Das Dickicht

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • New York: Mullholland, 2013, Titel: 'The Thicket', Originalsprache
  • Stuttgart: Tropen, 2014, Seiten: 331, Übersetzt: Hannes Riffel
  • München: Heyne, 2016, Seiten: 350, Übersetzt: Hannes Riffel

Couch-Wertung:

90°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
3 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:88
V:3
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":1,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":1,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Andreas Kurth
Im Wald, da sind die Räuber

Buch-Rezension von Andreas Kurth Sep 2014

Kurz nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es in Amerika eine große Pockenepidemie. Dabei sterben die Eltern des 16-jährigen Jack Parker, und sein Großvater will ihn und seine 14-jährige Schwester Lula zu ihrer Tante nach Kansas bringen. Auf der Fähre über den Sabine River kommt es zu einem tödlichen Streit mit drei Ganoven, der Großvater wird erschossen. Die Fähre kentert, und von einem Paar, das ihn aus dem Fluss zieht, erfährt Jack, dass Lula offenbar mit den drei Galgenvögeln fortgeritten ist. Der Junge will den Mord und die Entführung einem Sheriff melden, doch der wurde gerade bei einem Banküberfall getötet. Offenbar waren die Räuber auch die Typen, die nun seine Schwester in ihrer Gewalt haben. Es handelt sich um Cut Throat Bill, Nigger Pete und Fatty Worth. Jack trifft zufällig auf Eustace Cox, einen farbigen Kopfgeldjäger mit einem Eber als Haustier. Der Junge bietet dem ausgebufften Fahnder das Grundstück seiner Eltern an, damit dieser ihm hilft, seine Schwester zu finden und zu befreien. Komplettiert wird die Suchmannschaft durch den Liliputaner Shorty, und dann auch noch die entlaufene Hure Jimmy Sue. Der Weg führt sie schließlich in eine von Verbrechern durchseuchte Gegend, die für jedermann gefährlich ist - das Dickicht.

Lansdale schreibt auf gleichbleibend hohem Niveau

Es ist und bleibt bemerkenswert, dass es Autoren gibt, die ihre Geschichten auf einem konstant hohen Niveau erzählen. Ob das bei Joe R. Lansdale schon immer so war, vermag ich nicht zu beurteilen, aber Das Dickicht macht im Grunde da weiter, wo Dunkle Gewässer aufgehört hat. Zwar sind es völlig andere Protagonisten, deren Geschichte hier erzählt wird, aber der Grundtenor ist der gleiche.

Es geht wieder um die Struktur-arme Gegend am texanischen Sabine River, um die Zeit der Jahrhundertwende. Das Gesetz ist schwach, Verbrechen sind an der Tagesordnung. Und sie werden von Lansdale ungeschminkt geschildert, wobei er dabei stets auf einem hohen sprachlichen Niveau bleibt.

Jack Parker agiert als Ich-Erzähler der mehr als turbulenten Geschichte, wodurch es authentische und überaus jugendlich klingende Dialoge gibt. Die einzelnen Fakten sollte man dabei allerdings nicht auf die Goldwaage legen, schließlich basiert alles auf den Erinnerungen von Jack. Trotz seines jugendlichen Alters muss der sympathische und im Grunde seines Herzens unbeschwerte Junge einiges erleben und durchmachen.

Immerhin sind seine Eltern und sein Großvater auf ziemlich tragische Art und Weise ums Leben gekommen. Kaum verwunderlich also, dass er mit allen Mitteln versuchen will, seine überlebende Schwester Lula zu finden und zu befreien. Dafür ist Jack sogar bereit, sein Erbe zu opfern. Der junge Mann schildert das Geschehen dennoch mit ironischen und teilweise flapsigen Worten. Als Leser schließt man Jack und seine skurrile Truppe schnell ins Herz und fiebert mit ihren – zuweilen ziemlich blutigen - Abenteuern mit.

Eine illustre Riege von Protagonisten

Die Protagonisten des Romans sind eine ziemlich illustre Riege. Neben dem liebenswürdigen Jack, der während des Abenteuers einen Reifeprozess durchmacht, ist da die Prostituierte Jimmy Sue, die ihr Herz auf dem rechten Fleck trägt, und mit der Jack eine Beziehung eingeht. Es gehört zum Reiz der Geschichte, dass Lansdale diese zarten Bande eher beiläufig schildert, und es am Ende auch offen bleibt, wie dauerhaft diese amouröse Verflechtung sein wird.

Und dann ist da Shorty, ein mit allen Wassern gewaschener Liliputaner. Er beobachtet mit einem Teleskop die Sterne, hält Jack ausufernde philosophische Vorträge – und kann hart zuschlagen und auch töten, wenn es nötig wird. In der Truppe, die sich um Jack sammelt, spielt Shorty eine enorm wichtige Rolle. Er ist für den menschlichen Zusammenhalt unverzichtbar, und er beeinflusst die Entscheidungen seines Partners, was für den Fortgang der Suche zuweilen ausschlaggebend ist.

Eustace ist ein hoch aufgeschossener Afro-Amerikaner, der als Kopfgeldjäger schon so einiges erlebt hat. Seine Markenzeichen ist "Keiler", ein halbzahmer Eber, der ihn ständig begleitet. Eustace ist deutlich unstetiger in seinem Wesen als Shorty, und scheinbar auch nicht so gebildet. Aber seinen Job als Kopfgeldjäger macht er gut und ist dabei auch überaus konsequent.

Die drei Gangster sind dann noch einmal ein ganz eigenes Kaliber, und daneben gibt es noch weitere Rand-Figuren, die ebenfalls eindrücklich und anschaulich gezeichnet wurden. Das Personaltableau des Romans ist insgesamt überaus gelungen und fügt sich in den hervorragenden Gesamteindruck beim Lesen perfekt ein.

Reifeprozess wird perfekt in einen Kriminalroman eingebettet

Wie bereits beschrieben macht Jack während der Geschichte eine enorme persönliche Entwicklung durch. Das Dickicht kann also als eine Mischung aus Kriminal- und Entwicklungsroman eingestuft werden. Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff Entwicklungsroman einen Romantypus, "in dem die geistig-seelische Entwicklung einer Hauptfigur in ihrer Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Umwelt dargestellt wird. Der Entwicklungsroman schildert den Reifeprozess des Protagonisten, der seine Erlebnisse und Erfahrungen reflektierend verarbeitet und seiner Persönlichkeit einverleibt." Das trifft es ziemlich gut, wobei Joe R. Lansdale diesen Prozess für meine Begriffe perfekt in einen Kriminalroman eingebettet hat.

Der Autor hat hier einige unterschiedliche Aspekte zusammengeschnürt, und das macht er ganz hervorragend. Es geht um das beschleunigte Erwachsenwerden des jungen Jack, um die Gesetzlosigkeit im Texas der damaligen Zeit, um die Konfrontation des romantisierten "wilden Westens" mit der Industrialisierung – dargestellt am Beispiel der beginnenden Ölförderung, und um menschliche Beziehungen im Allgemeinen. Knackige Dialoge, teilweise finsterer Humor, und nicht zuletzt das geschilderte Ensemble an merkwürdigen und bemerkenswerten Personen machen diesen Roman zu einem echten Lesevergnügen. Wer die Zeit dazu hat, sollte das Buch ruhig zweimal lesen, man wird immer noch neue Nuancen finden, die den Roman so überaus unterhaltsam machen.

Das Dickicht

Das Dickicht

Deine Meinung zu »Das Dickicht«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
20.10.2018 16:26:23
LACK OF LIES

JOE R. LANSDALE - Das Dickicht
(Heyne Hardcore)

- eine mörderische Jagd in den Ausklängen des wilden Westens -

Die beiden jugendlichen Geschwister Jack und Lula Parker haben ihre Eltern in den ersten Zuckungen des 20. Jahrhunderts an die Pocken verloren. Ihr Grandpa Caleb Parker bringt die beiden Waisen mi der Kutsche zu ihrer Tante Tessle nach Kansas, wo sie von nun an leben sollen. Er hat die Urkunden für sein Grundstück und das ihrer Eltern einem Anwalt übergeben. Dieser soll die Grundstücke zu gegebener Zeit verkaufen und den Erlös abzüglich seiner Provision den Kindern zukommen lassen, die die entsprechenden Besitzunterlagen einstecken haben. Auf der Fahrt nach Kansas muss das Gespann einen Fluss überqueren, doch die hölzerne Brücke ist abgebrannt. Es stehen nur noch ein paar verkohlte Balken und eine Fähre ist gerade auf der anderen Seite des Flusses. Als sie selbige einige Zeit später besteigen, kommt auch ein großer Mann namens Cut Throat Bill auf einem Fuchs mit an Bord. Während Bill Stress mit Grandpa Parker anfängt, wartet der Fährmann geduldig auf zwei weitere Männer namens Fatty Worth und Nigger Pete, die gerade Richtung Fähre geritten kommen. Die beiden Reiter und Cut Throat Bill scheinen sich zu kennen. Es entbrennt nun endgültig ein Streit zwischen dem großen Mann und Grandpa, den der alte Parker mit dem Leben bezahlt. Als nun plötzlich auch noch ein Wirbelsturm aufkommt, der die Fähre letztlich zum Kentern bringt, trennen sich Jack und Lulas Wege.

Jack erfährt von einem Mann und einer Frau, die die Fähre auf der anderen Seite nehmen wollten, dass Lula von den drei Männern zu Pferde mitgenommen wurde. Der Mann und die Frau nehmen Jack mit in die Stadt Sylvester, wo gerade die hiesige Bank ausgeraubt wurde. Hier trifft Jack zufällig auf den riesigen Farbigen Eustace Cox und seine Wildsau Keiler. Jack und Eustace, der bereits früher seinen Lebensunterhalt als Kopfgeldjäger verdiente, kommen ins Gespräch. Jack berichtet von den Vorkommnissen auf der Fähre, von den Männern, die seinen Grandpa ermordet und seine Schwester Lula mitgenommen haben. Jack will Lula aus den Fängen der Ganoven brfreien und stellt Eustace die beiden Grundstücke als Bezahlung in Aussicht,wenn dieser ihm hilft. Aber Eustace der Riese ist nur mit von der Partie, wenn auch sein Kumpel Shorty der Zwerg dabei ist. Und das ist er, der alte Halunke. Und so beginnt eine mörderische Jagd durch den Ausklang des skrupellosen wilden Westens. Shorty ist ein guter Erzähler und lässt bei Lagerfeuer oder anderen Gelegenheiten keine Situation ungenutzt von Indianergeschichten, Kopfgeldjagden oder seinen sonstigen fragwürdigen Heldentaten zu berichten.

Es ist eine teils empathische, teils überspitzt humorige, aber bisweilen auch recht raue und schroffe Sprache, die der 1951 in Gladewater, Texas geborene Krimi-, Horror-, History- und Science-Fiction Autor Joe R. Lansdales in seinem Roman „Das Dickicht“ verwendet. Die Brutalität ist in eine fast schon schlitzorige, allerdings nicht sonderlich authentische Sprache verpackt, die zumeist aus der Sicht von Jack geschrieben ist. Das Storyboard wäre jedoch sicherlich ein gefundenes Fressen für jemanden wie Quentin Tarantino. Mit dem kleinwüchsigen Shorty und dem riesigen Eustace an seiner Seite sind Gewaltexzesse nämlich an der Tagesordnung, was den, mit christlichen Werten aufgewachsenen Jack das ein oder andere Mal aus der Bahn zu werfen droht. Doch mit dem Gedanken an seine Schwester und was die gesetzesbrecherischen Sauhunde mit ihr anstellen könnten, kommt er nicht umhin seinen Begleitern zu vertrauen. Eine wirkliche Freundschaft ist das zwischen den beiden ungleichen Freunden und ihm zu Anfang nicht und Jack fürchtet, dass ihn die beiden Schlitzohren zu passender Gelegenheit abmurksen könnten.

Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach den steckbrieflich gesuchten Männern. Als Jack im Hurenhaus auf das leichte Mädchen Jimmie Sue trifft, um an Informationen über Fatty Worth zu gelangen, der ebenfalls gerade in einem der Zimmer zugange ist, beschließt diese kurzerhand ihren harten, unbefriedigenden Job an den Nagel zu hängen und mit ihm zu ziehen. Sie verrät ihm bereitwillig, was er wissen will, denn Jimmie Sue scheint einen wahren Narren an Jack gefressen zu haben. Eustace, Shorty, Jack und Jimmie Sue schnappen sich daraufhin den leichtsinnigen Delinquenten Fatty, als selbiger gerade das Hurenhaus verlässt. Unter Folter wollen sie von ihm erfahren, wohin es Cut Throat Bill, seine Kumpanen und somit auch Lula verschlagen hat. Auch Sheriff Winton, dem sie Fatty gegen ein erhofftes Kopfgeld ausliefern, schließt sich der Meute an. Ein seltsamer Haufen ist das schon, der sich da zusammengefunden hat, um den Verbrechern ins sogenannte Dickicht zu folgen. Auch des Sheriffs Putzhilfe Spot stößt irgendwann zu der illustren Truppe und schließt sich ebenfalls an. Die Charakterzeichnungen sind zwar eher mittelmäßig intensiv ausgefallen, dennoch sympathisiert man im Laufe der Geschichte mehr und mehr mit den Protagonisten. "Das Dickicht" ist eine, bisweilen auf humorvolle Weise erzählte, kurzeweilige Geschichte über ein paar liebenswerte Ganoven, die ein paar weniger liebenswerte Ganoven zur Strecke bringen wollen und die Ihre nackte Brutalität durch ihre legere Art ein wenig zu entschärfen weiß. Ein rasantes Showdown in blutig-bleihaltiger Luft bleibt bei dieser waghalsigen Bestrebung natürlich nicht aus.

http://www.joerlansdale.com/

Meine Wertung: 84/100

Link zur Buchseite des Verlags:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-Dickicht/Joe-R-Lansdale/Heyne-Hardcore/e453822.rhd

Originaltitel: The Thicket
Originalverlag: Tropen
Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel
ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Taschenbuch, Broschur, 336 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-67677-0
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Heyne Hardcore
Erscheinungstermin: 8. Februar 2016

More hard stuff @ www.lackoflies.com