Schwarze Schiffe

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau, 2013, Seiten: 233, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Grundsolides Debüt

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2013

Hanoi. Kommissar Pham Van Ly wird zum Tay-Ho-Tempel gerufen, wo die Leiche einer brutal misshandelten jungen Frau gefunden wurde. Die Suche am Tatort ergibt jedoch keine verwertbaren Spuren, lediglich eine verwirrte alte Frau will Militärwagen gehört und ein weiterer Zeuge einen russischen Jeep der Marke UAZ gesehen haben. Da dies die einzigen Hinweise sind geht Ly diesen nach und findet heraus, dass es nur drei Fahrzeuge dieses Typs in Hanoi gibt. Während die ersten beiden Inhaber offenbar ein Alibi für den Tatzeitpunkt haben, scheint die dritte Person schon sehr viel interessanter zu sein. Es handelt sich um Hai Au, einen berüchtigten wie einflussreichen Kriminellen, dessen bevorzugtes Einsatzgebiet allerdings Saigon ist.

Kommissar Ly kommt in seinen Ermittlungen kaum voran, zumal er durch seinen Vorgesetzten, den 79-jährigen Parteikommissar Bui Van Hung, nicht gerade unterstützt wird. Bloß keinen öffentlichen Wirbel über die Medien, was sollen die Touristen denken?

 

"Was war schon ein totes Mädchen gegen den neuen Glanz der Hauptstadt? Seit einiger Zeit propagierten die Stadtväter ein zivilisiertes urbanes Hanoi. Handwerker sollten nicht mehr auf dem Gehweg arbeiten dürfen, Garküchen sich nicht im Freien ausbreiten. Die Leute sollten ihre Nudelsuppen gefälligst drinnen schlürfen. Und die fliegenden Händler konnten schauen, wo sie blieben. Sie durften keineswegs das schöne Aussehen der Stadt und den Verkehr stören. Ly konnte sich ein Hanoi ohne das pulsierende Straßenleben nicht vorstellen."

 

So sind Ly die Hände gebunden und zu aller Not muss er mit seinem Kollegen Ngoc von der Sittenpolizei zusammen arbeiten, der nicht nur mit Lys jüngerer Schwester Tam verheiratet, sondern dieser gegenüber auch gewalttätig ist ...

Ein formidabler Debütroman mit elektrisierendem Handlungsort.

Nora Luttmer legt mit Schwarze Schiffe einen großartigen Auftakt ihrer Kommissar-Ly-Reihe vor, die nicht nur einen ansprechenden Krimiplot bietet, sondern insbesondere über "Land und Leute" in Vietnam im Allgemeinen und Hanoi im Besonderen unterhaltsam informiert.

 

"Sind die Kinder auch kriminell?"
"Kommt drauf an, wie man es sieht. Politik, Juristerei, eine Tochter sitzt im Vorstand einer Bank."

 

Zunächst stellt uns die Autorin ihren eigenwilligen Protagonisten Pham Van Ly vor, der nicht so recht ins korrupte, angepasste Bild eines Polizisten passen möchte. Obwohl die Korruption überall um sich greift und öffentlich sichtbar ist, bleibt Ly standhaft, allerdings aus Sicht seiner Tochter Huong nur aus einem Grund.

 

"Es geht doch immer nur ums Geld. Wer zahlen kann, den lassen sie laufen."
"Nicht alle Polizisten sind korrupt."
"Ja, du vielleicht nicht, weil Mama genug Geld verdient. Ohne Mamas Einkommen kämen wir aber nicht über die Runden. Dann könntest du es dir nicht leisten, keine Schmiergelder anzunehmen. Und futsch wäre dein Idealismus."

 

Interessanter Handlungsort, sympathischer Ermittler, ausgewogener Plot.

Lys Ehefrau Thuy verdient als Fremdenführerin ihr Geld, dennoch lebt die vierköpfige Familie mitten in Hanoi in einer gerade mal 18 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Wohnung. Beruflich ist Thuy oft tagelang unterwegs und wenn sie mal zuhause ist, dann ist meist Ly im Einsatz. Seit geraumer Zeit ist ihr Privatleben alles andere als harmonisch. Als Fluchtpunkt bleibt Ly häufig nur eine der zahllosen Garküchen, in denen er gerne abschaltet, ein Bier trinkt und sich allerlei exotisch anmutende Speisen, wie beispielsweise eine mit Erdnüssen garnierte Entenblutsuppe, schmecken lässt.

Schwarze Schiffe bietet einen erkenntnisreichen Einblick in ein eher unbekanntes Land, dass uns die Autorin mit offensichtlicher Zuneigung näherbringt, ohne die negativen Seiten des dort nach wie vor "real existierenden Sozialismus" zu verhehlen. Bei allen Details über Garküchen und die Eigenarten des Landes verliert Nora Luttmer aber nie den Kriminalfall aus den Augen. Hinzu kommen ein sympathischer Ermittler mit etlichen Stärken und mindestens ebenso vielen Schwächen sowie ein durchaus spannender Plot, bei dessen Auflösung allein die Auswahl der in Frage kommenden Täter etwas größer hätte sein dürfen. Dennoch ein mehr als gelungener Auftakt einer Serie, der man viele weitere Fälle wünscht.

Schwarze Schiffe

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Letzte Kommentare:
02.01.2014 22:51:51
Walter Molt

Ein spannender Krimi. Es geht um Mädchenhandel. Luttmer führt den Leser durch die Strassen von Hanoi, seine Restaurants und kulinarioschen Köstlichkeiten. Sie schildert skurrile Entscheidungen des Volkskommittees. Hervorragend beobachtet. Sie spürt dem Mädchenhandel nach, dem Elend der Armen, der Korruption und Trägheit der Beamten, aber immer mit großer >Zuneigung zu den Menschen und den Reizen einer Stadt, die noch ganz in alter Tradition verhaftet, mit den neuen Herausforderungen des schnellen Gelds ringt.