Vergeltung

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2014, Seiten: 500, Übersetzt: Conny Lösch

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Jochen König
Heute Abend gibt es Sauerkrautsuppe, Blutwurst und paniertes Schweineschnitzel

Buch-Rezension von Jochen König Sep 2013

Die ersten Rezensionen ließen Schlimmes vermuten. Tobias Gohlis und Thomas Wörtche schrieben Verrisse, die gekennzeichnet waren vom Entsetzen, dass ein hervorragender Autor, der klug, differenziert und hochspannend schreiben kann, nicht mehr als ein "Landserheftchen" (Tobias Gohlis) zustande bringt. Elmar Krekeler "killt"e Don Winslows Vergeltung mit bissigem Spott, der ebenfalls die Enttäuschung zeigte, dass sich hier ein großartiger Autor weit unter Wert verkauft.

Lediglich Markus Müntefering versuchte mit seiner Kritik bei Siegel Online zu retten, was nicht mehr zu retten war und deutete Vergeltung als "hoch politischen Roman", der das Ende des Soldatentums ("War, huu – what is it good for? Absolutely nothing!" gilt nicht nur für den Krieg an sich, sondern auch für die Wesen, de ihn  mit Lust und Wonne führen. Söldner ganz besonders) einläutete. Dabei wäre es gar nicht verkehrt, wenn sich irgendwo auf einem entfernten Eiland lediglich Maschinen gegenseitig zerdeppern. Doch selbst bei den "Transformers" mischen Menschen in Uniform mit, andererseits gleichen die Bilder aus dem letzten Irak-Krieg bereits pixeligen Videospielen, in denen der Tod von Soldaten und Zivilisten hinter abstrakten Zeichen verschwindet. Ein Knopf, eine Bombe/Drohne, eine Explosion in grünstichiger Schwärze. EKIA.

Lesenswert sind die Rezensionen allesamt, stellvertretend lege ich Thomas Wörtches ausführliche und treffende Analyse im "CultureMag" jedem interessierten Leser wärmstens ans Herz.

Und widerspreche ihr in einem kleinen Punkt. Wörtche vermutet, dass Aliens den echten Don Winslow entführt und üble Experimente mit seinem "vorderen Großhirnbereich" angestellt haben. Ich glaube eher, man hat am Körper Winslows die neueste 3D-Druckertechnologie ausprobiert und dem Klon dann das vermoderte Hirn Robin Moores eingesetzt. Kommt letztlich auf's Gleiche raus.

Robin Moores Die grünen Teufel habe ich als Zwölfjähriger mit Begeisterung gelesen und mich anschließend gewundert, dass nicht die mutigen, toll ausgebildeten, ehrenhaften amerikanischen Soldaten den Vietnamkrieg für sich entschieden haben, sondern die kleinen, dreckigen Charlies, die es nicht mal für Nötig erachten, sich an anerkannte militärische Kriegsführung zu halten.

In einem anderen Buch Moores Bitterer Zucker verkündet Hauptfigur Jack Youngblood, ein amerikanischer Söldner, sein Credo: "Ich bin kein Moralist und kein tiefer Denker. Ich bin bereit, für Geld so ziemlich alles zu tun- es sei denn für einen Kommunisten."  Ein Wahlspruch, der auch für Winslows multinationalen Söldnertrupp gelten könnte, ergänzt vielleicht um ein "und nicht für einen Muslim". Wobei dies in einem Fall im Laufe des Romans widerlegt wird.

Der erste Teil des Zitats geht fast schon zu kritisch mit der Söldnermentalität ins Gericht, um in Vergeltung fallen zu können. In Winslows Roman sind Söldner Ehrenmänner, die letzte Bastion wahren Mannestums. Natürlich individuell mit Fehlern behaftet, aber daraus kann man lernen – wie im Falle der Erb- und Erzfeinde Lev und Amir. Dass sich ein Verräter im Innern dieses Bundes aus Schweiß, Blut und Tränen findet, bestätigt wie üblich, dass es keine Regel ohne Ausnahme gibt, und dass derartige Auswüchse, die Bande der Übrigen noch enger zusammen schweißen. Das mag sich, gerade im Zusammenhang mit Don Winslow, hämisch anhören, ist aber nur die ziemlich objektive Abbildung des Vergeltung-Personals. Man sucht immer nach Brüchen, nach einem (ironischen) Subtext, doch der ist nicht vorhanden. Es gibt eine Handvoll Witze, aber die lesen sich wie folgt:

 

"Wie sieht's mit der Zerstörung des Lagers aus?", fragt Dave.
"Gewöhnliche Semtex und C4-Ladungen", sagt Ulrich beinahe gelangweilt. "Semtex hat einen sehr gemütlichen R.E.-Faktor von 1,59, C4 von 1,55. Die Sprengsätze könnten Kinder legen."
Jetzt macht sich Dave ernsthaft Sorgen um Ulrichs Nachwuchs.

 

Es gibt wahrlich wenig zu lachen. Schon gar nicht für Ex-Elitesoldat und jetzigen Flughafen-Sicherheitsbeauftragten Dave Collins, dessen Frau und Sohn bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen. Die Regierung beharrt auf einer Unfall-Version, doch Dave findet bald heraus, dass ein gewiefter Yuppie-Dschihadist namens Aziz für den Abschuss der Maschine verantwortlich ist. Mit Spendengeldern, die ihm andere Angehörige der beim Anschlag umgekommenen Passagiere zuschanzen, wird flott eine unschlagbare Söldnertruppe engagiert, dann folgt eine kurze Episode im Ausbildungslager, anschließend herrscht Krieg. Es gibt die üblichen Irrungen und Wirrungen, samt reumütigem Mitglied der politischen Führungsebene, der die wackeren Recken letztlich stützt und schützt anstatt sie ins offene Bajonett laufen zu lassen, und am Ende – Vorsicht: Spoiler für Unbedarfte! – darf von paradiesischer Reinheit geträumt werden. Nachdem Dutzende von Terroristen sowie wenige freundliche Sidekicks vollmundig bzw. –blutig ins Gras gebissen haben.


Daneben frönt Winslow wieder jener Faktenhuberei, die einen bei der Lektüre von "Die Sprache des Feuers" schon zum nahezu perfekt ausgebildeten Brandermittler oder –stifter werden ließ, die hier aber zu einem überflüssigen Wust an Informationen führt, die lediglich Waffenfetischisten den ein oder anderen wohligen Orgasmus bescheren dürften. Schlussendlich ist es scheißegal, ob den entpersonifizierten Opfern unserer Heldenschar, kurz "Krähen" oder "Tango" genannt, von 9 mm, Kaliber .45 oder einer "Benelli M4 Super 90" mit "Kugeln Kaliber 12" das Gehirn durch die Schädeldecke gejagt wird. Schön, dass wir drüber informiert wurden, interessant wäre jetzt noch, wie viele Kugeln das Magazin der Benelli fasst und mit welcher Geschwindigkeit sie abgeschossen werden. Doch das wird bestimmt irgendwo erwähnt.

Wirklich perfide am Anfangsmassaker ist die Erwähnung von Patti Smith und Bruce Springsteen, deren "Because The Night" als intendierte Hintergrundmusik missbraucht wird. Möglicherweise auch einer der wenigen popreferentiellen Brüche des Werks, das ansonsten den Standards folgt, die insbesondere Filme vergangener Jahrzehnte vorgaben. Wobei Vergeltung unglaublicherweise noch näher bei einer offensiv rassistischen Angelegenheit wie "Häutet sie lebend - Unternehmen Wildgänse" ("Scorticateli vivi" von Mario Siciliano) als beim immer noch bedenklichen, aber gemütlichen und starbesetzten Andrew McLaglen-Rohrkrepierer "Die Wildgänse kommen" ("The Wild Geese") angesiedelt ist.

Mag ja sein, dass eine Passage wie:

 

Die Politiker in Salisbury und London hatten nicht die Eier zu kämpfen, und aus Rhodesien wurde "Simbabwe". Sie verschleuderten das beste Land der Welt an einen Haufen schwarzer Kommunisten und Gangster.
Und wir sind in alle Winde verstreut. Einige hat es nach Südafrika verschlagen, auch so ein von Schwarzen regierter Saustall [...],

 

der radikalen Sicht eines "Rolf" entspricht, dem Mitglied einer rhodesischen Elite-Einheit namens "Selous Scouts". Doch nirgendwo im Text wird diese Haltung revidiert, nicht einmal relativiert, im Gegenteil: Rolf erscheint ungebrochen als aufrechter Recke, der sich Zuneigung und Respekt verdient hat. Schließlich hat er auch Kartelle in Südamerika bekämpft.

Nur allzu gerne würde ich mich jenem Amazon-Rezensenten anschließen, der Vergeltung als das aktuelle American Psycho bezeichnet. Diese Mischung aus gelangweilter, aber elaborierter Schilderung einer bunten Warenwirtschaftswelt, mit einem Schrein und Loblied auf die angewandte Technologie, gepaart mit einer Bündelung ekstatischer und expliziter Gewaltausbrüche. Findet man tatsächlich beides in Vergeltung. Doch die Perspektive ist eine verkehrte. Wäre der Roman aus Sicht Aziz, des so modernen und redegewandten Topp-Terroristen geschrieben, hätte die Interpretation etwas für sich.

Im real existierenden Roman finden wir aber nur eine altbackene Mixtur aus Rachegeschichte und Loblied auf die Selbstjustiz, die Winslow so locker wie lässig, tempo- und actionreich entwickelt. Doch zu dem teilweise gekonnten Mix aus ausschweifenden Beschreibungen und gehetztem Stakkatorhythmus gesellt sich ein entsetzlich plakatives Pathos, das von "gefallenen Engeln", "verbrannter Erde" und törichten Reflektionen über das Wesen des edlen Kriegers, mitten in der "combat zone", gar nicht genug bekommen kann. Was wieder für die Entführung des Autors durch Außerirdische oder das missglückte Klonen sprechen würde.

Oder: Don Winslow wagt den Versuch, mit dem letzten Scheiß richtig Kohle zu kassieren. Könnte gelingen. Die Filmrechte sind anscheinend verkauft und eine Verfilmung ist geplant. Munkelt man in Munkelkreisen. Dass Vengeance zuerst und für begrenzte Zeit ausschließlich deutschsprachig erscheint, liegt höchstwahrscheinlich nicht daran, dass amerikanische Verleger Geschmack und moralische Bedenken entwickelt haben, sondern dass wir hierzulande einfach schneller waren. Cowabunga!

Natürlich schreiben wir Don Winslow nicht ganz ab, im Gegenteil, das hat Vergeltung erreicht: So voller Spannung wurde noch kein neues Buch des Autors erwartet. Eigentlich kann es nur wieder aufwärts gehen.

Fazit: Vielleicht ist Vergeltung auch die radikalste Satire, die man sich vorstellen kann. Ein Spießrutenlauf durch abgeschmackte Clichés, ständig kommentiert von mörderischen Dumpfbacken, die sich für das Salz der Erde halten. Hinweise auf diese Deutung werden so konsequent versteckt, dass man nur zu dem Schluss kommen kann, der Autor hat uns auf's Geschickteste hinters Licht geführt und uns zu willfährigen Söldnern seiner Lesart gemacht. Oder das Buch ist katastrophaler Kokolores.
D.h. für einen 50-Pfennig Leihbücherei-Reißer reicht es dicke. Mist, die gibt es nicht mehr. Weder Währung noch klassische Leihbücherei.

Kleiner Tipp zum Schluss: Lasst Vergeltung in den Regalen liegen, hört lieber John Cale.

 

Mercenaries are useless, disunited, unfaithful
They have nothing more to keep them in a battle
Other than a meager wage
Which is just about enough to make them wanna kill for you
But never enough to make them wanna die for ya

 

Yo Bruder, DIR folge ich gerne ins Camp.

PS.: Heißt es nicht "IKEA" statt "EKIA"? Natürlich. "Ich Kriege Einen Anfall" und nicht "Enemy Killed In Action".

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Letzte Kommentare:
18.08.2016 14:59:55
Maus

Einen größeren Mist habe ich selten gelesen. Habe einige andere Winslow-Bücher gelesen: Allesamt spannend und super recherchiert. Hier nur ein typischer "Amis über Alles" Mist.
Wie kann ein dermaßen renommierter Schriftsteller sich zu solch einem unterirdischen Schwachsinn hinreißen lasse. Hat er dringend Geld gebraucht?

23.07.2016 23:52:46
Scheibe

Vergeltung war bestes Actionkino. Wahnsinnig rasant und spannend. Es gibt kaum eine Minute Verschnaufpause, was dazu führt, dass man das Buch zackig gelesen hat. Die Rezension ist gut geschrieben, die Geschmäcker aber einfach verschieden. Mir hat es sehr gut gefallen. Anders wie seine anderen Bücher und doch eindeutig Don Winslow.

06.02.2016 12:29:34
peilerwen

Gute Militär-Action mit allem, was dazugehört - kann DW also auch - in diesem Genre sehr empfehlenswert, wer Krimi, Kinderbuch oder Nobelpreis-Litaratur sucht, sollte hier gar nicht nachschauen.
P.S. Habe alle DWs gelesen; ers ist einfach überall gut ABER unterscheidet sich je nach "Reihe" - was eben einen guten Autor ausmacht.
P.S. P.S. Die meisten Profi-Kritiker kommen halt aus der pazifistisch-interllektuellen Ecke - also darf man auch keine "fachgerechte" Kritik erwarten. Wer das meiste von Dale Brown, Patrick Robinson , Tom Clancy und Clive Cussler gelesen hat, darf dieses Buch bewerten - sonst fehlt einfach der adäquate Vergleich. 4 von 5 Sternen

04.10.2015 17:07:10
Ray Quick

Es ist ein Roman über Söldner und nichts anderes! Wer damit ein Problem hat, sollte lieber Inga Lindström oder Kochbücher lesen. Und natürlich beschreibt der Autor jede Grausamkeit im Detail, genau wie sämtliche militärischen Abkürzungen oder die benutzten Waffensysteme.

Der Roman liest sich wie ein megaspannender Spielfilm. Alles wird explizit geschildert und wichtige Dinge bis ins Detail erläutert.

Aber großen Dank an die bezahlten Schreiberlinge hier. Der Autor ist rechtsradikal, wenn nicht sogar faschistoid.

Wie schon ganz oben von mir erwähnt: Es ist ein Roman über ehemailge Elite-Soldaten die zu Söldnern werden. Auch die erzählten Berichte oder Schilderungen aus Afghanistan oder dem Irak entsprechen der Wahrheit.

Wer damit nicht klarkommt (anscheinenend so einige hier), möge sich doch bitte anderen Themen widmen.

Ein klasse und wichtiger Roman (da er die derzeitigen Zustände weltweit erstklassig beschreibt).

27.09.2014 21:05:48
Charly Amend

Ich hatte gerade die 1.024 Seiten "Der Distelfink" gelesen - und war begeistert. Danach folgte DW "Vergeltung". Ich kannte den Autor bislang nicht. Duch "Druckfrisch" m. Dennis Scheck wurde ich auf ihn aufmerksam. Ganz ehrlich: Im Nachhinein interessiert mich das Gefasel einiger Eierköpfe überhaupt nicht. Spannend, flott geschrieben. In gut vier Tagen hatte ich auf einer Kreuzfahrt mit einigen Seetagen den Thriller gelesen. Fazit: Werde mir weitere Bücher von DW als ebook laden. Warum sich über spannende Lesestunden sich philosophischer Onanie hingeben?

16.08.2014 11:29:16
Joe 67

Es war mein erster Roman, den ich von DW gelesen habe! Ich habe den Klappentext gelesen und das Buch hat genau das geliefert, was ich erwartet habe!! Wenn sich hier Leser aufregen über Waffen und militärische Abkürzungen verstehe ich das nicht, was erwartet ihr bei einen Buch mit Rachefeldzug durch elutesöldner?? Das die mit Wattebällchen schmeißen und jeder Leiche nachtrauern? Und dann natürlich die Rassismuskeule, die darf NIE fehlen!! Wenn ich was übertrieben fand in dem Buch, war es eher die detailgetreue Darstellung des Flugzeugabsturzes, wie die einzelnen Personen getötet wurden und dergleichen!! Also mir war es ein guter Zeitvertreib im Urlaub, in dem ich sonst immer Patrick Robinson(da ist dieses Jahr leider kein neuer Roman rausgekommen) gelesen habe!!

04.05.2014 10:58:25
Oldman

Zunächst einmal muß ich bekennen, daß Winslow einer meiner 3 Lieblings-Genreautoren ist. Wer einen epochalen Roman wie " Tage der Toten " geschrieben hat kann nicht ganz schlecht sein. Die Kritik mancher Leser und fast aller bezahlten Rezensenten kann ich allerdings teilweise verstehen. Die unendlichen Waffenbeschreibungen und die ewigen Abkürzungen sind echt nervtötend. Die Story selbst ist recht simpel und wird wie üblich mit Tempo und Spannung erzählt. Es besteht ja auch kein Zweifel daran, daß Winslow einfach gut schreiben kann. Hier ist allerdings eine nicht genug ironisierte Heroisierung des Militärischen entstanden, die seinem sonstigen Niveau nicht entspricht. Aber ganz ehrlich, welcher Krimi-Fan träumt bei seiner Lektüre nicht auch einmal davon, die " Bösen " ganz beiläufig vernichten zu können. Den Autor deshalb in die Richtung des Rechtsradikalen zu verweisen halte ich für maßlos übertrieben, hier möchte wohl der eine oder andere Rezensent seine politische Korrektheit nach vorne bringen.
Dennoch, für mich als Winslow-Fan muß ich gestehen, daß dieses Buch - und ich habe alle von ihm gelesen - mit Abstand sein schwächstes ist. Okay, er wirft auch sonst in seinen Texten nicht mit Wattebäuschen, aber seine Ironie ist hier völlig abwesend, und der unterschwellige Militarismus und die Verliebtheit in Waffensysteme sind mir unangenehm. Ich gehe davon aus, daß die Filmrechte schon verkauft sind, den Film werde ich mir aber dann sicher nicht ansehen. Das nächste Winslow-Buch dagegen werde ich mit Sicherheit lesen. Das kann eigentlich nur wieder besser werden.

29.03.2014 18:17:50
BenGruen

Plot: Naja, vielleicht ein bißchen simpel. Kurzbeschreibung: Beste Söldnertruppe der Welt gegen Terrorgruppe, deren Anführer mehr an Geld als an Ideologie interessiert ist. Und wenn sich Don Winslow diesem Thema zuwendet, sollte man nicht erwarten, daß beschrieben wird, mit welcher Präzision diese Söldner Gänseblümchen pflücken oder wie ihre Teamarbeit beim Quietscheentchen aufblasen funktioniert. Es werden ihre Waffen, ihre Vorgehensweise, ihr militärisches Konzept in atemberaubenden Tempo, in konzentriertem, detailiertem Winslow Stil beschrieben. Fantastisch.
Für was wurden eigentlich die negativen Kritiken geschrieben? Für eine Schülerzeitung? Für einen Deutsch Aufsatz zu dem Thema: Ist dieses Buch politisch korrekt?
Im Übrigen: Aktueller gehts ja wohl kaum nach dem Verschwinden eines Flugzeuges mit mindestens zwei Passagieren mit falschen Pässen. Wertung: 88 Punkte.

20.03.2014 10:44:51
Thomas

Lieber Jochen König, Ihre Besprechung des Buches hat mir deutlich besser gefallen als das Buch selbst. Ich habe es mit zunehmenden Unwillen gelesen, eigentlich immer fassungsloser. Für den Schinken sprach (natürlich) der Name des Autors, aber auch der des Verlages (Suhrkamp). Wobei das Cover nicht auf Suhrkamp tippen lässt, sondern eher auf Bastei-Lübbe. Aber dann entfaltet sich ein Kriegsdrama, das immer faschistischer wurde. So ein menschenverachtendes Hinmetzeln von "Untermenschen" habe ich noch nicht gelsen, will ich auch nicht mehr lesen. Winslow ist für mich mausetot - als Autor.

19.03.2014 20:02:13
Stephan

Ich habe das Buch in anderthalb Tagen gelesen, was wieder für Don Winslows Tempo und Schreibstil spricht. Dass sein Buch hier so zerrissen wird, kann ich nicht verstehen. Es geht um einen Ex-Soldaten, der Vergeltung will und deshalb eine Söldnertruppe akquiriert... dass es ordentlich rummsen wird auf den folgenden Seiten ist doch nur eine logische Konsequenz, da bedarf es keiner Kristallkugel, um den Verlauf voraus zu sagen. Wenn man nichts über Waffensysteme und adrenalinschwangere Machotypen lesen will, dann kein Buch kaufen, auf dessen Buchrücken der Verweis auf eine solche Geschichte gedruckt ist. Sorry, ich mein's nicht persönlich. Klar ist das Buch nicht so "deep" wie Tage der Toten, auch nicht so witzig wie die Daniels-Reihe, aber die Recherche hinsichtlich der Waffensysteme und der Kriegsführung ist doch wieder sehr gelungen. Mir hat's Spaß gemacht, ein schneller Winslow für zwischendurch.

14.03.2014 09:56:26
FrickFlickUndFlack

Winslow macht doch nur, was er in den vorhergehenden Romanen auch gemacht hat. Er schreibt cool aus der Sicht sich für cool haltender Figuren. Wo es sich um menschenverachtende brutale Mitglieder eines Drogenkartells handelt, liest sich das ganze zynisch und super, aber sind es Soldaten, wird es faschistoid?

13.03.2014 09:59:08
unwichtig

Mir hat "Vergeltung" sehr gut gefallen, obwohl ich die negativen Bewertungen sehr gut verstehen kann.

Für mich als Ex-Soldat und mit immer noch vorhandenem Soldatenherz war dieser Roman äusserst interessant, weil er sehr gut recherchiert ist.
Spezialkommandos, Waffen und deren Eigenheiten, militärische Abkürzungen, Aufklärung und Gegenaufklärung, Soldatenehre und -Gewissen - wem das zusagt, der wird Gefallen an "Vergeltung" finden.

Winslow hat einen astreinen "Soldaten-Thriller" geschrieben, der wohl in seiner Heimat sehr viel besser ankommt, als in unserem Land [Dafür müsste er in den USA überhaupt erst einmal veröffentlicht werden ;-) jkö.]

26.02.2014 14:53:11
Philipp

Oh mann...recht flüssig lesen lässt dich der neue Roman auf jeden Fall. Der Schreibstil von Don Winslow bleibt einfach knackig und lesbar. Doch rettet das dieses Werk? Nein. Falls ich ein faschistoider Waffenfetischist mit Testesteronmangel wäre würde ich just mit dem Zuklappen dieses Buches eine Don Winslow Statue errichten. Bin ich aber nicht.

24.02.2014 10:18:14
Dr. Henner Löffler

Nach 'Tage der Toten' hatte ich mehr erwartet. Nicht einen schlecht geschriebenen Schundroman, bei dem 10% schon für die deutsche Erklärung englischer Fachausdrücke für Waffensysteme und Waffenwirkungen draufgehen. Will DW Fleißkärtchen sammeln. Dann das Aufblähen der Seiten durch reihenweise Zeilen mit ein, max. zwei Worten. Beispiel:
"Er öffnet einen röhrenförmigen Behälter, nimmt die Einzelteile seines AWSM-.338 Lapua Magnum - Scharfschützengewehrs heraus und setzt es zusammen. Das letzte Stück ist eine Military MK II Zielfernrohr mit BDC - Bullet Drop Compensator - und Cousine Indicator.
Es gibt viele Höhepunkte an Stilblüten, nehmen wir mal eine raus:
"Die Chicken Plattes allein machen dreißig Pfund aus, die ich nicht brauchen kann", hatte Rolf argumentiert.
"Das sehe ich genauso", hatte ihm Allesandro beigepflichtet.
Noch Fragen?
Henner L
Köln

19.02.2014 19:44:52
Susanne H.

Mehr als enttäuscht sitze ich hier nach dem gerade eben zu Ende gelesenen Billigroman von Winslow, dem ich bisher auf allen seinen Wegen gefolgt war. Aber " Vergeltung" ist so triefend im Schwarzweissdenken verhaftet,so voller Waffendetails, die mich als Leser überhaupt nicht interessieren und auch nicht wichtig sind für den Handlungsstrang, dass man nicht von einem Buch, sondern eher einem Landserheftchen sprechen sollt. Na ja, die 14€ haben sich nur dafür gelohnt, dass ich erst mal Winslow- resistent bin.

18.02.2014 16:48:14
subechto

»Because the night belongs to killers. Because the night belongs to us.« Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin ein großer Fan von Don Winslow, denn seine Sprache ist immer cool und knackig. "Vergeltung" stand daher schon lange auf meiner Wunschliste.

Ort der Handlung ist diesmal nicht Südkalifornien, sondern die weite Welt: New York und Barcelona, Hamburg und München sowie Kenia und Indonesien. Erzählt wird die Geschichte von Dave Collins, einem ehemaligen Elite-Soldaten, der für sein Land mehrfach im Irak und anderen Krisenherden im Einsatz war und nun, nach seiner Rückkehr, unter PTBS leidet.

Die Weihnachtsfeiertage will Dave mit seiner Familie bei den Schwiegereltern in Montana verbringen. Der Klappentext verspricht einen harten Thriller: Bei einem Terroranschlag auf das Flugzeug nach Chicago sterben seine Frau und sein Sohn. Doch die Regierung stellt den Absturz als Unfall dar, um nicht erneut gegen den Terror in den Krieg ziehen zu müssen.

Dave will sich damit nicht abfinden und stellt daher einen Söldnertrupp zusammen, um den Tod seiner Familie zu rächen...

"Vergeltung" ist ein typischer, US-amerikanischer Actionthriller mit hohem Tempo und filmreifen Stunts. Für meinen Geschmack gibt es allerdings von allem ein bisschen zu viel: Gewalt und Pathos, Waffen und Testosteron. Rache und Lynchjustiz wären m.E. in dieser Form in Europa undenkbar!

Trotzdem ist "Vergeltung" für mich mehr als ein persönlicher Rachefeldzug und ein simpler Hau-drauf-Roman, denn Winslows Ausgangsfrage: Was wäre, wenn eine Regierung solch einen Anschlag vertuschen würde? finde ich äußerst erschreckend!

18.02.2014 14:39:21
Heinz Specker

Nachdem ich so ziemlich alles, was von ihm auf Deutsch erschienen ist, gelesen habe, nahm ich mir "Vergeltung" vor. Winslow hat durchaus gute Bücher geschrieben, etwa "Frankie Machine" oder die beiden bisherigen aus der Davie Boone-Reihe. "Vergeltung" ist für mich nichts anderes, als mentale Pornografie: pubertierende Allmachtsträume eines waffenverliebten Herrenmenschen weisser Rasse. Hier einen "hochpolitischen Inhalt" zu finden, ist schlicht und einfach dumm. Wo denn? Etwa im hymnischen pathetischen Schluss, als die übrig gebliebenen Killerdeltaops, die im Buch dauernd als die "besten der Besten" (Winslow verwechselt das Wort wohl mit "Bestie") ihre toten Kameraden retten? Nachdem sie nur so nebenbei ein paar Dutzend "Tangos" ohne Gerichtsverhandlung massakriert haben. Das Buch liest sich auch wie eine Offerte eines Waffenhändlers. Die Sprache, der Stil und auch die Übersetzung ist schludrig, niveaulos. Die Personen haben kein Gesicht, keinen Tiefgang, es sei denn, man verwechselt Hass mit Charakter.
Ich wünschte mir, Winslow hätte etwas mehr Hirn, vielleicht etwas von dem, welches er hier praktisch auf jeder zweiten Seite hier von den Untermenschen verspritzt.
Das Buch ist ganz daraufhin designt, von schreiben will ich hier nicht sprechen, verfilmt zu werden. Das ist es ja, was das grosse Geld bringt.
Man kann nur hoffen, dass die Lektoren seines nächsten Thrillers ihren Job auch wirklich tun! Für mich heisst das: keinen Winslow mehr In den nächsten 5 Jahren.

11.02.2014 16:01:02
mo

"Nur ein toter Mudschahedin ist ein guter"
Hätte nicht gedacht, dass es Dan Winslow nötig hätte sich solcher Klischees zu bedienen. Die GUTEN: die superausgebildete, hammerharte, amerikanische Söldnertruppe und die SCHLECHTEN: perfide, islamische Terroristen, die Frauen und Kinder töten. Jede Menge Beschreibungen der modernsten Waffen- und Kampftechnik. Gähn!! Stellenweise wollte ich das Buch gar nicht zu Ende lesen, es strotzte nur so vor falschem Pathos. Auch mir tut es um das Geld leid, das ich dafür ausgegeben habe! Wie kann "Tage der Toten" und dieser Schmarn von ein und demselben Autor sein?

05.02.2014 17:44:34
KlausChrist

Die Zusammenfassung "In Kürze" beschreibt die Story korrekt. Mehr gibt sie nicht her.
Schade, dass ich dieses Buch gekauft habe: Bodenloser, bluttriefender Söldner-Kitsch, Tom Clancy ist dagegen harmlos. Dieser Schmöker hat meine Intelligenz beleidigt, ich bin ECHT SAUER! Ein Landser-Heftchen habe ich noch nie gelesen (werde das auch nicht tun), aber ungefähr so stelle ich mir das vor. Die 15 Euronen hätte ich besser für eine gute Kiste Bier ausgegeben.
Doppelt Schade, dass der Autor dieses Machwerks Don Winslow ist: Der Mann hat immerhin "Tage der Toten", "Frankie Machine" usw. verfasst. Und jetzt sowas! Unglaublich!!!

03.02.2014 19:37:56
Hiro

Da habe ich mich so auf den neuen Roman von Don Winslow gefreut und wurde am Ende doch ein wenig enttäuscht. Zwar kann die Story durchaus unterhalten und ist mitunter auch spannend geschrieben, schlussendlich wirkte das Buch auf mich aber am Ende eher wie Werbeprospekt der Waffenindustrie, das von Tom Clancy geschrieben wurde. Leider kein Vergleich zu den vorhergehenden Werken, inbesondere Tage der Toten und Zeit des Zorns.

03.02.2014 17:57:40
Marius

Ein Mann sieht rot

Dave Collins hat alles verloren, das ihm je etwas bedeutet hat: Seine Frau und sein Sohn kamen bei einem Flugzeugunfall ums Leben. Doch plötzlich ändert sich alles, als er erfährt, dass der Tod seiner Familie durch einen Terroranschlag verursacht wurde.
Kurzerhand stellt Collins eine eigene Söldnertruppe zusammen um den Drahtziehern des Terroranschlags das Handwerk zu legen. Nun kommt sie – die Zeit der Vergeltung.

Vergeltung ist ein Rachethriller alter Schule. Ein Mann nimmt es mit den gefährlichsten Terroristen überhaupt auf und zieht solange gegen sie zu Felde, bis sie vernichtet sind. Das mag jetzt nicht sonderlich komplex oder tiefschürfend sein, in den bewährten Händen von Don Winslow wird aus diesem Thema dennoch ein weitestgehend packender Roman, der nicht lange fackelt.

Kaum wurde Dave Collins aus seiner Lethargie nach dem Tod seiner Familie gerissen, geht es gleich hochtourig zur Sache.
Zwar verliert sich Winslow manchmal in allzu akribischen Schilderungen des Waffenarsenals seiner Söldnertruppe, dennoch begeht er nie den Fehler wie beispielsweise Tom Clancy, seine Leser mit seitenlangen Exkursen über bestimmtes Equipment, das wie aus der Gebrauchsanleitung abgeschrieben klingt, zu langweilen. Er begleitet die Söldner auf Schritt und Tritt und zeigt, wie eine internationale Söldnertruppe jagt. Zugleich bekommt man eine Vorstellung davon, wie wohl die Ermordung Osama Bin Ladens im Jahr 2011 in Pakistan abgelaufen sein muss.

Winslow zeichnet zugleich ein ungeschöntes Bild vom Krieg des neuen Jahrtausends. Die Schlachten werden künftig an den Computern gewonnen und gelernt, nicht mehr das Können auf dem Schlachtfeld entscheidet über Sieg und Niederlage sondern die technische Ausrüstung.

All diese Reflexionen und die schriftstellerische Klasse heben „Vergeltung“ hoch über das Gros der modernen Techno- und Rachethriller und zeigen erneut die literarische Vielfalt, die Don Winslow beherrscht!

01.02.2014 00:14:58
Werner

Ich lese ja alles von Winslow und finde das meiste auch extrem gut - Vergeltung dagegen war eine grosse Enttäuschung. Eine zutiefst rektionäre "Hilf Dir selbst" - Grundhaltung, einige wirklich schlampige Fluchtstories, immer wieder langatmige Erklärungen von Waffen. Im Grunde ist das ein verkappter Kriegsroman mit der simplen Botschaft "Wir sind die Guten". Mich erinnerte das in seiner Mechanik stark an Lee Child. Schreiben die beiden eigentlich auch Werbetexte für die Waffenindustrie? Ich würde mich nicht wundern.
Selten so einen wenig raffinierten, ärgerlichen Roman von Don Winslow gelesen - dagegen ist sein "Satori" hohe Belletristik. Und den hielt ich bislang für seinen schwächsten Roman.

14.10.2013 16:27:40
Johann

Da der Roman noch nicht erschienen ist, habe ich erstmal eine andere Anmerkung/Beobachtung.Die deutsche Ausgabe erscheint vor der englischen Originalausgabe. Das war auch schon so bei Carsten Strouds "Niceville".Das kann einem gefallen oder nicht. Lustig ist es schon - genauso wie es natürlich lustig ist, das Winslow das Thema mit dem Roman ziemlich abrupt wechselt. Aber dazu kann man dann wirklich erst mehr sagen, wenn der Roman vorliegt.