Mordseekrabben

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Der Audio Verlag, 2014, Übersetzt: Bjanre Mädel

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Andreas Kurth
Nicht Fisch noch Fleisch

Rezension von Andreas Kurth Jul 2014

Für einen Dorfpolizist an der nordfriesischen Küste hat Thies Detlefsen schon einiges erlebt. Jetzt will er mit seiner Familie den Urlaub auf Amrum genießen. Seine Frau und die Zwillinge finden jedoch eine Leiche im Bett ihres Pensionszimmers. Bevor Thies sich die Sache anschauen kann, ist der Tote schon wieder verschwunden. Der engagierte Polizist lässt sich dennoch nicht von Ermittlungen abhalten Urlaub hin oder her. Aus einer Riege umtriebiger Tourismus- und Bauexperten wird dann ebenfalls jemand getötet: Der neue Touristikchef Heiner Griepenstroh liegt tot in der Dusche seiner Wohnung. Für Thies Detlefsen ist damit klar: Ein Serienmörder treibt auf Amrum sein Unwesen. Kommissarin Nicole Stappenbek von der "Mord 2" in der Landeshauptstadt Kiel wird zu Hilfe gerufen, und natürlich sind die plietschen Freunde von Detlefsen aus Fredenbüll ganz fix mit der Fähre auf der Insel, um den Ermittlern bei der aufregenden Jagd nach dem Mörder zur Seite zu stehen.

Autor hätte sich entscheiden müssen

Wenn man einen Roman an der nordfriesischen Küste platzieren möchte, sollte man sich vor dem Schreiben darüber klar sein, ob es ein Kriminalroman oder eine Kriminalkomödie werden soll. Denn zwischen der niederländischen Grenze im Süden und der dänischen Grenze hoch im Norden sind schon so einige Protagonisten in kriminalistischen Angelegenheiten unterwegs, und da muss man sich gegenüber den Mitbewerbern schon etwas hervortun. Der Plot, den Krischan Koch sich hier ausgedacht hat, hätte durchaus als Gerüst für einen passablen Roman getaugt. Nur hätte sich der Autor dann zwischen der komischen und der ernsthaften Variante entscheiden müssen. In Mordseekrabben pendelt Krischan Koch ständig zwischen komödiantischen und scheinbar ernsthaften Passagen hin und her. Am Ende ist der Roman weder richtig spannend, noch nachhaltig komisch und witzig geworden.

Die Protagonisten bleiben blass

Da ist zunächst der vermeintliche Star des Romans. Thies Detlefsen ist ein typischer Norddeutscher, ein wenig knorrig, ziemlich stur, und überaus pflichtbewusst. Aber mit seiner Bauernschläue, und seiner heimlichen Bewunderung für die Kollegin aus Kiel ist er nun wahrlich kein besonders origineller Ermittler. An die Protagonisten eines Jörg Maurer reicht Detlefsen nicht mal im Ansatz heran, deren spritzige Dialoge und Situationskomik werden um Längen verfehlt. Für richtig komisch reicht es also nicht. Aber für ernsthaft schon lange nicht da sind an der Nordseeküste ganz andere Ermittler unterwegs. Und auch die Nebenfiguren bleiben überaus blass. Die nörgelnde Frau Detlefsen, die Kumpels aus dem Imbiss in Fredenbüll alles nicht handfestes, eher nur Staffage für den vermeintlichen Helden.

Verhalten und Dialoge sind vorhersehbar

Und die vermeintlichen Bösewichter? Da ist der halbseidene Pseudo-Mafiosi, der alle möglichen Klischees bedient. Da sind die Immobilien-Maklerin, der Bauunternehmer und die Pensionswirtin auch schön klischeehaft und blumig gezeichnet. Verhalten und Dialoge sind weitgehend vorhersehbar. Und wenn es dann doch mal überraschend wird, verspielt der Autor schnell wieder das Interesse des Lesers, indem er reflexartig ins komödiantische abgleitet. Die Dialoge wirken insgesamt entweder überzeichnet, oder nicht wirklich originell. Man fragt sich beim Lesen, ob der Autor das Buch zu hastig hingeworfen hat, oder im Übereifer nicht genug an seiner Geschichte gefeilt hat. Eigentlich schade, das hätte durchaus ein guter Roman werden können. Aber so kann man das Buch zwar an einem Nachmittag im Strandkorb verschlingen, aber schon am Fähranleger wird man sich kaum noch an die Einzelheiten erinnern. An Figuren, Dialogen und Handlungsdetails muss kräftig gefeilt werden, wenn das nächste Abenteuer von Thies Detlefsen nachhaltiger im Gedächtnis der Leser bleiben soll.

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