Der Verstoß

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Padua: Meridiano Zero, 2008, Titel: 'Aqua storta', Seiten: 125, Originalsprache
  • Berlin: Pulp Master, 2012, Übersetzt: Klaudia Ladurner

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Jochen König
Each Man Kills The Things He Loves

Buch-Rezension von Jochen König Jan 2013

Giovanni ist ein treuer Sohn und loyaler Gefolgsmann. Giovanni erledigt die Dinge, die man ihm aufträgt. Ob er den Warenwirtschaftsweg kontrolliert, eine Frau heiratet, um einen Familienstreit zu schlichten oder tötet. Giovanni möchte Karriere machen, doch vor allem versucht er seinem Vater keine Schande bereiten. Don Antonio ist ein hohes Tier der neapolitanischen Camorra und Giovanni ist in seinen Fußstapfen unterwegs. Wegen des Geldes, wegen des Respekts und weil er ein perfektes Produkt seiner Erziehung ist. Giovanni hat nur ein Problem: Er ist schwul. Keine Option innerhalb der Gesellschaft, die sich selbst "ehrenwert" nennt. Das wissen wir nicht erst seit der TV-Serie "Die Sopranos", in der der Capo Vito Spatafore (verheiratet, zwei Kinder), der seine Neigung im Verlauf der Serie auslebte, auf brutale und demütigende Weise exekutiert wird.

Deshalb pflastern nicht nur die Leichen von säumigen Schuldner und lästigen Geschäftskonkurrenten Giovannis Weg, sondern auch die der Männer, die um seine Homosexualität wissen. Mit denen er Zeit verbrachte, Zärtlichkeiten austauschte und Sex hatte. Doch eine Enttarnung, ein Coming Out sitzt nicht drin. Deshalb: Todesurteil. Doch dann verliebt sich Giovanni in Salvatore. Und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Lediglich 79 Seiten umfasst Der Verstoß. Dazu gesellt sich noch das 32-seitige Essay "Der schwule Mafioso: Zur Konstruktion und Dekonstruktion von Männlichkeit in Carrinos Roman Acqua Storta – Der Verstoß".

Carrino glingt auf so präzise wie scharfzüngige Weise das Psychogramm eines Mannes, der bereits tot ist, dies zumindest ahnt und verzweifelt dagegen ankämpft. Der sich den Regeln eines verlogenen Gesellschaftskonstrukts beugt, die er seltsamerweise akzeptiert, obwohl sie seinem ganzen Wünschen und Wollen zuwiderlaufen. Was zu dem perversen Ergebnis führt, dass es einfacher scheint, Menschenleben auszulöschen als nach Alternativen für das eigene (Über)leben Ausschau zu halten.

Carrino lässt seinen Erzähler davon berichten, knapp und mit scharfer Wahrnehmungsgabe, die allerdings ohne Konsequenz bleibt. Lediglich zu einer leichten Verwunderung führt, wie seltsam einem das Leben doch mitspielen kann. Oder den Tod bringt. Als Selbstverständlichkeit. Giovanni sieht sich nicht als Opfer, er ist ein Macher, der sehenden Auges die selbst ernannten Grenzen einer Organisation des Verbrechens überschreitet, die wahrhaft glaubt, im Konsens mit der Bibel zu leben. Schulterzuckend ist er an seinem Zerreißpunkt sogar bereit, den Preis dafür zu bezahlen. Doch erst nachdem er zahlreiche Leben, Beziehungen und Hoffnungen getötet hat.

Es ist nichts weniger als das Ende der Menschlichkeit, das in geschlossenen Systemen wie der Camorra propagiert und gelebt wird. L.R. Carrino führt das auf so lapidare wie erschütternde Weise vor, garniert mit finsterem, todtraurigem Humor. Keine moralische Keule, kein schmandiges Bedauern über den verwerflichen Zustand der Gesellschaft. Sondern ein Genrestück mit Biss und Verstand. Ein Kriegsbericht über die sogenannte ehrenwerte Gesellschaft, die vieles ist und besitzt – aber keine Ehre.

Brillanter Roman. Trotz oder gerade wegen seiner 79 Seiten. Martin Scorsese würde einen Film daraus machen, der länger dauert als das Lesen des Buches samt Nachwort. Dürfte spannend werden. Jemand sollte ihn mal darauf aufmerksam machen.

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