Intrige

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Hannes Jaennicke

Couch-Wertung:

85°
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Marcel Feige
Die keine Grenzen kennen ...

Rezension von Marcel Feige Jun 2013

Der Roman hat alles das, was ein guter Thriller braucht: einen sympathischen Helden, der nicht frei von jeglicher Schuld ist, aber bereit, sich zu verändern. Dazu eine beschwingt, fast schon amüsant beginnende Geschichte, in der mit jeder neuen Seite, die man aufschlägt, der Nervenkitzel steigt. Wäre da nicht auch die Beklemmung, die man zunehmend verspürt, bis man - etwa zur Mitte des Buchs hin - dieses am liebsten zuklappen, beiseite legen und nie wieder zur Hand nehmen möchte.

Denn die Intrige, die Robert Harris mit gewissenhaft recherchierter Akribie spinnt, ist nicht nur einer wahren Affäre nacherzählt, sie ist immer noch brandaktuell.

Man ersetze nur das Jahr 1894 durch das Jahr 2013, die Republik Frankreich durch die Vereinigten Staaten von Amerika, die Statistik-Abteilung durch die NSA, den Oberleutenant Piquart durch Edward Snowden – und aus dem Geschichtsdrama wird eine erschreckende ... Ja, was eigentlich?

Der Reihe nach.

Im Krieg 1870/71 schlägt die deutsche Armee Frankreich und besetzt Elsass-Lothringen. Das angespannte Verhältnis beider Staaten wird einer neuerlichen Zerreißprobe unterworfen, als 1894 der französische Hauptmann Alfred Dreyfus als Spion enttarnt wird.

Dreyfus hat dem deutschen Militärattaché in Paris zwar keine bedeutsamen Informationen, so aber doch vertrauliche, die Landesverteidigung betreffende Dokumente ausgehändigt. Ein Militärgericht verurteilt ihn nach einem spektakulären Prozess zur Deportation.

Einen Teil zur Verurteilung des Hochverräters hat Major Marie-Georges Picquart beigetragen, auch im Auftrag seiner Vorgesetzten, dem Chef der Statistik-Abteilung, dem Chef des Generalstabs und nicht zuletzt im Auftrag des Kriegsministers.

Zum Dank befördern sie ihn wenig später zum Chef der Statistik-Abteilung, dem französische Geheimdienst. Je mehr er sich allerdings mit seiner Arbeit vertraut macht, umso mehr kommen ihm Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Dreyfus-Verfahrens – und an den Beweisen, die seine Chefs aufgeboten haben gegen den inzwischen zur lebenslänglichen Haft auf der Teufelsinsel Verbannten.

Worum ging es den Generälen und Ministern tatsächlich? Um einen Hochverrat? Um die Abwendung von Gefahr durch Spione, Verräter und - Achtung, aufgepasst! - Terroristen«? Um den Erhalt der eigenen Macht? Und damit um die Legitimation ihrer geheimdienstlichen Arbeit, die längst keine Grenzen mehr kennt?

Picquarts erschreckende Erkenntnis, die ihn schließlich seine eigene Arbeit in Frage stellen und deshalb Wege beschreiten lässt, die ihn selbst fast Kopf und Kragen kosten:

 

Es gibt keine Geheimnisse mehr – keine richtigen, nicht in der modernen Welt, nicht seit es Fotografien, Telegrafien, Eisenbahnen und Zeitungspressen gibt. Die alten Zeiten, in denen sich ein innerer Kreis Gleichgesinnter mittels Pergamentpapier und Federiel untereinander austauschte, sind vorbei. Früher oder später kommt alles ans Licht.

 

Bleibt die Frage, was schlimmer ist: Das Wissen, dass schon vor mehr als 100 Jahren die entfesselten Geheimdienste bis ins Intimste der Menschen vorgedrungen sind? Oder die Erkenntnis, dass sich seitdem nichts daran geändert hat?

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