Grabt Opa aus!

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Innsbruck: Haymon, 2014, Seiten: 200, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
So lausig wie lustig

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Feb 2014

Tatjana Kruse scheint mit ihren Texten eine Suchende nach einem passenden Verlag zu sein, denn nach Anfängen bei Fischer und Goldmann, ihrer Siegfried- Seifferheld-Serie bei Droemer Knaur und weiteren Veröffentlichungen in diversen Verlagen ist sie mit ihrem neuen Roman Grabt Opa aus! beim Tiroler Haymon-Taschenbuchverlag gelandet und will dem Leser auf etwas über 200 Seiten einen rabenschwarzen Alpenkrimi schmackhaft machen.

 

Sein Leben als Leiche begann an einem Spätnachmittag im Herbst, ohne dass er es merkte.

 

Im  Wettbewerb um den besten ersten Satz in einem Krimi liegt Frau Kruse hier schon sehr gut im Rennen. Sie hat sich aber auch einen dämlichen Schnösel als Hauptfigur ausgesucht, der prädestiniert dafür ist, permanent sprachliche und körperliche Seitenhiebe zu erleiden. Dieser Alfie Gänswein, den der Leser als unperfekten Kaffeekapseldrücker in einer norddeutschen Kleinstadt kennenlernt, hat gerade geerbt. Sein unbekannter Onkel Matthias, grauenhaft nordisch als Matze bezeichnet, führte eine Pension in tirolerisch-bayerischen Grenzgebiet, wo man ihn sicherlich Hias oder Mathis gerufen hätte, hat aber das Zeitliche gesegnet und jetzt ist sich Alfie also nicht ganz sicher, ob er dessen Erbe annehmen soll. Aber die Eröffnung seiner Chefin, dass die Schäferminütchen mit ihr, zu einem für Alfie ungewollten Nachwuchsproblem geführt hätten und die daraus resultierende Anspannung seines (sterilisierten) Chefs, machen es Alfie leicht mit seiner Ukulele und den wenigen Habseligkeiten im Seniorentrolley den Weg ins Tirolerische auf sich zu nehmen, den Notar aufzusuchen und seine Erbschaft anzutreten.

Diese entpuppt sich als halbverfallenes Haus am See, das von einer Reihe skurriler Damen und Herren bewohnt wird, die allen Grund haben, dass Alfie das Haus nicht verkauft, obwohl er ein blendendes Angebot dafür erhält. Der Verzicht auf einen Batzen Geld führt dann zu dem, was Tatjana Kruse schon im ersten Satz verrät: "Sein Leben als Leiche begann an einem Spätnachmittag im Herbst, ohne dass er es merkte." Aber jetzt geht es erst richtig los ...

Vergessen Sie die Handlung. Vergessen Sie den Krimi. Fangen Sie an zu lachen!

Grabt Opa aus! ist der schlechteste Krimi, den ich je gelesen habe. Das hat auch nichts mit ernsthaftem schwarzen Humor in einem Krimi zu tun, wie man es von Jeff Lindsays "Dexter" kennt. Das ist rundum Slapstick-Krimi bester Sorte, den man einem Monty Python glauben könnte, wenn Mr. Bean alias Rowan Atkinson den Alfie spielen sollte. Selbst Stephanie Plum in den Büchern von Janet Evanovich, die ebenfalls von einem Fettnäpfchen ins nächste fällt, ist niemals so volltrottelig, wie Tatjana Kruse, wenn sie ihren Alfie unter die pensionierten Auftragskiller schickt.

Wer in diesem Roman nach Sinn sucht, hat völlig verloren. Tatjana Kruse schreibt treffsicher eine Pointe nach der anderen, verwendet die Wortkombination "weil nämlich" fast so grauenerregend, wie Wolf Haas in seinen Brenner-Romanen, hatte aber offenbar am Schreiben genauso viel Spaß, wie der Konsument beim Lesen. Grabt Opa aus! ist eine szenische Aneinanderreihung von Tritten auf einen geistig Benachteiligten, der dabei (oder dadurch) vom Volldepp zum Mann wird, während ihm die Olympiahalle in Seefeld um die Ohren fliegt. Das Spektakel, das die durchaus liebenswert gezeichneten Killer-Kretins speziell auf den zweiten hundert Seiten mit dem armen Alfie durchleben, ist ein Tohuwabohu mit Auflösung und Happy End, das man vorweg nicht geahnt hätte. Denn um so einen Krimi zu schreiben, muss man gänzlich außerhalb jeder Konvention denken.

Grabt Opa aus! ist absolut keine Lektüre für Krimi-Puristen. Das ist Unterhaltung pur, locker und leicht geschrieben und im Nu mit viel Vergnügen gelesen. Krimi 30° - Unterhaltung 100°, das gibt immer noch im Durchschnitt 70° für einige Stunden Lachen und Kopfschütteln.

Grabt Opa aus!

Grabt Opa aus!

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Letzte Kommentare:
22.05.2018 10:08:08
Hans Jürgen Johannes

"Unschlagbar gute Unterhaltung"??? Nun, der Mensch ist (lacht) unterschiedlich. Aber, Frau Kruse, und sei es nur sprachlich, in die Nähe eines Wolf Haas zu rücken, ist mehr als man ertragen kann/mag. Aber es ist schön, dass es Verlage gibt, die alles abdrucken, was ihnen so auf den Tisch flattert. So hat jede/r eine Chance. Dass Frau Kruse zu den beliebtesten Krimiautorinnen im deutschsprachigen Raum zählt, habe ich bisher nicht bemerkt. Na so was.

08.11.2015 16:59:37
zuidduinen

Ein aneinander Reihen von abstrusen Situationen. Ein Buch das die Bezeichnung "Krimi" nicht verdient, und so richtig lustig ist es auch nicht. Das kann Tatjana Kruse besser, viel besser!
Ich lese gerne mal Krimis, die nicht so bierernst sind, aber hier wird ein vermeintliches Gagfeuerwerk nach dem anderen gezündet, Leider ergibt sich aus den Mosaikstücken kein rundes Bild. Ein Buch zum vergessen .

23.09.2015 23:40:10
kitekat7

Ich lese durchaus gerne mal einen lustigen Krimi. Bei den Stephanie Plum Romanen von Janet Evanovich habe ich, zumindest bei den ersten Bänden, oft Tränen gelacht. Das wollte mir hier jedoch irgendwie nicht gelingen. Wahrscheinlich weil die ganze Geschichte noch nicht mal ansatzweise glaubwürdig ist.
Für mich ist das Ganze nur eine Aneinanderreihung von Gags, lose zusammengehalten von einer dürftigen Handlung, die eigentlich, da völlig unrealistisch, gar keine ist.
Schade, ich hatte mich darauf gefreut, mir mal wieder einige richtig humorvolle Krimis zuzulegen, da von der Autorin ja schon mehrere Bücher erschienen sind - aber das tue ich mir nun doch nicht an!

04.03.2014 18:55:35
tassieteufel

Alfie Gänsewein ist nicht gerade der allerhellste und treibt auch eher ziellos durchs Leben. Als Bedienung in einem Cafe‘ hat er einen nicht zu anspruchsvollen Job und kann noch nebenher mit der Chefin schäkern. Gerade als diese ihm mitteilt, dass sie von Alfie schwanger ist und der Gatte deswegen einen Tobsuchtsanfall bekommt, nimmt Alfies Leben eine rasante Wendung, denn er hat von einem Onkel eine Pension im schönen Tirol geerbt. Umgehend fährt Alfie nach Österreich um die angebliche Goldgrube im Touristenörtchen Seefeld in Augenschein zu nehmen. Doch die schmucke Pension entpuppt sich als Bruchbude und die Hausgäste, die zunächst ältliche Ruheständler zu sein scheinen, sind alles andere als harmlos.

Nein, wirklich ernst nehmen kann man die Geschichte nicht! Dafür ist das Ganze einfach zu abgedreht, bizarr und schräg, aber wer sowas mag, der bekommt hier eine aberwitzige, sehr launig und unterhaltsam geschriebene Geschichte voll skurriler Gestalten und verschrobener Charaktere, die einem beim Lesen ein beständiges Grinsen ins Gesicht zaubert. Wer die Kommissar Seifferheld Krimis der Autorin kennt, ahnt vermutlich schon, was auf ihn zu kommt und tatsächlich beweist die Autorin einmal mehr ihr Händchen für schrullige Charaktere und slapstickartige, urkomische Szenen. Die pensionierten Hausgäste hat die Autorin sehr treffend charakterisiert, so dass man die schräge Truppe quasi vor sich sieht. Die aberwitzige Geschichte wird durch pointierte Dialoge abgerundet, die der Geschichte den letzten Schliff verleihen.
Alfie Gänseweins Odyssee ist mehr als flott und amüsant geschrieben, so dass die Geschichte leider viel zu schnell ausgelesen ist. Aber bei all den vielen Wendungen und schrägen Geschehnissen, ist das ein Buch das, das man durchaus nochmal mit dem selben Vergnügen lesen kann.

Fazit: auch wenn jegliche Realitätsnähe fehlt, so bietet das Buch doch unschlagbar gute Unterhaltung, ich habe mich bestens amüsiert, fast die ganze Zeit über breit gegrinst und auch mehrfach laut gelacht! Einen Sinn fürs Schräge sollte man aber schon haben, wer einen spannenden Krimi sucht, könnte ev. enttäuscht sein, wer auf schwarzen Humor, schrullige Figuren und generell abgedrehte Situationen steht, der wird mit Sicherheit begeistert sein!