Trübe Wasser in Tokio

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • -: ?, 1968, Titel: 'Fukai Shissoku', Seiten: 199, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 1998, Seiten: 156, Übersetzt: Bettina Thienhaus
  • Zürich: Unionsverlag, 2003, Seiten: 155

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Wolfgang Weninger
Fremde Atmosphäre, kurzweilige und rasant 'geschnittene' Handlung - lebt aber von der Dekadenz und den Extremen

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Sep 2003

Ein Krimi ohne Leiche? Zumindest glaubt dies Dr. Uemura. Dem jungen Psychiater der Tokioter Universitätsklinik wird von der Polizei ein Student namens Akio Tanno überantwortet. Dieser behauptet steif und fest mit einem Gewehr in einer großen Schachtel in das Appartement von Frau Owada eingedrungen zu sein, und diese erst vergewaltigt und dann erschossen zu haben. An viel mehr kann sich Akio nicht erinnern, also bleibt dem siebenundzwanzigjährigen Seelenklempner nichts Anderes übrig, als die Leiche in ihrer Wohnung aufzusuchen. Doch die vermeintliche Leiche öffnet ihm höchstpersönlich und in der Blüte ihres Lebens. Von einer Vergewaltigung ihres Luxuskörpers weiß die attraktive Dame, die mit einem Flugkapitän verheiratet ist, erst recht nichts.

Der Flugkapitän Owada hat Dr. Uemura eigenhändig auf seine Frau angesetzt, während er selbst viel lieber einer bildhübschen Stewardess ins Hotelzimmer folgt, die ihrerseits einen Seitenblick auf Dr. Uemura wirft. Doch der ist auf der Suche nach einer Frau namens Fumiko, die offensichtlich in seinem Patienten eine psychische Blockade aufgebaut hat. Mit Ausdauer und Glück findet er dieses weibliche Wesen, während sein Patient unerlaubt die Klinik verlässt. Diese Fumiko, ebenfalls Studentin, ist eine ziemlich ausgeflippte Person, die sich gerne mit Bier und Schlaftabletten antörnt, auf exklusiven Fummelparties ihre Spielchen treibt und in Wirklichkeit auch gar nicht Fumiko heißt. Es muss also noch jemand mit diesem Namen geben.

Während Dr. Uemura zusehends und mit größter Beherrschung den Lockungen sämtlicher vorkommender Damen verfällt, natürlich nur zwecks Klärung des Falles, schwimmt Akio Tanno auf dem Grund des von Wasserlinsen getrübten Swimming Pools vor Frau Owadas Haus als Leiche herum. Und jetzt ist Heulen und Zähneknirschen angesagt, denn auch Frau Owadas liebender und fremdgehender Ehegespons baut mit einem Flugzeug eine von ihm selbst prophezeite Bruchlandung, bei der nicht nur er das Zeitliche segnet.

Irgendwo muss doch diese verdammte Fumiko sein, die Dr. Uemura unter beherztem Einsatz seines Köpfchens und seiner Lenden sucht und die hoffentlich die tödlichen Vorfälle und das seltsame Geständnis von Akio Tanno auf- und erklären kann.

Die Tokioterin Masako Togawa hat schon 1976 ihren Kriminalroman "Fukai shissoku" geschrieben, der erstmals 1998 als Trübe Wasser in Tokio erschienen ist und jetzt im Unionsverlag als Taschenbuch 252 seinen Weg zu uns gefunden hat.

Wenn das Wasser im Swimmungpool eines Nobelappartementhauses (mit Portier!) so richtig schön verdreckt ist, dass Wasserlinsen nicht nur den Blick zum Grund des Pools trüben und man so nebenbei über die Feuerleiter gemächlich bis in den sechsten Stock spazieren kann, klingt dies schon einigermaßen unglaubwürdig. Wenn einen attraktiven, jungen Arzt darüber hinaus jede Frau binnen kürzester Zeit zum Stellungsspiel überreden will, frisst mich zwar beim Lesen der Neid, aber auch hier wurde der Plot für mich reichlich überzogen. Die Personen in diesem Roman haben grundsätzlich alle einen so handfesten Tick, dass sie ein ganzes Sanatorium psychisch geschädigter Menschen abgeben könnten.

Dementsprechend wirkt dieses Buch weniger wie ein Krimi, sondern eher als eine Persiflage, wenn ich nur wüsste, was dabei auf die Schippe genommen wurde. Dass Herr Freud bei den Psychoanalysen seine helle Freude gehabt hätte, möchte ich dahin gestellt lassen, aber Frau Togawa hat ihre Seelenstripambitionen wacker ausgelebt und dabei offenbar aus dem Handbuch "Psychologie für Anfänger" einige Fallbeispiele geklaut.

Dieser Krimi war also höchst amüsant. Ob dies beabsichtigt war, wage ich zu bezweifeln. Überraschende Wendungen und eine an den Haaren herbei gezogene Erklärung beenden diesen Roman, bei dem sich der Nicht-Japan-Kenner fragen muss: "Spinnen die Japaner wirklich so extrem oder ist mit Frau Togawa die Fantasie durchgegangen?".

Am Schreibstil bzw. der Übersetzung lässt sich jedenfalls nicht meckern. Dr. Uemuras Detektivambitionen kann man mühelos in einem Atemzug lesen, ohne dabei durch übertriebene Namensvielfalt gestört zu werden. Die wenigen Personen sind trefflich geschildert (vor allem die Damen) und vor meinem geistigen Auge wirkt dieser Roman wie ein sehr prosaisches Manga.

Soll man dieses Buch also nun empfehlen? Ein klares Jein! Zum einen lockt die fremde Atmosphäre und die kurzweilige und rasant "geschnittene" Handlung, zum Anderen ist es ein Krimi, der nicht so sehr vom Detektivspiel, als von Dekadenz und Extremen lebt. Langweilig ist das Buch sicherlich nicht, in die Sparte "gehobene Kriminalliteratur" würde ich sie allerdings auch nicht einreihen. Bleibt nur die Überlegung, ob man dafür € 8,90 ausgeben will?

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