Galveston

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • New York: Scribner's, 2010, Titel: 'Galveston', Originalsprache
  • Berlin: DAV, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Walter Kreye, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Lars Schafft
Der dreckige Sound des Südens

Buch-Rezension von Lars Schafft Aug 2014

Unbarmherzig brennt die Sonne in Galveston, Texas. Und doch werden sich der ein oder andere Leser bei Nic Pizzolattos Debütroman aufs Glatteis geführt vorkommen. Denn der Autor hat sich seine Meriten bislang vor allem durchs Drehbuch für die Noir-Thriller-Reihe True Detective erworben, die der amerikanische Sender HBO fürs Fernsehen produziert hat und die vor kurzem als DVD-Box hierzulande erschienen ist. Großartige Kritiken hat er dafür eingeheimst, da bot es sich sicherlich an, nicht nur einen Sticker mit Hinweis auf die Serie aufs Cover zu kleben, sondern dieses gleich direkt im Stil des Intros von True Detective zu gestalten. So gut Galveston als Roman auch ist – mit True Detective hat er überhaupt nichts zu tun.

Im Mittelpunkt Pizzolattos Erzählung steht der vierzigjährige Roy Cady, wegen seines Aussehens auch "Big Country" genannt. Groß, massiv, lange Haare, Narben, Cowboy-Stiefel. Der Prototyp eines Gangsters, der seit Jahren in New Orleans schmutzige Jobs erledigt. Sein aktueller soll fatal enden: Gerade erst hat er erfahren, an Lungenkrebs zu leiden, da wird Roy mit seinem Kollegen Angelo in eine tödliche Falle gelockt. Für Angelo. Und für die, die "Big Country" in die ewigen Jagdgründe schicken wollten. Ein Blutbad, doch Roy sowie die 18-jährige Prostituierte und völlig unter Schock stehende Raquel "Rocky" Arceneaux überleben. Zwei Menschen, wie sie ungleicher nicht sein könnten, bilden fortan eine Schicksalsgemeinschaft auf der Flucht gen Texas.

Der Vorfall in New Orleans ändert alles in Roys Leben, er nennt sich John Robicheaux (ein deutlicher Hinweis auf James Lee Burke, offensichtlich Inspirationsquelle Pizzolattos). Spätestens, als Rocky ihm auch noch ihre vermeintliche kleine Schwester aufbürdet, entdeckt der vom Leben gezeichnete Verbrecher seine sanfte Ader, Verantwortungsbewusstsein für andere, Vatergefühle und fast bahnt sich sogar eine kleine Lolita-Geschichte an. Roy ist der Gewalt müde, verändert sein Aussehen und nistet sich mit Rocky und der kleinen Tiffany in einem Motel in Galveston ein. Doch zum einen will Rocky nicht ganz so wie er, zum anderen trifft er eine verhängnisvolle Entscheidung – Rache ist ein schlechter Ratgeber...

Nic Pizzolatto fängt diese Geschichte, zugegeben nicht ganz neu, in bildgewaltigen, knappen Sätzen ein. Sprachlich ist Galveston ein Gaumenschmaus, klasse übersetzt von Simone Salitter und Herausgeber Gunter Blank. Dazu überrascht der Autor mit der Struktur dieses eigentlich recht kurzen Buches: Er springt in der Zeit. Gerade noch weiß Roy Cady nicht wohin mit seinen Mädels, im nächsten Kapitel verdörrt er zwanzig Jahre später in der Gluthitze Galvestons. Was ist damals, 1987, also geschehen? Aus dieser Frage zieht der Leser viel Motivation, den doch eher mauen, da spannungsfreien, Mittelteil zu überstehen. Und man ahnt: Es kommt noch ganz dicke.

Trotz der Action am Anfang und der Gewalt am Ende: Galveston ist kein Kriminalroman. Eher ein düsterer Südstaaten-Noir, ein kleines Road-Movie, Southern Gothic oder wie man auch immer eine Story bezeichnen möchte, in der Hoffnungs- wie Ausweglosigkeit, Wut und Trauer die Stimmung prägen. Aber auch hier muss eingeschränkt werden: Zum Schluss gibt es einen kleinen Lichtblick, der nicht ganz so finster in die Zukunft schauen lässt.

Da Herausgeber Gunter Blank im Nachwort erklärt, dass Galveston der Auftakt einer neuen Noir-Reihe sei, schauen wir ebenfalls hoffnungsfroh nach vorne. Nic Pizzolattos Roman setzt die Messlatte für folgende Titel nämlich hoch. Auch wenn True-Detective-Fans wohl eher etwas anderes erwartet hätten.

Galveston

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Letzte Kommentare:
19.10.2017 12:38:34
Anja S.

Ein ungewöhnlicher Einfall, den es in dieser Art selten gibt ("Tagebuch eines sentimentalen Killers" ist so ähnlich, als Film "I hired a contract killer" und ein US-amerikanischer Thriller, der es aber nie nach D. in die Kinos geschafft hat).
Ein Killer erfährt, dass er Krebs im Endstadium hat. Er will keine weitere medizinische Behandlung. Aber er erfährt eine Art Läuterung, welche in dem Buch beschrieben wird.
Mehr soll von der Handlung nicht verraten werden, um die Spannung nicht zu beeinträchtigen.
ein wirklcih gutes Buch, schade, dass der Autor nicht mehr davon schreibt.

16.12.2016 13:55:49
walli007

Wie lange noch


Der Auftragsaufräumer Roy Cady bekommt die Diagnose Lungenkrebs. Eigentlich könnte ihm also alles egal sein. Trotzdem will er nicht gerade jetzt sterben als ihm sein Boss, weil Roy angeblich ein Auge auf dessen Freundin geworfen haben soll, ein Falle stellen lässt. Letztlich überlebt Roy das Massaker und mit ihm eine junge Frau, die den Fallenstellern auf anderen Wegen zu Diensten sein sollte. Die beiden entfernen sich vom Ort des Geschehens. Roy weiß nicht warum, aber er erzählt von seiner Krankheit und Rocky macht den Vorschlag, sie könnten doch zusammen bleiben. Nicht, weil er sie braucht, aber vielleicht könnte er sie mal brauchen. Gewöhnt allein unterwegs zu sein, ist Roy unsicher, wie er sich zu diesem Vorschlag stellen soll. Als Rocky ihn überredet, ihre kleine Schwester abzuholen, möchte er allerdings am liebsten abhauen.

Besonders zu Beginn überzeugt dieser Roman wegen seines ungewöhnlichen Ansatzes. Natürlich, denkt man, kann ein Verbrecher nicht sympathisch sein, aber so eine Diagnose ist auch für so einen nicht einfach zu verarbeiten. Und dann kommt so ein Mädchen daher, die fast wie eine Rettung erscheint vor der Aussicht, alleine sterben zu müssen. Wie lange hat er noch? Lohnt es sich überhaupt, sie auf die Bekanntschaft mit Rocky einzulassen. Oder soll er sie lieber gleich alleine lassen, schließlich wird er bald nicht mehr da sein. Die Gespräche Roys mit der jugendlich frischen Rocky, die ihn aufrütteln und seine eingefahrenen Gedanken durcheinander bringen, haben etwas Spezielles, welches einen großen Teil des Reizes des Buches ausmacht. Auch wie Rocky ihm die kleine Tiffany unterjubelt, ist mit Witz und Verve dargestellt. Je weiter allerdings die Handlung voranschreitet, desto mehr verliert sich dies und die Story wird zum einen ernster aber auch lückenhafter. Irgendwie bekommt man den Eindruck, dass Roy sich bei seinem Ritt auf der Rasierklinge geschnitten hat. Zwar ist er schließlich schon ein anderer Mensch geworden, dennoch wirkt er unvollendet.

Vorgetragen wird dieses sehr gute Hörbuch von Walter Kreye, die die handelnden Personen mit seiner wandelbaren und sonoren Stimme zum Leben erweckt.