Die Frau, die nie fror

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2014, Seiten: 8, Übersetzt: Luise Helm

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Almut Oetjen
Umweltthriller und Familiendrama mit starker Heldin

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2013

Pirio Kasparov, Amerikanerin russischer Herkunft, hilft ihrem Freund Ned Rizzo, einem Fischer, bei der Befüllung der Ködertaschen von Hummerkörben auf der Molly Jones im Nordatlantik, 25 Meilen nordöstlich von Boston. Nach zwanzig Jahren Arbeit für die Firma Ocean Catch hatte Ned sich gerade als Fischer selbstständig gemacht.

Das Boot wird von einem großen Frachter gerammt und zerbricht. Pirio kann sich retten und treibt fast vier Stunden bei Temperaturen von sechs Grad Celsius im Wasser, bis sie von der Küstenwache gefunden wird. Von Ned fehlt jede Spur. Er hinterlässt seine Ex-Freundin Thomasina und den gemeinsamen Sohn Noah. Pirio ist Noahs Patentante und die beste Freundin Thomasinas seit Kindertagen.

Pirio bezweifelt die offizielle Version "maritime Fahrerflucht", versucht die Hintergründe für Neds Tod herauszufinden und gerät in große Gefahr, als sie dem Organisierten Verbrechen in der internationalen Fischereiwirtschaft und einem Klub superreicher Mörder von Säugetieren ins Gehege kommt.

Ein wenig oder mehr Alfred Hitchcock

Die Protagonistin Pirio Kasparov ist keine typische Krimifigur. Sie hat mehr von den Hitchcockcharakteren, die ohne eigenes Zutun in eine für sie ungewöhnliche Situation geraten, mit Menschen zu tun bekommen, die sie allenfalls aus Büchern oder Filmen kennen, und ein Mysterium aufklären wollen, in das sie sich schneller verstricken, als sie es verstehen können. Schließlich wird ihr Leben bedroht, und sie kommen mit letzter Kraft und viel Glück aus der Situation heraus. Im Zuge der Aufklärung erfahren sie, dass ein Mensch aus ihrem engeren Umkreis zu einer tödlichen Bedrohung wird, und sie lernen einen anderen Menschen kennen und lieben. Und, wie so oft bei Hitchcock, kommen Polizisten nicht so gut weg. Einmal glauben sie Pirio nicht und halten sie für eine Verrückte, weil sie gedanklich nicht mitkommen. Einmal geben sie sich in einem dubiosen Todesfall mit einer schnellen oberflächlichen Erklärung zufrieden. Beim dritten Mal bekommen sie alles fertig vorgesetzt und können deshalb ihre Arbeit machen.

Pirio ist eine sehr selbstbewusste Frau, die sich häufig ihrer Attraktivität versichert, die oft genug durch Männer bestätigt wird. Sie setzt sich bisweilen gegen andere Frauen ab, indem sie über Merkmale spricht, die diese Frauen weniger attraktiv erscheinen lassen. Pirio friert nicht nur nicht, sie hat auch einen ausgezeichneten Geruchssinn. Der zeigt ihr an, dass jemand in ihrer Wohnung gewesen sein muss, in der sie geruchliche Nuancen ebenso wahrnimmt wie in Parfüms. Pirios Mut und Beharrlichkeit sind beeindruckend. Sie ist zynisch, loyal, rastlos und einsam, ihr Leben plätschert dahin, und ihre privilegierte Situation erschwert es, ihrem Leben Sinn zu verleihen. Sie ist dreißig Jahre alt und verwechselt gelegentlich Sex und Liebe.

Das Familiendrama und zwischenmenschliche Beziehungen

Sehr gut ausgearbeitet ist das auf tragische Weise funktionsgestörte Beziehungsdreieck Pirio-Thomasina-Noah. Die Mutter, die sich mehr um Alkohol und andere Männer kümmert, als um ihren Sohn, die Patentante, die aufgrund ihres Engagements und ihres vernünftigen Handelns im Interesse Noahs zu einer Ersatzmutter wird. Eine weitere interessante und wenig konventionelle Beziehung ist die zwischen Pirio und ihrem Vater, der seine erste Frau, Pirios Mutter Isa, anbetete. Es gibt in seinem Büroraum nur Fotos Isas, keine Pirios oder seiner zweiten Frau Maureen. Zwar raucht er mit Pirio gelegentlich eine Zigarre, seit sie 16 Jahre alt war, vermittelt ihr auch seine Sicht auf bestimmte Dinge, hat sich aber um sie nie gekümmert. Anders als die Guten, sind die Bösen etwas holzschnittartig geraten. Sie haben in diesem Roman aber auch nicht die Bedeutung wie die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren, die in einem komplexen Drama um Familie und Familiensubstituten verortet sind.

Elo erzählt den Roman im Präsens aus der Ich-Perspektive Pirios. Die Leser befinden sich gewissermaßen im Kopf der Erzählerin, teilen ihr Wissen und ihre Einschätzungen. Die erfahrbare Welt von Die Frau, die nie fror ist konsequent beschränkt auf Pirios Wahrnehmung. Dabei gelingt es Elo, den Lesern zu vermitteln, wie ihre Hauptfigur denkt, wodurch der Roman auch zu einer psychologischen Erkundung wird.

Anders als der durchschnittliche Kriminalroman, hat Die Frau, die nie fror ein über weite Strecken langsames Erzähltempo, gibt Beschreibungen viel Platz. Am Ende kommt es zu einer Auseinandersetzung, in der sich Pirio als treffsichere Anwenderin von Schusswaffen erweist, während drei Killer weniger gut mit der Waffe umgehen können. Pirio versöhnt sich mit ihrem Vater, hat – vielleicht – den Mann fürs Leben gefunden und bekommt eine sinnvolle Ausrichtung für ihre Zukunft, in der sie das Parfümunternehmen mit ihrer Stiefmutter leiten will.

Elisabeth Elo verbindet in ihrem Debüt Die Frau, die nie fror eine Familiengeschichte und eine Kriminalgeschichte. Die Themen der Kriminalgeschichte, neben dem Klassiker Mord, sind zeitaktuell: Überfischung der Weltmeere und illegaler Fischfang, Korruption und Verletzung internationaler Vereinbarungen zum Umwelt- und Artenschutz, die Verwicklung der Organisierten Kriminalität in diese Problemfelder.

Die Frau, die nie fror

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Letzte Kommentare:
13.02.2016 13:47:26
TochterAlice

Pirio Kasparow ist eine starke Frau: sie hat nach dem Tod ihrer Mutter einen schwierigen, zeitweise gar despotischen Vater und eine Stiefmutter, die sich nicht gerade für sie eingesetzt hat, überlebt. Als Erwachsene wuppt sie die von ihrer Mutter gegründete Parfümfirma - Pirios Nase kann mit der von Jean‑Baptiste Grenouille, dem Duftcreateur aus Süßkinds weltberühmten Roman "Das Parfüm" durchaus konkurrieren - kümmert sich um Noah den Sohn ihrer Freundin Thomasina, die Alkoholikerin ist und: sie kann in eiskaltem Wasser überleben. Das hat sie gerade kürzlich bei einem Unfall bewiesen, bei dem sie mit Dan, Noahs Vater, unterwegs war, der dabei ertrank. Wirklich Unfall oder Mord? Das will Pirio aufklären und begibt sich in Gefahr.

Ein schwieriger Weg - einer zurück zu ihren Wurzeln und leider mit sehr vielen Längen geschildert. Die originelle Story mit der absolut einzigartigen, nie dagewesenen Protagonistin hat leider nicht das gehalten, was sie versprach, wozu leider auch die Übersetzung beitrug, in der manche Bezeichnungen nicht akkurat ins Deutsche übertragen waren und daher irritierten. Hätte mir das Buch insgesamt besser gefallen, würde ich sicher noch zum Original greifen, um gewisse Sequenzen genauer erfassen zu können. Ein eigenartiges Buch also, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich alle Ereignisse, alle sprachlichen Windungen im Buch genau beurteilen kann.

Fazit: ein interessantes Thema, aus dem leider nicht das Optimum rausgeholt wurde. Ein großes Plus ist die originelle, spröde Protagonistin Pirio. Die Story nimmt zu Beginn und dann wieder zum Ende hin durchaus Fahrt auf - den langgezogenen mittleren Teil muss man aber erstmal durchstehen! Ein bisschen geht das Buch in die Richtung der tollen Krimis von Melanie McGrath um die Fährtenleserin Edie Kiglatuk auf Ellesmere Island, die aber wesentlich extremer und faszinierender ist. Nicht schlecht also, aber auch kein Must-read.

29.01.2014 13:38:04
Bettina

Die ersten 300 Seiten sind weder literarisch, noch berührend, noch spannend, aber leicht zu lesen.Erst ab der Mitte kommt mehr Spannung auf, die sich dann aber bis zum Ende hält.Dafür muss man aber erst mal bis zur Hälfte durchhalten, erst dann habe ich überhaupt bemerkt, dass es sich um einen Krimi handelt.