Jagd im Olivenhain

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Weitra: Bibliothek der Provinz, 2013, Seiten: 308, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Im Visier archaischer Denkweisen

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Feb 2014

Bevor man sich dem neuen literarischen Erguss von Michael Koller hingibt, sei auch der "Verlag der Provinz" erwähnt, den sich der Waldviertler Richard Pils leistet und der im Umfeld von Weitra in Kleinauflagen Literatur an den Leser bringt, die ein wenig abseits des üblichen Marktes vor allem auf Qualität setzt, die thematisch das Besondere sucht.

Genau wie Michael Kollers Antiheld Michael Berger. Im Alltagsleben würde man diese Romanfigur schlichtweg als Arschloch und Loser bezeichnen. Bei Michael Koller wird aus diesem Einzelgänger ein geschundener und selbstzerfressener Mitläufer, dessen grundsätzliche Beschreibung schon fast das halbe Buch benötigt.

Michael Bergers Weg zur Jagd im Olivenhain ist dem gegenwärtigen Modeschreibstil, zerhackte Handlungsstränge immer dichter ineinander zu verflechten, gefolgt. Im gegenständlichen Fall ist aber diese Zweiteilung durchaus sinnhaft, um die folgende Dramatik langsam verstehen zu können und wo die Story dann richtig Fahrt aufnimmt bleibt der Autor sehr strukturiert einer klaren Linie folgend auf Kurs ins Finale.

Bis dahin muss der Leser aber in nicht sonderlich spannenden Abläufen zum Einen den Weg in die Toskana finden, wo man dann auch seine Freundin Klara näher kennenlernt, zum Anderen beschäftigt die Entwicklung eines Mannes, wie sie trister nicht sein könnte und doch in vielen Bereichen auch den Alltag anderer Männer beschreiben könnte, allerdings nicht ganz so kompakt. Michael Berger wird nicht sympathisch, er bekommt zwar die Gelegenheit, Sympathiepunkte zu sammeln, aber er macht alles zunichte, was auch nur den Funken von Normalität zu versprühen scheint.

In der Toskana lebt Berger auf. Mit dem Fokus auf seiner Beziehung und dem gemeinsamen Liebes(er)leben gerät seine Seele in Schwung, doch das Schönste, was im bisher im Leben passiert ist, beginnt durch die äußeren Umstände in dem kleinen Dorf zu zerbrechen. Er entfacht durch seine bloße Anwesenheit einen jahrzehntelangen Streit in der Bevölkerung und die Urlauber kommen in das Visier archaischer Denkweisen, für die der Tod als Bewahrer des Bestehenden gilt.

Gedankengut eines Außenseiters

Michael Koller, der schon in seinem Vorgängerroman Clara das Gedankengut eines Außenseiters in bestechender Einfühlsamkeit präsentierte, wird hier in der Beschreibung seiner Hauptfigur noch präziser. Fast wundert man sich, wie ein Mensch diese Gedanken zu Papier bringen kann, ohne selbst zum Außenseiter geworden zu sein. Die unzähligen Gedankensplitter, die mehr oder weniger intensiv in das Gehirn des Leser eindringen, lassen dieses Buch zu keiner leichten Lektüre werden, denn allzu oft muss man, um den Winkelzügen des Autors zu folgen, die Handlung unterbrechen und mitdenken. Das führt dazu, dass besonders im ersten Teil, der Beschäftigung mit dem Werden des Michael Berger, der Lesefluss deutlich hinkt, wenn man diese Ausführungen nicht überlesen will.

Der Kontrapunkt Klara wird in diesen Ausführungen eher wenig berührt, weshalb diese Zeilen düster und beengend wirken, ganz im Gegensatz zum zweiten Teil, in dem die junge Frau den Lichtstrahl in der Handlung bedeutet. Ab diesem Augenblick bekommt Berger positiv menschliche Züge, die er vor allem zum Aufbau eines Schutzpanzers um das Paar benötigt. Dass dieser Panzer nicht sehr haltbar ist, lernt auch der Leser sehr bald.

Jagd im Olivenhain ist eine düstere Geschichte, die keinen Spaß beim Lesen macht. Sie fordert den Leser und lässt keine flüchtige Beschäftigung mit dem Thema zu. Wer sich mit Michael Berger in den Olivenhain begibt, der bekommt die Stimmungsschwankungen von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt hautnah serviert. In der Intensität ist dieses Buch sogar noch dichter als Clara, aber außer im Finale fehlt dem Drama die packende Spannung des Vorgängers. Trotz diesen Kritikpunkten muss man dem Autor aber bescheinigen, dass er erzählerisch wieder aus dem Vollen schöpft, was zu einer klaren Leseempfehlung meinerseits führt.

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