Satansbraut

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Innsbruck: Haymon, 2013, Seiten: 220, Originalsprache

Couch-Wertung:

45°
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Wolfgang Weninger
Leise plätschernder Regio-Krimi ohne großen Kick

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Feb 2014

Das Waldviertel hat auch heute noch unter dem Geruch des Hinterwäldlertums zu leiden. Eine hügelige Landschaft, kalt, verregnet, bewaldet und mit karger Landwirtschaft. Und ein ebensolcher Menschenschlag, verschlossen und im Land verwurzelt, mit dem Glauben an Geister und Spuk und Herrgott, dort wo Österreich noch immer gedanklich in einem anderen Jahrhundert lebt ...

Edith Kneifl & Stefan M. Gergely lassen in ihrem im Haymon Taschenbuchverlag erschienenen Krimi Satansbraut auf 200 Seiten die Eigenheiten, aber auch die Faszination dieser Gegend aufleben, wobei sie geographisch ordentlich von der Grenze zur Tschechischen Republik bis hinunter in die Wachau hüpfen. Ausgangspunkt ist aber der Opferstein in Thail, einer Randsiedlung von Großgerungs. Opfersteine gibt es im Waldviertel zu Hauf, denn die Findlinge der Eiszeit wurden hier zu mystischen Riten verwendet. Dieses Mal hat es einen angehenden Popstar erwischt, der ganz offensichtlich keines natürlichen Todes gestorben war und jetzt nackt unter so einem Granitblock liegt.

Es ist noch nicht so lange her, da gab es hier noch Dorfgendarmen. Heute aber rückt die Polizei an und sie muss, gar nicht wie im wirklichen Leben, die Volltrottel markieren, damit der nicht nur standesgemäße Unterschied zwischen der Finderin der Leiche, der reitenden Gräfin Elsa von Kuenring und dem Pöbel deutlicher wird. Dass es in Österreich schon lange keinen Adel mehr gibt, hat nichts damit zu tun, dass hier noch immer Adelstitel als Unterscheidungsmerkmal zu Rang und Namen verwendet werden, wobei der Name an die zweite Stelle tritt. Dem geneigten Leser ist natürlich aus zahlreichen anderen Krimis bereits bekannt, dass man den Tatort weder verunreinigen noch Beweismittel entwenden darf, aber das kann doch eine unechte Gräfin nicht stören, wenn sie gewillt ist, sich mit ihrem "Team" um die Klärung des Todesfalls zu kümmern.

Ihr Team, das außer der Gräfin noch aus einem Donaukapitän, einem Pfarrer und einem Arzt besteht, also lauter örtliche Prominenz, wird nicht sehr einfallsreich als Quartett bezeichnet und trifft sich zur Erörterung der Sachlage zu regionalen Spezialitäten im Wirtshaus, wo dann auch die Spielkarten auf den Tisch kommen. Schnell wird man sich einig, dass in letzter Zeit ganz eigenartige Sitten bei der Jugend einreißen, die laute Rockmusik hören und dadurch sicherlich beeinflusst sind, bis hin zum Satanismus ... da muss das Seniorenviergespann natürlich eingreifen!

Wessen Augen angesichts meiner Beschreibung noch erwartungsvoll leuchten, der darf sich das Buch aus den Federn von Kneifl & Gergely gerne antun, denn am schreiberischen Vermögen scheitert es nicht, dass dieses Elaborat nicht den Gefallen des Rezensenten gefunden hat. Der Krimi plätschert in angenehm linearem Ablauf durch die Gegend, die aus persönlichen Gründen wohlbekannt ist, und darum kann man durchaus feststellen, dass die Schauplätze der einzelnen Handlungspunkte gut gewählt sind, aber es wurde verabsäumt, Bilder zu erzeugen, die gerade bei einem Regio-Krimi wichtig sind, um dem Leser die Spezialitäten des Landstrichs vor Augen zu führen. Dazu kommt noch eine Form der Personenzeichnung, die außer dem "Ermittler-Quartett" alle anderen als Bauerntrampel abstempelt, anstatt die scheinbar harten Wesenszüge der Menschen in diesem wunderschönen Land zu charakterisieren, wie dies etwa Alfred Komarek in seinen Polt-Krimis aus dem benachbarten Weinviertel in Perfektion geschafft hat. Wenn man diese als unmittelbaren Qualitätsvergleich zu diesem ausdrücklich als Waldviertel-Krimi titulierten Roman nahelegt, dann fehlt der Satansbraut das gewisse Etwas, um sich eine wirklich gute Wertung zu verdienen.

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