Die Toten von Contrada Brunelli

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Forli: Foschi, 2007, Titel: 'La valle dell'orco ', Seiten: 340, Originalsprache
  • Cadolzburg: Ars vivendi, 2014, Seiten: 260, Übersetzt: Anna M. Rossi

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Jörg Kijanski
Die zarte Sogkraft der Langsamkeit

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2014

Im norditalienischen Leogratal, zu Füßen der venezianischen Voralpen, liegt der kleine Weiler Contrada Brunelli, in dem gerade einmal elf Menschen leben. Den Arzt Aldo Manfredini aus Padua zog es ebenfalls vor einiger Zeit in die abgeschiedene Einöde, doch nun hängt er tot am Schutzdach eines Brunnenschachts. Für die Polizei wird der Fall als Selbstmord umgehend zu den Akten gelegt. Carlo Zampieri, Aldos bester Freund und Alleinerbe, mag nicht verstehen, warum sich der erst Vierzigjährige umgebracht haben soll und entscheidet sich daher, für ein paar Tage nach Contrada Brunelli zu ziehen; schließlich gehört ihm ja jetzt Aldos Haus.

 

"Generationen von Bergbewohnern gruben über die Jahrhunderte am Berghang, schlugen Material aus der Felswand heraus und stellten kilometerlange Trockenmauern auf, legten unzählige Terrassen an, nur mit der Kraft ihrer Hände. Die haben sich sozusagen den Arsch aufgerissen!"

 

Carlo bringt erst einmal Ordnung in die Hinterlassenschaft und stößt dabei auf ein akribisch geführtes Tagebuch. Je tiefer er einsteigt desto klarer wird, dass Aldo offenbar glaubte, dass weitere seltsam anmutende Todesfälle in der Contrada auf Verbrechen basierten. So kam vor einigen Monaten Piero Ongaro zu Tode. Angeblich von einem Felsbrocken erschlagen, den er selbst mit einer Spitzhacke gelöst haben soll. Dabei hatte Piero eine starke Gelenkentzündung und hätte eine schwere Hacke gar nicht halten können. Carlo ist fasziniert von Aldos Aufzeichnungen und will nun Gewissheit haben, ob sein Freund womöglich einem Mord zum Opfer fiel.

 

"Die Verbrecher gehören unten in die Stadt, wo die Leute alle Bequemlichkeiten haben und nur das eine Problem, eben das Kriminelle da verkehren. Wir dagegen, wir haben's schwer, so schön gemütlich ist es bei uns net, aber Lumpen haben wir wenigstens keine. Sonst hätt's auch keinen Sinn, im Gebirge zu leben, wo es so viel Müh kostet!"

 

Carlo muss tief in die Geschichte der Dorfbewohner einsteigen. Und auch die Geschichte der Zimber, einem germanischen Volksstamm, der sich vor rund 1000 Jahren in der Gegend niederließ, scheint eine wichtige Rolle zu spielen...

Origineller Plot, bedrückende Atmosphäre und kauzige Dorfbewohner.

Umberto Matino macht es seinen Lesern mit Die Toten von Contrada Brunelli nicht gerade leicht. Zunächst werden die Dorfbewohner sowie ihr mühseliger Lebens- und Arbeitsalltag akribisch beschrieben. Das Werken in der kargen Bergwelt ist entbehrungsreich, die Äcker und Fondi (Gemüsegärten) werfen nur wenig ab. Zwar ist die Situation der Menschen durchaus packend dargestellt und entführt den Leser in eine ungewohnte Welt, doch drückt dies bleischwer auf das Erzähltempo, da die (eigentliche) Kriminalgeschichte kaum voran kommt. Langsam und schleichend hält das Grauen Einzug und selbst die "Ermittlungen" Aldos ziehen sich. Erschwert wird das Lesen ferner durch zahllose Namen (Personen sowie Orte), die man nur bedingt behalten und zuordnen kann. Wer diese Hürde jedoch nimmt, der findet eine außergewöhnliche Geschichte in einer fremdartigen Umgebung, die es zu lesen lohnt.

Entgegen dem Trend hin zu immer mehr Serienmördern und immer höherem Erzähltempo, lebt hier der Begriff "Entschleunigung" zu voller Blüte auf. Nur nicht hetzen, gut Ding will bekanntlich Weile haben und so lässt es sich Aldo nicht nehmen, gemeinsam und in aller Ruhe mit seinen Freunden Bortolo und dem über neunzigjährigen Geistlichen Don Barba einer geheimnisvollen, vermeintlichen Mordserie auf die Spur zu kommen. Dabei muss er tief in die Geschichte der Zimber einsteigen, was ebenso interessant wie wuchtig zu lesen ist. Noch mehr Namen, Begriffe und dazu eine unbekannte Sprache.

 

"Laut Ihrer Aussage war hier mindestens bis ins sechzehnte Jahrhundert hinein eine deutschsprechende Bevölkerung mit eigenen Priestern ansässig. Aber was zum Teufel hat das alles mit den Ereignissen der letzten Monate zu tun? Da fehlt mehr als ein Glied in der Kette."

 

Wer auf außergewöhnliche Geschichten mit Tiefgang wert legt, bei der die Handlung zeitweise zum Stillstand zu kommen scheint, während sich das nächste Verbrechen bereits durch die Hintertür heranschleicht, der darf hier gerne zugreifen. Auch wenn nur wenige Figuren mitspielen bleibt der Spannungsbogen bis zur letzten Zeile erhalten.

Die Toten von Contrada Brunelli

Die Toten von Contrada Brunelli

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Letzte Kommentare:
25.10.2014 13:47:16
Anita

Hier oben hat jemand das Buch wohl hastig und oberflächlich gelesen.
Unter den "Bauern" sind z.B. Gestalten, die aufs Gymnasium gingen. Und ja, selbst die Umgebung fällt aus dem üblichen Rahmen.
Ein klarer Fall: Wer die gängigen, mediengerechten, sich ewig wiederholenden Krimis vorzieht, hat für eine solche Geschichte nichts übrig.

08.09.2014 16:53:37
frieda

Okay, es gibt Morde in diesem Buch. Das Personal ist kauzig, die Umgebung urig. Aber das war's dann auch. Mich beschlich bei der Lektüre von Seite zu Seite stärker das Gefühl, dass der Autor eigentlich weniger eine spannende Geschichte sondern viel lieber die Besiedelungsgeschichte der Region erzählen wollte. Der Plot ist unglaubwürdig bis zum Geht-nicht-mehr. Das alles wäre zu verkraften, wenn das Buch gut geschrieben wäre. Aber auch da: Fehlanzeige. Alte Bauern reden hier wie Menschen des gehobenen Bürgertums im 19. Jahrhundert. Und dann hat der Übersetzer sich auch noch mehrmals in der "Sprachebene" vergriffen. Positiv ist eigentlich nur das Buchäussere: gute Verarbeitung, gute Aufmachung. Ansonsten kann man nur raten, ein anderes Buch zu kaufen.