Fehlurteil

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Meßkrich: Gmeiner, 2014, Seiten: 340, Originalsprache

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Birgit Stöckel
Spannende Einblicke in das Innere der Justiz

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Apr 2014

 

"Was war das überhaupt, Rechtsbeugung? Hörte sich an wie Kniebeugen."

 

So lautet ein Satz in Fehlurteil, dem zweiten Roman von Sascha Berst. Wikipedia weiß dazu folgendes: "Unter Rechtsbeugung versteht man im deutschen Recht die bewusst falsche Anwendung des Rechts durch Richter, Amtsträger oder Schiedsrichter bei Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache zugunsten oder zum Nachteil einer Partei."

Genau davon, von Rechtsbeugung bzw. den Verdacht darauf, handelt Fehlurteil. Die junge Staatsanwältin Margarethe Heymann wird eines Tages von einem alten Mann angesprochen, der ihr ein paar Unterlagen in die Hand drückt. Es geht um die Rückübertragung eines Grundstücks, das sein Vater im Dritten Reich seinem arischen Prokuristen übertrug, damit er nicht zwangsenteignet wird. Die beiden vereinbarten die Rückgabe, sobald die politische Situation das erlaubt, doch der ehemalige Prokurist weigert sich. Der alte Mann, Hermann Stein, klagt daraufhin und als er schließlich verliert, stellt er Anzeige gegen die Richter des Strafsenats wegen Rechtsbeugung. Das ist mittlerweile zehn Jahre her und bisher ist nichts passiert. Margarethes Kollege Antonio Tedeschi rät ihr, das Verfahren einzustellen, da in seinen Augen die Anzeige ungerechtfertigt ist. Doch Margarethe stößt schon bald auf Ungereimtheiten und nimmt die Ermittlungen auf, die einiges an Brisanz bergen, denn einer der früheren Richter ist heute Präsident des Oberlandesgerichts...

Mit Margarethe Heymann und Antonio Tedeschi hat Berst zwei sehr interessante Ermittler erschaffen, die rasch die Sympathien des Lesers gewinnen und faszinierend vielschichtig gestaltet sind. Margarethe ist die impulsivere, die sich in den Ermittlungen festbeißt und sich über mögliche Konsequenzen wenig Gedanken macht. Antonio ist da zurückhaltender, zweifelnder und zögerlicher, aber gerade deswegen klappt das Zusammenspiel der beiden hervorragend. Auch über den privaten Hintergrund der Protagonisten erfährt man einiges, was den Figuren noch die richtige Würze verleiht, denn dadurch wird das Bild facettenreicher und abgerundeter.

Zentrales Thema sind natürlich die Ermittlungen wegen des Verdachts der Rechtsbeugung gegen einen hohen Richter. Dabei lernt man als Leser einiges über die Abläufe der Justiz, die Aufnahme und Durchführung staatsanwaltlicher Ermittlungen, die Problematik mit dem Begriff "Gerechtigkeit", die Komplexität des Rechts und die Schwierigkeiten, für das, was man herausgefunden hat, auch Beweise zu finden.
Dass juristische Sachverhalte selten einfach sind, weiß jeder, der schon einmal damit zu tun hatte und auch das wird in dem Roman deutlich. Es gelingt dem Autor zwar sehr gut, die komplexen Zusammenhänge möglichst verständlich darzustellen, doch gibt es immer wieder Passagen, die man zwei- oder mehrmals lesen muss, um wirklich zu verstehen, was das bedeutet und was es für Auswirkungen haben kann. Das tut dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch.

Berst schafft es, die Spannung über den ganzen Roman aufrecht zu erhalten und sie durch einige Wendungen noch zu steigern, so dass er den Leser durchgehend bei der Stange hält. Erzählt wird das Ganze in einer schönen, angenehm zu lesenden Sprache, die manchmal fast poetisch wirkt und mit herrlichen Vergleichen durchzogen ist, wie z.B.

 

"Der Tag war hell und durchsichtig wie Zellophan."

 

Allerdings rutscht der Ton an der einen oder anderen Stelle leider ins pathetische ab. Dazu kommen noch einige Klischees, die unkritisch bedient werden, so dass es ein paar Szenen gibt, die einen als Leser unwillkürlich das Gesicht verziehen lassen – zumindest innerlich.

Glücklicherweise schmälern diese Kritikpunkte den Gesamteindruck nicht wesentlich. Fehlurteil ist ein absolut lesenswerter Justizroman, der informative Einblicke in die Abläufe selbiger gewährt und eine spannende Geschichte bietet, die für genussvolle und aufregende Lesestunden sorgt.

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Letzte Kommentare:
10.10.2017 12:32:40
Ute Schätzle-Schweiger

300 Zeichen bekomme ich wohl als mein Urteil zu diesem Buch nicht zusammen?!So viel nur: Es ist der langweiligste Roman, den ich je gelesen habe... Allerdings muss ich einschränkend hinzufügen, dass es sich ja um einen Justiz-Thriller handelt bei Sascha Berst`s Fehlurteil und daher für mich als Germanistik und Sekretärin einfach zu juristisch. Da hilft es auch nicht, dass ich als gebürtige Freiburgerin ein Buch lese, dessen Schauplatz Freiburg und Umgebung ist. Offensichtlich ist das nur ein Buch für Insider, sprich Juristen und erhielt so 2013 den Freiburger Krimipreis. Von mir hätte Herr Berst jedenfalls keinen Krimipreis bekommen. Ich werde mich daher in Zukunft wieder an meine Lieblingsautorin, Charlotte Link halten, deren spannende psychologische Krimis einen wirklich zum Verschlingen eines Buches führen...

06.01.2017 19:59:13
Conny Genovese

Wer sich für die Innenausstattung der Rechtspflege interessiert, kommt bei "Fehlurteil" in jeder Hinsicht auf seine Kosten, wer ein wenig Italienisch versteht übrigens auch. Sascha Berst spinnt den Handlungsfaden geschickt zwischen unerfüllter Zuneigung (bei Damen wie Herren), Rechtsbeugung und linken Zeitungen, Freiburger und Philosophie, ohne bildungsbürgerlich den Finger zu heben oder zu langweilen. Im Gegenteil: Nach den üblichen drei Aufwärmseiten ist man mit den Protagonisten seines Justizkrimis so weit bekannt, dass es beim Lesen schnell weitergehen muss. Wenige Tote (altersbedingt), kaum Körperverletzung (und wenn, dann mit Sympathie passiert) und einem kleinen Grundkurs über Identität und Sprache belohnen dafür. Auf keinen Fall langweilig auch ohne Leichen eine unbedingte Lesweempfehlung.

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