Aus tiefster Seele

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Blanvalet, 2014, Seiten: 448, Übersetzt: Sabine Schilasky
  • London: Century, 2013, Titel: 'Until you're mine', Originalsprache

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Brigitte Grahl
Spannungsfreier (Groschen-)Roman

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Jun 2014

Erst kommt die Hoffnung, dann die Langeweile und dann der Ärger. So lässt sich der Verlauf der Lektüre von Aus tiefster Seele zusammenfassend beschreiben. Der "Psychothriller" ist das Debüt der Britin Samantha Hayes und stellt das Thema Mutterschaft und Beziehung in allen seinen Varianten (unerfüllter Kinderwunsch, unerwünschte Schwangerschaft, Kindesvernachlässigung, Kindesentzug, Seitensprung, Erziehungsprobleme ...) in den Mittelpunkt der Handlung und sämtlicher Haupt- und Nebenfiguren. Bei einem Sachbuch zum Thema hätte die Bandbreite Sinn gemacht, in einem Krimi nicht. Die Privatprobleme des Ermittlerpärchens und die seelischen Befindlichkeiten der beiden Ich-Erzählerinnen werden zunehmend ausführlicher ausgebreitet, während sich die Ermittlungen dahinschleppen – das lässt keine Spannung aufkommen. Ein weiterer Spannungskiller: Dank der Informationen, die die Autorin gleich zu Beginn vergibt, weiß der Leser schon, was passieren wird - und muss dann über 400 Seiten darauf warten.

Auch die Figurenzeichnung ist wenig überzeugend. Die beiden Ich-Erzählerinnen lassen sich kaum auseinanderhalten, beide wünschen sich unbedingt ein Kind, beide haben ein Geheimnis, beide misstrauen der anderen. Obwohl ihre Backstory im Laufe der Geschichte ausführlich offengelegt wird, wirken sie und ihr Handeln nicht überzeugend. Dazu trägt sicher auch der Schreibstil der Autorin bei. Er ist sehr beschreibend, in inneren Monologen und schlimmer noch, in Selbstgesprächen, werden die Gedanken und Gefühle der Figuren erklärt:

 

"Ich habe sie verloren", sagte sie leise..., "Oh mein Gott", hauche ich...

 

Es finden sich zahlreiche Wiederholungen im Text:

 

"Ach Grace, Grace, Grace ..."[...] "Zoe, Zoe, Zoe" sage ich...

 

Für gute, lebendige Dialoge hat Samantha Hayes ebenfalls kein Händchen. Der Sprachduktus ist bei fast allen Personen derselbe, die Wortwahl gestelzt, so spricht kein Mensch im wahren Leben, man fühlt sich an Groschenromanlyrik erinnert: Ach Grace, dachte Lorraine, deren Herz sich schmerzlich zusammenzog. ...

 

"Weißt du, wie es sich anfühlt, von einem der Menschen, die du auf der Welt am meisten liebst, zurückgewiesen zu werden, wenn die Person aus deinem Leben geht, ohne noch einmal zurückzublicken?"

 

Ist es die Übersetzerin oder die Autorin, die die Verantwortung für die Groschenromansprache trägt? Noch mehr stellt sich aber die Frage: Wie hat es das Buch geschafft, in dieser Form durchs Lektorat zu kommen? Neben den sprachlichen Mankos hapert es auch inhaltlich. Logikfehler, "abgebrochene" Nebenhandlungen, Charaktere, die nicht überzeugen, eine unglaubwürdige und auf Überraschung konstruiertes Ende, nachgeschobene Erklärungen, mangelnde Spannung ... Einzig der Epilog bringt Pluspunkte und deutet an, was der Stoff für einen guten Krimi hätte abgeben können.

Gekürzt könnte Aus tiefster Seele, so wie das Buch jetzt ist, als guter Lore-Roman durchgehen. Als Krimidebüt fällt es glatt durch. Mit der Veröffentlichung hat der Verlag Samantha Hayes keinen Gefallen getan. Die Rezensentin wünscht der Autorin vor der nächsten Veröffentlichung Üben Üben Üben und ein gutes Lektorat.

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