Killer

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Serpent´s Tail, 2010, Titel: 'Killer', Seiten: 214, Originalsprache
  • Berlin: Pulp Master, 2014, Seiten: 262, Übersetzt: Ango Laina und Angelika Müller

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Thomas Kürten
Handel mit der Justiz

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jan 2013

 

"Ich mache Dir ein Angebot, das Du nicht ablehnen kannst."

 

Wer diesen Satz kennt, weiß dass wir uns auf dem Terrain der Mafia bewegen. Leonard March war ein Handlanger der Mafia, hat für den Gangsterboss von Chicago gearbeitet. Als er nach Jahren geschnappt und wegen Schutzgelderpressung, Menschenhandel, Prostitution und versuchtem Mord angeklagt wird, droht ihm eine Haftstrafe von 30 Jahren. March ist 48 Jahre alt und will nicht den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen und schickt deshalb seinen Verteidiger mit einem Deal zum Staatsanwalt, den dieser nicht ablehnen will:

 

"Und wenn ich denen Salvatore Lombard liefere?"

 

Der Staatsanwalt bietet March an, seine Haftstrafe auf 14 Jahre zu verkürzen, falls man Lombard wirklich fassen und seinen Verbrechen überführen kann. Aber March will noch mehr: Da er fürchtet, Lombard könne ihn wiederum mit anderen Verbrechen belasten, fordert March absolute Straffreiheit für alle weiteren Verbrechen. 14 Jahre ist er bereit ins Gefängnis zu gehen, keinen Tag mehr.

Ob das ein guter Deal war, darf der Leser von Dave Zeltsermans Killer gern selbst beurteilen, denn Leonard March gesteht dem Staatsanwalt daraufhin 28 Auftragsmorde, die er für Lombard erledigt hat. March tritt seine Haftstrafe an und ist seitdem jeden Tag auf der Hut. Er fürchtet, dass Lombard seine Männer im Gefängnis hat und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hat. Kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis sickert dann jedoch der ungeheuerliche Handel mit der Justiz an die Presse durch und die Öffentlichkeit reagiert empört. March darf sich darauf einstellen, dass er keine ruhige Minute in Freiheit haben wird.

Zeltserman schildert wie die ersten Stunden, Tage, Wochen in Freiheit für March aussehen. Ein gealterter, geläuterter Killer, der den Weg zurück in ein "normales" Leben sucht. Doch schnell ist klar, dass es sowas wie Freiheit für ihn nicht mehr geben kann. Dadurch dass sein Gesicht und sein Name in der Presse verbreitet wurde, ist er eine Person des öffentlichen Lebens geworden. Er wird auf der Straße erkannt. Die Menschen reagieren mit Schrecken und Abscheu auf ihn. Oder aber wollen Profit aus seiner Biografie schlagen, biedern sich als Ghostwriter an oder wollen Exklusivinterviews. So wird aus dem Kriminalroman schnell eine Gesellschaftsstudie: Wie kann sich ein Berufskiller resozialisieren, wenn sein Umfeld so sehr über seine Gräueltaten im Bilde ist? Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand. Eigentlich...

Parallel dazu entwickelt Zeltserman eine Charakterstudie des Leonard March. In jedem zweiten Kapitel beschreibt er, wie die Mafia zunächst auf den Kleinkriminellen aufmerksam wurde, wie der sich als kaltblütiger Killer empfahl und verlässlich seine Aufträge erledigt. Er beschreibt die Opfer des Killers, allesamt keine Unschuldslämmer. Unter ihnen sind andere Killer, Kinderschänder, Verräter und andere Gangster, die das Vertrauen Lombards verloren haben. March muss seinen Job vor seiner Familie – Frau und drei Kinder – geheim halten. Die Angst, dass seine Kinder den Duft des Todes an ihm riechen könnten, steigert sich. Der Autor beschreibt, wie sein Protagonist sich langsam in eine Psychose steigert, er zunehmend Fehler macht, sich gleichzeitig aber immer mehr das Vertrauen des Mafiabosses erwirbt. Wie findet sich dieser Charakter nach 14 Jahren Gefängnis wieder im Leben zurecht? Was ist eigentlich normal für einen Menschen, der vor seiner Gefängnisstrafe eigentlich nur gemordet hat? Wer ist eigentlich Leonard March?

Zeltserman steuert mit beiden Handlungssträngen unweigerlich auf den Höhepunkt zu, einem furiosen Finale. Bis dahin leistet er sich auf 260 Seiten nicht einen einzigen kleinen Schwächemoment. Die Geschichte vom Killer Lenny March fesselt, und auch wenn er gerade nur in seinem neuen Job die Toiletten putzt oder einen Kaffee trinkt. Genau hier liegt die Stärke in der Erzählung des amerikanischen Autors: Er baut schon auf der ersten Seite mit der Bemerkung, March könnte schon seinen nächsten Geburtstag nicht mehr erleben, wenn er Lombard an Messer liefere, eine ständig lauernde, unterschwellige Gefahr für seinen Protagonisten auf, die ihm in jeder Sekunde seines Alltags begegnen kann. Dass er inzwischen bereits 14 weitere Geburtstage feiern konnte, läßt ahnen, wie nahe er seinem Rendezvous mit dem Schicksal ist. Das – und genau das – ist der Grundton von Killer und dieser Grundton ist gut.

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