Wer aber vergisst, was geschah

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • London; Toronto: Bantam, 1998, Titel: 'Farewell to the flesh', Seiten: 444, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 1999, Seiten: 426, Übersetzt: Inge Leipold
  • Augsburg: Bechtermünz, 2000, Seiten: 426
  • München; Zürich: Piper, 2002, Seiten: 426

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Sabine Reiß
Pulver zu früh verschossen?

Buch-Rezension von Sabine Reiß Aug 2003

Was sozusagen als Teaser geliefert wird (auf dem Umschlag und auch im ersten Kapitel), macht den Leser neugierig. Der Friedhof des Ordens "Holy Retreat" in der Nähe von Dublin soll verlegt werden, da das Grundstück an die nebenliegende Schule verkauft wurde, die für die Sicherheit ihrer Zufahrt sorgen möchte. Das Geld soll der Renovierung des Klosters dienen. Die Umbettung verläuft allerdings nicht reibungslos, denn die Unterlagen zu den Gräbern scheinen nicht ganz korrekt zu sein: Bei der Ausgrabung der Särge taucht ein Sarg zuviel auf.

Wer jetzt meint, dass sei der Beginn der Geschichte und alles dreht sich um die Identifizierung der Leiche, ist auf dem falschen Weg. Der Höhepunkt ist quasi vorweggenommen. Vom Zeitpunkt der Exhumierung, die von der Anwältin Tess Callaway beaufsichtigt wird, geht es zunächst drei Monate zurück in die Vergangenheit. Tess lebt in Oxford und hat gerade ihren Partner verloren, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Durch die Geburt ihres gemeinsamen Kindes nach seinem Tod wurde Tess ziemlich aus der Bahn geworfen. Um sich abzulenken fährt sie nach Dublin zu einem ihrer Stiefväter, der dort Partner einer Anwaltspraxis ist, aus der er sich langsam zurückzieht. Er bittet sie um Hilfe, da einer der Partner, Terence Murphy-Dunne, im Krankenhaus ist. Dieser kümmerte sich gerade um den Verkauf des Friedhofs von Holy Retreat und Tess soll nun seinen Part übernehmen. Bei ihrem Besuch im Kloster bittet die Mutter Guardian (die Äbtissin) sie, einige Nachforschungen nach der Familie der Gründerin des Ordens, Adelaide Elderson-Stebton, durchzuführen. Wie es der Zufall will, ist die Familie der Gründerin in der Nähe von Oxford zu Hause, in dem Ort, in dem die "Fast-Schwiegereltern" von Tess leben.

Bevor der Leser Tess jedoch auf diese Reise begleitet, geht es noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit, und zwar über zwei Jahre. Jane-Edwina Stebton Hillyard, die Nachfahrin der Gründerin des Klosters ist ebenfalls einem Geheimnis auf der Spur. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester in einem Haus und es scheint, dass sie von ihrer Familie unterdrückt wird. Ihre Großmutter, deren Liebling sie war, hat ihr einen Brief hinterlassen, der ein Rätsel enthält. Nachdem sie dieses gelöst hat, hätte sie genügend Ressourcen, um ihr Leben unabhängig zu bewältigen. Und "Jeddie" macht sich ebenfalls auf nach Irland, um den alten Landsitz ihrer Familie in der Nähe von Dublin zu besuchen, der schon seit vielen Jahren das Kloster beherbergt. Sie gibt vor, ein Buch über Adelaide zu schreiben, um in Kontakt mit den Nonnen und auch Terence Murphy-Dunne zu treten, dessen Verhalten doch einige Merkwürdigkeiten aufweist. Um ihrem Leben zu entfliehen, arbeitet Jeddie zeitweise in einer Buchhandlung und betreibt einen Buchversand für antiquarische Bücher.

Tess´ Neugier wird geschürt durch geheimnisvolle Papiere, die eine der Nonnen in ein Körbchen mit Lebensmitteln gelegt hat und die sie in Verbindung mit Jeddie bringt. Doch diese ist plötzlich verschwunden und auch Terence Murphy-Dunne ist in der Angelegenheit nicht zu erreichen. Leider sind auch die Akten über den Verkauf des Grundstücks nicht vollständig und Tess hat ein ganz ungutes Gefühl. Sie will der Sache auf den Grund gehen und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann.

Die Sprache von Gemma O’Connor ist flüssig. Überflüssig und überhaupt nicht in den Kontext passend sind dagegen die an zwei Stellen im Buch ausschweifenden Beschreibungen des sexuellen Verlangens der Hauptfigur. Damit wird meiner Ansicht nach nicht die Einsamkeit und psychologische Situation von Tess unterstrichen, sondern ein wenig in Lächerliche gezogen. Die Hauptfigur Tess wird ein bißchen zu hysterisch dargestellt. Sie kommt überhaupt nicht mit ihrem Leben zurecht, das Kind schreit andauernd und sie vernachlässigt ihr Äußeres etwas. Dem Leser wird ihr Gefühlsleben durch Briefe offenbart, die sie an ihren toten Partner schreibt. Als authentisch würde ich Tess eigentlich nicht bezeichnen, dafür nimmt sie ihr Leben zu wenig in die Hand, kann sich aber auf der anderen Seite auch sehr in den Fall vertiefen. Ich kann mich einfach schlecht in sie hineinversetzen. Die anderen Figuren werden nur flach charakterisiert, man lernt sie nicht näher kennen und sie treten doch sehr in den Hintergrund.

Mit der Erzählung erfährt man einige Details über das Ordensleben und anspruchsvolle Erotika im Stile von Casanova und Boccaccio. Eine ganz interessante Thematik und eine Kombination, die nicht gerade alltäglich ist. Jedes Kapitel wartet mit einer kleinen Einleitung auf, die entweder einen Begriff aus der Jurisprudenz oder der Welt der Bücher erläutert oder einen Bibelspruch zitiert. Die Handlung hätte jedoch um einiges gestrafft werden können. Einige Passagen, insbesondere gegen Ende, sind zudem doch etwas wirr und konfus: Erstens die detaillierte Beschäftigung mit der Familie der Stebtons, in der ziemlich viele den gleichen Namen trugen (hier hätte eventuell ein kleiner Stammbaum am Ende geholfen), und zweitens die Grundstücksangelegenheit, bei der ich mir doch eine Skizze bzw. einen Lageplan gewünscht hätte.

Der Leser wird wirklich auf eine harte Probe gestellt. Er kommt nicht wie gewünscht dem Geheimnis näher, sondern er wird zunächst davon weggeführt, erhält eine Fülle von Informationen und kann sich zunächst nicht zusammenreimen, wie diese zusammenhängen. Denn ein schlüssiger Roman sollte doch am Ende alle Fäden miteinander verknüpfen.

Endlich kommen wir auf Seite 372 wieder zum Aufmacher der Geschichte zurück und der überzählige Sarg wird geöffnet. Positiv gesehen hat die Autorin eine unkonventionelle Vorgehensweise gewählt, negativ gesehen könnte man meinen, sie hat ihr Pulver schon zu früh verschossen. Hätte sie jedoch nicht den Höhepunkt an den Beginn gesetzt, wäre der Krimi wirklich schlecht. So bleibt die Spannung nicht ganz auf der Strecke und ich würde "Wer aber vergißt, was geschah" als durchschnittlichen Krimi bezeichnen, jedoch nicht als Psychothriller wie im Klappentext angepriesen.

Wer aber vergisst, was geschah

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Letzte Kommentare:
01.07.2014 22:48:12
Bettina

Am Anfang war alles etwas verwirrend, dann kam ich an einen Punkt, der doch Spannung hervorrief. Ab da konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen und war am Ende total enttäuscht.
Wen meint Sie denn, wer hat denn vergessen, was geschah? Damit komme ich nicht klar. Naja, habe das Buch auf meiner achtstündigen Reise von Mailand nach Stuttgart gelesen und hatte eh nichts Besseres zu tun...

18.02.2004 16:45:24
Anja S.

eine immer noch spannendes Buch, aber etwas kitschig und etwas vorhersehbar. Schade, ihre erstes Buch "Toedliche Luege" war sooooo klasse.

30.05.2003 11:49:38
Marc

Kein würdiger Nachfolger von Gemma O'Connors brillantem Roman "Fallende Schatten". Mit Spannung habe ich die ersten Seiten verschlungen, doch dann wird das Verbrechen (bei Grabungen auf einem Kloster wird ein Sarg zu viel entdeckt) beiseite geschoben, zu Gunsten eines (langen) Erzählstranges zurück in die Vergangenheit.

Die nächsten Kapitel warten mit menschlichen, jedoch keinen kriminellen Problemen auf: Die Protagonistin Tess, gerade Mutter geworden, versucht über den Tod ihres Lebenspartners hinweg zu kommen und Jane-Edwina Stebton Hillyard, eine Nachkommin eines alten englischen Adelsgeschlecht, ist auf der Spur eines alten Familienschatzes. Letzteres anfänglich vielversprechend, liest sich ziemlich zäh und erst auf den letzten Buchseiten kommt Spannung auf, als der Handlungsstrang von der Autorin mehr und mehr zurück in die Gegenwart geführt wird, zum Verbrechen. Ich kann mich nur der Meinung von "bee" anschließen: mehr als lauwarme Kost, und KEIN Psychothriller!

Gruß Marc