Die amerikanische Nacht

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Wolfram Koch, Bemerkung: gekürzt

Couch-Wertung:

88°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:80
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jürgen Priester
Zwischen Illusion und Wirklichkeit

Buch-Rezension von Jürgen Priester Jun 2013

Der Name Marisha Pessl wird vermutlich den wenigsten Krimilesern etwas sagen. Die junge US-amerikanische Autorin debütierte 2006 mit dem Roman "Special Topics in Calamity Physics", bei uns Die alltägliche Physik des Unglücks (Fischer, 2007). Während der Roman in den USA sowohl von den Lesern als auch von den Kritikern recht positiv aufgenommen wurde, zeigte sich das deutsche Feuilleton eher skeptisch. Auch die deutsche Leserschaft war zwiegespalten. Dennoch verkaufte sich der Roman im deutschsprachigen Raum gut und konnte vordere Plätze in einigen Buch-Charts erklimmen. Je erfolgreicher sich ein Debüt verkauft, desto größer wird der Erwartungsdruck auf den Autor oder die Autorin, einen adäquaten Nachfolger zu präsentieren. Nicht wenige sind einem solchen Druck nicht gewachsen (Second-Novel-Syndrom). Zeitnot und Anspannung können zu einem für alle Seiten unbefriedigenden Ergebnis führen. Es mag auch ihrer ausgezeichneten pekuniären Lage geschuldet sein, dass Marisha Pessl sich sehr viel Zeit (7 Jahre) für ihren zweiten Roman nehmen konnte und auch genommen hat. Mit Die amerikanische Nacht (Original: Night Film) legt die Autorin ein ausgereiftes, vielschichtiges Werk vor, das viele Genres in sich vereint.

Den Rezensenten lag diesmal frühzeitig (Mitte Juli) ein, wenn auch noch unvollendetes, Leseexemplar vor, und der Bitte des Verlages, keine Rezensionen vor dem Release des Buches (12.09.2013) zu veröffentlichen, wurde weitgehend entsprochen. So beschäftigten sich einige Artikel im Vorfeld denn auch mehr mit der Person Marisha Pessl, und der Tenor, der aus allen biographischen Betrachtungen herauszulesen ist, lautet: zu jung, zu schön, zu reich, zu gebildet. Jüngst war im "Hamburger Abendblatt" die Zusammenfassung eines Interviews zu lesen, das die Journalistin Jenny Hoch mit der Autorin führte. Neben einer Bestätigung der gerade genannten Attribute und einem kurzen Einblick in den Roman spricht Hoch die Autorin auf augenscheinliche Übereinstimmungen ihres Werks mit dem Roman Schattenlichter von Theodore Roszak aus dem Jahre 1991 an. "Gosh, nein! Noch nie davon gehört." - antwortet Pessl errötend. Die Journalistin denkt sich ihren Teil.

Ob nun eigenständig mit zufälligen Parallelen oder doch aus fremden Quellen inspiriert, wird zu eruieren sein und diskutiert werden. Der Rezensent hat Schattenlichter bestellt und wird beizeiten in einem Nachtrag von seiner Einschätzung berichten.

"Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen", ist eine beliebte Floskel mit der Leser ihre Begeisterung für einen Roman, Krimi oder Thriller ausdrücken. Es sind meist jüngere Leser, die von diesem Phänomen berichten. Dem Rezensenten passiert es eher selten, dass er von einem Buch so sehr in den Bann gezogen wird, dass er die Zeit vergisst. Die amerikanische Nacht hat das geschafft. Ohne die Autorin zu kennen und ohne eine Ahnung, was ihn in diesem Roman erwartet, nur erstmal neugierig geworden durch die reichen Illustrationen im Text, verfing er sich schnell in dem feinen Gespinst der faszinierenden Handlung. Die Melange aus Thriller mit Mystery-Touch und Gesellschaftsroman entpuppte sich als "Ganz großes Kino". Ein Begriff, der für einen Roman über das geheime Leben eines Filmemachers treffender nicht sein kann.

Scott McGarth ist investigativer Journalist und erfolgreicher Buchautor. Er lebt im West Village auf Manhattan und hat eine Obsession mit Namen Stanislas Cordova. Vor fünf Jahren ließ McGarth sich in einer Fernsehsendung zu einer unbedachten Äußerung über den berühmten skandalumwitterten Regisseur und Drehbuchautor hinreißen, die ihn seine Karriere und Ehe kostete. Cordovas Verleumdungs- und Unterlassungsklagen waren erfolgreich und beendeten vorerst McGarth` umfangreiche Recherchen über den Mann, der aufgrund seiner ambitionierten Filme in gewissen Kreisen zur Kultfigur aufgestiegen war.

Als McGarth nun vom Freitod von Cordovas Tochter Ashley hört, ist nicht nur sein journalistisches Interesse geweckt, sondern alte verdrängte Rachegedanken keimen wieder auf. Er nutzt seine Kontakte zur New Yorker Polizei, um Genaueres über Ashleys Tod zu erfahren. Bei einer nächtlichen Stippvisite am Tatort in einer baufälligen Lagerhalle in Chinatown trifft McGarth den jungen Drogenfreak Hopper, der, wie er später erzählt, Ashley schon länger kannte. Die beiden freunden sich an, soweit Freundschaft mit dem unsteten Hopper überhaupt möglich ist. Zu ihnen gesellt sich Nora Halliday, die Person, die Ashley wohl als Letzte lebend gesehen hat, nämlich in dem Restaurant, in dem Nora am Empfang arbeitete. Zu dritt versuchen sie, Ashleys letzte Wege in New York zu rekonstruieren.

Die Suche der drei ist nicht nur die übliche Schnitzeljagd, die von Hinweis zu Hinweis führt, sondern auch ein Abschreiten der Stationen von Ashleys Leidensweg und eine Tour durch ein New York abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Düstere Straßenschluchten und Plätze mit obskuren Läden und Lokalitäten, in denen schräge Typen ihren diversen Geschäften nachgehen.

Last not least ist es auch eine Reise in die Vergangenheit, die zum vermuteten Ursprung alles Bösen führt, zum Filmemacher Stanislas Cordova, dem Schöpfer der (Alb)träume.

Wie eingangs kurz angesprochen, ist Die amerikanische Nacht nicht nur ein überaus spannender Thriller, sondern auch ein Roman über Vater-Tochter-Beziehungen, über Filmkunst, über Magie, auch schwarze, und Rituale, über Grenzerfahrungen des Lebens. Pessl schickt ihren Helden und damit auch den Leser auf eine Bühne, deren Kulissen aus Realität und Illusion bestehen, die sich schemenhaft vermischen. Auf dem Höhepunkt der Handlung ist es ihr gelungen, den Rezensenten fast wahnsinnig zu machen. Wer wissen will, wie letzte Bemerkung zu verstehen ist, der lese selbst. Es lohnt sich!

Die amerikanische Nacht ist ein großer Roman einer jungen hoffnungsvollen Autorin, die ihren Weg machen wird, wenn sie weiter in Ruhe und mit Sorgfalt arbeitet.

Zum Inhalt des Romans passt gut ein bekannter Spruch aus Shakespeares "Hamlet":

 

"Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden,
als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio."

 

Die amerikanische Nacht

Die amerikanische Nacht

Deine Meinung zu »Die amerikanische Nacht«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
30.05.2014 10:19:54
tassieteufel

Ashley Cordova, Tochter des berühmt berüchtigten Regisseurs Stanislas Cordova ist tot, gerade mal 24 Jahre wurde die junge Frau, die in einer verlassenen Lagerhalle in Manhatten in den Tod stürzte. Selbstmord, Unfall oder doch Mord? Dieser Frage geht der investigative Journalist Scott McGrath nach und gerät bei der Suche nach der Wahrheit in einen Strudel aus bizarren und absonderlichen Ereignissen. Bereits vor 5 Jahren versuchte er über den umstrittenen Regisseur zu recherchieren und ließ sich dabei in einer TV Sendung zu einer unbedachten Äußerung hinreißen, die ihn nicht nur einen Großteil seines Vermögens, sondern auch seine Karriere und seine Ehe kostete.

„Die amerikanische Nacht“ war für mich eins dieser Bücher, die man nur schwer aus der Hand legen kann, hat man einmal angefangen zu lesen. Sicher eine Aussage, die bei vielen Augenrollen erzeugt, aber in diesem Fall war es wirklich so. Scott McGrath’s Suche nach der Wahrheit grenzt fast schon an eine Obsession, der Journalist ist regelrecht besessen davon, seinen Verdacht, Cordova könne auf seinem abgeschotteten Grundstück unlautere Dinge treiben, zu beweisen. Doch immer wenn er glaubt, ein Puzzlestück gefunden zu haben, erhält er Hinweise, die alles wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Zeitungsartikel, Notizen, Auszüge aus Webseiten, Seiten aus Cordova Fanforen und eine Reihe von Fotos sind in Abständen in das Buch eingefügt und verleihen der Geschichte Authentizität und Realitätsnähe.
Obwohl nicht so viel passiert und viele Geschehnisse von verschiedenen Seiten aus beleuchtet werden, bleibt die Faszination für die Geschichte durchweg erhalten. Wie Scott McGrath fragt man sich unablässig, welches (düstere) Geheimnis sich wohl hinter der Figur des Stanislas Cordova verbirgt. Immer wenn man glaubt, nun endlich zu wissen, was mit Ashley passierte und was Cordova auf seinem Grundstück so treibt, gibt es eine neue Wendung und man steht wieder völlig unwissend da.
Wahn oder Wirklichkeit? Ist Cordova mit dem Teufel im Bunde oder gar das Böse selbst? Nichts ist wie es scheint und wenn man fast schon überzeugt ist, dass Cordova tatsächlich mit dem Teufel im Bunde und McGrath tatsächlich verflucht ist, bekommt man eine verblüffend logische und realistische Auflösung geboten, die man einerseits überhaupt nicht erwartet hat und die andererseits auch so viel Raum für eigene Spekulationen offen läßt, dass man nach Ende des Buches noch lange darüber nachgrübeln kann.
Die Figurenzeichnung ist der Autorin ausnehmend gut gelungen. Die Hauptfigur Scott McGrath wurde sehr facettenreich und realistisch geschildert, er macht im Lauf des Buches eine glaubwürdige Entwicklung durch die er dem Leser sympathisch wird und ans Herz wächst. Ihm zur Seite stehen Nora und Hopper, die er gleich am Anfang seiner Recherchen kennenlernt und die sich dem Journalisten zunächst förmlich aufdrängen, um bei den Nachforschungen dabei zu sein. Auch diese beiden wurden sehr liebevoll gezeichnet und wie die 3 im Laufe der Zeit zu einem richtigen Tema zusammenwachsen und Freunde werden, wurde sehr authentisch beschrieben. Auch bei der Figur des Stanislas Cordova ist der Autorin die richtige Mischung gelungen, der Mann bleibt mysteriös, unfassbar und rätselhaft, er geistert förmlich durch die Seiten und bleibt doch stets präsent, man möchte unbedingt mehr über ihn wissen und muß am Ende doch akzeptieren, dass eben vieles im Dunklen bleibt. So wird auch das Ende nicht jedermanns Sache sein, denn auch wenn man eine plausible Lösung geboten bekommt, bleibt der Schluß doch offen und bewirkt beim Leser reichlich Spekulationen. Insgesamt für mich eine fesselnde und spannende Lektüre, die intelligent konstruiert wurde, durch eine Wahnsinnsatmosphäre überzeugt und die ich restlos empfehlen kann!

FaziT: „Die amerikanische Nacht“ ist eines jener Bücher, die einen auch noch nach dem Auslesen nachhaltig beschäftigen und zum Nachdenken anregen. Sicher nicht jedermanns Sache aber ich fand diese aberwitzige Schnitzeljagd zwischen Realität und Illusion, Wahn oder Wirklichkeit mehr als fesselnd und abseits herkömmlicher Pfade mal etwas ganz anderes.

16.12.2013 18:46:26
Torsten

Als erstes muss man die Gestaltung und Ausstattung des Buches loeben: Marisha Pessl hat geradezu akribisch einen fiktiven Regisseur erdacht, samt kompletter Filmographie etc. Dazu kommen ins Buch eingestreute Zeitungsausschnitte, Screenshots von Webseiten, Notizen, Bilder und anderes, was den dokumentarischen Charakter der Geschichte betonen soll.
Auf der deutschen Webseite des Verlages gibt es ein kleines interaktives Spielchen bei dem man einige kleine Videoclips zu Schauplätzen sehen kann und eine Spielerei mit Filmplakaten.
Interessanter aber ist die App auf die in der Originalfassung hingewiesen wird: Mit der kann man Abbildungen im Buch scannen und bekommt dann zusätzliche Audiofiles als Hintergrund - z.B. Ashleys Klavierkonzert, ein Statement der Ärztin aus Briarwood usw.
Die Handlung selbst veräuft zunächst als klassische Schnitzeljagd auf den Spuren der letzten Tage von Ashley - von Hinweis zu Hinweis verfolgt das Trio Scott, Nora und Hopper Ashleys Weg.
Die Episode die dann später im Anwesen der Cordovas spielt, besteht nicht aus den sonst üblichen Kapiteln und ist auch durch eine schwarze Seite an Anfang und Ende abgetrennt - ein erster Hinweis auf die "Aussergewöhnlichkeit" des Erlebten.
Das Ende wiederum wird ja nicht nur im KC-Forum heftig kritisiert - und mir hat es auch nicht gerade gefallen. Nicht nur, weil mir Enden mit offenen Fragen generell nicht so gefallen, ich fand es eigentlich auch unlogisch und dem sehr langen vorausgegangenen Weg unangemessen.
Völlig unabhängig von der möglichen Frage ob nun etwas magisches oder irreales im Spiel war oder nicht - das Gespräch was Scott (zunächst) alle offenen Fragen erklärt, hätte eigentlich auch wesentlich früher stattfinden können und hätte damit jede Menge Intrigen, Vertuschungen usw. überflüssig gemacht.
Genauso wie die Hinweise die zur allerletzten Reise führten etwas plötzlich entschlüsselt wurden.
Nichtsdestotrotz hat sich insgesamt recht interessant weggelesen - und ob gewisse Unsicherheiten was das Ende und einiges Erlebte anbetrifft nun eine Stärke oder eine Schwäche des Buches sind, kommt ganz einfach auf die Vorlieben der LeserInnen an.

09.11.2013 13:08:28
Marius

Gefangen im Dunkel der Nacht

Zugegeben – vor diesem phantastischen Roman war mir der Begriff Marisha Pessl noch nicht untergekommen. Nach der Lektüre dieses Romans hat sich der Name der jungen Autorin aber nachhaltig in mein Gedächtnis eingeprägt.
Mit „Die amerikanische Nacht“ ist ihr ein vielschichtiger, spannender und unheimlicher Roman gelungen, der den Leser erst nach über 780 Seiten freigibt und ihn stellenweise an seinem eigenen Verstand zweifeln lässt. Geschickt vermengt die Autorin fiktionale Dokumente, die sie in den Text einbaut, mit einer Handlung, die sich liest, als hätten sich Hitchcock, Luis Bunuel, Jorge Luis Borges und E.T.A. Hoffmann zusammengetan, um Pessls Ich-Erzähler, den Reporter Scott McGrath, in den Wahnsinn zu treiben.
Dieser war einst ein gefeierter Reporter mit einem legendären Gespür, ehe er über einen Bericht über den legendären Filmemacher Stanislas Cordova stolperte und nach einem Prozess seine Reputation verlor. Offenbar wurde er damals auf eine falsche Fährte gelockt, damit er nicht weiter im Umfeld des geheimnisumwitterten Starregisseurs schnüffeln konnte.
Doch als Cordovas junge Tochter Ashley tot im Aufzugsschacht eines verlassenen Gebäudes gefunden wird, erwacht der Spürsinn des Reporters erneut. Diesmal will er sich nicht von seinen Nachforschungen über Ashley und ihren berühmten Vater abbringen lassen und beginnt den Spuren des Cordova-Clans nachzuspüren. Doch McGraths Suche wird zu einem Trip, bei dem die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen und an deren Ende nicht nur McGrath an seinem Verstand zweifeln wird.

Selten hat mich in letzter Zeit ein Buch so in seinen Bann gezogen und förmlich in die Geschichte hineinstürzen lassen. Wer einen simplen Krimi erwartet, in dem der Tod der jungen Tochter Cordovas aufgeklärt wird, sieht sich schon bald heillos überfordert. Blogeinträge, erfundene Filme, diverse Metaebenen und noch viel mehr mixt Marisha Pessl zu einem Cocktail in den düstersten Farben. Wie der Titel des Originals „Night Films“ bereits suggeriert, widmet sich der Roman mit Vorliebe dem düsteren Schaffen des legendären (und sehr überzeugend erfundenen) Stanislas Cordova und schafft es, ein wild wucherndes Referenzgeflecht zu kreieren, in dem man sich heillos verfangen kann. Was stimmt nun, was ist Einbildung?
Für mich liegt genau darin die große Stärke des Romans, da man am Ende nicht definitiv sagen kann, was nun erträumt und was real gewesen ist. Pessl zieht den Leser in einen Strudel des Ungewissen, der zumindest mich auch noch über das Ende der Lektüre hinaus beschäftigte.

Auf jeden Fall eines der stärksten, faszinierendsten und dunkelsten Bücher dieses Jahres – wenn nicht das Beste 2013!

08.10.2013 17:25:17
Barbarella

Nachdem mir das erste Buch von M. Pessl schon gut gefallen hat, war die Lektüre des zweiten ein echtes Abenteuer:
„Die amerikanische Nacht“ zu lesen war wirklich umwerfend großartig, trotz echter Beklemmungen, reichlich Schlafstörungen und heftigen Albträumen – der helle Wahnsinn …
Wer seine Nerven prüfen möchte: hier sind Spannung und Grauen garantiert!!