Blutige Mondscheinsonate

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Münster: Solibro, 2014, Seiten: 384, Originalsprache

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Andreas Kurth
Brutaler Mörder tötet zu klassischen Klängen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Sep 2014

Der Deutsch-Französische Garten ist ein echtes Prestigeprojekt der Stadt Saarbrücken, der nach dem Willen von Politik und Verwaltung mit Fördergeldern der EU weiter ausgebaut werden soll. Da kommt es höchst ungelegen, dass ein Mörder eine junge Frau auf dem Gelände tötet und gekreuzigt zurück lässt. Sie wird bei einer Führung gefunden, zum Leidwesen der Polizei ist eine junge Journalistin dabei, und so schlägt der Fall gleich Wellen in der Öffentlichkeit. Lukas Baccus und Theo Borg sind weiter aus disziplinarischen Gründen zum Innendienst eingeteilt, und so machen sich andere Ermittler an die Nachforschungen in diesem spektakulären Fall. Die Kolleginnen Andrea Peperding und Monika Blech kommen nicht recht voran, und als Peperding ein spektakulärer Fehler passiert, werden die beiden Kommissare doch noch an den Ermittlungen beteiligt. Sie machen einen ungewöhnlichen Undercover-Einsatz, doch es gibt weitere Morde in der Gartenlandschaft. Nur langsam kommen Baccus und Borg gemeinsam mit ihren Kollegen der Lösung näher – und dann geraten sie ihrerseits in das Visier des Täters.

Besessen von der berühmten Musik

Die saarländische Autorin Elke Schwab hat mit Blutige Mondscheinsonate bereits den vierten Roman um das Ermittlerduo Baccus und Borg vorgelegt. Als Neueinsteiger wird man im ersten Drittel des Buchs mit ausreichend Informationen versorgt, um die Vorgeschichte zu verstehen. Die beiden Protagonisten müssen derzeit nämlich Innendienst schieben, weil sie mit ihren unkonventionellen Aktionen jenseits der Dienstvorschriften bei ihren Vorgesetzten offenbar heftig angeeckt sind. Neben der Perspektive der beiden Ermittler bietet die Autorin ihren Lesern auch erschreckende Einblicke in die Sicht- und Denkweise des Mondschein-Mörders, wie er von der Presse schnell genannt wird. Phönix, wie der Killer sich selber nennt, berichtet in gedrechselten Worten von seinen finsteren Plänen, und gleich der erste Mord hat es wirklich in sich – der Leser ist mit voller Aufmerksamkeit dabei. Es bleibt allerdings bis fast zum Ende völlig unklar, was Phönix in seinem Inneren tatsächlich antreibt. Er legt außerordentlich viel Wert auf höchste Präzision bei seinen Vorbereitungen und bei der Positionierung seiner Opfer. Geradezu besessen ist er von den eindringlichen Klängen der berühmten Mondscheinsonate. Diese ziemlich dunklen Abschnitte der Geschichte stehen in einem enormen Gegensatz zu den im direkten Vergleich geradezu bieder wirkenden Nachforschungen der Ermittler.

Autorin überrascht ihre Leser

Lukas Baccus und Theo Borg tappen gemeinsam mit ihren Kollegen lange Zeit völlig im Dunkeln. Das Rätsel, wer der Mörder ist, und vor allem, wann er wieder zuschlagen könnte, hält den gesamten Sicherheitsapparat in Saarbrücken in Atem. Die Ermittler folgen vielen Spuren, überprüfen reihenweise mögliche Tatverdächtige und deren Motive. Der Kreis der als Verdächtige in Frage kommenden Personen ist enorm groß – auch als Leser ist es nicht so leicht, bei den vielen losen Enden den Überblick zu behalten. Etliches wird dann durch scheinbare Zufälle aufgelöst, für meinen Geschmack gibt es ein paar zu viele davon. Die Autorin ist offenbar bemüht, jedem ihrer Protagonisten einen speziellen Charakter zu verleihen – was ihr allerdings nicht wirklich gelingt. Dennoch hat sich der Schreibstil von Elke Schwab gegenüber ihren frühen Werken deutlich positiv weiter entwickelt. Die Geschichte ist insgesamt flüssig und durchaus spannend, Lesern aus dem Saarland wird zudem das Lokalkolorit gut gefallen. Wer aus anderen Gegenden Deutschlands kommt, muss sich allerdings erst ein wenig in die speziellen Verhältnisse einlesen. Mit dem Finale überrascht die Autorin ihre Leser – und punktet damit auch noch. Eine unterhaltsame Lektüre!

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