wirklich auf der Richtigen Spur oder gibt es Verstrickungen die mal wieder von Scotland Yard übersehen werden.
Auch wenn Sherlock Holmes nicht mitspielt, handelt es sich um ein super Buch. Die beiden Hauptfiguren sind ein ähnlich gut abgestimmtes Paar wie Sherlock Holmes und Dr. Wartson aber trotzdem kommt ein einem nicht wie ein billiger Abklatsch vor.
Das Buch ist mit 340 Seiten nicht gerade lang aber genau richtig. Kein unnötiges Detail, wir erfahren alles und das Ende ist einfach überwältigend. Es ist schwierig das Buch zur Seite zu legen da man einfach nur wissen möchte wie es weiter geht und irgendwie geht man davon aus, zu Wissen wer hinter all dem steckt, aber nein der Leser wird auf die ein oder andere falsche Fährte geführt. Es macht Spaß solche Bücher zu lesen, die wie bei Dr. Watson, aus der Sicht von Chase erzählt werden.
Anthony Horowitz hat es geschafft ein super Folgeduo zu erschaffen und die Seiten lesen sich einfach nur so weg. Die Kapitel sind optimal unterteilt und das Cover für jeden London-Liebhaber ein Traum.