Die verlorene Bibliothek

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: Panmacmillan, 2012, Titel: 'The lost library', Seiten: 400, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2013, Seiten: 443, Übersetzt: Rainer Schumacher

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Wolfgang Weninger
Passabler Spaß für Verschwörungstheoretiker

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jun 2013

Nachdem mittlerweile die Bundeslade und sämtliche Sakrilege, der Heilige Gral und jedwedes geheimnisvolle Schmuckstück, Buch und Mineral literarisch mehr oder weniger gelungen zu einer Schnitzeljagd geführt haben, musste sich der Antiquitätenhändler A. M. Dean ein anderes, bis heute nicht vollständig geklärtes Mysterium als Grundstoff für seinen schriftstellerischen Erstling suchen und hat es in der alten Bibliothek von Alexandria gefunden, die irgendwann zwischen 3. und 7. Jahrhundert nach Christi Geburt wahrscheinlich zerstört wurde. Der Autor hat dazu allerdings einen neuen Ansatz gefunden, dass diese Bibliothek im Geheimen noch immer existiert und hat das im Bastei Lübbe Verlag erschienene über 400 Seiten kräftige Buch Die verlorene Bibliothek genannt und Rainer Schumacher hat es aus dem Englischen übersetzt.

Der Leser lernt gleich zu Beginn den Arno Holmstrand kennen, seines Zeichens Chefhistoriker an einem College in Minnesota. Arno Holmstrand bewerkstelligt gleich auf der ersten Textseite ein kleines Wunder, den er reißt mit einer Kugel in der Lunge mitten aus einem Buch drei Seiten heraus, was vielleicht der Übersetzer verbrochen hat, aber im Endeffekt jedem ordentlichen Lektor hätte auffallen müssen. Und dieser Faux Pas zieht sich durch das gesamte Buch. Denn Holmstrand ist der letzte Bibliothekar der Verlorenen Bibliothek und ihr Bewahrer, der nun das Geheimnis mit in sein Grab nimmt, denn er fängt sich noch zwei Kugeln ein, die von einem Killer einer Geheimgesellschaft auf ihn abgeschossen wurden.

Diese geheime Organisation, der "Rat" ist nicht nur hinter der Bibliothek her, sie versucht auch einen Staatsstreich in Amerika zu lancieren, der den Präsidenten stürzen soll und den Vizepräsidenten mit all seinen "Freunden" an die Macht bringen soll.

Aber keiner hat die Rechnung ohne die junge Historikerin Emily Wess gemacht, die zwar von nichts eine Ahnung hat, aber vom verstorbenen Homstrand unerklärliche Botschaften erhielt, die sie nun eine nach der anderen entschlüsseln muss. Und ihr Weg führt sie über Oxford, Alexandria, Istanbul usw. während sie immer tiefer in die Materie eindringt, ständig verfolgt von den "Freunden".

Die Grundidee, sich des Themas um die alte Bibliothek von Alexandria anzunehmen, hat durchaus ihren Reiz. Dass der Besitz der alten Werke eine weltbewegende Machtsituation auslösen könnte, wird dann zwar reichlich fantastisch, wäre aber mit spannenden Protagonisten durchaus interessant zu bewältigen gewesen. Dass der Antiquitätenhändler aber eine farblose und völlig naive Collegevortragende zur Hauptperson seines Abenteuers gemacht hat, die zwar mit ihren Aufgaben wächst, aber dennoch nur der Kindergartenausgabe einer Miss Marple gerecht wird, trübt das Lesevergnügen deutlich.

Spannung hat der Autor genug zu bieten. Auch der Aufbau seiner Geschichte ist für so eine Story passabel bewältigt, vorausgesetzt man mag solche Geheimniskrämereien rund um Verschwörungen und historische Mutmaßungen. A. M. Dean verzichtet auch auf weitläufige Abschweifungen geschichtlicher Natur und belehrt den Leser nur im dringend notwendigen Mindestmaß, damit man der Handlung folgen kann.

Natürlich gewinnt die Gute und die Bösen haben das Nachsehen bei ihrem Bestreben um die amerikanische Präsidentschaft, alles Andere wäre eine Überraschung und vielleicht gar nicht mal so schlecht gewesen. Doch leider passiert in dem ganzen Buch nichts Unvorhergesehenes und man verfolgt nur Emily Wess, wie sie von einem Missgeschick ins nächste schlittert, wobei sie immer erst hinterher erkennt, dass es doch wieder anders ist als gedacht.

A. M. Dean hat mit Die verlorene Bibliothek eine passable Lektüre kreiert, die aber nur eingefleischten Verschwörungstheoretikern halbwegs Spaß machen wird. Ansonsten reiht sich dieser Schreibversuch in die Kategorie "wenn man gerade nichts Anderes zu lesen hat ...".

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