Head Shot

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Sag Harbor: The Permanent Press, 2012, Titel: 'Dead anyway', Seiten: 288, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 2014, Seiten: 352, Übersetzt: Frauke Czwikla

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Andreas Kurth
Wenn der Kopfschuss nicht tödlich ist

Buch-Rezension von Andreas Kurth Feb 2014

Arthur Cathcart ist freiberuflicher Rechercheur, seine chilenische Ehefrau Florencia leitet eine Versicherungsagentur. Die beiden sind wirtschaftlich erfolgreich, und genießen ihr ruhiges Leben in einem beschaulichen Ort in Connecticut. Daher ist er völlig konsterniert, als eines Tages ein unbekannter Mann in seinem Wohnzimmer sitzt, die beiden mit einer Waffe bedroht und seiner Frau merkwürdige Fragen stellt. Der Mann ist offenbar ein Auftragskiller – und schießt schließlich sowohl Florencia als auch Arthur in den Kopf. Seine Frau ist sofort tot, aber Arthur überlebt mit viel Glück und wacht in einer Klinik wieder auf. Während er sich von der schweren Verletzung erholt, schmiedet Arthur bereits Rachepläne. Seine Schwester informiert er zwar nicht genau darüber, was er vorhat, aber sie hilft ihm dabei unterzutauchen. Mit genügend finanziellen Mittel ausgestattet, begibt es sich auf dunklen Pfaden in die Unterwelt, um herauszufinden, wer seine Frau getötet hat und ihn töten wollte. Und vor allem will Arthur wissen, warum man Florencia und auch ihn auslöschen wollte. Bei der gefährlichen Jagd nach dem Killer gewinnt er dann allerdings höchst verstörende Erkenntnisse.

Ein unglaublicher Plot

In den USA wurde Chris Knopf mit Lob für seinen Thriller Headshot förmlich überhäuft – und das völlig zu Recht. Der Autor hat einen richtig "knackigen" Roman vorgelegt, mit interessanten Protagonisten und einem unglaublichen Plot. Er baut von Beginn an einen guten Spannungsbogen auf. Es ist nun mal ein guter Einstieg, wenn ein Buch mit dem Mord am Haupt-Protagonisten beginnt. Der wacht dann allerdings in einer Klinik wieder auf. Die Beschreibung, warum der Kopfschuss nicht tödlich war, klingt glaubhaft – ihren Realitätsgehalt kann man also Leser wohl nur bei entsprechenden medizinischen Kenntnissen beurteilen. Das spielt allerdings in meinen Augen überhaupt keine Rolle, denn jetzt geht es erst richtig los. Dabei setzt der Autor vor allem auf die Überlegungen und Gedanken von Arthur Cathcart, um Spannung zu erzeugen. Action fehlt hier nahezu völlig, wird aber auch nicht wirklich vermisst. Die klug überlegten Züge, die akribischen Recherchen und Vorbereitungen, die immer wieder aufgehenden Pläne, aber auch die Überraschungen, auf die clever reagiert wird – das schafft mehr Spannung, als so mancher Action-Thriller zu erzeugen vermag.

Suche nach Killer und Hintermann

Der Protagonist ist ein kühler Analyst, er lebt von seinem Intellekt, den er allerdings nach der Kopfverletzung in manchen Aspekten erst wieder langsam schulen und trainieren muss. Dabei zeigt er eine ausgeprägte Sturheit, geht methodisch und kühl vor, um seinen Racheplan auszuarbeiten und umzusetzen. Es geht ihm zunächst darum, den Auftragskiller zu finden, der auf ihn und seine Frau geschossen hat. Cathcart will aber auch den Auftraggeber entlarven, und dazu muss er zunächst das Motiv für den Mordanschlag finden. Dabei gräbt er sich tief in Datenbanken und Beziehungsgeflechte hinein. Er nimmt Kontakt zu Ermittlern, Journalisten und vor allem zu Unterweltlern auf. Seine Kenntnisse als gewiefter Rechercheur kommen ihm dabei sehr zu Hilfe, er findet Dinge heraus, die den Ermittlungsbehörden bislang verborgen geblieben sind.

Ein hervorragender Erzähler

Und wie es der Zufall nun einmal so will – dieser Part wurde von Chris Knopf äußerst geschickt in seine Geschichte eingebaut – findet Cathcart bei seiner Suche eine weibliche Unterstützung. Der Autor versucht, allzu gängige Klischees zu vermeiden, und so wirkt diese sich anbahnende neue Beziehung angenehm zufällig. Natsumi wird zu einer wichtigen Person, ergänzt Cathcarts Charakter-Eigenschaften relativ ideal. Und an manchen Stellen sorgt sie für den passenden Fortgang der Handlung. Sie fiebert mit, hat Angst, wenn Arthur mal wieder mit Unterwelt-Größe und anderen zwielichtigen Gestalten zusammen trifft. Und so fiebert auch der Leser – fast von Beginn an – mit dem sympathischen Helden mit. Und der macht im Laufe seiner Ermittlungen und Nachforschungen auch in der Firma seiner Frau geradezu unglaubliche Entdeckungen.Natürlich darf hier nichts vorweg genommen werden, aber die Art und Weise, wie Cathcart seinem Ziel näher kommt, wird am Ende – in meinen Augen – fast noch von den Details der Lösung getoppt. Chris Knopf zeigt mit diesem Roman, dass er ein hervorragender Erzähler ist. Spannend, detailreich, ohne dabei ausschweifend zu werden – einfach lesenswert, dieser Thriller.

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