Das Rachespiel

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2014, Seiten: 384, Originalsprache

Couch-Wertung:

75°
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Andreas Kurth
Showdown im Bunker unter der Eifel

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2013

Viele Jahre liegt es zurück, dass Frank Geissler so etwas wie der Anführer einer Jugendbande war. Diese vergessen geglaubte Vergangenheit scheint ihn einzuholen, als er mit einer rätselhaften Aufgabe konfrontiert wird, die zunächst Belustigung, später aber Entsetzen bei ihm auslöst. Die von ihm zu lösende Aufgabe ignoriert er, wie seine zu diesem Zeitpunkt unbekannten Mitspieler ebenfalls. Daraufhin wird ihm eine Videosequenz zugespielt, auf der zu sehen ist, wie ein gefesselter Mann bei lebendigem Leibe von Ratten aufgefressen wird. Frank nimmt Kontakt zu seinen damaligen Mitstreitern auf – sie haben das gleiche Material bekommen. Das Quartett findet sich schließlich in einem Atombunker aus den Zeiten des Kalten Krieges wieder, wo sie verschiedene skurrile Aufgabe lösen sollen, um ihr eigenes Überleben und das ihrer Familien zu sichern. Ein tödliches Spiel mit ungewissem Ausgang beginnt.

Höchst unterschiedliche Charaktere

Der Titel des neuen Romans von Arno Strobel verrät früh, worum es hier geht. Aber obwohl schnell klar ist, dass Ereignisse aus der Vergangenheit für das grausame Spiel im dunklen Kerker die Ursache sind, sorgen die Dialoge der Protagonisten dafür, dass nur scheibchenweise die verhängnisvolle Aktion der damaligen Jugendbande rekonstruiert wird. Geschickt stellt Arno Strobel die höchst unterschiedlichen Charaktere der vier Eingeschlossenen dar. Frank selbst war einst der Anführer der vier 13-Jährigen. Inzwischen hat er Frau und Kind – und eine erfolgreiche Softwarefirma. Er ist nachdenklich, zuweilen ängstlich wie die anderen, mit zunehmender Dauer des Dramas aber wild entschlossen. Er entdeckt bei sich selbst Charakterzüge, die ihm eher fremd sind, sich aber immer mehr auszuprägen scheinen.

Manuela hat ebenfalls ein Kind, für das sie alles tun würde. Als einzige weibliche Person ist sie ebenfalls überaus ängstlich, hat mehr Probleme als alle anderen mit den Ratten im Bunker und sorgt für die nachdenklichen Momente in der Geschichte. Jens ist der klassische Opportunist, der sein Fähnchen mehrfach nach dem Wind hängt und wechselnde Koalitionen eingeht – sofern es ihm möglich ist. Torsten ist der klassische Rüpel, sehr zur Überraschung der anderen, die ihn aus ihrer Jugendzeit anders in Erinnerung haben. Er verbreitet zeitweise Angst und Schrecken in der Gruppe, und bis zum Finale ist nicht klar, wie weit er gehen wird, um sich und seine Familie zu retten.

Strobel schreibt auf den Punkt

Die zahlreichen Rückblicke in die Vergangenheit sorgen stets für neue Erkenntnisse beim Leser und erhöhen so auch die Spannung. Bei den gerne am Kapitelende verwendeten Cliffhangern ist stets unklar, ob sich die Situation verschärft oder entspannt. In psychologischer Hinsicht zieht Arno Strobel bildlich gesprochen die Schraube immer weiter an – ohne dabei zu überdrehen. Dabei kommt ihm sein klarer, prägnanter Schreibstil zu Gute. Die ziemlich authentisch gestalteten Protagonisten sorgen für eine gut nachvollziehbare Handlung, und der völlige Verzicht auf unwichtige Nebenfiguren macht die ganze Geschichte angenehm lesbar. Strobel schreibt auf den Punkt, das Buch hat keine Längen und ist kurzweilig und unterhaltsam.

Dazu trägt bei, dass Arno Strobel mit einigen Ängsten spielt, die bei vielen Menschen unter der Oberfläche lauern dürften. Die Angst vor der Dunkelheit, vor dem Ungewissen, vor den allgegenwärtigen Ratten – und die Angst um die Familie und das eigene Leben. Die Beschreibung der Situation im Bunker, einschließlich der zunehmenden Spannungen und des gegenseitigen Misstrauens, ist für den Leser gut nachvollziehbar. Die Rückblicke in die Vergangenheit werden dosiert eingesetzt, bis zum Finale, wo ein längerer Abschnitt für die endgültige Aufklärung sorgt. Das Finale ist für mich dann durchaus noch überraschend ausgefallen. Ein lesenswerter, erfrischend kurzer Thriller.

Das Rachespiel

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