Still

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Der Audio Verlag, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Christoph Maria Herbst

Couch-Wertung:

84°
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Lars Schafft
Genie und Wahnsinn – und Darwin

Buch-Rezension von Lars Schafft Aug 2014

Still von Zoran Drvenkar, Autor sowohl von Kinder- und Jugendbüchern als auch von Spannungsliteratur, wurde vom frisch gegründeten Verlag Eder & Bach als das Thriller-Highlights des Leseherbsts angekündigt. Vollmundig? Mitnichten. Nach den Glanzlichtern Sorry (2009) und Du (2010) kehrt der in Berlin aufgewachsene Schriftsteller nach vierjähriger Kreativpause mit Wucht zurück: "Still" ist so ziemlich das letzte Adjektiv, das einem zu diesem Buch einfällt.

Wie schon in den vorherigen Thrillern überrascht Drvenkar allein formal mit seinem Text: Er hält nach wie vor an der alten Rechtschreibung fest, Dialoge sind nicht mit Anführungszeichen, dafür mit Spiegelstrichen gekennzeichnet und er schreibt seine vielen Kapitel aus unterschiedlichen Zeit- und Erzählperspektiven, betitelt sie mit "Ich", "Du" und "Sie".

"Ich" ist ein Berliner Lehrer, der sein bisheriges Leben komplett auf- und ihm einen neuen Sinn gegeben hat: Rache an denen, die dafür verantwortlich sind, dass seine Tochter vor Jahren ohne jede Spur verschwunden ist.

Hier kommen "Sie" ins Spiel: Wer ebenjene sind, bleibt dem Leser lange unklar. Zoran Drvenkar baut eine Art Mythos auf, es geht um Kinder, es geht um Jagd und frei nach Darwin um den unbeirrbaren Glauben daran, dass sich der Stärkere durchsetzt.

Ist "Du" in dieser Hinsicht stark? Diese Frage stellt der Autor unterschwellig, scheint "Du" doch das einzige Kind zu sein, dass diesem geheimnisvollen Männerbund entkommen ist. Das Mädchen wurde völlig entkräftet in der schneebedeckten Landschaft vor den Toren der Hauptstadt aufgefunden und starrt seitdem aus dem Fenster, still.

Auch wenn diese Struktur schon aus Sorry und Du bekannt ist, zieht sie immer noch auf faszinierende Weise in ihren Bann. Und ja: Das muss man schon als sehr eigenen Stil Drvenkars bezeichnen – einen zu finden ist ihm gelungen, andere Schriftsteller versuchen sich Jahrzehnte lang vergebens daran.

Sprachlich ist Zoran Drvenkar in Still teils so filigran (die glänzende Schnee-Metaphorik hatte es ihm schon in Du angetan), wie aber auch explizit. Es gibt Szenen, die etwas erzeugen, was weit über eine Gänsehaut hinausgeht. Es bleiben Sprachlosigkeit, Ekel, Abscheu und Entsetzen. Sicherlich nicht wenigen Lesern wird das zu viel sein.

Auch wenn die Motive in Still an die "Hungerspiele" der Tribute von Panem oder an David Osborns Jagdzeit erinnern und Fans des Autors manche erzählerische Kniffe schon bekannt vorkommen mögen, bleibt doch eine Glanzleistung. Denn Zoran Drvenkar erzeugt starke Emotionen, wo Thrill gar nicht mal die stärkste ist. Das Eintreten in Drvenkars dunkelste Gefühlswelt ist ein schlimmer Albtraum.

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