Der Mädchensucher / Die Schuld einer Mutter

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Bantam, 2013, Titel: 'Just what kind of mother are you?', Seiten: 313, Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2014, Seiten: 1, Übersetzt: Bibiana Beglau, Nina Petri, Thomas M. Meinhardt
  • München: Goldmann, 2015, Titel: 'Der Mädchensucher', Seiten: 352, Übersetzt: Eva Bonné

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Jörg Kijanski
Ausgefallener Plot mit einer Schwachstelle

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2014

Vor zwei Wochen verschwand die dreizehnjährige Molly Rigg, wurde jedoch noch am gleichen Tag nach schwerer Misshandlung von ihrem Entführer wieder freigelassen. Jetzt droht für Lisa Kallisto die Welt einzustürzen, denn erneut verschwindet ein dreizehnjähriges Mädchen. Lucinda, die beste Freundin ihrer Tochter Sally und gleichzeitig die Tochter von Lisas bester Freundin Kate Rivery. Noch schlimmer: Lisa fühlt sich verantwortlich, denn Lucinda hätte gestern bei den Kallistos übernachten sollen, doch da Sally Bauchschmerzen hatte ging sie nicht zur Schule und schickte Lucinda nur eine kurze SMS, die diese offenbar nicht mehr erreichte. Nun macht sich Lisa schwere Vorwürfe, dass sie nicht selbst bei Kate angerufen hat und somit Lucindas Verschwinden erst am nächsten Tag auffiel.

Doch anders als Molly kehrt Lucinda nicht zurück, was bei den Ermittlern rund um Detective Constable Joanne Aspinall die Frage aufwirft, ob hier womöglich zwei verschiedene Täter am Werk sind. Ausgerechnet Lucindas Vater Guy gerät durch sein seltsames Verhalten ins Visier der Polizei, doch bietet ihm Kate für den Zeitpunkt von Lucindas Entführung ein Alibi. Offenbar wurden beide Mädchen jeweils vor ihrer Schule von einem gut aussehenden Mann zunächst beobachtet und dann gezielt angesprochen. Während die Männer in dem beschaulichen Ort Troutbeck im Lake District der Grafschaft Cumbria schnell Suchmannschaften organisieren, versucht Lisa alles, um ihrer Freundin beizustehen und stößt dabei auf ein dunkles Geheimnis ...

Der Titel ist ein Fingerzeig auf die Zielgruppe

Der Buchtitel scheint es vorweg zu nehmen, auf welche Zielgruppe die Autorin ihren Schwerpunkt setzt. Im Mittelpunkt dieses durchaus empfehlenswerten Romans stehen vor allem drei unterschiedliche Frauentypen. Da wäre vor allem die aus einfachen Verhältnissen stammende Ich-Erzählerin Lisa Kallisto, die als Mutter dreier Kinder und Leiterin eines Tierheimes hoffnungslos überfordert ist und daher auch permanent an ihrem eigenen Anspruch scheitert, es jedem Recht machen zu wollen. Das genaue Gegenteil ist ihre beste Freundin Kate, die perfekte Hausfrau, Mutter und so weiter, die auch gerne durchblicken lässt, wie toll sie ist und damit den ohnehin vorhandenen Druck auf Lisa forciert. Zu guter Letzt wäre noch DC Aspinall zu erwähnen, die - auf sympathische Art - so gar nicht dem Klischee einer Ermittlerin entspricht, die ja sonst alle bei einem Entführungsfall die Nächte durcharbeiten und kein Privatleben kennen.

Zurück zu Lisa Kallisto und damit zum Schwachpunkt des Romans. Dass diese mit der außergewöhnlichen Situation (Haushalt, Kinder, Beruf und an der Entführung vermeintlich nicht ganz unschuldig) nicht klar kommt, ist geschenkt. Dass aber hier in allen (oft belanglosen) Einzelheiten diese Überforderung förmlich seziert wird, nervt erheblich. Auch die mitunter naiv-geschwätzige Erzählweise Lisas ist auf Dauer  anstrengend. Die Grenzen zwischen authentischer und klischeehafter Figurenzeichnung sind jedenfalls fließend.

 

"Ich bin mit der Situation ein bisschen überfordert und weiß nicht genau, was ich tun soll." (Seite 270)
Sie nickt, ist offenbar unfähig zu sprechen, und ich weiß nicht, was ich tun soll. (Seite 271)

 

Außergewöhnlicher Plot überzeugt

Übersieht man dieses (Seiten füllende) Defizit, so liefert Paula Daly einen Psychothriller ab, der durchaus ein größeres Lesepublikum verdient hat, denn der Plot hat es in sich und hebt sich wohltuend vom Mainstream ab. Gerade weil sich alles in dem Mikrokosmos der drei Paare um Lisa, Kate, Alexa und deren Ehemänner abzuspielen scheint, bleibt die spannende Frage nach dem Täter. Vor allem in der zweiten Hälfte gewinnt die Handlung ordentlich an Tempo, gibt es manch' überraschende Wendung und nur ein kleines Detail der Auflösung des Puzzles ist eine "Unverschämtheit", da viel zu trivial, wenngleich so paradox es klingen mag es in dem Gesamtzusammenhang eigentlich gar nicht anders kommen konnte.

Nicht zuletzt enthält Die Schuld einer Mutter auch eine Portion Gesellschaftskritik. Hier die hilflos überlastete Lisa, dort die Über-Figuren Kate und Alexa, die alles scheinbar perfekt beherrschen und sich hinter einer gut-bürgerlichen Fassade verstecken, welche mit zunehmender Handlungsdauer allerdings mehr und mehr zerbröselt.

Laut Eigenwerbung des Manhattan-Verlages handelt es sich um "das Thriller-Debüt des Jahres aus Großbritannien." Dieser vollmundigen Aussage möchte sich die Krimi-Couch in dieser Entschiedenheit nicht anschließen (es besteht durchaus noch Hoffnung für die kommenden Monate); eine Empfehlung ist dieser Thriller aufgrund des ausgefallenen Polts aber auf jeden Fall; nicht nur für Mütter.

Der Mädchensucher / Die Schuld einer Mutter

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Letzte Kommentare:
21.11.2014 18:53:00
Jazzylin

Mir gefällt es sehr, dass die Figuren ganz normale Leute sind (zumindest auf den ersten Blick). Da fällt es leicht, sich in sie hineinzuversetzen.

Ich kam mir fast wie ein Voyuer vor, der heimlich 3 Familien beobachtet und immer mehr von ihnen erfahren will. Das liegt wohl daran, dass gerade die Alltagssituationen ausführlich und spannend beschrieben werden.

Noch ein großer Pluspunkt: die Auflösung des Rätsels am Ende der Geschichte ist eine gelungene Überraschung.

Ich hoffe, Frau Daly schreibt schon an ihrem nächsten Krimi.

100 Grad

16.07.2014 14:01:13
charliene

Es ist das erste Werk von Paula Daly und ich hoffe, dass es noch viele Bücher von ihr geben wird. Eine packende Geschichte und spannend erzählt. Eines der Bücher wo ich mir gewünscht habe, dass ich Urlaub hätte und nichts anders zu tun wäre als lesen. Eines der Bücher, wo ich gerne noch lange weiter gelesen hätte. Ich freue mich auf weitere Geschichten von Frau Daly.