Dead Cat Bounce

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • : Razorbill, 2012, Titel: 'Dead Cat Bounce', Seiten: 352, Originalsprache
  • Bindlach: Script 5, 2013, Seiten: 350, Übersetzt: Bea Reiter

Couch-Wertung:

82°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:93
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":1,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jürgen Priester
Ihre Gier ist grenzenlos

Buch-Rezension von Jürgen Priester Apr 2013

 

"Übrigens ist Gier in Ordnung. Ich will, dass ihr das wisst. Ich denke, Gier ist gesund. Man kann gierig sein und dennoch mit sich im Reinen."

 

So wird der Wallstreet-Millionär Ivan Boesky aus einem Vortrag zitiert. Boesky war mit anderen realen Wallstreet-Brokern Vorbild für die Figur des "Gordon Gekko" in Oliver Stones Filmklassiker "Wallstreet" aus dem Jahre 1987. Einige Figuren und Konstellationen in Nic Bennetts Debütroman Dead Cat Bounce erinnern an Stones Film, das liegt aber hauptsächlich daran, dass sie für das Milieu idealtypisch sind. Autor Nic Bennett, der früher selbst als Börsenmakler tätig war, weiß eigene Akzente zu setzen und überzeugt mit einer einfach gestrickten, spannenden, im zweiten Teil auch sehr temporeichen Story.

Der englische wie auch der deutsche Titel Dead Cat Bounce geht auf einen festen Begriff in der Börsensprache zurück. Mit "Dead Cat Bounce" bezeichnet man das letzte Aufbäumen eines abgestürzten Aktienkurses. Ein Phänomen, das nicht willkürlich auftritt, sondern von interessierter Seite ganz bewusst inszeniert wird, um kurz vor dem endgültigen Aus einer Aktie oder eines Aktienpaketes noch einmal schnell Kasse zu machen, zählt aber zu der harmloseren Art der Geldschneiderei. Gleichwohl darf man grundsätzlich nicht vergessen, wo und wie auch immer Gewinne generiert werden, es gibt stets eine andere Seite, die dafür zahlen muss.

Dotcom-Blase ’ Immobilien-Blase ’ Finanz- und Bankenkrise ’ Schuldenkrise seit Beginn des neuen Jahrtausends reiht sich eine Katastrophe an die andere und sie resultieren aus einander. Hauptursächlich für diese Erscheinungen sind einerseits die extraorbitante Verschuldung fast aller Staatshaushalte und andererseits die unkontrollierte Spekulation an den Börsen. Mit Grausen möchte man sich am liebsten abwenden, aber es geht uns alle an. Ganz gleich mit welch schönen Euphemismen die Rettungsmaßnahmen verbrämt werden, als ultima ratio muss das Volk die Zeche zahlen.

Hier ist nicht der Ort, den ganzen Themenkomplex zu vertiefen oder sich über die Tatenlosigkeit und mangelnde Neutralität gewählter Volksvertreter zu echauffieren. Aber wäre es nicht ein Leichtes (Naheliegendes), dem anti-sozialen Gezocke an den Börsen per Gesetz ein Ende zu setzen. An den hochbrisanten Spekulationsgeschäften mittels einer Finanztransaktionssteuer partizipieren zu wollen, wirkt wie blanker Hohn.

Nic Bennett beschreibt in Dead Cat Bounce die Skrupellosigkeit und Weltfremdheit eines elitären Clübchens junger Finanzjongleure, deren Erfolg es ihnen erlaubt, Millionen-Beträge hin und her zu schieben. Ihr Handeln ist frei von moralischen Bedenken, geprägt von ihrer Gier nach Geld und Anerkennung. Und wenn tatsächlich mal etwas schief läuft, haben sie keine Skrupel, es jemand anderem in die Schuhe zu schieben. In der Zuspitzung eines Romans werden auch Leichen ihren Ausweg pflastern.

Jonah Lightbody, der jugendliche Held der Geschichte, ist gerade mal zwölf, als er dem Club der sogenannten Überflieger zum ersten Mal begegnet. Der Arbeitgeber seines Vaters David, das Bankhaus Helsby, Cattermole & Partners in der Londoner City, hat zum "Boys and Girls Day" geladen. Jonah ist es gelungen, seinen reservierten Vater zu überreden, ihn mit auf die Arbeit zu nehmen. Das Verhältnis von Vater und Sohn ist nicht das innigste. David hatte 3 Jahre zuvor ein berufliches Debakel erlitten, woraufhin seine Frau (Jonahs Mutter) sich in die USA absetzte. Seit dem ist er wortkarg und in sich gekehrt, was dem aufgeweckten Jonah sehr missfällt. Auch am "Tag der Offenen Tür" in der Bank wird es dem Jungen mit seinem Vater schnell langweilig. Deshalb ist er auch sofort fasziniert von einem Kollegen seines Vaters, der mit Spitznamen der (rote) Baron genannt wird und über dessen Schreibtisch in einer anderen Abteilung Modelle von Kampfflugzeugen gespannt sind. Dort darf Jonah sogar am "Business" teilhaben und für die Crew um den "Baron" Daten eingeben. Der Baron erkennt das mathematische Talent des Jungen und schwingt sich als sein heimlicher Mentor auf. Er begleitet den schulischen Werdegang seines Eleven und richtet ihm ein gewinnbringendes Aktien-Portefeuille ein. Als Jonah seine Ausbildung beendet hat, fängt er ganz selbstverständlich als Assistent in der Abteilung des Barons an.

In der Bank hat sich einiges geändert. Das Auf und Ab des Marktes hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Der Umgangston scheint rauer geworden zu sein. Sympathische Mitarbeiter haben sich anderweitig orientiert, geblieben sind nur die Härtesten. Der Baron plant einen großen Coup, bei dem er auf Insiderinformationen aus der US-amerikanischen Zentralbank angewiesen ist. Als der Deal platzt, dringt der Baron in das bankinterne Computernetzwerk ein und kann die verlustbringende Order im PC von Jonahs Vater unterbringen. Das Intrigenspiel des Barons bringt Vater und Sohn wieder zusammen. Nur Jonah ist in der Lage, die Unschuld des Vaters zu beweisen.

Dead Cat Bounce ist in Deutschland bei script5, dem Verlag für junge Belletristik erschienen. In seiner Gesamtheit kann man ihn als All-Age-Roman bezeichnen, wobei der erste Teil, der Jonah als 12-Jährigen vorstellt, sich an ein jüngeres Publikum wendet. Dem ergrauten Rezensenten war dieser Abschnitt dann doch zu schlicht, aber vor allem zu ausladend. Vermutlich hat sich hier der Autor von autobiographische Reminiszenzen hinreißen lassen. Bennett nutzt diese Sequenz zwar auch, um Begriffe und Vorgänge in einer Investmentbank mit verständlichen Worten zu skizzieren. Das ist für alle Nicht-Börsianer schon interessant, aber nicht sonderlich spannend.

Dafür entschädigt dann der zweite Teil der Erzählung mit einer actiongeladenen Jagd von London über Amsterdam bis in die Ödnis Namibias, wo es zu einem Showdown kommt, der eine Fortsetzung schon erahnen lässt.

Romane wie Dead Cat Bounce verbinden spannende Unterhaltung, hier besonders auch für Jugendliche, mit einem brandaktuellen Thema der Weltpolitik. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten bestimmen nicht nur die Schlagzeilen, sondern, was viel schwerwiegender ist, unser Leben. Immer mehr Insider, ob sie nun freiwillig ausgestiegen sind oder dazu gezwungen wurden, melden sich zu Wort, sprechen Klartext oder nutzen den Roman, um für diese Gefahr zu sensibilisieren. Nic Bennett ist hervorragend gelungen, den Hasardeuren auf dem Börsenparkett, in Handelshäusern und Banken, die mit der Zukunft der Menschheit zocken, die Maske vom Gesicht zu reißen. Die Fratze, die zum Vorschein kommt, ist die der Gier.

Dead Cat Bounce

Dead Cat Bounce

Deine Meinung zu »Dead Cat Bounce«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.