Die zweite Haut

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 2010, Titel: 'Low life', Seiten: 294, Originalsprache
  • München: Heyne, 2014, Seiten: 320, Übersetzt: Teja Schwaner

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Jürgen Priester
Ein armseliges Leben in L.A.

Buch-Rezension von Jürgen Priester Dez 2013

Vom US-amerikanischen Bestsellerautor Ryan David Jahn sind in der Hardcore-Reihe des Heyne-Verlags bisher dessen erster (Acts of Violence, 2009) und dritter (The Dispatcher, 2012) Thriller erschienen. Nun legt der Verlag den 2010 erschienenen zweiten Thriller "Low life" in deutscher Übersetzung nach. Warum sich Heyne für diese Reihenfolge der Veröffentlichung entschieden hat, kann nur vermutet werden. Anscheinend haben die Verantwortlichen das Potenzial von Die zweite Haut geringer eingeschätzt ein Hinweis darauf könnte auch das preisgünstige Taschenbuchformat dieser Erstausgabe sein. Dabei ist Die zweite Haut ein kurz(weilig)er, fesselnder Thriller, genauer noch, eine Psycho-Studie über zwei Individuen, die einander ähnlich und doch so grundverschieden zu sein scheinen. Der deutsche Titel "Die zweite Haut" ist gut gewählt, gibt er doch einen wesentlichen Aspekt der Handlung wieder, auf den hier nicht weiter eingegangen werden kann. Der Begriff "Low-life" (Titel) hat im Englischen unterschiedliche Konnotationen, kann in diesem Fall mit "armseliges Leben" übersetzt werden,

So ein armseliges Leben führt Simon in seinem winzigen Appartement in Los Angeles. Er ist kleiner Buchhalter in einem großen Steuerbüro, quält sich durch seine Arbeitstage. Am Feierabend widmet er sich seiner Schallplattensammlung und gibt sich dabei die Kante. Den Höhepunkt der Woche erfährt er in einer Einzelkabine eines Pornoschuppens. Freunde, geschweige denn eine Freundin hat er nicht. Sein tristes, ereignisloses Dasein wird jäh unterbrochen, als er eines Nachts durch Geräusche in seiner Wohnung geweckt wird. Ein Einbrecher, so seine Vermutung, dem er sich trunken stellt. Es kommt zu einem mörderischen Kampf, den Simon letztendlich für sich entscheiden kann. Nun hat er eine Leiche am Hals. Anstatt die Polizei einzuschalten, was jeder vernünftige Mensch getan hätte, beschließt er, auf eigene Faust zu ermitteln. Die nicht von der Hand zu weisende, äußerliche Ähnlichkeit des Toten mit ihm selbst, hat Simon stutzig werden lassen. Wer ist (war) dieser Mann? Was wollte er in seiner Wohnung? Ihn gar töten? Bei der Beantwortung dieser Fragen verirrt sich Simon in einem wahren Labyrinth aus Herausforderungen und Versuchungen. Sein Leben gerät aus allen Fugen.

Thriller dieser Art sind nur schwer zu rezensieren. Eine Andeutung oder Interpretation zuviel geschrieben, kann einen Teil der Spannung nehmen. Lässt man das typische amerikanische Setting in L.A. mal außer Acht, könnte dieser Thriller auch aus der Feder von Sebastian Fitzek stammen. Ein Psychodrama, das dazu neigt, in die Unwirklichkeit abzudriften. Gebannt und ahnungslos verfolgt man als Leser Simons Weg durch alle Irrungen und Wirrungen und ist am Ende genauso überrascht wie er. Hat man sich im Kreise gedreht?

Die zweite Haut ist zwar in der Heyne-Hardcore-Reihe erschienen, aber nach Einschätzung des Rezensenten geschah dies, weil auch die anderen beiden Thriller Jahns dort veröffentlicht wurden. Bis auf zwei/drei heftige Szenen ist Die zweite Haut eher eine traurige Geschichte über einen Loser, der sich bessere Lebensumstände ersehnt in der Hoffnung darauf, dass er dann auch ein anderer Mensch sein würde. Ryan David Jahn zeigt uns das andere Amerika, abseits von Geld und Glamour, wo Menschen am Rande des Existenzminimums Träume und Hoffnungen hegen, die sich nicht erfüllen werden, außer als Produkte der Imagination. So liegt denn auch ein Hauch von Unwirklichkeit über dem Plot, der schon mal das Zeitgefüge durcheinander bringen kann.

Wer dem Skurrilen, dem Grotesken, dem leicht Phantastischen aufgeschlossen gegenüber steht, der wird Freude an Die zweite Haut haben. Obwohl, "Freude" ist nicht das richtige Wort, denn dazu ist der Thriller zu düster und das Leben des Protagonisten zu armselig.

Die zweite Haut

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Letzte Kommentare:
01.04.2015 20:58:46
ffb76

Eine Anmerkung zur Rezension von Herrn Priester:
Den Originaltitel "Low Life" mit "armseliges Leben" zu übersetzen, ist sicher treffend. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um ein Wortspiel, denn die beiden Worte low und life zusammengeschrieben (also lowlife) ergeben im Englischen das Substantiv Abschaum oder Pack.

Des Weiteren möchte ich mir herausnehmen, dass die in der Rezension angedeutete Interpretation nicht richtig ist.
Obwohl Jahn aus Sicht von Simon schreibt, geht es in Wahrheit um Jeremy. Dafür gibt es am Ende des Romans eindeutige Anhaltspunkte.
Da es sich bei diesem Werk eher um eine (gewagte) Psychostudie als um einen klassischen Thriller handelt, halte ich diese Vorwegnahme für vertretbar.