Vater. Mörder. Kind

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Rom: E/=, 2012, Titel: 'La notte alle mie spalle', Seiten: 253, Originalsprache
  • München: Bertelsmann, 2013, Seiten: 301, Übersetzt: Anja Natterfort

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Jörg Kijanski
Wie aus einem Vater ein Monster wird

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2013

Um eines direkt klar zu sagen: Vater. Mörder. Kind. ist kein (!) Krimi, sondern ein Psychogramm eines Mannes, der von einem (normalen) Familienvater zum Mörder seiner Frau wird, um dann – zehn Jahre später – um seine Tochter zu kämpfen.

Furio Guerri stammt aus recht einfachen Verhältnissen und entdeckt schon zu Schulzeiten seine große Liebe, Elisa Domini. Diese wird vor allem von ihren männlichen Mitschülern aufgrund ihres Aussehens zwar heimlich angehimmelt, doch wirklich ernst nimmt sie niemand, wird sie doch gemeinhin als "die hirnlose Domini" verspottet. Furio erkämpft sich, wie sich später herausstellt auf recht hinterhältige Weise, Elisas Vertrauen, da er auf ihrer Abiturfeier als einziger Mitschüler erscheint. Es kommt zur Hochzeit. Furio macht Karriere als Vertreter bei einer Druckerei, nimmt mit einer Hypothek auf sein Gehalt ein langjähriges Darlehen auf und kauft sich und seiner Frau ein großes Haus. Die kleine Caterina wird geboren und macht die Bilderbuchfamilie komplett. Alles wäre eigentlich bestens, doch es kommt anders. Die Auftragslage bei seinem Arbeitgeber verschlechtert sich genauso wie die Zahlungsmoral wichtiger Kunden, zudem zermürbt das tägliche Klinkenputzen Furio mehr und mehr. Als ihm dann auch noch von seinem Chef aufgetragen wird, den Umsatz um monatlich zwanzig Prozent zu steigern, verliert er zunehmend die Kontrolle über sein Leben. Er hetzt mehr denn je von Termin zu Termin, vernachlässigt die Familie zunehmend und so sehnt sich Elisa, der zuhause die Decke auf den Kopf fällt, nach mehr Selbstverwirklichung. Als Furio sie dabei erwischt, wie sie statt zu einem Kartenspielabend mit ihrer besten Freundin in Wirklichkeit an einem Tanzabend in einem Hotel teilnimmt, kommt es erstmals zu einem heftigen Streit. Als Elisa dann sogar einen Job annimmt und ebenfalls durch längere Abwesenheiten von zuhause glänzt, kommt es immer häufiger zu deftigen Streitereien, bis die Situation schließlich eskaliert.

 

"An dem Tag, als ich Elisa kennen lernte, habe ich angefangen, sie zu töten."

 

Zehn Jahre später. Furio saß im Gefängnis und sehnt sich nun nach seiner Tochter, der einzigen Person, die ihm noch geblieben ist. Doch ein direkter Kontakt scheint unmöglich und so schmiedet er einen perfiden Plan, um sich ihr zu nähern. Es gelingt ihm zunächst, intimen Kontakt zu Laura, einer Unterstützungslehrerin aufzunehmen und durch das heimliche Kopieren ihrer Computerdateien auf einen Zugangscode zu Caterina zu stoßen. Diese bietet unter dem Namen "Shaina" auf einer Webseite namens "Peek-a-babe" Fotos von sich an. Zudem hat sie in der Schule erhebliche Probleme, da sie nach dem dramatischen Scheitern der elterlichen Beziehung bei Onkel und Tante aufwächst, die sie beide verachten – was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht. Furio, der sich inzwischen nur noch als Monster bezeichnet, will ein letztes Mal kämpfen; um seine Caterina…

Wie schon in Camorrista entpuppt sich Giampaolo Simi erneut als großer Autor mit dem Hang zu außergewöhnlichen Erzählperspektiven. So erleben wir in Vater. Mörder. Kind. den eingangs skizzierten Handlungsaufbau in zwei sich abwechselnden Erzählsträngen. Da ist zum einen das Familienleben von Furio, Elisa und Caterina, das unaufhaltsam in eine Katastrophe mündet und auf der anderen Seite der entlassene Mörder, der um seine Tochter kämpft, ohne ihr nahe sein zu dürfen. Minutiös und mit chirurgischer Präzision seziert der Autor die gutbürgerliche Fassade, um sie sogleich schonungslos zu entlarven und zum Einsturz zu bringen.

Furio will nur ein glückliches Familienleben, welches ihm in seiner Kindheit weitgehend versagt blieb. Doch in seinem Übereifer, dem beruflichen und familiären Erfolg alles unterzuordnen und es dabei gleichzeitig allen recht zu machen, verliert er ein ums andere Mal die Nerven und sucht die Schuld grundsätzlich bei Anderen. Gleichzeitig ist er unfähig, die Bedürfnisse seiner Frau zu erkennen, geschweige denn, auf diese einzugehen.

 

"Furio", ruft sie ihm hinterher, als du schon auf dem Weg in dein Büro im Souterrain bist. Wieder das Alarmsignal deines Vornamens. "Sollten wir nicht mal miteinander reden?"
"Worüber?"
"Keine Ahnung, über alles Mögliche."
"Alles Mögliche?", sagst du. "Ich weiß nicht. Ich muss jetzt meinen Monatsabschluss schreiben. Vielleicht später."

 

Vater. Mörder. Kind. liefert einen beängstigenden Einblick in eine trügerische Idylle und zeigt exemplarisch auf, wie schnell die Oberfläche zerbersten kann. Scheinheiligkeit, Oberflächlichkeit, Ignoranz und Selbstüberschätzung sind nur einige der Ingredienzien, die eine vermeintlich funktionierende Familie unaufhaltsam in den Abgrund stürzen. Ein beklemmendes Psychogramm, das einen von Anfang an in seinen Bann zieht. Wie eingangs erwähnt, ist dieser Roman kein Krimi, aber eine spannende, schonungslose Lektüre, die einen noch lange nach der letzten Seite beschäftigt.

Vater. Mörder. Kind

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